Spekulanten - Bashing....

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...ist so schön einfach, meint Konrad Hummler:

Wenn es eine Prognose gibt, deren Eintreffen sozusagen todsicher ist, dann diese: dass nach einer krisenhaften Entwicklung an den Finanzmärkten die sogenannten Spekulanten die Schuld kriegen.

Nachdem die Griechenlandkrise die Brüchigkeit der Konzepte und Strukturen im Euro-Land aufgezeigt hat, machen sich nur ganz wenige auf,um die wirklichen (und für jeden korrekt ausgebildeten Ökonomen evidenten) Defekte zu eruieren und zu benennen.

Vielmehr findet das altbewährte Spekulanten-Bashing statt. Frau Merkel fordert ein Verbot der Spekulation à la Baisse für Credit Default Swaps. Was für ein Unsinn!

Denn erstens ist ja nicht so eindeutig, ob man Spekulation à la Hausse und à la Baisse überhaupt unterscheiden kann. Wer nämlich zum Beispiel heute Griechenland-Bonds kauft (zum Glück für Griechenland und Euro-Land gibt es solche Spekulanten!), der rechnet gegebenenfalls mit der Rettung der Hellenen. Indirekt spekuliert er damit aber à la Baisse gegen die Solidargemeinschaft der Deutschen, der Holländer und anderen einigermaßen soliden Mitgliedsländer, welche für diese Rettung letztlich aufkommen müssten.

Längst nicht jeder Kauf von CDS ist eine Spekulation à la Baisse, sondern sehr oft eine Absicherung der Marktteilnehmer, die à la Hausse spekuliert haben. Ohne die Möglichkeit zur Absicherung hätten sie zuvor nicht die Bonds gekauft. Im Übrigen entspricht selbst ein Kauf ohne Versicherungshintergrund von CDS nicht nur einer Spekulation à la Baisse, sondern schließt auch die Erwartung ein, dass die Hinterlage, zumeist Cash, werthaltig bleibt.

Zweitens und noch belangreicher: Was auch immer nun konkret mit den schwach-brüstigen Mitgliedsländern geschieht, klar geworden ist: Auch Staaten können pleite-gehen. Will jemand die „Spekulation“ darauf verbieten, will er im Grunde genommen diese Realität verneinen, weil es seinem Weltbild nicht entspricht. Die Denkweise hat einen totalitären Hintergrund. Sie geht zulasten des Individuums und Bürgers, dessen wirtschaftliche Freiheit man rauben möchte.

Was wäre, drittens, der ökonomische Effekt des Verbots von CDS-„Spekulation“? Nur der Einbau einer zusätzlichen Risikoprämie auf Anleihen von Ländern, bei denen ein Finanzierungsproblem erwartet werden könnte. Für welches Land Europas trifft dies aber nicht zu? Ergo: Ein Verbot der CDS-„Spekulation“ hätte höhere Finanzierungskosten für die meisten Staatshaushalte zur Folge. Einmal mehr droht effekthaschende Politik das Gegenteil von dem zu bewirken, was sie zu wollen vorgibt.

Und die Schuldfrage? Kaum jemand in Euro-Land will sich noch der unrealistisch günstigen Konversionsbedingungen erinnern, zu welchen die Währungen marginaler Länder der Einlass in die Euro-Zone gewährt wurde. Nur ganz wenige sehen ein, dass das Regelwerk von Maastricht mehr Schein als Sein bezüglich fiskalischer Disziplinierung der Mitgliedsländer war, jedoch lange die Märkte in der illusionären Sicherheit wiegte, es handle sich dabei umeinen impliziten Beistandspakt.

Seltenheitswert hatten die Mahner, die darauf hinwiesen, dass Maastricht zu einem zinssenkenden Effekt für schmalbrüstige Länder führte – mit entsprechenden Anreizen, sich zusätzlich zu verschulden!

Als Spielverderber galt, wer auf den impliziten Umverteilungsmechanismus zwischen stabilen und weniger stabilen Ländern und auf die strukturelle Brüchigkeit einer so inkohärenten Solidargemeinschaft hinwies. All das wird in den Wind geschlagen. Nein, schuld sind die ach so bösen Spekulanten. Wie einfach.

14:13 16.03.2010
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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