Zombies ante portas

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Angela Merkels Lieblingsprojekt zur Bekämpfung der Krise ist, „die Finanzmärkte transparenter zu machen“: „Kein Produkt, kein Akteur und kein Ort auf der Welt dürfen ohne Transparenz und Regulierung davonkommen“. Diese hehren Ankündigungen stehen allerdings im Widerspruch zu jüngsten Bestrebungen, Bilanzrichtlinien so zu ändern, dass Banken ihre Verluste künftig und auch nachträglich verschleiern können.

Im Kern geht es um die Bewertung der sog. toxischen Wertpapiere, Anleihen, die mit Forderungen besichert sind, deren Werthaltigkeit äußerst fraglich ist. Ein Markt für solche Papiere existiert praktisch nicht mehr, so dass niemand weiß wie diese bilanziert werden sollen. Wenn keine oder nur Tiefstpreise zu erzielen sind müssen sie entsprechend abgeschrieben werden, das belastet das Eigenkapital der Banken und führt dazu, dass ständig frisches Kapital durch Kapitalerhöhungen oder Stützungsmaßnahmen des Staates zugeführt werden muss. Die Dimensionen sind gewaltig, nach neuesten Schätzungen des IWF soll das Abschreibungsvolumen im Finanzsektor weltweit bis zu 4 Billionen $ betragen.

Der amerikanische FASB hat nun im Schatten des G20-Gipfels beschlossen, dass toxische Wertpapiere nicht mehr zum aktuellen Marktwert bewertet werden müssen, sondern nach Gutdünken der Banken bilanziert werden können. Man erlaubt also den Banken, eine Werthaltigkeit auszuweisen, die nicht vorhanden, zumindest nicht nachgewiesen ist. Offenbar um nervtötende Rekapitalisierungsmaßnahmen zu reduzieren verwandelt man einfach die Banken in finanzielle Untote, die grinsend über die Finanzmärkte wanken, grinsend weil sie nun von Quartal zu Quartal Gewinne ausweisen, die eigentlich keine sind, und die wenn schon nicht Angst und Schrecken so zumindest Unbehagen verbreiten, weil niemand sagen kann, wo die Luftbuchungen aufhören und die Substanz anfängt.

Auch die europäische IASB wird dieser Praxis folgen, so ganz neu ist das Konzept Luftbuchung allerdings auch nicht. Schon mit dem Finanzmarktstabilisierungsgesetz vom Oktober 2008 wurden in Deutschland Bilanzregeln so geändert, dass wer pleite ist nicht pleite ist wenn die Fortführung des Unternehmens „nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich ist.“

So erweist sich Merkels Forderung nach mehr Transparenz als ein Aktivum, das wahr und klar bilanziert werden sollte, also am besten gleich auf Null abschreiben.

11:34 09.04.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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