merdeister
04.07.2014 | 18:03 5

Hamers Ideen beim DZVhÄ

Homöopathie Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte hat zwei Gesichter. Hier zeigt er sein hässliches.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied merdeister

Es ist eines der Verdienste Edzard Ernsts seit seiner Emeritierung auf seinem Blog ausdauernd, lesenswert und einen Hauch ironisch über “alternative” Medizin zu berichten. Man hat das Gefühl, die Apologeten der magischen Methoden kommen gar nicht mit Studien hinterher, die er auseinandernehmen kann. Ein Gefühl das leider trügt.

Kürzlich berichtete Ernst über ein Interview, in dem der Arzt und Homöopath Dr. Jens Wurster über seine Erfolge bei der Behandlung von Krebs berichten darf. Er arbeitet in einer Klinik in der Patienten mit Krebserkrankungen teilweise ausschließlich homöopathisch behandelt werden. Weil das geht! Tolle Erfahrungen und so! Die haben ganze SÄCKE mit beeindruckenden Anekdoten. Das Interview ist gruselig zu lesen. “Schulmedizin” wird in dem Interview wie ein Störfaktor der homöopathischen Behandlung beschrieben, nicht als beste Chance die man hat. Man solle doch nach Bekanntwerden der Diagnose lieber ein paar Wochen warten (6-8), anstatt sich “panisch” in die Hände irgendeines “Schul”mediziners zu begeben. Die homöopathische Behandlung solle, geht nach Herrn Wurster, vor der “schulmedizinischen” Therapie beginnen.

Wie lange vor der “schulmedizinischen” Therapie? Am besten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Geht nach Herrn Dr. Wurster, sind wir nämlich alle homöopathisch Bedürftige! Krebs, so will es der Apologet der Wasserwunder, solle noch vor seinem Entstehen durch geschickte homöopathische Mittelwahl verhindert werden. Denn bereits Jahre vor einer Krebserkrankung gebe es Hinweise auf diese, welche der fähige Homöopath lesen und (!) behandeln könne. Und woher weiß der Herr Dr. Wurster das? Hat er Studien zu dem Thema gemacht? Nö. Er hat sich die Geschichten (auch genannt: homöopathische Anamnese) der Patienten angesehen und ein Muster entdeckt. Ein Muster, welches sich systematischer Betrachtung zu entziehen scheint, weil es niemand sonst sieht. Jemandem, der nach 200 Jahren noch dem Konzept einer Lebenskraft anhängt und versucht, sie zu behandeln, sollte man so kleine Ungereimtheiten wohl zugestehen.

“Wir müssen lernen, die vielschichtigen Phasen der Tumorentwicklung zu erkennen und Jahre vorher präventiv behandeln. Man muss von dem Denkansatz der Schulmedizin abweichen, den Tumor als lokales Geschehen zu sehen. Krebs ist eine systemische Erkrankung und der Mensch erkrankt an seiner manchmal genetisch determinierten Schwachstelle. Ein sinnvolles Therapiekonzept ergibt sich folglich durch Aktivieren des Immunsystems, durch Wiederherstellen der Entgiftungsfunktionen des Körpers und durch Herbeiführen eines seelischen Gleichgewichts. Wir erkennen bei vielen Krebspatienten bei der genauen Analyse der Symptome und Krankheitsentwicklung, dass es oftmals Jahre vor der Krebsentstehung bestimmte Zeichen gegeben hat, die schon deutliche Hinweise auf die Krebsgefährdung gaben und gleichzeitig Hinweise auf bestimmte homöopathisches Mittel liefern. Verabreiche ich einem Patienten ein Mittel, welches einen günstigen Einfluss auf das Tumorgeschehen hat, dann gehe ich davon aus, dass dieses Mittel 5 Jahre früher die Tumorentstehung verhindert hätte.”

Echt mal, immer diese Schulmedizin, die Tumore als lokales Geschehen ansieht! Ach, macht sie gar nicht? Es kommt auf den Tumor an? Da vereinfacht jemand soweit, bis es falsch ist? Und das von einem aufrechten Homöopathen? Man fasst es nicht! Die heilige Trias der wursterschen Krebsbehandlung besteht aus Aktivierung des Immunsystems, Entgiftung und herstellen des seelischen Gleichgewichts. Hach, man möchte gleich Krebs bekommen, bei so sanften Aussichten.

Die “Aktivierung des Immunsystems” ist ja so eine Worthülse, den unsere Praktiker der magischen Heilmethoden gerne benutzen. Was sie damit meinen, bleibt unklar, denn “das Immunsystem” zu aktivieren kann auch zu einem schnellen Ende führen. Aber keine Angst, mit Homöopathie kann das nicht passieren. Mit Homöopathie passiert nämlich mit dem Immunsystem genau das: Nichts. Was die Entgiftung angeht, wundert man sich, dass im wursterschen Wortsalat das Wort “Schlacke” nicht genutzt wurde. Schlacke gibt es zwar nicht, aber die Heiler und Schamanen wollen sie immer loswerden. Der Körper wird in Wirklichkeit, ganz unmagisch, von der Leber und den Nieren “entgiftet”. Und wenn diese Organe nicht funktionieren ist das ziemlich schnell, ziemlich gefährlich, dafür braucht man keinen Krebs. Was das seelische Gleichgewicht angeht, ist die Frage, wie man das überhaupt definiert? Und ob unser interviewter Arzt das will (immerhin wären seine Aussagen dann prüfbar). Für mich klingt das ganze aber ziemlich nach der hamerschen Lehre, der Germanischen Neuen Medizin und seinen psychischen Konflikten, als Grundlage jeder Erkrankung.

Nun hat aber niemand gemerkt, dass wir von der, von Edzard Ernst zitierten, englischsprachigen Seite, zu einer deutschen gesprungen sind: der Homepage des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ). Die sagen sonst zu jeder Gelegenheit, Homöopathie solle bei schweren Erkrankungen nur “ergänzend” zur “schulmedizinischen” Therapie eingesetzt werden. Auf ihren Seiten propagieren sie jedoch, mehr oder weniger offen, das Gegenteil. Ich habe bereits früher dargelegt, dass ein Homöopath nicht zwischen schweren und leichten Erkrankungen unterscheidet, wenn er die Wirksamkeit der Homöopathie bewertet. Da er die Lebenskraft des Menschen behandelt, ist es irrelevant, ob es sich um einen Schnupfen, Asthma oder Krebs behandelt. Zumindest für den Homöopathen, für Patienten wird der Unterschied schnell deutlich.

Im oben verlinkten Text hatte ich bereits andere Beispiele für die Doppelzüngigkeit des DZVhÄ genannt. Es gibt mehrere Beispiele bei denen der DSVhÄ Befürwortern einer rein homöopathischen Behandlung schwerer Erkrankungen (HIV/AIDS, Krebs, Multiple Sklerose u.a.) eine Bühne bietet. Dabei ist man natürlich stets darauf bedacht, sich nicht angreifbar zu machen. Da wird in einem Satz von Lebensqualität UND Überlebenszeit berichtet, die untersucht wurden. Kurz danach wird dann von positiven Ergebnissen berichtet, die sich jedoch nur auf die Lebensqualität beziehen. Die Überlebenszeit wird nicht mehr erwähnt, so entsteht der Eindruck, auch diese würde positiv beeinflusst. Wird sie nicht. Der medizinische Laie, der nach offizieller Lesart des DZVhÄ vom verantwortungsbewussten Mediziner* geschützt wird, wird hier hinters Lichts geführt. Impliziert wird immer, eine homöopathische Heilung sei möglich. Ist sie nicht.

Wie weit es mit der Lebensqualität her ist, hat Dr. Aust auf seinem Blog sehr detailliert dargestellt. Kleiner Hinweis: Nicht sehr weit.

Immerhin sind die Globulisten ehrlich, wenn sie zugeben, sie würden sich mehr Mut der KollegInnen wünschen, Krebs rein homöopathisch zu behandeln. Doch leider ist das Establishment zu verstockt, um 200 Jahren alte Ideen noch einmal auszugraben und physikalisch unmögliche, in sich widersprüchliche und widerlegte Therapienkarrikaturen an Patienten auszuprobieren. Immer diese Dogmatiker!

Man merkt vielleicht, wie angepisst ich bin. Immer wenn ich denke, die Homöopathen sind ja ganz niedlich mit ihren Ohrensesseln in den Praxen und Kügelchen in der Hand, werde ich darauf gestoßen, was für menschenverachtende Ideen sich unter dem Dach des DZVhÄ sammeln können. Dabei ist den Mitgliedern wahrscheinlich nicht mal klar, was für einen gefährlichen geistigen Müll sie da vertreten. Klar ist ihnen jedoch komischerweise, dass sie sich auf offiziellem Parkett nicht ganz in die Karten schauen lassen dürfen. Politiker lassen sich dann von den warmen Worten ganzheitlich einwickeln und entschlafen sanft. Das haben sie mit homöopathischen Krebspatienten gemeinsam.

*Mediziner, die Homöopathie als Maßstab für eine Behandlung nehmen, können nicht wirklich verantwortungsbewusst handeln, weil sie keinen Maßstab haben. Homöopathie ist unmöglich, wissenschaftliche Maßstäbe kann man nicht anlegen. Andere Maßstäbe können verantwortungsbewusste Mediziner bei der Bewertung von Behandlungen jedoch nicht anlegen, weil es andere nicht gibt. Ein Patient eines “verantwortungsbewussten” homöopathischen Mediziners braucht vor allem eins: Glück.

Ryke Geerd Hamer (* 17. Mai 1935 in Mettmann) ist ein ehemaliger deutscher Arzt, der seit 1981 die von ihm erfundene medizinisch unwirksame und zudem mit erheblichen Risiken und Gefahren verbundene[1][2] Behandlungsmethode Germanische Neue Medizin (GNM, auch als „Germanische Heilkunde“ bezeichnet, vormals „Neue Medizin“) propagiert. (Wikipedia)

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (5)