merdeister
09.03.2012 | 09:51 34

Neue Hochschule in Traunstein.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied merdeister

[Vorsicht! Dieser Text zeigt wenig Respekt gegenüber Praktiken, die einigen Menschen helfen, zufriedener zu sein.]

Aus Traunstein im Chiemgau erreicht uns die Nachricht, Großes stehe bevor in dem 19 ooo-Einwohner-Ort im Herzen Bayerns. Eine Hochschule für Homöopathie, so heißt es, sei in Planung, im Grunde schon gebaut. Die Lebenskraft für eine solche Hochschule zumindest ist bereits spürbar, in den Straßen des Ortes, wo der Winter langsam dem Frühling Platz macht und mit dem Frühling die Hoffnung einkehrt. Die Hoffnung auf Heilung. Nichts weniger versprechen sich die Verantwortlichen der Region.

Heilung auf körperlicher, psychischer, geistiger, seelischer, metaphysischer und pekuniärer Ebene. Auf letztgenannter Ebene bekämpft der Freistaat Bayern gerade mit 500 000 Euro für den Umbau des alten Gymnasiums, damit es Hochschule, Gesundheitsamt und Krankenpflegeschule fassen kann, ein Symptom.

Wann die Hochschule ihre Arbeit aufnehmen kann, steht in den Sternen. Zwar haben sich diverse potentielle SchulleiterInnen beworben, es waren auch vielversprechende KanditatInnen dabei, "am Ende", so ein Verantwortlicher, "scheitert es jedoch immer am Aszendenten." Traunstein, so erfährt man, sei ein Wassermann-Ort und bei unpassenden astrologischen Eigenschaften der neuen Schulleitung drohe eine Katastrophe. Dabei sind die Stadtoberen relativ unbeleckt an die Sache herangegangen: "Wir waren etwas naiv", schmunzelt der Landrat, "doch dann haben wir uns von Fachleuten beraten lassen und sind jetzt, so denke ich, auf einem guten Weg." Die von den Kandidaten zu erfüllenden Voraussetzungen wurden bei Vollmond ausgependelt, "dafür sind wir extra mit einem Ruderboot auf den Chiemsee, überall sonst war der Elektrosmog zu stark."

Probleme gab es zu Anfang noch bei der Erstellung des Curriculums, weil es zu Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Fachleuten gekommen war. Klassische Homöopathen wehrten sich entschieden gegen Inhalte, die Hahnemanns Werk verwässern. Vertreter der Komplexhomöopathie verwiesen auf ihre guten Erfahrungen und fordern mehr Offenheit von den Klassikern. Zu einem Eklat wäre es fast gekommen, als Vertreter beider Gruppen bei einer Sitzung jeweils Belege vorbrachten, wonach die jeweils andere Methode wissenschaftlich nicht haltbar sei. Nachdem ein Vertreter der Klassischen Homöopathie sogar den Internetpranger "Esowatch" zitiert hatte, war die Sitzung unterbrochen worden.

Man einigte sich später auf Offenheit zu allen Seiten und wird nun auch Mikroimmuntherapie und Homöopathie nach Körbler anbieten. Wenn es zu Widersprüchen kommt, sollen die Studierenden selbst entscheiden, wie sie sich entscheiden. "In der Wissenschaft" so ein Heilpraktiker, der vor Ort praktiziert, "muss man gegensätzliche Ansichten aushalten." Und weiter: "Uns geht es hier um sanfte Medizin, da werden wir doch das Klima nicht durch Streit vergiften."

Schnell einigte man sich auf ein Motto der Hochschule. Über dem Eingang und auf dem Briefpapier wird in "Wer heilt, hat Recht" das Markenzeichen der Hochschule zu erkennen sein. Ein weiteres wird das Fehlen einer Bibliothek sein, "wir machen Erfahrungsmedizin, zu viele Fakten wirken da einschüchternd."

Die Hochschule für Homöopathie ist nicht die einzige Innovation, die in nächster Zeit aus Traunstein erwartet werden kann. Die Gemeinde, so wurde aus inoffiziellen Quellen bestätigt, stehe in Verhandlungen mit "Grantelwasser" aus Österreich, um die Wasserqualität des Chiemsees nachhaltig zu verbessern. Zur Zeit wird in Österreich berechnet, wie viele Flaschen in den See zur Wasserbelebung verbracht werden müssen. Das Ganze dürfe man nicht losgelöst von der Hochschule sehen, so ein Firmensprecher, immerhin gehe es darum, auch regionale Quellen bei der Herstellung von Homöopathika zu nutzen.

Man darf gespannt sein, welchen Weg diese Entwicklung im Süden der Republik nimmt und ob die in Traunstein ausgebildeten AkademikerInnen die großen Probleme Bayerns werden lösen können.

Echte Hintergrundinformationen gibt es bei chiemgaugemseneier.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (34)

ed2murrow 09.03.2012 | 11:48

Eingeklemmt zwischen München und Salzburg muss Traunstein doch endlich mehr bieten als nur weiß-blauen Himmel. "Vaterstadt" des 16. Benedikt zu sein, reicht nicht mehr. Die Spiritualität darf hoffen, um Elfen-, Nymphen- und Engelsenergien bereichert zu werden. Nach Lehrplan. Dabei hat's doch schon dem Münchner im Himmel vor Manna gegraust.

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2012 | 12:40

merdeister, merdeister ... hast Du Dir die Seite auf den Traunsteinnachrichten angesehen? Diese schrecklichen halbnackten Frauen? Und das im tiefsten Bayern? Geht das überhaupt? Oder ist es dort ständig sooooo dunkel, dass es nicht auffällt?

www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/erotik/Das-sind-die-scharfen-Playmates-2011;art11855,81872

www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/erotik/Das-sind-die-scharfen-Playmates-2011;art11855,81872,C::cme11195,249433#

Anschließend folgt der Mätressenkatalog. Vielleicht sollten diese Damen in der Hochschule Wohnung nehmen, das würde den meisten Homöopathen sich besser helfen als T-Rex C200 Potenzierungen.

ed2murrow 09.03.2012 | 13:28

Unter anderem und nicht zuletzt von Hermann Steinmaßl, CSU-Landrat für den Landkreis Traunstein. Zitat aus dem Traunsteiner Tagblatt: "Landrat Hermann Steinmaßl sieht in der Hochschule einen weiteren wichtigen Baustein für die Bildung und die medizinische Versorgung im Landkreis Traunstein. Die Standort-Entscheidung der EUH war nach mehreren intensiven Gesprächen zwischen ihm und den Stiftungs-Verantwortlichen gefallen."

ed2murrow 09.03.2012 | 15:05

Lieber Technixer,

abgesehen davon, dass skurrile Einrichtungen auch dieser Art über ganz Deutschland verstreut sind: Welchen Sitz die Stiftung hat, die sich des Baus annimmt, ist nicht ganz so evident. Denn es wird auf deren Netzpräsenz nur § 2 der Satzung veröffentlicht, während § 1, der üblicherweise Sitz und anzuwendendes Recht ausweist, wohlweislich unterdrückt wird. Die Besetzung des Kuratoriums hingegen weist in Richtung Schweiz. Ich denke, da wäre jenseits der Glossierung, die merdeister geleistet hat, noch jede Menge anderer, ganz praktischer Dinge zu hinterfragen.

Und um noch einer Voreingenommenheit eine Ende zu setzen: Die Bevölkerung im Landkreis gehört zu der wohlhabendsten in Deutschland; sie ist die ideale Klientel für diese Art von, sagen wir mal: Inspiration.

SuzieQ 09.03.2012 | 15:38

"Wenn es zu Widersprüchen kommt, sollen die Studierenden selbst entscheiden, wie sie sich entscheiden."
Am besten in einem Whirlpool, ...der auf einem Untersetzer* steht, dann schmeckt das Wasser gleich viel besser.
* eine mit Büroklammern verzierte Pressspanplatte

Das Motto der Hochschule ohne Bücher könnte lauten:
'Irgendwie heilen oder auch nicht, entscheiden Sie selbst',
Moment, ist evtl etwas zu lang für einen Briefkopf,
bairisch heißt es 'Sakra - Mo - Ment'

GeroSteiner 09.03.2012 | 16:37

Traunstein?
Die Virma Haillant bietet neben Warmwasser jetzt auch Weihwasser an. Chefklempner Eusi Erbstösser, ein Charakter von Jürgen Becker, hat alle Fragen des Lebens bereits in einem einzigen Satz beantwortet, lässt aber doch noch Raum für Interpretationen: "Das ganze Leben ist ein Rohr, was kommt dahinter, was davor?"

Betrachtet man den Bereich der Hömööpathie, ist Bildung in Form von Ausbildung dringend notwendig, besonders bei den Schölmödözönern. Ist doch das ärztliche Leben eine einzige Wüstenei. Dazu passend der Kommentar von Jürgen Becker zur Bildungs-Wüste Nevadas: "Die zieht sich aber, die Kiesgrube."

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2012 | 18:18

Mit Wunderlichkeiten meine ich bspw. die nach wie vor herrschende Anbindung an den "Heiligen Stuhl" und der "Rechtsverpflichtung des Staates gegenüber der Kirche" kein anderes Bundesland hat dies. Oder aber dass immer wieder auftauchende beliebte Thema der eigenen Staatsgründung.

"konservative bäuerliche Mittelalterlichkeit" ist genau das was es aussagt. Wenn man, und das gilt vermutlich weltweit, nach starker Verankerung der Religion in der Gesellschaft sucht, so findet man diese vor allem auf dem Land. In Deutschland ist die katholische Kirche nunmal in Bayern am stärksten. Eng mit ihr verbunden ist die CSU, vom Parteiprogramm her die mit den meisten politisch konservativen Eckpunkten. Hauptwähler-Klientel ist nunja die Landbevölkerung.

@Schachnerin: "Im Kuratorium der Stiftung E.U.H. ist weder ein Landwirt, noch ein Bayer." die Zustimmung zur Ansiedelung der Schule für angewandte Scharlatenerie und Humbug, sowas als Hochschule zu bezeichnen weigere ich mich, erfolgte doch nicht ohne Billigung der Bevölkerung. In aller Regel ist auf Grund der geringen Einwohnerdichte und Landrätestruktur, die Möglichkeiten zur direkten Einflussnahme auf Politikgestaltung ungleich größer als in der Annonymität der Großstädte. Ich könnte mir bspw. vorstellen, dass es Scientology ungleich schwerer hätte eine Zentrale hinzustellen als im Vergleich zu Hamburg und Berlin (und selbst da gab es massive Proteste).

Yola 09.03.2012 | 18:46

Was für ein Sturm im Wasserglas! Und der Stammtisch brodelt und donnert in in der Vorahnung, dass dies Zeichen des nahende Weltuntergangs sind (Das mit dem Weltuntergang ist ein Zugeständnis an Kuni ;-)). Traunstein ist in Deutschland nur ein Anfang für eine universitäre Homöopathieausbildung, Jungs. Die Ärzte sind ganz scharf drauf, naturheilkundliche Methoden und Homöopathie zu lernen. Die Otto-von-Guericke-Universität Marburg machte den ersten, leider missglückten Versuch, einen Master-Studiengang Homöopathie anzubieten, der sich an Mediziner und Apotheker richten sollte. An der Berliner Charité wurde der Projektbereich Komplementärmedizin (Carstens-Stiftung) eingerichtet. An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder wird ein Masterstudiengang Komplementärmedizin angeboten (auch Homöopathie).
An der Hochschule Fresenius Idstein, Fachbereich Gesundheit wird ein berufsbegleitender Masterstudiengang Naturheilkunde und komplementäre Medizin angeboten. Zielgruppe für diese Ausbildung sind approbierte Ärzte.
Und auch an der Uni Heidelberg, Ulm, Leipzig etc. gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten für Mediziner im Bereich Homöopathie. Homöopathie wird immer mehr zu einem "Markenzeichen" ;-). Nur im Freitag wütet der Geist der Verächter, der Verkrampften und Unbelehrbaren.

Yola 09.03.2012 | 19:29

@Georg von Grote
Völlig einverstanden mit Dir. Bis auf die Sektiererei. Wieso Sektiererei? Ich kann in dem Artikel nichts davon erkennen.

"In Traunstein soll eine Hochschule für Homöopathie gegründet werden. Der Freistaat unterstützt die alternativmedizinische Einrichtung mit einer halben Millionen.
Sitz der Einrichtung wird das Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe sein. Zurzeit wird das ehemalige Gebäude des Annette-Kolb-Gymnasiums umgebaut. Im Sommer sollen dort die Krankenpflegeschule Traunstein, das Gesundheitsamt und eine Hochschule für Homöopathie einziehen. 5,4 Millionen Euro soll der Umbau kosten – so viel sind in der Finanzplanung vorgesehen. Drei Millionen Euro werden allein für die energetische Sanierung verwendet. Der Freistaat Bayern unterstützt das Vorhaben mit500.000 Euro, teilte der Pressesprecher des Landratsamts Traunstein, Roman Schneider, auf Anfrage von chiemgau24 mit.
Trägerin der Hochschule soll die in Freiburg (Breisgau) ansässige Stiftung der European Union of Homoeopathy (EUH) sein. Sie wollen das Fach Homöopathie zu einem Studiengang mit Bachelor- und Masterabschluss machen.
„Das anerkannte Studium gibt es schon in vielen anderen Ländern, hier in Deutschland ist es allerdings schwierig, weil wir das alles ehrenamtlich organisieren. Wir brauchen natürlich Geld und die Kontakte“,sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Projekts und Homöopathin, Susanne Augst. "

Merdeister hat daraus in seinem Artikelchen zwar einen Giftcocktail zusammengebraut. Das kennt man doch zur Genüge...

Georg von Grote 09.03.2012 | 19:46

Meisters Giftcocktail hab ich schon erkannt :-) Der war selbst für die, die sich nicht auskennen, nicht zu übersehen.
Ich finde nur, dass der Traunsteiner Weg mehr zur Abgrenzung Homöopathie zur Schulmedizin führt, statt zu einem Zusammenwirken.
Das meinte ich mit Sektiererei.
Nicht Meisters Ruderei in die Mitte des Chiemsees um dem Elektrosmog zu entgehen.
Als Kenner des Reviers weiß man, auch da ist der Handy-Empfang exzellent. :-)

fingerhut 10.03.2012 | 12:14

Viel wahrscheinlich als erfolgreiche Heilung scheint mir der positive Effekt auf die Geldbörsen der Ärzte das aufblühen der Homöopathie zu erklären.

Finde es allgemein beängstigent, dass offenbar die Art der Behandlung für den Arzt zunehmend finanzielle Unterschiede bedeutet. Merdeister, lass doch die Esoteriker mal ne Weile in Ruh und schreib was dazu. :)

Ich wär dafür diese Entwicklung sofort zu stoppen. Am liebsten mit Pauschalen Gehältern für alle Ärzte. Dann wird auch die Homöopathie verschwinden weil klar wird, dass es Kurpfuscherei ist. Oder es geschieht noch ein Wunder und sie wirkt doch, dann kann sie meinetwegen bleiben.

merdeister 10.03.2012 | 18:03

Yola, ohne Sie würde mir mein "Feld-" oder im Sinne Ihres verlinkten Blogs "Kreuzzug" nur halb so viel Spaß machen, mehr bonmots bitte. Und wenn Sie Marburg mit Magdeburg verwechseln, kann ich sogar schmunzeln.

Was den Blog angeht, stellt mich unsere nähere und ferne Vergangenheit vor ein Problem. Natürlich könnte ich auf den einen oder anderen Punkt eingehen, an dem man sehen kann, dass sie sich im Bereich Medizin mindestens so schlecht auskennen, wie Sie es mir immer vorwerfen. Das kann ich jedoch nur auf rationaler Ebene, wo Sie sich, soviel habe ich begriffen, selten aufhalten. Zum über Stöckchen springen und aneinander vorbeireden ist mir meine Zeit zu schade.

In freudiger Erwartung auf weitere gedankliche Globuli, warte ich hier.

h.yuren 11.03.2012 | 22:02

was soll das werden? eine hoch- oder fachhoch- oder schlicht eine hohe schule für den südstaat? (wo das niveau bekanntlich meist hoch ist)
"... und sind jetzt, so denke ich, auf einem guten Weg."
ist euch das auch schon aufgefallen und auf den senkel, dass politiker in diesem gemeinwesen sich überall und jederzeit so äußern? das ist natürlich ein schönes beispiel für 'singen im wald'.