Mesut Bayraktar

Ich versuche mit meinen Schriften eine Collage der Gegenwart zu bilden. Hauptsächlich sind meine Themen: Europa, Recht, Wirtschaft, Arbeit, Protest.
Mesut Bayraktar
RE: Der deutsche Intellekt schafft sich ab | 29.05.2015 | 18:17

Ein Copy-Paste-Spiel, wenn Sie erlauben: "staatliche(r) / gemeinschaftliche(r) Effizienz" "muss ... profitorientiert sein und ... Druck erzeugen", "damit (der Mensch) der Gemeinschaft möglichst viel finanziell einbringt, und möglichst wenig kostet"
Natürlich sehr überspitzt zusammengefügt und natürlich kann Effizienz auch umweltfreundliche wie bedarfsorientierte, humane Produktion, statt das Gegenteil, sein; sie muss es sogar. Doch die Markwirtschaft hat andere Leitprinzipien.
Danke für Ihre Differenzierung. Ich denke, wir verstehen uns.

RE: Der deutsche Intellekt schafft sich ab | 29.05.2015 | 17:31

Diesen Einwand nehme ich gerne an.
Erlauben Sie mir ihrem Einwand zweierlei entgegenzusetzen. Mir ist die Biographie Sarrazins durchaus nicht bekannt. Im Hinblick auf meine Schrift, die ich vor dem Hintergrund seines Buches und nicht seiner Person verfasst habe, war mir demnach seine Biographie gänzlich gleichgültig; ich habe mich voll und ganz auf den Inhalt seines Buches konzentriert. Ich möchte nicht seine Person kritisieren, sondern ausschließlich die Thesen seines Buches. Demnach scheint mir die Interpretation tendenziell berechtigt, auch wenn ich Ihnen Recht gebe, dass Ihre Präzisierung treffender ist. Und damit zum Zweiten: "nationalkonservativer, darwinistischer Vertreter einer staatlich geforderten Effizienz" ist durchaus treffender formuliert, auch griffiger an dieser Stelle. Ich muss jedoch fragen, was bedeutet in diesem Zusammenhang "Effizienz", wenn nicht, dass damit das Prinzip von Rendite und Konkurrenz gemeint ist, also die Durchlässigkeit des Kapitals zur Vereinfachung der Produktionskette (Wohlgemerkt, diese Prinzipien unterstelle ich nicht irgendeiner Gewinnsucht Sarrazins; ich verwende sie im Sachzusammenhang zur Marktwirtschaft, da er im Sinne der Marktwirtschaft weitläufig finanzökonomisch und rein nominell argumentiert). Was verstehen Sie, in der Logik der (sozialen) Marktwirtschaft, unter "Effizienz"?

RE: Der deutsche Intellekt schafft sich ab | 29.05.2015 | 16:49

Ich denke, Sie unterliegen einem selbstverschuldeten Missverständnis; entweder in der Beziehung, dass Sie den Titel der Schrift engherzig fassen und in dieser engherzigen Fixierung nicht den polemischen Bezug desselben zum Titel des Gegenstandes der Kritik sehen; oder in der Beziehung, was näher liegt, dass Sie die Schrift nicht von anfang an oder gar lediglich sporadisch gelesen haben.
Ich will so gut sein, kein Geheimnis aus dem "deutschen Intellekt" zu machen und beiden möglichen Unzulänglichkeiten, die ich mutmaße, abzuhelfen:
- zum Ersten: der Begriff "deutscher Intellekt" bezieht sich auf die Volkstümelei und das hochschlagende patriotische Herz des Autors des Buches "Deutschland(!) schafft sich ab". Der "deutsche Intellekt" ist der Intellekt des Autors jenes Buches - die Chimäre unseres Buchautors, die er mir auszusprechen abnötigt.
- zum Zweiten: unter https://www.freitag.de/autoren/mesut-bayraktar/der-deutsche-intellekt-schafft-sich-ab finden Sie den ersten Teil meiner Schrift, in dessen Vorbemerkung Sie einführend alles Nötige erfahren.

Nun, und ihre abschließende wortfixierte, intellektuelle Bemerkung, in der Sie mich derart Intimes fragen, dass man schon vor lauter Verdrehtheit nicht mehr zu antworten vermag, möchte ich selbstverständlich nicht unbeantwortet lassen. Ich bevorzuge die Kritik.

RE: Der Zynismus im Flüchtling | 24.05.2015 | 13:24

Was soll man von einer mit dem Konkurrenzprinzip durchdrungenen, bürgerlichen Gesellschaft erwarten, wenn nicht "kannibalischen", kühl kalkulierten Egoismus?

Ich denke, der Mensch ist erst "Intellekt", dann "Instinkt" (um bei deinen Kategorien zu bleiben) und er bleibt solange "Instinkt", solange die "Musterexemplare", wie du sie bezeichnest, die Menschen einlullen und ihre soziale Realität mystifizieren, d.h. den Einzlnen auf sich selbst zurückwerfen (Wettbewerb, Konkurrenz, Karriere, Leistung etc., kurz, Neoliberlismus). "Intellekt" wird der Mensch, wenn ihm erklärt, erklärt, erklärt wird. Dann eben erhascht sich ihm seine Wahrheit: dass der Mensch erst soziales Wesen ist, und er erst aus seiner Sozialität seine Individualität schafft (Welch ungeheuren Einfluss hat die Umwelt auf die Bildung des Einzelnen!). Der jetzige status quo der Sozialität besteht aus Egoismus und Elitarismus; diesen status quo durchbrechen bedeutet dem sozialen Menschen eine Chance zu geben. Vor dieser kleinen Ausführung frage ich, wurde dem "sozialen Menschen" je eine Chance gegeben? Hatte man je die Wahl? Ich denke nicht, denn dem Menschen wurde selten erklärt und oft befohlen.
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Im Übrigen scheint mir dein Kommentar mehr biologisch und evolutionstheoretisch zu sein, als politisch und soziologisch, was nicht heißen soll, dass sie sich nicht als Grundlage eines konstruktiven Austausches geeignet wäre; im Gegenteil.