Metambigo
19.03.2017 | 18:48 65

Sozialisation und Individuation.

Wie entsteht das "ICH" ? Ödipale und andere Theorien zur Herausbildung des Selbst bezüglich sich wandelnder gesellschaftlicher Strukturen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Metambigo

Wer oder was ist "schuld" an "misslingender Menschwerdung"?

Ein übermächtiger, zu strenger Vater? Das Fehlen eines Solchen? Religionen? Indoktrinationen? Die "68er"?

Der Kapitalismus?

Die banale Realität? Jeder allein für sich selbst?

Was ist der Mensch und wie sollte er sein?

Welche Rahmenbedingungen benötigt er zu einem Gedeihen, welches Fremd-und/oder Eigenschädigung wenn schon nicht ausschließen, so doch minimieren kann/könnte?

Warum stelle ich so viele idiotische Fragen?

Moorleiche (und/oder andere, an psychologischen/gesellschaftskritischen Fragen Interessierte) bitte antworten/übernehmen Sie.

Danke.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (65)

Moorleiche 19.03.2017 | 20:06

Ansonsten habe ich mich ja vorhin schon vorhin, in einem anderen Thread verbreitet, zu den hier aufgeworfenen Fragen.

Die passenden Passagen wären wohl:

"Auch da kann ich was mit anfangen, ich würde es nur nicht unbedingt oder ausschließlich dem Kapitalismus in die Schuhe schieben wollen, sondern sehe darin eher ein Problem einer narzisstischen Problematik des Individuums (die natürlich gesellschaftliche Ursachen und Verstärker hat), a) in einem engeren Sinne, d.h. in einer realen Zunahme narzisstischer Problematiken bis zur manifesten narzisstischen Persönlichkeitsstörung, deren Anwachsen und Verbreitung stark kontrovers gesehen wird (die einen sehen eine narzisstische Epidemie, die anderen eine epidemiologisch unveränderte Marginalie), und/aber darum sollte man b) besondere Aufmerksamkeit widmen, einer Verbreitung und Etablierung narzisstischer Werte und Ideale und deren einsickern in die Gesellschaft(en), bishin zu psychopathischen Werten und/oder Idealen (wobei ich mich der dimensionalen Einstellung anschließe, die Psychopathie als eine Eskalationsstufe des Narzissmus sieht).

Der eine Befund schließt aber den anderen nicht notgedrungen aus, tatsächlich sehe ich den vor allem neoliberalen Kapitalismus als einen Verstärker des Narzissmus, aber nicht als dessen alleinige Ursache. D.h. verstärkt narzisstische Ideale und neoliberale (verstanden als turbokapitalistische) Einstellungen verstärken sich m.E. wechselseitig.

...

Eine Lesart, die ich inzwischen kaum mehr teile, wenn damit suggeriert wird (und das wird es fast immer) das Christentum habe das Patriarchat in die Welt gebracht. So wie ich es zuletzt bei Larry Siedentop in „Die Erfindung des Individuums“ gelesen habe, ist es genau anders herum, nämlich so, dass das Christentum den (bis dahin undenkbaren) Gedanken einer Gleichheit aller Menschen (vor Gott) Schritt für Schritt (nicht ohne eigene Machtinteressen, klar) einführte und ein extremes Patriarchat vorfand und diesem in vielen einzelnen Schritten, über viele Jahrhunderte, dem noch stark griechisch und römisch geprägten Herrschaftsdenken, eine immer stärkeren Symmetrie aller Menschen abtrotze.

Man kann kritisch einwenden, auch das Christentum habe hier zu schnell Schluss gemacht und es sich in einem noch immer (viel?) zu weitreichenden Patriarchat eingerichtet, und meinen, dass die Bewegung weiter, über den christlichen Impuls hinaus geführt werden müsse, aber genau einen zu weit reichenden Abbau des Patriarchats und dessen Folgen, kritisiere ich und diese Kritik ist zu 100% geklaut, gerade auch von Adorno und Horkheimer. Und die Kritik erscheint mir fundiert, weil sie die Kritik an der postmodernen Position (auch von der EXTI! Seite), aufgreift. In meiner geklauten (und psychologisch verstärkten) Kritik, geht es gerade darum, dass die linke bis postmoderne Schwächung des Vaters, der Rolle des Vaters, eine bedeutende Rolle beim Erstarken eines grassierenden Narzissmus spielt, der dann wiederum eine Einfallstor für neoliberale Ideale darstellt, die auf einmal „ganz natürlich“ wirken, was wiederum von biologistischen und szientistischen Ansätzen befeuert wurde."

Die Frage nach der Entstehung des Ich ist natürlich dann richtig ausufernd, haben Sie vor das wirklich zu besprechen, oder war das eher der Aufhänger (weil man ja nen Titel braucht)?

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Ehemaliger Nutzer 19.03.2017 | 21:33

Ich schwanke auch gerade zwischen Dankbarkeit und größeren Fragezeichen.

Die größeren Fragezeichen verbergen den Motiv der Anmaßung. Nur durch absoluten läuterung dessen erreicht man die Schwelle der Dankbarkeitsebene. Anders ausgedrückt , die Unterwerfung des insuffizienten Willens dem göttlichen. Diejenigen die Dankbarkeitsebene betreten haben sind ab dem Stumm.

Moorleiche 19.03.2017 | 22:07

So hoch wollt ich's nicht hängen.

Dankbarkeit, bezogen darauf, dass das Thema zum Thema gemacht wird, weil ich denke. dass es wichtig ist und dass die Gedanken dazu konsistent und ziemlich gut gestützt sind.

Die ? weil ich die Fragen auch nicht so wahnsinnig idiotisch finde. Wenn sie das sind, was ist dann diese manische Zuschreibungen aller Widrigkeiten auf den Kapitalismus?

Ra-Ra-Rational, Russians greatest Räucheraal ...

Wenn der Aufschlag schon ins Wertende rutscht, zieht man im Grunde nur die Falschen an. Also bleib ich lieber bei der Dankbarkeit.

pleifel 19.03.2017 | 22:42

"Anders ausgedrückt , die Unterwerfung des insuffizienten Willens dem göttlichen."

Ah, der dunkle Weise mit Maske spricht von "Unterwerfung". Unterwerfung der Entität, die sich eine unvollkommene Schöpfung leistet in der Art (Epikurs alte Frage):
1. Ist er/sie/es willens, aber nicht fähig, Böses (auch Katastrophen) zu verhindern? Dann ist er ohnmächtig.
2. Ist er fähig, aber nicht willens? Dann ist er boshaft.
3. Ist er sowohl fähig als auch willens? Woher kommt dann das ganze Übel?

Wer das erkennt, wird kaum in der Dankbarkeitsebene verharren.

Moorleiche 20.03.2017 | 08:00

"Ich verstehe kein Wort. Worum geht es."

Es läut ja gerade nicht gut. Krisen, wohin das Auge blickt.

Ein deutscher Reflex ist, zu fragen, wer daran Schuld ist. Aktuell natürlich, die Rechten und alle, die sie wählen. Aber warum werden die auf einmal, nachdem sie Jahre bis Jahrzehnte kein Bein auf den Boden bekommen haben, so stark?

Ein linker Reflex ist zu sagen, dass der eigentliche Feind der Kapitalismus, insesondere der Neoliberalismus ist. Der macht Reiche reicher, Arme ärmer --> Arme sauer + Flüchtlingskrise + Islamophobie = stärkere Rechte.

Warum flüchten Nordafrikaner? Viele Gründe, alle laufen auf den Neoliberalismus raus.

Wenn Sie sagen: "Ja und? Stimmt doch" ist dieser Thread vermutlich nichts für Sie. Denn er erhält - freilich wie auf den Boden geworfene Mikasdostäbe - Fragmente von Theorien, die sagen, dass die These, dass die Quelle allen Übels, direkt, oder auf mittlere oder lange Sicht der Neoliberlaismus sei viel zu stark aufgepustet ist, eher Symptom als Ursache und dass die Gründe andere sind.

Nicht zwingend und allein äußere, sondern auch innere. Innere im Sinne von a) in der Psyche, der Gestimmtheit des Einzelnen liegend und b) in einer kulturellen Veränderung. Das was uns heute verbindet und trennt ist vielleicht etwas anderes, als das vor 20, 40, 60, 100, 200 Jahren und das ist vielleicht gar nicht so folgenlos.

Darum könnte es gehen. Wenn Sie das interessiert, sind Sie hier richtig, ja nach dem, wie sich das hier so entwickelt.

Moorleiche 20.03.2017 | 09:53

Aus der Abteilung kurz & knackig:

Wer oder was ist "schuld" an "misslingender Menschwerdung"?

Immer viele, aber so misslungen ist der Mensch nun tatsächlich nicht.

Ein übermächtiger, zu strenger Vater?

Nein.

Das Fehlen eines Solchen?

Ja, häufig.

Religionen?

Nein.

Indoktrinationen?

Ja, aber oft kann man sich frei strampfeln.

Die "68er"?

Nein, nur ihre Übertreibungen.

Der Kapitalismus?

Nein, nur seine Übertreibungen.

Die banale Realität?

Nein. Die kann auch glücklich machen.

Jeder allein für sich selbst?

Jein. Der Anteil des Subjekts ist größer als man denkt.

Was ist der Mensch und wie sollte er sein?

Frei.

Welche Rahmenbedingungen benötigt er zu einem Gedeihen, welches Fremd-und/oder Eigenschädigung wenn schon nicht ausschließen, so doch minimieren kann/könnte?

Ein Umfeld, das weitgehend frei von Spitzenaffekten ist.

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2017 | 16:14

Ein Umfeld, das weitgehend frei von Spitzenaffekten ist.

Um den Spitzenaffekten (Hitze) im Umfeld (Hölle) standhalten zu können, müssen die inneren vom Umfeld angeheuerten Spitzenaffekte entkoppelt und abgekühlt werden.

Welche Rahmenbedingungen benötigt er zu einem Gedeihen,

Je fortgeschrittener die Abkühlung der inneren Spitzenaffekte, desto ergiebiger sind die Rahmenbedingungen zum erwünschtem Gedeihen*.

*Gedeihen heißt in diesem Zusammenhang, wesentlich sich besinnen.

Moorleiche 20.03.2017 | 16:44

"Um den Spitzenaffekten (Hitze) im Umfeld (Hölle) standhalten zu können, müssen die inneren vom Umfeld angeheuerten Spitzenaffekte entkoppelt und abgekühlt werden."

Ja, aber das wäre dann schon Therapie. Die Frage war die. nach dem zum Gelngen nötigen Umfeld. Die Abwesenheit von Spitzenaffekten ist dabei zentral.

Eine große Zahl von Spitzenaffekten sind verursachend für schwere Persönlichkeitsstörungen, gegen die ödipale Problematiken ein Klacks sind. Dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und eine ödipale, neurotische Situation kommt gar nicht mehr auf.

Das haben wir heute oft, dass ödipale Konflikte ausbleiben, entweder wg. der Spitzenaffekte, aber auch wegen einer in vielen geschwächten Vaterrolle. Der Vater ist oftmals der Kumpel und hat an Autorität eingebüßt. Damit lastet kein so groer Druck sich zu behaupten mehr auf den Kindern, aber was ebenfalls wegfällt ist die Schutzfunktion, den ein autoritärerer Vater hat. Der hat einfach Recht, weil er Vater ist und daran prallen andere Meinungen und Ansichten einfach ab. Es hat diese beiden Seiten, Last und Schutz. Mit dem Wegfallen der Last ist auch der Schutz weg.

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2017 | 17:24

Die Frage war die. nach dem zum Gelngen nötigen Umfeld.

Die Frage ist, wann solch ein Umfeld auf diesem Planet (Dimension) geherrscht hat oder überhaupt herrschen kann? Das permanennte Übersehen dieser Frage verbirgt einerseits die Hoffnung auf ein Würde entprechendes Leben und andererseits Selbstmitleid. Ein nüchterner Mensch wird diese Sackgasse schnell erkennen und sich dann die Frage richtig stellen; Wann bzw weshalb bin ich ins Undankbarkeit gefallen, und wie kann ich mich wieder ''Zurück'' projektieren?

Moorleiche 20.03.2017 | 17:30

"Die Frage ist, wann solch ein Umfeld auf diesem Planet (Dimension) geherrscht hat oder überhaupt herrschen kann? Das permanennte Übersehen dieser Frage verbirgt einerseits die Hoffnung auf ein Würde entprechendes Leben und andererseits Selbstmitleid."

Ich sehe die Welt nicht so dütser. In sehr vielen Fällen gelingen Biographien ja, jeweils sind Konstellationen in denen Kinder regelmäßig Spitzenaffekte erleben müssen, doch die Ausnahme.

Einerseits zwar verbreiteter als man denkt, aber doch noch immer die Ausnahme.

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Ehemaliger Nutzer 20.03.2017 | 17:37

Erwachsene, Kinder, Sozialumfeld, Psychologie des weiteren Begriffe sind formale Trugbilder von Menschen, die dem läuterndem System absolut nichts bedeuten. Geltend sind dem System die gesitige Entwicklung des Einzelnen, wobei dieser Summe von vielen Bewusstseinen ist.

PS: Diese Auffasung kann kompliziert wirken, aber eigentlich sind die geltenden Affekte-spitz oder nicht- kompliziert.

Lethe 21.03.2017 | 00:35

Wer oder was ist "schuld" an "misslingender Menschwerdung"?

Menschwerdung kann nicht misslingen. Oder was sollte ein Junges der Spezies homo sapiens werden, ein Elefant, ein Marsianer, ein Tintenfisch? Was misslingen kann, sind Zuschreibungen, Zuschreibungen der Art, wie sie hinter der Frage Was ist der Mensch und wie sollte er sein? lauern. Dabei ist die Antwort auf diese Fragen von höchster Einfachheit: Man beobachte Menschen. Was man dabei beobachtet, ist als Teil des Totals aller Möglichkeiten der Mensch, wie er sein kann. Eine Frage, wie er sein soll, stellt sich nicht, da es keine Instanz gibt, die befugt wäre, das für ihn zu entscheiden. Ein Mensch kann sich allerdings selbst mit Zuschreibungen belegen; er muss es nicht. Wo es getan wird, ist die Gefahr groß, dass Sosein und Selbstbild in Konflikt miteinander geraten, und da fast immer das Selbstbild zweiter Sieger bleibt, könnte man das als tragisches Scheitern der Menschwerdung auffassen. Tatsächlich ist es eine reine Komödie, und die Gescheiterten werden immer noch nicht zu Elefanten, Marsianern oder Tintenfischen.

Metambigo 21.03.2017 | 02:39

Ja, natürlich: Ein Mensch ist ein Mensch und bleibt ein Mensch.

Auch wenn er narzistisch, neurotisch, aggressiv-gewalttätig, herrisch oder unterwürfig, ein (Massen)Mörder oder sonst was ist.

(Ich hatte mit Kritik am hier missverstandenen Begriff "Menschwerdung" gerechnet.)

Moorleiche hatte nach meinem Motiv für diesen Blog gefragt.

Eines ist mein widerständiges "Bauchgefühl" über seine "geklaute" These von der Bedeutung des/eines Vaters für ein "gesundes" (in Abgrenzung zu einem -z.B.- schwachen und / oder narzistischen) Selbst.

Diesbezüglich werde ich später noch (kritische ) Fragen stellen.

Du findest die, wie ein Mensch "sein soll" anmaßend/irrelevant?

Beim "Beobachten" von Menschen drängt sie sich mir jedenfalls auf, und ich frage mich, WAS Sie zu dem machte, daß sie sind (mich selbst eingeschlossen).

Und bei einer dahingehenden (Selbst)Reflexion und Recherche bekommt man schon eine Ahnung davon, was bei einem Menschenkind für die Persönlichkeitsentwicklung behindernd und vielleicht nicht so förderlich ist/sein kann.

Die "Instanz(en)" zu entscheiden/ zu meinen, wie ein Mensch sein oder nicht sein soll(te) (Zuschreibungen), sind (u.a.) durch Tradition, Sitte/Moral, medizinische Diagnosen und Gesetzgebung schon gegeben. "Befugnis" (und/oder Zustimmung/Ablehnung dazu) hin oder her.

na64 21.03.2017 | 10:05

Ich gebe mal Senf auf das Wurstbrötchen, obwohl ich keinen Senf esse.

Wachsen, wie im ständigen werden zu sein ist auch ein Zustand von gewollter Kommunikation mit angenommener Inspirationen zu Veränderungen.
Jeder Mensch ist am schaffen für seine Entfaltungsmöglichkeiten von geistiger und körperlicher Bewegung (Energie), die er in seiner vorzufindenden Umgebung zu Verfügung hat. Daraus entspringen Inspirationen, Motivationen als Leben in tatsächlicher ausübender Kommunikation zwischen seinen eigenen geistigen Horizont und dem erfahren der Grenzen, was zur Zeit möglich ist über die Sinneswahrnehmungen in seiner Umgebung. Wir sind bestrebt in das unmögliche einzutauchen zu wollen, da uns die Neugierde dazu antreibt. Wir wollen ja dadurch wachsen und als menschliches Wesen größer werden. Ob das gut, böse oder gesund, wie auch ungesund ist, ist unwichtig.
Auch diese Diskussion hier ist ein Feuer von vielen das uns Antreibt die Natur zu besiegen. Diesen Zustand von Widerstand zum Leben leben, es kontrollieren zu können, gibt uns unser geformtes Bewusstsein für ein kreatives streben. Die Eigenschaft der überbewerteten Selbsteinschätzung über das ausüben von beherrschen können über sich selbst und andere, sowie auch über diesen Planeten Machtvoll in Hingabe zu Ehrfurcht und Demut zu diesen vielen Feuer Herden die wir entzündet haben zu sein, treibt uns zu einer Respektlosigkeit zu bestehenden Leben an. Alles muss so gestaltet sein wie wir es uns vorstellen, dass dies die Zukunft für uns sei. Dadurch haben wir auch keinen Respekt vor dem Tot. Nur Angst vor dieser Tatsache die uns letztendlich zeigt wie erbärmlich wir doch sind in unserem Sein. Und was ist schon dieses Sein!?. Ist es sinnig so zu Sein!?. Wir beziehen unsere Lebhaftigkeit im Leben aus dem Spiel mit dem Tot. Wir trotzen Ihm, dem Tot, wie ein kleines Kind es zu Regeln in der Erziehung tut, indem wir rauchen, da wir mit dieser todbringenden Gewohnheit signalisieren, wir sind stärker als der Tot es je sein kann. Wir trotzen mit aller Energie die in uns steckt, mit unseren Hang und Drang immer allen bestehenden Regeln mittels Verbrennungsenergie, die wir "beherrschen" und somit alles in dynamische Bewegungsenergien umwandeln wollen, bzw. schon müssen, weil wir das so wollen als Sinn bringende Zukunft und Orientierung für unser bestreben für unsere Arbeiten die wir verrichten wollen und uns dadurch aus der Sauerstoff gebundenen Evolution langsam aber sicher heraus bewegen. Verbrenne mein Umwelt, verbrenne in meinem geistigen streben, auch wenn ich selber daran verbrennen sollte. So spiegelt sich unsere gesunde Liebe in Ihrer Unendlichkeit ein menschliches Wesen sein zu können, dass einzig mit dem Feuer und den Elementen des Lebens spielt.
Wir lieben es unser Bewusstsein in Erfolgsbetonter Energie baden zu lassen, da uns das Antreibt und uns inspiriert zu unseren Motivationen. Und ob wir die Erde dabei zu einen werdenden Stern transformieren stört uns nicht. Kann ja auch sein, dass das Leben an sich, seit Anbeginn seiner Ausbreitung einen Weg sucht, um sich in einen anderen Energiezustand zu transformieren und der Mensch hilft dabei. Und was dabei, daran gesund ist weiß kein Mensch.
Was ist gesund für uns in einer werdenden Kultur, wenn ich meine geistigen Bewegungen elektronischen Helferleins überlasse!?.
Wo findet dann noch eine geistige Bewegung und die verübte Kommunikation mittels ausübender körperlicher Bewegungen, die unsere Sinne anspornen und schärfen, über ein selber betätigen mit den Händen, dem greifen und dadurch begreifen statt, wenn elektronische Helferlein dir die Kleidung während man schläft für den nächsten Morgen zurechtlegt, die man dann tragen und anziehen soll!?. Wird es auch so sein das elektronische Hände mir die Kleidung an meinem Körper anziehen und was bitteschön ist hier Fortschritt wenn der Mensch zu Litfaßsäule mutiert!?. Wo ist dann der Spirit, Esprit, der Witz beim selber kreieren von Erscheinungsformen!?.
Diese Erscheinungsformen entstehen doch einzig über die stattfindende Kommunikation zwischen unseren geistigen Bewegungen und dem was wir mit und über unseren Sinnen in den vorzufindenden Umgebungen aufgreifen und verstehen lernen.
In Zukunft will hierbei jeder Irgendwie seine eigene Drohne die Ihm wie ein Flaschengeist Dinge herbei bringt, die wir uns geistig ersehnen ohne dabei selber tätig zu werden. Auch mögen wir es Sonntags mit dem Auto gleich direkt in die Bäckereien zu fahren, um Brötchen im drive in Modus zu erwerben. Bitte keine 5 Meter zu Fuß gehen zu müssen, das unserer geistigen Haltung weh. Wie lange geht so was gut, bis ein geistiges wünschen langweilig geworden ist!?. Wie gehen wir mit dieser Langeweile in uns als menschliches Wesen um, da wir uns ja selber zu Langweilern erziehen!?. Langweile bewirkt einzig das wir trotzig Regeln durchbrechen werden.
Anders gesagt: Wenn ich nicht mehr selber Autofahren darf und kann, wie auch selber Kleidung aussuchen darf und anziehen soll, dann verkümmert dies zu langweiligen Alltagserscheinungen und auch meine geistigen Inspirationen, Motivation und Zielorientiertes Denken leiden darunter.
Was will ich eigentlich mit dieser quirlliquarllischeißliGehirngefickteScheiße als Shakespeare Theater von einem Alten Sack sagen!?.
Philosophie ist ein Feuer für Inspirationen, dass uns geistig in Bewegung halt. Stirbt die geistige Bewegung in uns, dann stirbt auch der Mensch.
Dann heißt es: Willkommen im Zombieland. Soweit wird es nicht kommen, da wir ja geistig und willentlich stärker sind als der Tot, als das nicht Sein einer lebendigen Art. Die Ignoranz in uns, dass nicht zu Sein was und eigentlich erwartet hat schon immer alles verändert.
Hahahahaaha:) Das war philosophischer freestyle.

Kann auch sein das isch das alles falsch sehe und dann dürft Ihr mich gerne zerhack stückeln.

Lethe 21.03.2017 | 10:25

er muss seinem Existenzzweck entsprechen

Es wäre wünschenswert, wenn Sie wenigstens offenlegen würden, von welchem interpretationshintergrund Sie ausgehen; ich vermute auch hier etwas Vedantisch-Advaitistisches. Ansonsten bliebe dieser ominöse "Existenzzweck" eine reine Phantasmagorie, was er zwar ohnehin ist, aber dann wenigstens eingebettet in eine Ideologie oder Religion. Ohne das wäre die zitierte Behauptung reines Glaubensbekenntnis.

Übrigens löst sich ein Schraubenzieher im Laufe der Zeit auf, gleichgültig ob Schrauben existieren oder nicht. Man nennt es Entropie.

Lethe 21.03.2017 | 10:34

woher wollen Sie wisssen das in einem Affen nicht ein gescheiterter Mensch steckt

Eine der verwirrenderen Einsichten in die Wirkungsweise von Syllogismen besagt, dass bei Nichtvorliegen von Evidenz die Existenzbehauptung beweispflichtig ist. Hinsichtlich Ihrer Frage ("woher wollen Sie wissen ...") genügt der Verweis auf die fehlende Evidenz, was zwar, wie Sie richtig vermuten, kein Beweis ist, aber die Evidenz fehlt trotzdem, und damit die Grundlage für eine Existenzbehauptung.

Lethe 21.03.2017 | 11:03

Keine Sorge, ich habe dein Menschwerdungs-Konzept nicht missverstanden, ich wollte nur auf die Problematik metaphorischer Sprache aufmerksam machen.

Wir sind uns also einig: Der Schatten - wenn ich darunter die von dir aufgeführten Verhaltensweisen und psychischen Zustände subsummieren darf - gehört zum Menschsein. Kann es also Aufgabe der Menschwerdung sein - ich tue hier nur um der Diskussion willen so, als könnte Menschwerdung eine Aufgabe sein und wäre somit nicht unvermeidbares Begleitphänomen eines Menschen auf dem Weg durch sein Leben - den Schatten abzuspalten? Es ist eine elementare psychologische Einsicht, dass das Abgespaltene ein Eigenleben unter der Sichtbarkeitsgrenze führt und dabei immer stärker wird. Alle diese Bösartigkeiten des Tuns und Fühlens, zu dem Menschen in der Lage sind, wäre dann Folge der Abspaltung, nicht Folge des Schattens.

Anders gesagt, abspaltende Religionen und Ideologien - solche, in denen die Trennung zwischen "gut" und "böse" gedacht und etabliert wurde - haben die Bösartigkeiten dadurch erst erschaffen, indem sie die eine integrale Psyche in erwünschte und unerwünschte Aspekte zerlegt haben. Ein Schurke, wer dabei an Herrschaftstechniken denkt, lassen sich doch nichtintegrale Persönlichkeiten deutlich besser beherrschen und manipulieren, als integrale Persönlichkeiten.

These von der Bedeutung des/eines Vaters für ein "gesundes" (in Abgrenzung zu einem -z.B.- schwachen und / oder narzistischen) Selbst

Der Vater und, auf andere Weise, die Mutter hängen lange nach. Sie sind die Freunde, die die Regeln der Lebendigkeit als soziales Wesen vermitteln und damit die Integration in die Gruppe ermöglichen. Sie sind aber auch die Feinde, die dem Kind bei diesem Versuch beibringen, dass seine eigenen Vorstellungen im Konfliktfall mit den Gruppenregeln zu weichen haben (immer gefaltet über persönliche Macht). Bei manchen Menschen ist das gegenstandslos, da sie keinen Impuls verspüren, aus der Schablone auszubrechen. Andere empfinden das als Vergewaltigung ihres Soseins. Diese anderen werden also Maßnahmen dagegen ergreifen, wenn sie sich dazu imstande fühlen, oder ihr Leben wird ein Leidensgang werden.

Dem Leben ist das gleichgültig^^

Du findest die, wie ein Mensch "sein soll" anmaßend/irrelevant?

Ja.

... ich frage mich, WAS Sie zu dem machte, daß sie sind (mich selbst eingeschlossen)

Zufälligkeiten der persönlichen Neigungen oder Überzeugungen der Eltern und anderer primärer Bezugspersonen in den ersten fünf bis 10 Lebensjahren, gefaltet mit zufälligen traumatischen Begebenheiten.

eine Ahnung davon, was bei einem Menschenkind für die Persönlichkeitsentwicklung behindernd und vielleicht nicht so förderlich ist/sein kann.

Oh, alles und nichts ist hierfür behindernd und/oder weniger förderlich. Nur: Das, was sich vor dem Hintergrund all dieser Hemmnisse entwickelt, ist immer noch eine Persönlichkeit. Selbst maximal-traumatisierte, "tote" Persönlichkeiten sind immer noch Persönlichkeit.

Ja, die Instanzen sind vorhanden. Und sie maßen sich an. ICH habe sie nicht für mich befugt. Also weise ich ihren Zugriff zurück, soweit mich das nicht in Konflikt mit den Gesetzen dieses Staates führt.

Moorleiche 21.03.2017 | 11:35

"Die wahren Sinne der gesitigen Begriffe wie Würde sind unteilbar und den Schmälerungen der Anwärter immun. Das heißt, wenn nur einem Wesen die Würde entzogen ist, können die anderen davon nicht reden."

Finde ich auch.

"Dazu muss man aber bereit sein alles das seit Geburt Auferlegte in den Mülleimer zu werfen. Können Sie den Mut dazu aufbringen?"

Warum? Das ist m.E. nicht unmittelbar einzusehen und muss daer begründet werden.

Moorleiche 21.03.2017 | 11:48

"Moorleiche hatte nach meinem Motiv für diesen Blog gefragt.

Eines ist mein widerständiges "Bauchgefühl" über seine "geklaute" These von der Bedeutung des/eines Vaters für ein "gesundes" (in Abgrenzung zu einem -z.B.- schwachen und / oder narzistischen) Selbst.

Diesbezüglich werde ich später noch (kritische ) Fragen stellen."

Das "Bauchgefühl" ist ja nicht selten auch nur eine verinnerlichte Konvention. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, da meine These ja ist, dass tradierte Konventionen nicht so ohne weiteres gekippt werden sollten.

Das "Bauchgefühl" kann ich auch durchaus nachvollziehen, ich bin, wie die meisten anderen hier wohl auch, ebenfalls vollkommen anders erzogen worden, nämlich im Geiste jener Ideologie, die in gewisser Weise antikonservativ im schärfsten Sinne war. Und im schärfsten Sinne meint hier nicht die aggressive Kritik und das tägliche sich abarbeiten an konservativen Positionen, sondern, bis auf wenige Reste, spielten diese schlicht keine Rollen, waren nicht mal mehr als Feindbild tauglich. Die Ideen, die ich geklaut habe und die mir plausibel erscheinen sind also Mosaiksteinchen, die sich über Jahre, gegen die inneren Widerstände eigener gelernter Ignoranz, zu einem konsistenten - wie ich hoffe - Bild zusammen gefügt haben und auch bei mir schwer kontraintuitiv waren. Das zur Erklärung.

Ich warte dann mal auf die kritischen Fragen, denn durch Kritik kommt man am ehesten weiter.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2017 | 17:30

Kann auch sein das isch das alles falsch sehe und dann dürft Ihr mich gerne zerhack stückeln.

Kein Komma steht falsch bei Ihrer Darstellung, nur die Mühe die Sie noch dafür-Kommentar- aufbringen können wundert mich, und demnach schätze ich Ihren Alter um die 40. Eine empfehlung von mir; versuchen Sie doch den Kern dieser falschen Haltung der Menschen zu deuten, denn damit entsorgen Sei sich wesentlich vom Illusionen des formalen Seins und sparen damit ungeheure Buchstaben die ins Mülleimer gehören, oder meinetwegen auch

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2017 | 18:40

Da bin ich dabei, eine kompremierte Form zu finden.

Dies führt zu nichts, den kompremieren der Form ist der falsche Ansatz, sowie die vom Zerstörung motivierten Handlanger im CERN es versuchen. Konzentrieren Sie sich -abgestreift vom Form- auf den Vektoren der Handlungen, erst dann wird der gemeinsammer Nenner, der sich im Kern versteckt, erkenntlich machen. Am Ende kommt nur Eins heraus, dessen man auch befallen ist, und die entdeckte Enttäuschung sich ins Erkenntniss verwandelt. Die Umkehr dann ist die einzige wahre Lebensaufgabe das alles erwerbte bis dahin sich ins Staub und Asche verwandelt. Wer an dieser Schwelle steht wird auch sofort merken das er nicht alleine ist, und sein wahres ICH als Freund Helfer ihm immer Beistand leistete.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2017 | 18:52

Menschlichkeit

Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen und empfindsamen Seele aufflammt. Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis, sie zu lindern; sie möchte die ganze Welt durcheilen, um die Sklaverei, den Aberglauben, das Laster und das Unglück abzuschaffen.
Sie verbirgt uns die Schwächen unserer Mitmenschen oder verhindert uns, diese Schwächen zu fühlen, macht uns aber unerbittlich gegenüber Verbrechen. Sie entreißt dem Schurken die Waffe, die dem guten Menschen zum Verhängnis werden könnte. Sie verleitet uns nicht, uns der besonderen Pflichten zu entledigen, sondern macht uns - im Gegenteil - zu besseren Freunden, besseren Gatten, besseren Staatsbürgern. Es macht ihr Freude, die Wohltätigkeit auf alle Wesen auszudehnen, die die Natur neben uns gestellt hat.
Ich habe diese Tugend, eine Quelle so vieler anderer Tugenden, zwar in vielen Köpfen bemerkt, aber nur in wenigen Herzen. Denis Diderot

na64 21.03.2017 | 20:05

Ok. Der Vektor. Der Pfeil für die Richtung. Das Thema ist das Wort gesund. Was ist gesund!?. Für jeden einzelnen etwas anderes und nicht zu verallgemeinern. Ist es gesund in Totessehnsucht seine Lebendigkeit, seine Lebhaftigkeit zu spüren!?. Mag sein, kann sein und darf jeder für sich selber entscheiden, wie Er, Sie das Spiel mit dem Feuer gestalten wollen. Das mit dem Vektor, dem Pfeil erinnert mich auch an Schach und Macht und der Figur des Pferdes. Betrachte ich meinen Zug Diagonal oder ums Eck gedacht!?. Ich wende beide Möglichkeiten an um Einsicht über versteckte Details zu erhalten. Nehmen wir den Pfeil, dann gehe ich nicht gerade aus sonder geschlängelt, mal hier und da abschweifend doch immer dem Horizont zu. Ich betrachte gern Abgründe da man viel daraus lernt und Philosophie hilft beim verstehen dieser schwarzen Pädagogik. Mit Edelmütig und Mitmenschlicher Fürsorge hat das bei mir nicht viel zu tun. Ich bin nur Neugierig und stell mir selber "dumme" Fragen die mich kreativ inspirieren und ich auch beantworten will. Das ist eigentlich meine private geistige Schulung und da gehört das kreieren von Rhythmus und Musik erschaffen auch mit dazu. Ich bin auch kein Gutmensch. Wenn man mir die Möglichkeit geben würde, das ich in einer Position arbeite, bei der ich ein Konto in eine fiktive hohe Summe künstlich erschaffen kann und das fiktive Geld dann reales Geld wird, dann wäre das eine interessante Herausvorderung für mich. Weil man da auch wieder ganz viel lernt. Da finde ich sogar kriminelle Energie als gesund für mich. Immer der Erkenntnisgewinn, der auf dem Pfeil versteckt zu finden ist.

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Ehemaliger Nutzer 21.03.2017 | 20:41

Wenn man mir die Möglichkeit geben würde,

Wer soll dieser man sein der die Möglichkeiten verteilt, und worauf wartet dieser man um die Möglichekeiten zu verteilen?

Was aber wenn man das Selbst istund in den Möglichkeiten schwimmt, nur an dessen Wahrheit zu glauben scheitert?

Wenn dieser man irgendwann den freien Zugang zu den Möglichkeiten entdeckt, aber auch die volle Verantwortung&Haftung dessen tragen ihm gewiss wird, sollte er dies mit Gründung einer GmbH umgehen versuchen?

,,Das einzig unendliche an dem Menschen ist das Potanzial des Selbstbetruges.'' -imagine

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Ehemaliger Nutzer 22.03.2017 | 00:37

Die Wahrheit die dies befürwortet, ist die Bereitschaft zu einer Gewaltausübung, die unser Glauben an unser Denken und so unsere Motivationen im gut heißenden Handeln, in dieser Zeit jetzt bestimmt.

Hass und damit Gewalt ist eine Grundeigenschaft der in der Materie verankertem Spaltungsenergie, und agitiert jedem Geist der sich darin schwingt. Dadurch entsteht der Kampf zwischen dem Unkenntnis und der Weisheit, dem Frieden und der Feindschaft, dem Zusammenfügen und der Trennung. Der sein Potenz in der Materie, durch Identifizierung messender Geist besteht entweder diese Prüfung, wovon auch die Materie nutzen zieht und sich weiter entwickelt, oder verliert es, womit sich seine Entwicklung nur verzögert.

na64 22.03.2017 | 08:29

Selbstbetrug!?. Mein Thema wenn der Spiegel, oder wie hier die Arbeitsmaske zu einem spricht und einem sagt: Aber hallo da gibt es noch diese und diese Möglichkeiten und aber ich dann sage: Hallo Arbeitsmaske du hast in meienr Vergangenheit schon mal anders ausgesehen und da habe ich all diese Möglichkeiten schon angewandt und existieren immer noch.

Ich darf mich bei Euch alle erstmal bedanken. Mein Charakter treibt ein wenig Schabernack mit mir und das ist gut so, da ich so auf diese Art und Weise Ballast los werde. Wenn man über seinen Selbstbetrug lachen kann ist das wie wenn man Angst besiegt. Am Schluss muss man darüber lachen können.

Moorleiche 04.04.2017 | 07:06

Hallo Metambigo.

Ich will mit meiner Antwort mal Ihren Fragen zuvorkommen ;-) vielleicht ergeben sich ja neue daraus.

Ich zitieren im Folgenden aus einem Text, der das Konzept des Narzissmus aus der Sicht prominenter psychoanalytischer Theoretiker und Praktiker, hier Kohut, Kernberg und Blatt vorstellt und diese dann mit den Vorstellungen des Narzissmus in der Kritischen Theorie vergleicht, darin:

„Horkheimer, Adorno und Lasch führen das Auftauchen des Narzissmus als dominanten Charakterzug und die Ausweitung Narzisstischer Persönlichkeitsstörungen als vorherrschende Psychopathologie auf den Zusammenbruch väterlicher Autorität und die Verwässerung mütterlicher Fürsorge im Zuge veränderter familiärer Strukturen und ökonomischer Produktionsprozesse zurück. Die Übernahme elterlicher Funktionen durch Medien, Schule und Sozialeinrichtungen haben zu einer Verwässerung elterlicher Autorität und zur Beeinträchtigung der Fähigkeit von Kindern geführt, starke psychische Identifizierungen mit ihren Eltern auszubilden. Autorität und Autonomie des Vaters werden mehr und mehr durch die Trivialisierung seiner Rolle im Produktionsprozess unterminiert, während Effektivität und Fürsorge der Mutter durch die zunehmende Professionalisierung von Kindererziehung und den Mangel an gesellschaftlicher Anerkennung ihrer Rolle als Trägerin dieser Qualitäten (d.h. Liebe, Zärtlichkeit, Gegenseitigkeit) infrage gestellt werden – Qualitäten, die einer Reduzierung des Menschen auf ein bloßes Anhängsel von Produktionsprozessen entgegenstehen.

Nach Auffassung von Horkheimer, Adorno und Lasch interferiert dieser Schwund elterlicher (insbesondere väterlicher) mit ödipalen und präödipalen Internalisierungsprozessen. Der Ödipuskomplex dient in den Augen dieser Theoretiker nicht nur als Medium zur Internalisierung, sondern auch als Fundament moralischer Autonomie, die ihrerseits zum Hort gesellschaftlichen Widerstands werden kann. Viele Mitglieder unserer Gesellschaft, so die These, entbehrten aufgrund der Abwesenheit des Vaters von zu Hause sowie seiner Machtlosigkeit innerhalb der sozialen Welt einer starker Identifikationsfigur, was den Verlust eines starken Ichs zur Folge habe, das normalerweise den langwierigen Auseinandersetzungen mit einem geliebten und verehrten, wenngleich gefürchteten Vater entspringt. Vielmehr sei der Einzelne, so Lach (1982), seinen primitiven Phantasien über einen unnötig strengen und strafenden Vater ausgeliefert, mit dem Ergebnis, dass auch das Über-Ich seine primitiven personifizierten Qualitäten behalte und auf die soziale Welt projiziere, die dann als gefährlich und irrational erscheine. Der Zusammenbruch väterlicher Autorität als zentrales Sozialisationsmoment machen so den Weg frei für die direkte Manipulation des Ich durch Massenmedien, Schule, Peergroups und politische Führer. Das Ich-Ideal entspringe nicht der Auseinandersetzung mit dem Vater, sondern einem unterentwickelten Ich bzw. dem direkten Einwirken von Kräften außerhalb der Familie. Eine derartige Aufpfropfung des Ich-Ideals auf das entstehende Ich prädisponiere zu dessen rascher Reprojektion auf äußere Figuren, sowie zu Regressionen, die mit einer Verdichtung von Ich und Ich-Ideal in Richtung narzisstischer Pathologie einhergehen.“

(Diana Diamond, Narzissmus als klinisches und gesellschaftliches Phänomen, in: Otto F. Kernberg (Herausgeber), Hans P. Hartmann (Herausgeber), Narzissmus: Grundlagen – Störungsbilder – Therapie, Schattauer 2009, S. 190 f)

Es wären weitere und für unsere Zeit bedeutsame Aspekte anzuführen, wie die Beziehung des Einzelnen zu Autoritäten, die insbesondere Adorno interessierte und die weiter unten noch angesprochen wird, es wird auf Marcuses abweichende, weil positive Konnotation des Narzissmus hingewiesen, aber das sei hier nur erwähnt, denn ich denke, dem wachen Leser (der Sie ja tatsächlich sind) bieten sich hier genügend Anknüpfungspunkte.

denkzone8 04.04.2017 | 07:36

wie wärs,

wenn man sich der schwächung des propagierten

bürgerlichen ichs

seis durch elterliche kälte,

institutionalisiertes des-interesse(heinsohn)

ökonomisierung von freundlicher zugewandtheit...

so stellt wie dem ablaufenden global warming?

und, damits rund wird:

selbst kompliziert-geglückte überzeugungs-bildung

sagt nichts über tatsächliches verhalten aus.

Moorleiche 04.04.2017 | 09:08

"wie wärs,

wenn man sich der schwächung des propagierten

bürgerlichen ichs

seis durch elterliche kälte"

Nein, nicht Kälte, das wäre ein Missverständnis. Ein Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit als Autorität, das ist der Punkt.

Kälte ist auch schlecht, aber hier nicht gemeint. Der Autoritätsverlust kann (vielleicht gerade) auch dem warmen Kuschelpapa passieren, denn Papas wollen ja nicht emotional distanziert wirken und gar noch die Einhaltung von Regeln tatsächlich einfordern, denn das könnte die zarte Kinderseele ja verletzen. Traumatisieren heißt das ja heute. Lieber schläft er mit der Tochter im Arm auf der Fernsehcouch ein, so süß, so friedlich, weil die Kleine auch immer so schrecklich weint, wenn sie ins Bett soll, wenn die Eltern das wollen.

"institutionalisiertes des-interesse(heinsohn)

ökonomisierung von freundlicher zugewandtheit...

so stellt wie dem ablaufenden global warming?"

Du meinst, viel reden und nichts tun und im Zweifel: Vorfahrt, für die Wirtschaft? Passiert doch. :-)

"und, damits rund wird:

selbst kompliziert-geglückte überzeugungs-bildung

sagt nichts über tatsächliches verhalten aus."

Klar, man muss was tun, das ist von jeher mein Credo. Nur eben an der richtigen Stelle. Sonst hat mit irgendwann alle Neoliberalen erschossen und die Welt ist immer noch schlecht. Wattndann?

Und - ich kann meine Kritik schon selbst nicht mehr hören - dieses saumäßig dumme eingleisige Neoliberalismus Bashing, was die Frage, warum dieser eigentlich so beliebt ist/werden konnte so radikal verweigert, hätte hier mal eine Antwort.

Hat das was als typisch neoliberales Verhalten erscheint (wenngleich es auch gelegentlich karrikiert erscheint) eigentlicht eine Ähnlichkeit mit dem, was als typisch narzisstisches Verhalten erscheint? Und falls ja, wie kommt das?

Eine Antwort ist, dass der Neoliberalismus eben Narzissten produziert, eine andere steht oben, wichtig ist eigentlich nur, das dynamische Verhältnis von Innen und Außen zu sehen und zu verstehen.

Metambigo 04.04.2017 | 11:01

Hallo Moorleiche, bin z.Z nicht so gut drauf, müde, ausgebrannt und deshalb folg(t)en meiner Blogeröffnung noch keine weiteren, konkreten Fragen/Bemerkungen.

Hier kommt mal eine: Donald Narzist Trump hatte (bis er 12-13 war) keinen abwesenden (wenn man die Anwesenheit von emotionaler Zuwendung mal ausklammert), sondern einen sehr autoritären Vater.

Den von Dir vertretenen Thesen nach wäre er eine Ausnahme ?

Oder ist nicht eher das Fehlen von empathischer Zuwendung (u.a.durch den Vater) ausschlaggebender als das Fehlen von "Autorität" (weil die erfuhr er ja) ?

Moorleiche 04.04.2017 | 12:18

Hallo Moorleiche, bin z.Z nicht so gut drauf, müde, ausgebrannt und deshalb folg(t)en meiner Blogeröffnung noch keine weiteren, konkreten Fragen/Bemerkungen.“

Oh sorry, ich wollte Dich da nicht stressen. Ich bin im Moment auch noch mit einem Projekt beschäftigt, das ich jetzt irgendwie einfädeln muss und das heißt zig Gespräche, Nachbesserungen, Infos einholen. Als der Rohschliff mehr oder minder fertig war, vor ein paar Tagen, war bei mir auch erst mal die Luft raus und ich hatte direkt ne Aversion dem Computer nahe zu kommen und wollten von dem ganzen (an sich brennend interessanten) Scheißthema nichts mehr hören und sehen.

Hier kommt mal eine: Donald Narzist Trump hatte (bis er 12-13 war) keinen abwesenden (wenn man die Anwesenheit von emotionaler Zuwendung mal ausklammert), sondern einen sehr autoritären Vater.

Den von Dir vertretenen Thesen nach wäre er eine Ausnahme ?“

Nein, überhaupt nicht.

Ich erkläre das hier mal ausführlicher, weil ich dann noch was zu Bonelli einflechten kann, auf den denkzone8 mich unlängst hingewiesen hat.

Unterstellt, Trump sei Narzisst: In den Narzissmus führen mehrere Wege. Im Moment gibt es da so ein theoretisches hin und her. Raphael Bonelli hat recht aktuell ein populärwissenschafltiches, aber wie ich finde sehr gelungenes Buch über den männlichen Narzissmus geschrieben: „Männlicher Narzissmus – Das Drama der Liebe, die um sich kreist“. Schön, flott, anschaulich, ich hätte zwei Kritikpunkte: Bonelli gehört zur neuen Generation Therapeuten, die Religion nicht als Problem, sondern als Hilfe ansehen, eine Position, die ich im Großen und Ganzen teile, die Bonelli – ohne hier naiv zu sein – m.E. aber dennoch einen Tacken überbetont.

Punkt 2: Bonelli kritisiert Kernberg dafür, dass dieser beim Narzissmus eine Ich-Schwäche feststelle, während er, Bonelli, in Anlehnung an eine Studie von Brummelman meint, dass zu stark gelobte Kinder Narzissten werden und diese nur großartig und selbstbeswusst und sozusagen extrem ich-stark wären. Nach Ansicht der meisten Theoretiker ist diese Ich-Stärke allerdings eine kompensatorische und ich glaube das auch. Bonelli zieht hier eine Trennlinie ein und nennt ich-schwach wirkende Narzissten anders, z.B. Perfektionisten. Perfektionismus kann mehrere Hintergründe haben, zwanghaft-neurotische und narzisstische.

Kernberg kenne ich recht gründlich und m.E. ist die Behauptung von Bonelli in diesem Punkt nicht richtig, dass Kernbergs Narzissten immer ich-schwach erschienen und unterdrückt gewesen wären. Richtig ist, dass Kernberg die ganze Palette beschreibt, darunter jene grandiosen Narzissten, die Bonelli meint, die Mamas Sonnenschein sind und all das hat Bonelli vorzüglich beschrieben, aber Kernberg kennt das. Das sind die Fälle in denen das (beim Narzissmus stets lädierte) Über-Ich mit dem Ich-Ideal identifiziert ist, d.h. mit einer zweiten, nur guten Schicht des (dreischichtigen) Über-Ichs zusammen fällt/identifiziert ist.

Aber das sind nicht alle. Die Läsion des Über-Ichs kann weiter gehen und dann ist das Ich nicht nur ein supie dupie tolles Ich, sondern auch damit identifiziert, dass es gerissen, grausam und sadistisch ist, im Extremfall Herr über Leben und Tod anderer. Dieser Narzissmus mit antisozialen Zügen → maligner Narzissmus → antisoziale Persönlichkeit (zusammengefasst heute unter „Psychopath“) eskaliert in der Reihe der Darstellung im Schweregrad und wird immer aggressiver.

Immer hat Narzissmus zwei Seiten, eine grandios-exhibitionistische und eine verdruckst-gehemmte. D.h. immer kann das Erscheinungsbild grandios, oberflächlich charmant und mitunter dämonisch betörend und ausgesprochen charismatisch sein, aber eben auch linkisch, gehemmt, dennoch mit der Phantasie, dass man an sich ein verkanntes Genie sei.

Da auch Bonellis Kriterien des Narzissmus die Überbewertung des Selbst, die Entwertung anderer und der Mangel zur Fähigkeit der Selbsttranszendenz ist, bleibt die Frage, warum sich so ein grandioser Typ nicht auch mit anderen freuen kann und da kommen wir dann doch wieder in die eher klassischen Fahrwasser der Narzissmustheorie, die Abhängigkeit von der Beachtung und Anerkennung durch andere, gleichzeitig, die Tatsache, dass man nichts so sehr hasst, wie von anderen abhängig zu sein, reaktiv dann die Entwertung der lobenden Trottel, die ja doch keine Ahnung haben, was und wen sie da eigentlich loben und damit die Vergiftung des Lobs, die dazu führt, dass man immer neu gelobt werden muss und nie satt wird. Kurz, Bonelli betont den Sonnenschein-Aspekt der Narzissten und das zurecht, aber er sieht glaube ich falsch, dass Kernberg das nicht kennen und erkennen würde, der ist hier einfach breiter aufgestellt.

Und jetzt zur Ursache: Lob ist das eine, übertriebenes, unangemessenes Lob und das scheint völlig richtig zu sein und durch Studien belegt.

Doch auch die andere Seite stimmt: Chronische Gewalterfahrungen, aber auch ein zu strenges und vor allem zu leistungsbezogenes Elternhaus, in dem das Kind nicht um seiner selbst willen geliebt wird (das ist etwas anderes als dauernd auf einen Sockel gehoben zu werden), sondern nur, wenn es etwas richtig und gut macht. Hier werden Kinder darauf gedrillt Kunststückchen vorzuführen (in der Öffentlichkeit), ansonsten spielen ihre Bedürfnisseals Kind keine Rolle und sie werden kühl missachtet.

Das klingt nun, als könne man Psychologen nichts recht machen, dabei ist die goldene Mitte breit. Eine gute Kindererziehung geht auf die Bedürfnisse des Kindes ein und lässt es ansonsten in Ruhe Kind sein. Also keine pränatalen Chinesischkurse oder ein Wechsel an elterlich perfekt durchdachten Bausteinen zur optimalen Erziehung: Montags Intelligenz, Dienstags Fitness, Mittwoch Sozialkompetenz … alles lieb, aber Kinder lernen das auch spielerisch und das auch noch viel besser.

Oder ist nicht eher das Fehlen von empathischer Zuwendung (u.a.durch den Vater) ausschlaggebender als das Fehlen von "Autorität" (weil die erfuhr er ja) ?“

Ja. Kinder brauchen zum einen Grenzen, die sie zu respektieren haben, dann aber auch Zeiten von Aufmerksamkeit, Interesse, Zuwendung und angemessenen Anerkennung, sowie der angemessenen Kritik. Und dann natürlich Zeite zum träumen, für sich, mal mehr, mal weniger. Wie und von wem sollen sie es sonst lernen, wenn der kleine Pascha oder die kleine Prinzessin nie was falsch machen können oder nie beachtet werden und dann auf einmal mit anderen Menschen konfrontiert werden?