Meyko
02.04.2014 | 12:19 6

Kindermund:"Frauen tun immer nur so, ..."

Nächste Generation. "In Deutschland wird man nie wieder infrage stellen, ob eine Frau auch Kanzlerin sein kann. [...]" (Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) zur Frauen-Vorbild-Entwicklung)

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Meyko

Papa war ein engagierter "Hausmann". Stets liebevoll und freundlich. Er wickelte, fütterte, badete sie und brachte sie auch gerne ins Bett. Ging mit ihr geduldig zur Ärztin und saß stundenlang neben fremden, müden Müttern auf dem Spielplatz. Er organisierte selbstverständlich all ihre Geburtstage und Feste.http://u.jimdo.com/www53/o/s144791446748fbe0/img/i6b68deaec0a79d19/1396432694/std/image.jpg

Egal ob in der Krippe oder im Kindergarten, in der Schule oder im Hort, er verbrachte jedes Mal eine so ausgedehnte Eingewöhnungsphase mit ihr gemeinsam, bis sie Vertrauen gefasst hatte und sich am neuen Ort absolut sicher fühlte und ihn dann irgendwann gerne gehen ließ.

In jedem Fall übergab er seine Tochter vertrauensvoll an Frauen, die ihren Job offensichtlich verstanden. Dass er zudem am Abend, in allen möglichen Elternvertretungen und Vereinsvorständen, sowohl für ihres, als auch für das Wohlergehen anderer Kinder eintrat, davon bekam sie so direkt nichts mit.

Als sie zehn Jahre alt war, wollte die Mama aus Karrieregründen einige hundert Kilometer weiter ziehen und ihre Tochter mitnehmen.

Der Papa hingegen wollte sie - aus eventuell nachvollziehbaren Gründen - nicht so gerne verpflanzen.

Die Frau vom Jugendamt unterstützte allerdings wie selbstverständlich die Mama. Die Richterin und die beigeordnete Sozialarbeiterin taten es ihr ohne Zögern nach.

Als die Tochter nach der zugesagten "Probezeit" unbedingt zum Papa zurück wollte und ihre Meinung auch deutlich gegenüber der Sozialarbeiterin und einer weiteren Richterin vertrat, wurde sie nicht ernst genommen.

Trotz eindeutiger Aussage der Elfjährigen bei Papa leben zu wollen, hatte "sich das Kind was in den Kopf gesetzt", wie die Richterin es interpretierte. Der Wunsch bestehe mit nur vier Monaten nicht lange genug und sei darum nicht so ernst zu nehmen. Die Worte wurden einfach umgedeutet und ihr Herzenswunsch damit abgelehnt.

Die in der nächsten Instanz zuständige Richterin mochte sie auch nicht so recht unterstützen.

Infolgedessen arrangiert sich die Tochter nun weiterhin mit der Mama.

Eine, kürzlich im Gespräch über Putin, Politik und Kanzlerin fallengelassene Einschätzung der mittlerweile Zwölfjährigen, ließ ihn aufhorchen: „Frauen tun immer nur so, als wenn sie nichts zu sagen haben, dabei bestimmen sie Aalleess!!

Da ihr bisheriges Leben tatsächlich, insbesondere was die "gesellschaftlichen" Erfahrungen anging, durchgehend von Frauenmeinungen bestimmt wurde, konnte er ihr nicht so recht widersprechen.

Ihm fiel jedoch prompt diese Rede von Frau Winkelmeier-Becker (CDU) wieder ein - von wegen fehlender weiblicher Vorbilder und so...

Nachtrag 1

Was eventuell auch eine Rolle bei der Entstehung dieses Rollenbildes spielen könnte:" Im traditionellen, bürgerlichen Familienmodell besitzt die Frau die Definitionsmacht in der Familie." (Soziologe M. Meuser in der ZEIT)

Nachtrag 2

Weitere Vorbildfrauen:

Vier der sechs größten deutschen Verlagshäuser werden von Frauen regiert.

"Mögen sie eisern sein wie Liz Mohn, streng wie Yvonne Bauer, gerissen wie Friede Springer oder beharrlich wie Petra Grotkamp - machtbewusst sind sie alle."

Frauen in Führungspositionen schaffen Vorbilder

... Wo es trotz ernsthafter Suche keine geeignete Kandidatin gibt, da kann es auch Ausnahmen geben; das ist in Ordnung. (CDU-Rede von Frau Elisabeth Winkelmeier-Becker)

Noch etwas zum Themenbereich Familie:"Überraschende Selbstzensur" (Sexualkunde)

"Kinder im Maul"

und eventuell interessiert auch: "Mißbrauch"

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (6)

chrislow 09.10.2014 | 11:23

Der Unterschied zwischen der definitionsmacht in der Familie und einer Kanzlerin im Bundestag wäre der etwa:

Die im Bundestag könnte ein Mythos sein, der in der Familie jedenfalls ist echt und wird von der gesamten Gesellschaft über die Familiengrenzen hinaus a priori als Norm vorrausgesetzt. Siehe Urteil im Beitrag.

Schlimm wäre es, wenn sich diese Definitionsmacht (a priori) auch in der Politik eingeschlichen hätte....sodass Madamme Merkel ...

Ich kanns mir aber wirklich nicht vorstellen. Könnte aber dennoch sein (also kein Mythos?)...

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