Bundespräsident Ade

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Eigentlich hatte ich nicht vor, mich zu diesem ganzen Köhler-Gedöns zu äußern. Nur schaffte es bisher lediglich das dradio, nicht ins immer gleiche Horn zu stoßen, was bei denen daran lag, dass sie in jedem zweiten Satz betonen mussten, dass sie mit ihrem Interview den Rücktritt ausgelöst haben.

Die Berichterstattung ist, vorsichtig formuliert, unter aller Sau.

Das geht von Fahnenflüchtling bis hin zum Schwächling, der sich rausmobben ließ. Mit Genuss ergreift die Presse nun auch endlich ihre Chance auf die bisher als unangreifbar geltende Angie einzudreschen und im Internet stößt man nicht nur ins gleiche Horn, sondern mimt auch noch das dradio.

Wirklich überraschend ist das alles nicht, denn es ist immer so, doch scheint dabei niemand auf den Gedanken zu kommen, dass der von Köhler vermisste Respekt vorm Amt allein schon dadurch bestätigt wird.

Während noch wild über die „wahren Gründe“ spekuliert wird, müsste man sich doch nur eine Folge von Anne Will anschauen, um die Rücktrittsgründe zu finden. Die kommt nur am Sonntag und verursacht bereits ein Penetrantes greifen an den Kopf. Hört euch das Mal jeden Tag an, entweder werdet ihr dann genau so oder ihr tretet zurück. Ein Roland Koch, der eine Woche zuvor für seinen selbstinszinierten Abgang hoch gelobt wurde, mag dann noch inspirierend wirken.

Man muss Köhler nun nicht unbedingt leiden können, um festzustellen, dass er etwas anders tickte. Seine umstrittenen Aussagen belegen dies:

"Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen - negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen."

Mir fällt da weiterhin nicht mehr dazu ein als:

„Ja, guten Morgen, wegen so etwas führt man Krieg.“

Lernen können wir daraus höchstens, dass wenn man so was schon mal sagt, man es nicht auch noch nachträglich aus der Internetseite des dradios entfernen lassen sollte. Zumindest im Internet regte das viele mehr auf, als das eigentliche Thema und dadurch wurde es zum Thema. Erst nachdem das geschah, begannen sich die Blogs dann auch noch über den Inhalt aufzuregen.

Der Rest ist eine Demütigung für unsere Demokratie. Statt Horst Köhler für diesen Fauxpas dankbar die Füße zu küssen, dreschen alle auf ihn ein.

Glaubt ihr Pfeifen eigentlich ernsthaft, dass sich, wenn man es nicht sagt, an den Gründen etwas ändert?

Wir sind, als Land, in verschiedensten internationalen Organisationen und zugleich eine Exportnation. Wir kämpfen gegen Piraten, für freie Handelswege, im Bündnisfall haben wir parat zu stehen, wenn wir denn auch mal auf Hilfe wollen bzw. weiterhin Mitglied in diversen Organisationen sein wollen. Es geht in allem was wir tun, niemals nur um richtig oder falsch, Krieg oder Frieden, es geht um unsere Interessen. Um das Wohl des deutschen Volkes (oder das, was die Lobbyisten von ihm übrig gelassen haben).

Man muss nun nicht vom „gerechten Krieg“ oder „Gottesgnadentum“ zu lamentieren beginnen, denn die staatlichen Handlungsspielräume sind innerhalb dieser komplexen Welt erstaunlich beschränkt. Spielräume ergeben sich immer nur dann, wenn nationale Interessen sich mit den internationalen Interessen überschneiden oder ein einschneidendes Ereignis Fakten schafft.

Der kleinste gemeinsame Nenner sind wirtschaftliche Interessen gegenüber schwächeren Staaten.

Selbst die friedlichen Linken sahen sich nicht in der Lage das Thema aufzugreifen. Sie verbündeten sich stattdessen mit den Rechten und droschen gemeinsam auf den Bundespräsidenten ein. Ade.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

16:54 02.06.2010
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Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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hibou | Community
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