Gewerbeimmobilien und auslaufende Stabilisierungsprogramme

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Originaltitel musste ob der Zeichenbeschränkung gekürzt werden und lautete:

The Next Big Thing: Gewerbeimmobilien und auslaufende Stabilisierungsprogramme

Zum Beginn des Jahres 2010 erklärte die Falcon Real Estate Investment Company in ihrem quartalsweise erscheinenden Marktkommentar, warum in den USA trotz der Krise so wenig gewerbliche Grundstücke zum Verkauf angeboten werden.

Die Erklärung lautete, kurz gesagt, dass die Banken so dermaßen mit den Hypotheken der Endverbraucher zu kämpfen hatten, dass sie sich bei den Gewerbeflächen der „lend and pretend“-Strategie (verleihen und wegschauen) bedienten. Dadurch mussten sie sich kurzfristig nicht diesem Problem widmen, welches nur zu noch mehr Abschreibungen geführt hätte.

Was bisher kein Problem war, beginnt eines zu werden. Seit letzten Mittwoch (14.04.2010), haben drei Fonds aus diesem Bereich Probleme vermeldet. Die Zahlen beziehen sich auf das „under fire“-stehende Vermögen (in Dollar):

  • 5,4 Mrd. Morgan Stanley (Schwerpunkt Asien und Europa; Volumen: 8,8 Mrd.)
  • 2,8 Mrd. Deutsche Bank (Schwerpunkt USA; Volumen: 2,8 Mrd.)
  • 1,8 Mrd. Goldman Sachs (Schwerpunkt USA und Deutschland (1,8 Mrd.))

Das Grundproblem der betroffenen Fonds ist, dass die Geld gebenden Banken die Kredite nicht verlängern wollen und Immobilien vielfach leer stehen. Aus dem Vergessen wurde Erinnerung.

Die Taktrate dieser Nachrichten ist erstaunlich hoch. Entweder zieht sich hier eine kleine Gruppe von bisher duldsamen Geldgebern aus dem Markt zurück, oder es wurde gerade generell eine Lawine losgetreten.

Für die Deutsche Bank ist das Problem kein Neues. Sie kämpft bereits seit Beginn der Krise mit Problemen dieser Art und ist selbst vielfach als Geldgeber betroffen. Für den betroffenen Fonds stellte sie nun einen Kredit zur Verfügung und plant, Immobilien abzustoßen. Es soll also in einen schwachen Markt hineinverkauft werden, in dem die Käufer wissen, dass die Preise eher fallen als steigen werden.

Es droht die Entstehung eines Käufermarktes, durch den weitere Immobilienfonds in Schieflage geraten würden.

Ende der Entspannungs-Maßnahmen

Am 18. Februar 2010 erhöhte die FED unerwartet früh den Diskontsatz von 0,50% auf 0,75%.

Der Diskontsatz hat im Regelfall einen Abstand von 100 Basispunkten (=1%) zum Leitzins, dessen Range zur Zeit bei 0,00% bis 0,25% liegt. Im Zuge der Finanzkrise wurde die Spanne von der FED auf 50 Basispunkte gesenkt. Über diesen Zinssatz können sich unter Liquiditätsnot leidende Banken kurzfristig von der FED Geld leihen.

Am 29. März 2010 endete ein weiteres 300 Mrd. Dollar schweres Staatsanleihenrückkaufprogramm der FED, über das den Marktteilnehmern zusätzliches Eigenkapital zur Verfügung gestellt wurde. Wesentlich wichtiger war der FED jedoch, dass man durch die Ankäufe auch die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen drücken konnte, was nicht nur die Refinanzierung des Staates selbst verbilligte, sondern auch eine generelle Wirkung auf die Zinssätze hatte (Referenz).

Am 31. März 2010 endet ein Kaufprogramm für verbriefte Hypotheken von Fannie Mae und Freddie Mac in Höhe von 1,25 Bio. Dollar.

Ein weiteres Rückkaufprogramm endet Mitte des Jahres.

Am 24. Juni 2010 läuft der sogenannte „Jahrestender“ der EZB aus, bei dem sich die Banken 442 Mrd. Euro zu 1% geliehen haben. Bis Ende 2010 werden dann zwei weitere Jahrestender auslaufen. Diese belaufen sich auf 75 und 95 Mrd. Euro. Da es seit 2010 keine Neuauflegung mehr gibt, könnte hier auf elegante Art und Weise dem Markt Geld entzogen werden. Sofern Probleme auftauchen sollten, kann aber damit gerechnet werden, dass es eine Neuauflage dieser speziellen Instrumente geben wird.

Die staatlichen Konjunkturprogramme laufen Jahresverlauf aus.

Neue Entspannungsmaßnahmen

Ende März kündigte Obama an, dass er ein weiteres Hilfsprogramm (14 Mrd. Dollar) für die sogenannten „under water“-Hypotheken auflegen wird. Hierbei handelt es sich um Hypotheken, deren Schuld bei der Bank den Wert des Eigenheims übersteigen.

Dies scheint insofern nötig, als dass in den USA die Anträge auf Zwangsvollstreckungen im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahr um 16% auf 932.234 gestiegen. Rekordniveau.

Fazit

Dass die Probleme bei den Gewerbeimmobilien passend zum Ende der Hilfsmaßnahmen auftauchen, wird die Verschwörungstheoretiker beschäftigen. Anhand der nicht enden wollenden Probleme bei den Hausimmobilien, passt es jedoch gut ins Bild.

Die bisherigen Hilfsmaßnahmen haben den Banken etwas Entspannung verschafft, die Probleme jedoch nur in die Zukunft verschoben. Dabei gilt festzustellen, dass die jetzigen Milliardengewinne auch darauf beruhen, dass die Banken nur zögerlich abgeschrieben haben. Verdenken kann man es ihnen nicht, denn das dadurch „mehr“ zur Verfügung stehende Geld (höheres Eigenkapital = mehr Kapital zum „investieren“), konnte ertragreich an die Börsen gebracht werden.

Das heißt, die Anreizmechanismen der Notenbanken haben insofern versagt, als dass sie nicht mehr ausgleichend wirkten, sondern dem spekulative Element Freiraum verschafften. Mit dem Auslaufen der staatlichen (Notenbanken zähle ich auch als staatlich in diesem Fall) Maßnahmen droht nun umgehend der nächste Rückschlag.

Theoretisch können wir das Spiel ewig spielen, doch eine sich selbsttragende wirtschaftliche Erholung kann auf dieser Basis kaum entstehen. Vielmehr geht es hier um Abfederungen finanztechnischer Natur. In der Folge bleiben die Börsen volatil und die Wirtschaft stagniert bestenfalls.

Die Gefahr, dass die Wirtschaft nun zu früh investiert, ist gestiegen, was das „Double-Dip“-Szenario wieder wahrscheinlicher macht.

Für mich persönlich bleibt somit auch das Deflationsszenario weiterhin das Wahrscheinlichste.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

10:42 19.04.2010
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Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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