Kommentar: Euro(pa)

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Als ich mich letzte Woche dem Thema Griechenland widmete, bat ich vorab per Twitter darum, eventuelle Aspekte zu benennen, die interessant sein könnten. Vera brachte dabei den Euro ins Spiel. Ein wahrlich naheliegender Aspekt, dem ich mich auf Basis Griechenlands so gar nicht widmen wollte.

Der Hintergrund war, dass der Euro den zweitgrößten Währungsraum der Welt als Basisunterlegung hat und die Krise eines Landes, mit einem BIP-Anteil von 2,7% an diesem Raum, zwar kurzfristige Auswirkungen hat, doch keinesfalls eine dauerhaft bestimmende Wirkung.

Im späteren Wochenverlauf regte Jörn Kabisch vom Freitag an, als nächstes Thema einen Vergleich zwischen Griechenland und Argentinien zu ziehen. So recht überzeugte mich auch dieses Thema nicht, doch es stieß mich darauf, mir die währungsbedingten Krisen der vergangenen Jahrzehnte etwas genauer zu betrachten. Als da wären:

Ich möchte die Krisen an dieser Stelle nicht aufarbeiten. Das recht umfangreiche Material hierzu ist im Internet gut aufzufinden und eine Erste Verlinkung mit eingebaut.

Wie in der Klammer bereits zu sehen ist, lag bei allen Krisen eine Bindung der Währungen vor. Die Ausnahme ist Schweden, das war tatsächlich eine richtige Bankenkrise, dem Immobilienmarkt sei Dank.

Generell scheint mir der Immobilienmarkt ein Markt zu sein, den es besonders im Auge zu behalten gilt, wenn man Ausmaß von Spekulation zeitnah erfassen möchte. Auch Keynes forderte immer wieder Programme, die hauptsächlich Immobilien ins Auge fassten. Da fließt viel Geld, der Bau dauert eine Weile und entsprechend viel Arbeitsplätze werden geschaffen, da nicht zuletzt eine Menge Zulieferer dran hängen. Keynes dürfte sich freuen, dass eine, unter Milton Friedman agierende, Wirtschaft, diese Grundlage in den USA übernommen hatte.

Die europäische Idee

Griechenland hat keine Euro-Bindung, Griechenland hat den Euro.

Und mit diesem Satz wird der qualitative Unterschied deutlich, dem wir uns heutzutage stellen müssen. Dabei geht es gar nicht mal darum, dass Griechenland die Drachme wieder einführen könnte und es so leichter hätte, die Probleme zu bewältigen. Es geht hierbei hauptsächlich um die Frage, was Europa in der Zukunft darstellen und erreichen möchte.

Nachdem wir im Jahr 2007 die schlappen „50 Jahre Römische Verträge“ feierten, mag es manchem so erscheinen, dass hier nicht sonderlich viel auf dem Spiel steht und man einem gescheiterten Experiment den Laufpass geben könnte, in dem man den ersten Sturm als Anlass des Eigeninteresses nimmt und „die Anderen“ vergessen mag. Weniger zeitgeistig könnte die Reaktion ausfallen, wenn wir uns vor Augen führen, dass die „europäische Idee“ aufs 17. Jahrhundert zurückzuführen ist.

Wie die Auflistung der Krisen aus der jüngeren Vergangenheit zeigt, sind diese Krisen keine Besonderheit in der Entwicklung. Sie gehören ebenso zum Fortschritt wie die Zeiten, in denen es uns besonders gut geht. Ein schlechter Grund, um die Basiserfolge in Frage zu stellen.

  • Wir wissen, dass Europa kein perfektes Konstrukt ist.
  • Wir wussten, dass Griechenland ein Problemkind sein wird.

Die nun „53 Jahre Römische Verträge“ weisen auf, wie schnell Europa in der jetzigen Konstellation schlussendlich entstanden ist. Ein gegenseitiger Anpassungsprozess konnte kaum stattfinden. Dieser Prozess wird nun, ausgelöst durch Probleme einzelner Länder, nachgeholt.

In der Folge wird es Veränderungen auf wirtschaftlicher Ebene ebenso geben wie auf finanzpolitischer.

Wobei sich der Deutsche nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen sollte, denn vor einem Jahr diskutierten wir noch die baldige Pleite verschiedener Bundesländer. Es wäre auch nichts Neues, nennt sich dann nur Haushaltsnotlage. Dies darf als Hinweis auf Probleme der Zukunft gelten.

Der Euro

Der Deutsche liebte seine D-Mark. Sie war stark, vermittelte und Selbstbewusstsein und zeigte uns in einem fort, dass wir toll sind.

Beim Euro war das anders. Der fiel erst mal auf unter 0,90 (gegenüber dem Dollar). Das waren schreckliche Zeiten. Dann wurde er stark und wir gewöhnten uns an ihn. Doch nun, da fällt er wieder und, wir haben es ja schon immer gewusst.

http://www.goowell.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/05/EUR-300x167.gif

(Quelle: vwd; zum vergrößern clicken)

Die Chartdarstellung ist in den von mir bevorzugten Candlesticks (monatlich) gehalten.

Wir sollten hier kurz innehalten und uns daran erinnern, dass damals, als der Euro über 1,20 stieg, die Welt vorm Untergang stand. Weil, der Export. Das Gejammer zog sich bis 1,60 hin und gefühlt waren wir schon lange dahingeschieden. Nun ist es jedoch eine Katastrophe (wenn auch gut für den Export), dass dieser elendig schwache Euro auf 1,33 gefallen ist.

Mit der D-Mark hätte das nicht gegeben? (Linkinhalt: D-Mark/Euro gegen Dollar vom Jan 1971 bis Mai 2009)

Der Devisenmarkt ist der liquideste Markt der Welt. Nirgends sonst zirkulieren solche Massen an Kapital durch die Systeme. Wie gerade auch an der langfristigen Entwicklung zu sehen ist, sind die Trends, wenn gefunden, entsprechend ausgeprägt. Bisher hat die Griechenlandkrise es nicht geschafft, den übergeordneten Aufstieg des Euros, gegenüber dem Dollar, zu brechen.

Griechenland ist hauptsächlich ein politisches Ereignis, welches die Regularien des Euro-Raumes durcheinander wirft und Antworten auf Fragen definiert, die weder gestellt noch praxisbezogen beantwortet wurden gab. Das schüttelt und rüttelt, für den Devisenmarkt sind aber folgende Faktoren wesentlich stärker beeinflussend:

Um die prägnantesten Einflussfaktoren genannt zu haben.

In diesem Sinne ist Griechenland, für sich betrachtet, kein sonderlich großer Einflussfaktor und sorgt nur kurzfristig für einen Stimmungswechsel. Wesentlich mehr zu denken gibt mir die Liste der „international reserve assets“ (weltweit):

  • 42.2% BRICS
  • 15.8% G-7
  • 13.7% NICS
  • 6.4% OPEC
  • 4.2% ASEAN-4
  • 1.8% Euro Area

(Quelle: Bloomberg)

Hier deutet sich an, dass die Euro-Zone nicht sehr viel Auffangpotenzial hat. Sobald sich also weitere Krisenherde andeuten, was heißt, dass die Probleme nicht in den Griff zu bekommen sind, wird das Geld beginnen um Europa herum zu zirkulieren und den Euro unter Druck bringen.

Den USA geht es diesbezüglich kaum besser. Die Reserven belaufen sich auf 0,3% des BIPs (0,6% weltweit). Der Unterschied ist allerdings, dass der Dollar die Leitwährung ist und Leitwährungen unterliegen naturgemäß anderen Regularien als die nachfolgenden Währungen.

Für Deutschland liegt die Quote bei 0.5% (weltweit) und 1.0% (BIP-basiert).

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

22:42 01.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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