Kristina Köhler: Rehabilitiert sie!

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Es ist einer dieser Fehler, die Politiker tun. Sie machen den Mund auf, im Regelfall, oder tippen was, im Fall Köhler. Familienministerin in Amt und Würden, nicht Präsident a.D.

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Gestern, da war es Montag. Schon am Sonntag freute ich mich auf den Montag, denn da traten sie gerne zurück, die letzten Wochen. Diesmal leider nicht, stattdessen gab es Sparmaßnahmen. Und natürlich regt sich da jeder auf. Besonders darüber, dass es die Hartz‘ler sein sollen, die ein Stück kürzertreten müssen.

Pamphlete auf 140 Zeichen kommen in solchen Diskussionen besonders gut. Verknappt, verkürzt und auf die Essenz herunter gebrochen:

Die bekommen das.

Die bekommen das netto!

Die bekommen das netto und das ist gerecht sein?

Hätte sie wirklich fragen wollen, hätte sie sich das „Netto!“ gespart, es anders formuliert. Sie ist also böse oder gar der Meinung, dass 1.885 Euro für eine vierköpfige Familie genug Geld sind. Darüber könnte man sachlich streiten, wenn die Aussage nicht bereits eine feststehende Meinung vermitteln würde.

Doch Kristi spart auch. Sie verzichtet mit dem gesamten Kabinett auf eine Erhöhung ihrer Bezüge. Das heißt, sie verzichtet auf 272 Euro im Monat und verdient weiterhin nur noch 12.860 Euro mtl. Die Empörer auf Twitter verkennen, welche schwere Last das für die Tochter eines Oberstaatsanwaltes ist, deren Mutter in Immobilien macht.

Kristi ist eine Frau, die wegen der Karriere heiratete und sich gerne mit großen Namen schmückt. Nach Schröder konnte es nur Köhler sein, auch wenn das im Nachhinein nicht die cleverste Wahl gewesen scheint.

Man kann es ihr entsprechend nicht abverlangen, eine Politik zu befördern, die sich am Amt orientiert. Familienministerin heißt nicht, dass sie sich um die Familien kümmern soll. Sie verwaltet Familien.

Kristi muss vor allem auf ihre Karriere achten. Aus Hessen kommend heißt das, dass sie eine gute Chance darin sehen könnte, die Klientel von Koch zu bedienen, die sich eine starke Führerin doch wünschen könnte.

Hartz’ler sind das nicht. Die stehen auf der anderen Seite. Meckern eh nur den ganzen Tag rum und statt jagen zu gehen, versaufen die ihr Geld und wählen links. Wer diese Klientel bedienen wollte, der müsste irgendwie links sein und würde Twitter dann nicht nur als Verbreitungsmedium sondern als Kommunikationsmedium nutzen.

Für so jemanden ist es schon eine Belastung, einen Mann zu haben, der nur 9.887 Euro mtl. verdient und in der Hackordnung unter ihr steht. Das muss man als christlich geprägter Mensch auch erst mal verkraften. Ebenso wie die Tatsache, dass Frau hier ihren Kinderwunsch zurückstellen muss. Oder kennt ihr eine Ministerin im Schwangerschaftsurlaub?

Eben. Und alles nur zum Wohl des Volkes, welches sich nun auch noch erdreistet ihr ihre Wohltaten mies zu reden. Sie ist bemüht, will soziale Gerechtigkeit und kann doch nichts dafür, dass dieser Schröder hier einen Billiglohnsektor einführte, damit die Nachfolgeregierungen die Bezüge für die Hartz’ler weiter kürzen können.

Nein, wir müssen sparen. Anpassungen können also zwangsläufig nur nach unten hin erfolgen. Es ist alternativlos und so kann soziale Gerechtigkeit nur eines bedeuten: Alle müssen gleich arm sein.

Veränderungen kommen ob des verwaltenden Amtes ohnehin nicht infrage. Bestimmt hat sie gekämpft und die Kürzungen wären noch viel schlimmer geworden, ohne sie. Anerkannt hat das niemand. Nun ist es ihr Realismus und Trieb zur Spitze der Verwaltung, den man ihr vorwirft.

Dabei könnte jeder wissen, der Zeitung liest, dass sie eigentlich ein sehr genügsamer Mensch ist. Zum Beispiel will sie sich selbstlos auf ihr Amt konzentrieren, statt nach der Macht im Vorstand der Hessen-CDU zu streben. Hat sie gesagt.

Kristi hatte niemals eine wirkliche Chance, weder im System noch gegen den Mob.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

20:14 08.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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