mh liest Blome: Der kleine Wählerhasser (vor dem Lesen)

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wer die Kommentare zu „Augstein und Blome“ beim Freitag verfolgt, oder meine Bilderchen bei Instagram, der weiß: mh liest Blome.

Und es ist nicht leicht, dieser elenden Populistensau eine Chance zu geben. Deswegen zerteile ich die Rezension. Vorher und nachher. Das kennt ihr aus dem Fernsehen, als ihr es in den 70ern noch schautet. Da wurden hässliche Menschen (sexistischerweise meist Frauen) in Hübsch gestaltet und alle staunten.

Um nicht vollkommen nackt dazustehen, habe ich die Einleitung gelesen und landete bei der Frage:

Was erwartet, wer Blome liest? Gemeint ist die Erwartung, die gängige Ressentiments in Form von großen Lettern und kurzen Sätzen überwunden hat. Die Post- „BILD ist so furchtbar gemein und fies und böse“-Phase.

Ich bin kein BILD-Leser. Zu teuer. Und mein Bäcker hat keine BILD ausliegen. Er ist eigentlich auch zu teuer. Die Schlagzeilen bekomme ich entsprechend nicht mit. Aber ich habe unglaublich großen Spaß daran, die BILD online zu besuchen und ihre abstrusen Überschriften ein ums andere Mal ins noch Absurdere zu ziehen und sie dann über Twitter zu verbreiten.

Das sind meine meist angeklickten Links.

Natürlich ist Blome ein Populist. Das musste Jakob Augstein nicht erst gesondert erwähnen. Allerdings, von diesen schwachen Kontras lebt der negative Populismus. Er glänzt dadurch, dass dem Gegner auf dieser Niveau-Stufe nichts mehr einfällt und er nur noch tiefer gehen kann, damit es für die Zielgruppe verständlich bleibt.

Das hat auch der Niggemeier mit seinem Bild-Blog nie verstanden. Wenigstens konnte er ein paar Kröten daraus schlagen, die Kritiker um sich zu scharren. Effekt? Bei Blome kribbelt es im Spaten.

Der kleine Wählerhasser ist ähnlich.

http://images.instagram.com/media/2011/03/29/cfcd3b520ce14f0d8519535d6ba5ad9f_7.jpg

Anmerkung: Das ist doch der Waigel!

Blome weiß, dass er mit einer normalen Analyse der politischen Landschaft kaum punkten kann. Da gibt es so viel bessere Kollegen, so viel tiefgehenderes und seine Popularität ist nun wahrlich nicht dem Metier der knallharten Innenansichten entsprungen.

Er muss also den Spieß umdrehen. Der Bürger, in all seiner Wut, ist das Eine. Nun aber sind es die Politiker, die dieser Wut gegenüberstehen und die ihre arrogante Verachtung dem Mob über das eigene politische Handeln entgegenwerfen. Der Hass auf das Volk, so die suggestiv steile These, verantwortet das Schindluder im Folgenden.

Zum Beispiel keine Rentenkürzungen!

Es ist die zweifache Popudrehung. Die Bekräftigung des Bürgers, das Bekunden seiner Wut. Das Darstellen des Bösen und kurz bevor man zuschlagen möchte, kommt der erhobene Zeigefinger und fordert die Selbstreflektion des Verständnisses ein. Blome beißt nicht spürbar die Hand, die ihm täglich Brot darniederreicht.

Schon in der Einleitung ist er so dreist zu verschweigen, dass viele Annahmen der Politiker auf dem beruhen, was in der Zeitung als Volksmeinung verkündet wird. Dass nun deren Auflagen und die Wahlbeteiligung sinkt, soweit geht es gedanklich nicht.

Immerhin: Blome sagt, dass alle Politiker, somit auch alle Parteien, dem Bürger nichts mehr zu sagen haben. Damit ist er weiter als Augstein, der immerfort Merkel für an allem Schuld befindet.

P.S. Lieber Nikolaus, die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorüber. Dazu mehr in der Realität, wenn sie über uns kommt. Oder: Einfach mal mh lesen.

12:01 03.04.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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sachichma | Community
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