Petitionscheck 2010-10

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Es gibt Petitionen, über die kann man sich belustigen. Manche sind sinnvoll, andere wiederum strotzen nur so vor Eigeninteresse und fehlender Sachkenntnis. Manchmal kommt alles zusammen und ich werde des Staunens nicht überdrüssig.

Vorurteilsbelastet bin ich an diese Petition rangegangen, denn ich gestehe, ich sehe da bisher nicht wirklich den Verlust. Das liegt daran, dass die meisten Gelder als Bürgschaften vergeben wurden und Einnahmen generieren. Geld wurde dadurch auch nicht direkt gegeben, sondern nur garantiert. Eingesetzt werden muss es also erst, wenn ein Ausfall vorhanden ist. Bisher ist mir kein derartiger Fall bekannt.

Bekannt ist mir hingegen, dass der Staat die Hypo Real Estate Holding AG übernommen hat. Ungeschickterweise zahlte man dafür auch noch eine Abfindung an die Aktionäre und schießt seitdem fröhlich weiteres Geld nach. Hier wurde tatsächlich Geld in die Hand genommen und wie viel davon schlussendlich zurückfließt, ist offen.

Besser sieht es bei der Commerzbank aus. Die Eigenkapitalspritze rettet die Fusion mit der Dresdner und auch noch das Überleben. Zugleich befreite man die Allianz eines milliardenschweren Problems. Der Kurs der Commerzbank ist seitdem gestiegen. Wenn der Ausstieg vollzogen wird, dürfte ein Gewinn hängen bleiben. Wichtiger aber ist, dass ein Großteil der Gelder als stille Einlage erfolgte, die wiederum mit 9% jährlich verzinst wird. Bei der FAZ kann dazu Näheres nachgelesen werden.

Bei der IKB sieht es etwas anders aus und die muss als Beispiel in der Diskussion zur Petition herhalten. Dieses Beispiel kann analog zu den Landesbanken betrachtet werden. Wenn der Staat sich privatwirtschaftlich engagiert und freudig jauchzend die Gewinne einstreicht, dann muss er schlussendlich auch für die Verluste geradestehen. Es ist an dieser Stelle fast schon eine Umkehr der Tatsachen, wenn eine vom Staat dominierte Bank Verluste generiert, diese den „Banken“ anzulasten.

Da können wir auch mal feststellen, dass die Wut auf die Banken recht groß ist. Doch kaum einer empört sich über das Missmanagement des Staates in den Landesbanken oder auch in Konstrukten wie bei der IKB. Die Presse ließ sich gerade noch dazu hinreißen, dass auch Leute wie Lafontaine per Aufsichtsrat ihre Rolle spielten. Doch statt der Empörung über Politiker zu frönen, beschränkte man sich auf Parteibashing.

In der vorliegenden Form kann ich die Petition nicht unterstützen, die bis zum 20.04.2010 gezeichnet werden kann.

Allgemein

Die 50% gefallen mir überhaupt nicht, zumal hier keine genauen Bedingungen genannt werden. Bei dem Satz wäre man immer noch auf einem absolut niedrigen Niveau. Dann doch lieber ein anständiger Mindestlohn und diesen deutschlandweit.

Ich bin kein Fan von Formeln. Hier wird mir zu viel rumgespielt. Ich bin da mehr ein Fan von Zahlen. Über festgelegte Zahlen definiert der Staat auch einen Standard, den er innerhalb der Gesellschaft sehen möchte. Er setzt feste Grenzen und die Zahlen müssen sich inflationsangepasst verändern. Was zugleich den Druck auf die Arbeitgeber erhöht, ihren Mitarbeitern ebenfalls mindestens einen Inflationsausgleich zu zahlen.

Auch hier soll es wieder eine Ausnahme geben. Das wird wohl noch eine Weile anhalten.

Das schafft auch Arbeitsplätze

Mir missfällt die Vorstellung, dass in Krankenhäusern lauter junge und unerfahrene Ärzte rumrennen. Im Zweifelsfall hat man bei Einlieferung genau eine Chance und die sollte nicht so vergeudet werden. Außerdem ist dies ein außerordentlich hoher Anreiz für die privat geführten Krankenhäuser, dann nur noch solche jungen und billigen Ärzte reinzunehmen.

Finde ich gut.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

13:55 15.03.2010
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Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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