Skandalöse Verschätzung beim DIW

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Nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2007, mit Flächenwirkung im Jahr 2008 und wirtschaftlicher Auswirkung im Jahr 2009, standen vor allem die Ratingagenturen und Wirtschaftsforschungsinstitute in der Kritik. Später folgte noch die Kritik an den Nachrichtenagenturen und der Presse im Allgemeinen, die alle nicht recht- und frühzeitig sowie genau informiert hätten.

Am 24. August 2010 gab es einen erneuten Skandal von Prognoseverfehlung, den die Medien diesmal allerdings zum Feiern der deutschen Wirtschaft nutzten. Das DIW erhöhte seine Wachstumsprognose für das Jahr 2010 von 1,9% auf “über 3,0%“. Im April vermutete das Institut noch +1,7% während es im Januar doch schon 2,1% waren. Dies, nachdem im Oktober 2009 noch auf +1,3% getippt wurde. Das war noch gut, denn im Juli 2009 wurde der absolute Tiefpunkt bei +0,5% erreicht.

Davor verzichtete das Institut ab Januar 2009 aufgrund der unsicheren Lage vollständig auf eine Prognose. Ich kann nicht erkennen, dass sich die Prognosefähigkeit des Instituts derweil verbessert hat, vom Verkünden positiver Nachrichten hält dies jedoch nicht ab. Im Gegenteil, die Öffentlichkeit nimmt es mit Wohlwollen zur Kenntnis.

Das Problem jeglichen Prognosemodells ist, dass Statistiken starr und undynamisch sind. Sie erfassen nicht einmal ansatzweise die Dynamik menschlichen Handelns. Sobald wir also nicht in einem klaren und stetem Trend unser Dasein fristen und Überraschungen Mangelware sind, taugen Prognosen nichts.

Zumindest nicht der Versuch mit Nachkommastellen das Wirtschaftswachstum zu erraten. Was an dieser Stelle sinnvoller wäre, ist die Messung der Dynamik des wirtschaftlichen Verlaufs. Daraus könnte man zumindest Verlangsamungen und Beschleunigungen von bestehenden Trends ableiten.

Es gibt keine Aktion ohne Reaktion. So fließen die Prognosen der Wirtschaftsinstitute bspw. In die Haushaltsplanung ein. Auch die versucht genau zu agieren, statt dass hier mit Puffern gearbeitet wird, weil man ja auch weiß, wie unsicher die Prognosefähigkeit ist.

Das Arbeiten mit genauen Zahlen hat die offensichtliche Folge, dass im Fall einer negativen Verschätzung der Leidensdruck unerwartet größer wird, während im Fall einer positiven Verschätzung sofort Begehrlichkeiten geweckt und unerwartete Mittel zur sofortigen, zumindest aber teilweisen, Verteilung neigen. Die Haushaltsplanung verhindert vom Grundaufbau her somit die Haushaltskonsolidierung.

Zuerst erschienen auf www.goowell.de

11:34 28.08.2010
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Geschrieben von

mh

Ich bin extrem geil und hochintelligent, da ist mein erheblich gestörter Geisteszustand absolut nebensächlich.
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