micha74

Muss ich?
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RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 08.09.2009 | 23:30

h.yuren

Aja! - Ich schlage vor, wir nehmen uns alle ne Knarre und weg, dann haben wirs wenigstens hinter uns.

RE: Der gute Lehrer – ein Phantom? (1) | 07.09.2009 | 23:33

Kann dem nur zustimmen. Der gute Lehrer ist kein Phantom. Es gibt ihn (sie)- tausendfach. Der gute Lehrer ist vor allem eins, ein Mensch der mit beiden Beinen im Leben steht und der auch seine Schüler als (Mit)menschen sieht und annimmt. Er muss nicht alles können, aber irgendwas richtig gut.

Naja bin als Ostler eher Makarenkoanhänger (Bevor sich da jetzt wer durchwühlt, und mir den armen Antononowitsch als Stalinisten entlarvt: war nicht so ernst gemeint). Die Theoretiker können zwar alles erklären, aber Schüler begeistert man oder eben nicht.

micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 07.09.2009 | 16:42

@ h.yuren

Wie meinen?

Die staatlichen Schulen SIND Abbild der sozialen Schichten, oder was glauben Sie, wer mehrheitlich seine Zeit in Hauptschulen und Realschulen verplempert?

Nochmal: Der Besuch einer Schule in Freier Trägerschfat (wie es so heißt) ist jedem Kind möglich.

Micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 06.09.2009 | 23:03

@ Achtermann

Traurig, aber was willst du mir damit sagen? Das es auch schlechte Freie Schulen (oder Privatschulen) gibt? Keine Einwände, kenne selber welche. Das spricht nun aber nicht gegen die Idee von Freien Schulen. Der von dir angesprochene Zustand ist auch in (zu) vielen staatlichen Schulen traurige Realität. Aber, niemand wird die Rütli Schule in Berlin als Normalität staatlicher Schule begreifen, oder?

Ok, was hat das jetzt mit meinem Text zu tun? Mal zum Vergleich: Unsere "Quote" im Realschulbereich liegt bei fast 100 % Abschlüsse (Und wie gesagt, das bei Zentralprüfungen )und unsere Grundschule endsendet ca. die Hälfte ihrer Schüle an Gymnasien.
Nebenbei halte ich unsere Grundschule jetzt mal ganz unbescheiden für die Beste in LE. Der Ansturm ist enorm, wenn es schlecht wäre, hätte sich das schon rumgesprochen.

Das Problem ist: "Montessori" ist kein Markenname, jeder kann das machen. Wenn es dann am Geld (Es ist einer sehr materialintensive Schulform) bzw. am Know-How fehlt, kann es schnell Murks werden. Es gibt auch Beispiele für Montessori Hauptschulen (Köln glaube ich), die fast 100% Vermittlung ihrer Schüler in Berufe haben. Name reiche ich nach, wenn ich ihn finde.

Sicher, alternative Schulen können grausig sein, aber deswegen auf diese einmalige Chance verzichten?

@ Füller

Der Unterschied ist mir völlig klar. In der Diskussion ist mir nur wichtig, auf den rechtlichen und finanziellen Unterschied hinzuweisen.

Für Privatschulen kann ich mich in den meisten Fällen nicht erwärmen, weil es da eben wirklich oft eine Einkommensschwelle gibt. Das bleibt ungerecht, auch wenn die staatliche Schule in anderer Form sozialer Ungerechtigkeit Vorschub leistet. Das sympathische an Freien Schulen ist zudem, dass hier oft Eltern und Lehrer gemeinsam etwas Neues anfangen...

micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 06.09.2009 | 21:07

Sehr gern:

Ich arbeite an einer Freien Schule.(Montessori)

Frei heißt, es gibt keine finanziellen Interessen.

Verdienen kann man mit unserer Schule definitiv nichts Wo kommt das Geld her? Für Freie Schulen gibt es (in Sachsen) verschiedene Level der Anerkennung. Das höchste Level, welches wir haben, ist die sogenannte „staatlich anerkannte Ersatzschule“. Daraus ergeben sich zwei wichtige Dinge.

1. Wir nehmen selber Prüfungen ab: zur Zeit Real- und Hauptschule, demnächst Abitur und erteilen entsprechend auch Abschlusszeugnisse.

2. Wir werden über das Land Sachsen refinanziert. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern liegt die Quote nicht bei 100 %. Die Eltern müssen also einen Rest dazubezahlen, ca. 80 Euro. Nicht eben wenig. Dies erregt immer wieder Unmut, was Unsinn ist. Der Staat müsste Schüler, Schule und Lehrkräfte so oder so bezahlen. Tatsächlich spart er eher noch mit den Freien Schulen. Jedenfalls sind das keine Zusatzkosten, wie immer behauptet wird.

ABER und das ist wichtig! Wir sind trotzdem keine Reichenschule (das übernimmt die Leipzig International School für uns= das IST eine Privatschule) Da wir anerkannte Ersatzschule sind und keinerlei kommerziellen Interessen haben, übernimmt der Staat z.B. für ALG Bezieher das Geld. Ich habe als Klassenleiter in den letzen 6 Jahren genügend Anträge auf Bezuschussung für Klassenfahrten unterschrieben. In der sozialen Schichtung sind wir Durchschnitt (Lediglich der unterster Bereich fehlt, aber nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil diese Eltern schlicht von der Möglichkeit ihre Kinder an unserer Schule zu schicken, kein Gebrauch machen), in unseren Abschlusszeugnissen nicht -:) (In Sachsen gibt es Zentralprüfungen …)

Übrigens steht unsere Schule nicht in einem Nobelviertel, sondern mitten in einer der größten Plattenbausiedlungen der ehemaligen Täterä (DDR)

Nun, keine Frage, es ist nicht alles nur schön. Als Ersatzschule müssen wir uns mehr an staatliche Vorgaben halten als andere Schulen. Und obwohl wir ein Schulzentrum sind, wacht Vater Staat scharf darauf, dass wir ja Realschule und GYM nicht vermischen.

Fehlt noch der Träger: Bistum Dresden Meißen „Hah ! Da isses“ werden jetzt einige sagen. Von wegen frei. Kann ich durchaus verstehen. Ich selbst bin aber nicht mal getauft. Und unsere Schule würde im Osten nicht überleben, wenn Religion Zugangsvoraussetzung wäre. Ansonsten sind wir auch an (manchmal leider) an Lehrpläne gebunden.

Dein Zitat hat mit uns also wirklich nicht zu tun.
Freie Schulen und Privatschulen trennen Welten.

Soweit!

Micha
Kürzer ging es nicht ....

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 06.09.2009 | 16:45

@Chryselers
Dank für die schnelle Antwort.

Ich hätte dann aber doch gern noch Antworten, zumindest auf meine Frage, wie IHRE Vorstellungen ausschauen bzw. wo Sie Probleme sehen.
Richtig, dass haben Sie so direkt nicht gesagt, ich habe das aus ihre Aussagen zu den Möglichkeiten im staatlichen Schulsystem interpretiert, vielleicht zu weit interpretiert von mir.

Und allgemein in die Diskussion:

Freie Schulen haben nichts mit Privatisierung zu tun, aber auch gar nichts. Ehrlich, die hier so auf das staatliche Schulsystem pochen, wachen hoffentlich nicht eines Morgens auf, um festzustellen, dass der Staat selbst eben jenes Schulsystem in ein neoliberaes verwandelt hat. (Er ist ja schon dabei ...)

Die Schule vor einseitigen Verwertungsinteressen zu schützen, na sicher. Aber Freie Schulen existieren nicht um Geld zu verdienen. Der Vergleich mit Privatisierungen in der Industrie hinkt deshalb gewaltig. Und ja: Bertelsmann. Deren Strategie kann doch nicht für alle nichtstaatlichen Schulen gleichgesetzt werden.

Warum gründen Leute eine freie Schule? Um Geld zu verdienen? Blödsinn. Ein Witz, wirklich. Einzig und allein um Bildung so zu machen, wie dies an der staatlichen Schule nicht möglich ist. Nochmal: Was ist daran schlecht, was?

Und schließlich: Warum kann in Deutschland, nicht einfach eine Schule geründet werden, die auf die ganze Drei (Vier-)gliedrigkeit pfeift und gemeinsam (wirklich gemeinsam, nicht Gesamtschule!) unterrichtet und die dann auch entsprechend refinanziert wird. Warum geht das nicht? Wegen der Bertelsmänner? Wegen neoliberaler Gelüste? Unsinn!! Oder vielleicht, weil jeder Ansatz eingestampft wird, weil er eh nicht besser ist, und weil alle Veränderungen vorher auch nichts gebracht haben. Oder weil alles, was substantiell Grundlage und Struktur veränderten könnte, im Gestrüpp der Interessenverbände und Lobbyisten, den Klauen der Parteiideologen, dem Beamtenapparat hängen bleibt? Ist es nicht eigentliche stinknormale Angst vor Veränderung? Nicht? Was dann?!

Micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 06.09.2009 | 15:27

@ Chryselers

Wir sind im Freitag Blog. Und hier liegt wohl auch ein Problem. Ihre Antwort zeigt mir, dass wir total aneinander vorbeireden. Mir ist zwar nicht klar wieso, aber Sie und andere hier halten den Staat offenbar für die beste Instanz, wenn es um Bildung geht. Mir sind da Schulen, in denen sich Eltern, Lehrer und Träger zusammenfinden lieber. Ist aber sicher Ansichtssache.

Und zum offenbar argen Reizthema Schulleiter. Dass Schulleiter einstellen ist mir völlig neu (was nun sicherlich kein Beweis ist). In Sachsen wäre das unvorstellbar, da laufen alle Bewerbungen über die sogenannten Bildungsagenturen (frühere Regionalschulämter). Gleiches gilt für die allerbescheidensten Kompetenzen der Schulleiter (der Schule). Natürlich gibt es da Möglichkeiten: Profile, Kooperationen, Oberstufenplanung etc. aber an zentrale Fragen, wie zum Beispiel Arbeitszeit der Lehrer (Es geht nicht um Mehrarbeit!), Veränderungen in der Stundentafel, organisatorische Eingriffe ins Schuljahr, die Unterrichtsorganisation, geschweige denn die Schulstruktur, darf hier (und meines Wissens auch sonst) kein staatlicher Schulleiter ran, das wäre undenkbar. Wenn dies in HH anders ist, nun gut.

Es geht Füller doch auch nicht darum, so eine Art Schulleiterdiktatur zu errichten. Sondern es geht darum, Schulen endlich mal mehr Freiheit einzuräumen. Was soll daran falsch sein?

Wenn Schulleiter mehr Kompetenzen erhalten, dann ist dies neoliberal? Ganz ehrlich, keine Ahnung wie Sie darauf kommen.

Was wären den, in aller Kürze, ihre Vorschläge zur Lösung der Bildungsfrage in diesem Land? Oder sehen Sie keinen Handlungsbedarf?

Micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 06.09.2009 | 00:42

Eigentlich eine gute Idee

Aber ob das was bringt? Wenn ich mir die Reaktionen auf Füller so anschaue, z.B. bei Chryselers, kann ich da keinen Willen zur offenen Diskussion erkennen. Da wird irgendwas raus gepickt, anstatt mal auf zentrale Thesen einzugehen. (Schulstruktur!!!) Ich sehe da diverse „altgediente“ Lehrer während meines Studiums und Referendariats vor mir, die sämtlichen alternativen Ansätzen milde lächelnd begegneten. „Gab’s alles schon, kennen wir alles schon“ Frontal= genial. Und natürlich diverse Querverweise auf Autoren, die (angeblich) die eigene Meinung unterstützen. Nichtnachprüfbare Beispiele. Argumente? Rhetorik statt Inhalt. Leider.

Was mir in diesem Zusammenhang besonders rätselhaft ist:
Wenn ich wirklich gegen die neoliberale Schule bin, wie kann ich dann ernsthaft die öffentliche Schule des neoliberalen Staates verteidigen? Weil Neoliberale immer gegen den Staat sind? Weil dann nichtstaatliche Schulen immer irgendwie auch neoliberal sind bz. eine besondere Anfälligkeit haben oder was? Wie man als Linker (Ich unterstelle das jetzt mal) ernsthaft gegen Freie Schulen sein kann, ist mir schleierhaft.

Micha74

RE: Das Potenzial einer demokratischen Selbstreformschule | 05.09.2009 | 16:23

Möchte mich hier nicht für Füller (schöner Name für dieses Thema übrigens) ins Zeug werfen, aber es verwundert schon, wie wenig auf zentrale Argumente eingegangen wird.
Zum Beispiel: Schulstruktur
Hinzufügen würde ich: Mangelnde bis nicht vorhandene Kontrolle / Evaluierung von Lehrern …
Auch mir scheint, dass einigen Kommentatoren der Unterschied zwischen Freier Schule und Privatschule nicht klar ist.
Es geht wohl auch nicht um "hire and fire", aber Fakt ist, dass sich der Berufsstatus der Lehrerschaft nicht eben förderlich auf deren Motivation auswirkt (Vielleicht spricht da auch der Neid aus mir als nichtverbeamteter Lehrer)
Was hier unterschlagen wird (Habe es zumindest nicht gelesen)- staatliche Schule sind immer politischen Vorstellungen der großen Parteien ausgesetzt, denen sich freie Schulen zumindest teilweise entziehen können. Gerade im Schulsystem steht Staat eben eher für Partei … Wenn Industrie und Geld Einfluss auf Schule gewinnen, dann gerade im staatlichen System, deren Schulplanungen Beute der Parteien sind.
Zustimmen muss ich Füller auch in dem Punkt, dass Schule es nun mal als wesentliche Aufgabe hat, Kindern grundlegende Fähigkeiten zu vermitteln. Darin gleich eine Anbiederung bei der Industrie zu sehen, halte ich nicht nur für völlig übertrieben, es ist auch realitätsfern.
h.yuren
"dass die konfessionsschulen mustergültig waren und sind, weiß doch jedes kind - in bayern und amerika."
soll heißen? (Arbeite selbst als Konfessionsloser in Sachsen an einer katholischen Schule (Montessori)....

RE: Auslese mal ganz anders | 02.09.2009 | 00:22

Bildungswirt:
„"Das ist die wahre Kernfrage, nicht das kleinklein des alltäglichen Unterrichts." Mein Lieber, da irrst du dich gewaltig. Das sog. "Kleinklein" ist der Olymp der Praxis, nicht die allgemeine Machtfrage in Berlin, in Wiesbaden oder Kleinrinderfeld."

Dem kann ich nur zustimmen. Nicht weil die Machtfrage unwichtig wäre, sondern weil es eine Illusion ist zu glauben, dass die Machtfrage schon den Rest nach sich ziehen wird.

Mich erinnern diese Diskussionen immer an mein Studium. Was wurde da nicht alle besprochen und diskutiert! Praxiswert? Sehr beschränkt. Die Flucht in die großen Fragen, dieser Drang aus allem eine gesellschaftspolitische Grundsatzdiskussion zu veranstalten, diese Suche nach dem allumfassenden Konzept scheint mir im Bildungsbereich besonders ausgeprägt zu sein.
Mein Vorschlag für die Themenliste:
- Zentralabitur für ganz Deutschland oder Öffnung der Unis für alle (z.B. über Eignungstests)

micha74