als Linker in der Krise

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Vielen schwant ob der Krise schon der Beginn eines neuen Zeitalters, steht doch der Zusammenbruch kurz bevor. Oder zumindest der totale moralische Kollaps jener als Neoliberalismus geschimpften Wirtschaftsideologie. Mir ist das zutiefst suspekt. Wie oft wird dieser Traum eigentlich noch geträumt, dass kluge Menschen mit noch klügeren Ideen die Welt beglücken? Sollte uns die Vergangenheit nicht etwas mehr Zweifel lehren? Es mag sicherlich viele gute Ideen geben. Daran zweifele ich nicht. Aber wer wird diese Ideen gegen wen wie durchsetzen? Der Glaube an Schreibtischen die Probleme dieser Welt zu lösen, ist offenbar immer noch sehr stark. Wann wird es wirkliche Veränderungen geben? Wenn Leute wirklich anfangen, ihre Beziehungen zueinander neu zu regeln, und nicht nur darüber reden. Und wenn alternative Wirtschaftsformen in Konkurrenz zum Bisherigen treten und zwar nicht irgendwo im Wald als autarke Hippiekommunen sondern als produzierende Unternehmen.

All dies wird sicherlich nicht durch Aufrufe von Intellektuellen bzw. Demonstrationen initiiert. Und von beiden Veränderungen sind wir noch sehr weit entfernt. Vielleicht sollte man akzeptieren, dass im Hier und Heute solch tiefgreifenden Verwandlungen nicht zu erwarten sind.Nicht weil man resigniert, sondern weil man das was verteidigungswert ist, auch verteidigen sollte. Das mag nicht sehr revolutionär sein, aber das wäre für mich links. Wer aber heute schon für die Zeit „danach“ plant, wem das „Hier“ nur verächtliches Grinsen abringt, der hält den Boden der ihn überm Abgrund hält für zu stabil.

22:34 10.04.2009
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Geschrieben von

micha74

Muss ich?
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