Michael Angele
Ausgabe 0414 | 27.01.2014 | 06:00 18

Der Dickbrettbohrer

Soziologie Zum 150. Geburtstag von Max Weber hat Jürgen Kaube eine sehr kluge Biografie vorgelegt

Es kommt selten vor, dass ein Leben, das zu einem Gutteil aus dem Wälzen von Textmassen besteht, zugleich den Stoff für ein Biopic abgibt. Nach der Lektüre des Buchs Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen wundert man sich, dass es „Max Weber – Der Film“ nicht längst gibt. Vielleicht ist er auch deshalb ein Desiderat, weil der erotische Kitzel, der einem solchen Vorhaben den Zugang zur Primetime öffnen würde, immer noch auf einem Gerücht basiert: Die Briefe zwischen Max Weber und seiner Geliebten Else von Richthofen sind nur in wenigen Auszügen publiziert. Es soll aus ihnen ein masochistisches Verlangen des Gelehrten sprechen.

Jürgen Kaube, der Autor der nun erschienenen Weber-Biografie, ist gegenüber solchen Deutungen skeptisch. Der Soziologe und Volkswirt, im Hauptberuf stellvertretender Ressortleiter Feuilleton bei der FAZ, kommentiert hier wie anderswo lakonisch: Wer in Formulierungen wie „Deine Zähne waren auf meinem rechten Arm noch zu sehen“ schon diese Neigung sehe, der habe die Lektüre der europäischen Liebesbriefliteratur noch vor sich.

Immerhin, die Intensität, mit der Weber sich in den Jahren vor seinem Tod im Juni 1920 in diese Beziehung stürzt, vom „Abfall der Masken“ spricht, steht in schroffem Gegensatz nicht nur zur Gefährtenehe mit Marianne Weber, die sich als Frauenrechtlerin einen Namen machen wird, sondern auch zum „männlichen Geist“, dem Weber sich verpflichtet fühlte.

Reizbar

Es sind die um 1900 noch wenig hinterfragten Werte der Askese und der Disziplin, der Sachlichkeit und Nüchternheit, die Weber hochhielt, gerade auch gegen die erhitzten, kryptoreligiösen Zeitströmungen. Man denke nur an die großen Reden Politik als Beruf und Wissenschaft als Beruf. Sein Credo hinderte ihn freilich nicht, Kollegen gegenüber reizbar und streitsüchtig zu sein, einige dieser Auseinandersetzungen wurden forschungsrelevant, der „Werturteilstreit“ etwa, der sich sage und schreibe von 1909 bis 1915 hinzog. Zugleich waren das aber auch „goldene Jahre“, wie Marianne Weber später schreiben wird. Man führte in Heidelberg ein geselliges Leben unter Akademikern, Weber war „nur“ noch Privatgelehrter, nachdem er 1903 seine (erste) Professur hatte aufgeben müssen. Eine Neurasthenie, so der damalige der Modebegriff, heute würde man vom „Burn-out-Syndrom“ sprechen, hatte den Arbeitswütigen arbeitsunfähig gemacht, er ging mit Marianne auf Reisen. Leider sind diese nur schlecht dokumentiert, das Buch wirft aber doch einige Schlaglichter, besonders hell leuchtet die Begegnung mit dem schwarzen Soziologen W.E.B. Du Bois in den USA.

Max Weber war kein Rassist, vor manchen Irrungen des Zeitgeistes blieb er stärker verschont als andere aus der deutschen Geisteselite, aber den chauvinistisch-aggressiven „Ideen von 1914“ verfiel auch er. Seine Einlassungen zu Heldentod und Ehre während des 1. Weltkrieges bilden den intellektuellen Tiefpunkt seiner Publizistik. „Der Nationalismus war die Art von Literatentum, die Weber sich zeitlebens genehmigte“, kommentiert Kaube spitz, denn als Literat verstand sich Weber so gar nicht, eine solche Titulierung hätte vermutlich die Aufforderung zum Duell nach sich gezogen.

Dabei ist der literarische Anteil im Denken des Soziologen nicht zu unterschlagen. Er zeigt sich auch im spannenden Kapitel über Weber und die russische Oktoberrevolution. Trotz seiner obsessiven Beschäftigung mit dem Kapitalismus war Weber nicht zum Marxisten geworden, und man könnte fragen, warum eigentlich nicht? Auch darum: „Keine der Vorhersagen des Kommunistischen Manifests hat für Weber Bestand. Die Verelendung der Massen ist nicht eingetreten. Monopolbildung im Unternehmenssektor, sofern sie überhaupt stattfindet, hat nicht mehr Proletarier, sondern mehr Angestellte zur Folge, weil die Monopole riesige Verwaltungen von Filialen und Subunternehmen sind. Die Angestellten aber (…) entwickelten ihrerseits ein ständisches Bewusstsein. Nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Herrschaft der Verwaltungsstäbe droht ...“

Aber erst einmal ist da die Revolution. Weber gab ihr wenig Kredit, hielt den Kommunismus jenseits kleiner Gemeinschaften für einen unwahrscheinlichen Fall und sah in Lenin einen „Literaten“, was so viel hieß, dass er ihm kein Organisationstalent zuschrieb. Ein Irrtum, denn vielmehr stellte sich Lenin das ganze Land als eine Organisation vor. Das ist zwar auch „eine Literatenfantasie“, wie Kaube maliziös anmerkt, allerdings eine „wirkungsvolle“ und schreckliche, denn wo Organisation das Ganze ist, ist Opposition keine Institution mehr. Man kann das Totalitarismus nennen, Kaube tut es nicht, verweist aber auf die verflixte Ähnlichkeit zu Webers eigener Vorstellung von Rationalität, er hätte bloß die fehlenden Erneuerungsimpulse moniert ...

Auf unsicherem Terrain

Max Weber war eben ein wandelnder Widerspruch. Kaube arbeitet diese Widersprüche scharf heraus. Als Leitfaden seiner Darstellung nimmt er einen Ausspruch von Weber selbst: „Ich bin ein Mitglied der bürgerlichen Klassen“. Der Plural ist kein Verschreiber: Weber bekundete solche Mitgliedschaft ökonomisch, er kam aus einem wohlhabenden Elternhaus, aber auch politisch, in der jungen Republik bewarb er sich sogar als Kandidat der Deutschen Demokratischen Partei für einen Sitz im Reichstag, und beruflich, als Akademiker.

Den größten Teil seines Lebens verbrachte Weber freilich im Kaiserreich, in dem das Bürgertum zahlenmäßig erstarkte, politisch und kulturell aber schwach blieb. Ironischerweise verdanken wir dieser Schwäche die Intensität seiner geistigen Arbeit: als anhaltender Prozess der Selbstvergewisserung auf unsicherem Terrain. Vieles hat sich überholt, aber bis heute wirkt Weber weit über die Grenzen der Fachsoziologie als Stichwortgeber in unseren Debatten: Entzauberung der Welt, Politik als das Bohren harter Bretter, der Unterschied von Gesinnungs- und Verantwortungsethik ...

Aber auch der Stil seines Denkens ist attraktiv geblieben. 1891 hatte Weber mit einer Arbeit über römische Agrarverhältnisse bei einem Nationalökonomen habilitiert, und auch seine erste große Studie zum Kapitalismus beschäftigte sich mit den Veränderungen im dritten Stand. „Die Industrialisierung studiert man am besten auf dem Lande“, resümiert Kaube. Eine Sache durch Fernliegendes zu erhellen, wird zu Webers Markenzeichen. Der Geist des Kapitalismus spricht auch in seiner berühmten Studie über die Protestantische Ethik eben nicht aus den Fabriken von Manchester, sondern aus den Zeugnissen von amerikanischen und angelsächsischen Puritanern. Ausgerechnet ein Leben in Gottesfurcht soll die mentalitätsgeschichtlichen Voraussetzungen für einen materialistischen Aufschwung sondersgleichen bereitet haben!

Eine steile These, tausendfach diskutiert, tausendfach relativiert. Schwer zu sagen, wie sehr die Dreifaltigkeit von fehlender Heilsgewissheit, harter Arbeit als Anzeichen göttlicher Gnade und Reichtum als Sünde die Historie erklärt. Kaube enthält sich eines finalen Urteils, aber betont ein persönliches Motiv. Zwar war die Zeit der protestantischen Sekten vorbei, aber Weber insistierte auf ihrem Vorbildcharakter. Dass die deutsche Nation nicht durch die „harte Schule des Asketentums“ gegangen ist, warf er nicht nur dieser vor, sondern auch sich selbst. Leben und Werk verschränken sich hier, Weber war besessen von einem Heldentum, das soziologisch gewendet als „charismatische Herrschaft“ einen privilegierten Platz im Spätwerk bekam.

Man lernt hier auch etwas über die Ambivalenzen des Denkens, denn der Ausbruch „aus dem stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“, wie Weber die moderne, verwaltete Welt erschien, ist wiederum an eine charismatische „Gefolgschaft“ gebunden, die durch das Versprechen einer Erlösung vom „Alltag“ gedeckt wäre. Ein Versprechen, das der Theoretiker der ausdifferenzierten Wertsphären einstweilen nur in den Exilen des George-Kreises eingelöst sah. Dass dieser Kreis als Sekte zur Fußnote in seinem bekannten Werk Wirtschaft und Gesellschaft wurde, lässt erahnen, dass hier „mehr“ verhandelt wurde. Max Weber starb 1920, von Stalin und Hitler konnte er noch nichts wissen, aber er hatte im Vorgefühl gelebt, dass etwas „ganz Großes“ bevorstehe. Die Antworten, die Max Weber auf die Herausforderungen seiner Zeit gegeben hat, sind heute nicht wiederholbar, schließt Jürgen Kaube. „Der Sinn einer intellektuellen Biografie wäre aber erfüllt, wenn sich an ihr etwas über die Fragen lernen ließe“. Wir melden: Sinn erfüllt.

Max Weber. Ein Leben zwischen den Epochen Jürgen Kaube Rowohlt 2014, 496 S., 26,95 €

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 04/14.

Kommentare (18)

anne mohnen 24.01.2014 | 14:10

Mit Gewinn gelesen und Hoffnung geschöpft, dass 2014 weiterhin schöne Texte Ihren Tasten entfleuchen. Werde das Buch nun mal bei „Dusselmann“ einsehen ;)

Mich interessiert insbesondere dieser Aspekt -„Aber erst einmal ist da die Revolution. Weber gab ihr wenig Kredit, hielt den Kommunismus jenseits kleiner Gemeinschaften für einen unwahrscheinlichen Fall“ - und wie Kaube das weiter ausdeutet. Weber hat ja z.B. mit seiner Voraussicht, die Abschaffung des Privatkapitalismus, werde „das stählerne Gehäuse“ moderner gewerblicher Arbeit nicht zerbrechen können, recht behalten.

Wie geht Kaube mit dem oft an Weber herangetragenen Vorwurf „Kulturpessimismus“ um. Durch welche (Milieu)Brille sieht Kaube, wie Weber seine Epoche gesehen haben soll.

Ich bin gespannt.

LG, am

anne mohnen 24.01.2014 | 14:14

Mit Gewinn gelesen und Hoffnung geschöpft, dass 2014 weiterhin schöne Texte Ihren Tasten entfleuchen. Werde das Buch nun mal bei „Dusselmann“ einsehen ;)

Mich interessiert insbesondere dieser Aspekt -„Aber erst einmal ist da die Revolution. Weber gab ihr wenig Kredit, hielt den Kommunismus jenseits kleiner Gemeinschaften für einen unwahrscheinlichen Fall“ - und wie Kaube das weiter ausdeutet. Weber hat ja z.B. mit seiner Voraussicht, die Abschaffung des Privatkapitalismus, werde „das stählerne Gehäuse“ moderner gewerblicher Arbeit nicht zerbrechen können, recht behalten.

Wie geht Kaube mit dem oft an Weber herangetragenen Vorwurf „Kulturpessimismus“ um. Durch welche (Milieu)Brille sieht Kaube, wie Weber seine Epoche gesehen haben soll.

Ich bin gespannt.

LG, am

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Ehemaliger Nutzer 27.01.2014 | 15:51

Was die FAZ kann, das kann der Freitag doch schon lange. Wie wäre es mit einem Band von Herrn Angele, eine Biographie über den jüngeren Bruder, über Alfred Weber. Sehr ergiebig:

!In Heidelberg, wo er in enger Verbindung mit zahlreichen Gelehrten und Repräsentanten des wissenschaftlichen, kulturellen und intellektuellen Lebens, darunter neben einer Reihe von Frauen wie Luise Gothein und Marianne Weber u. a. den Ökonomen Eberhard Gothein und Emil Lederer, dem Historiker Karl Ludwig Hampe und dem Archäologen Ludwig Curtius sowie dem Philosophen Karl Jaspers, stand und zum Gesprächskreis um seinen Bruder Max und dessen Frau Marianne Weber gehörte, promovierte er unter anderen Erich P. Fromm und förderte die Habilitation von Norbert Elias.

...

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er gemeinsam mit Karl Jaspers u. a. die Monatszeitschrift Die Wandlung, trat in die SPD ein und half, die Heidelberger Universität politisch und wissenschaftlich wieder aufzubauen."

Müssen nur noch ein paar Dickbettbohrer-Geschichten eingebaut werden.

wwalkie 27.01.2014 | 19:45

Zum Rassismus Max Webers: Zweifellos ging Weber von der Existenz "objektiver Rassenverschiedenheit" aus. Aber der Wissenschafler Max Weber widersprach dem Zeitgenossen Weber:

Der "poor white trash", die besitzlosen und, bei dem Mangel an Arbeitsgelegenheit für freie Arbeit, sehr oft ein elendes Dasein fristenden Weißen der amerikansichen Südstaaten waren in der Sklavereiepoche die eigentlichen Träger der den Pflanzern selbst ganz fremden Rassenantipathie; weil gerade ihre soziale "Ehre" schlechthin an der sozialen Deklassierung der Schwarzen hing... (Wirtschaft und Gesellschaft).

Das Zitat zeigt übrigens, wieviel Weber in Bourdieu steckt. Aber beide scheinen momentan nicht sehr gefragt zu sein.

Michael Angele 27.01.2014 | 20:55

Und auch dieses Ringen um seine Haltung zum Konzept "Rasse" ist bei Kaube gut dargestellt. Was Bourdieu anbelangt, ich bin mir da nicht so sicher, ob er nicht bald wieder etwas mehr gefragt wird. Schauen Sie mal nächste Woche in den FREITAG, wenn alles klappt, steht dann auf den Literaturseiten eine Analyse des "literarischen Feldes" (aus Anlass dieser so genannten Kessler-Debatte)

Daniel Domeinski 27.01.2014 | 23:55

Der Artikel weckt bei mir den Eindruck, dass diese Biografie kaum Neues enthält. Wer sich für Webers "Rassismus" interessiert, sollte das Script seiner Freiburger Antrittsvorlesung lesen. "Nationalstaat und Volkswirtsschaftspolitik" ist ein Lehrstück im dumpfen Nationalchauvinismus und eines Ökonomismus, der Menschengruppen entsprechenden Werturteilen unterzieht. Die dort getroffene Feinderklärung gegenüber dem "Polentum" konnte Weber Zeit seines Lebens nicht überwinden. Biologistische Rassenkonzepte lehnte er schon damals ab. "Rasse" war für ihn das Ergebnis einer kulturellen Züchtung oder Zurichtung und damit auch eine politökonomische Kategorie.

Michael Angele 28.01.2014 | 09:33

Gratuliere! Sie sind im akademischen Diskurs angekommen. Genau so funktionieren dort oft die Wortmeldungen: a) Diese Studie enthält nichts Neues und b) Hätten Sie mal besser – wie ich – dort und dort geschaut. Der vorliegende Band ist aber kein akademischer Beitrag, sondern die Darstellung eines Lebens und eines Werks einer Persönlichkeit, deren Leben und insbesondere Werk in jedem Winkel zig-fach untersucht ist. Eine Herausforderung! Die Darstellung richtet sich an die so genannte interessierte Öffentlichkeit, der von Fall zu Fall dieses oder jenes schon bekannt vorkommt, die dieses und jenes aber nun möglicherweise und im besten Fall schärfer und/oder etwas anders gedeutet und gewichtet vorgesetzt bekommt. Amen

Columbus 28.01.2014 | 14:53

Warum viel dazu hinschreiben? Eine solche Rezension macht das Buch Kaubes schmackhaft und der Hinweis, der Autor warne vor überzogenen Mutmaßungen zur Persönlichkeit Webers, verspricht Qualität durch Sachlichkeit, die so dringlich gebraucht wird in unserem goldenen Zeitalter der vielen Thesen, zu allem und jedem. - Wenn ich in letzter Zeit ein wenig an dF-Artikeln leide, dann gewiss nicht an diesem hier.

Dass die elitären Elemente in Webers Denken ihn auch in die Nähe W.E.B. Du Bois´ brachten, ist für mich sehr interessant und neu.- Wissen Sie, von wem der Kontakt ausging? Ich schätze, doch von DuBois.

Ich las gerade in Obamas erstem autobiografischen Buch, "Dreams from my father" und da geht es, -Obama erwähnt auch den schwarzen Soziologen und Bürgerrechtler-, in vielen Passagen um sein persönliches Elitebewusstsein, das Barack mehrfach auf seine väterliche Abkunft, aber eben auch auf seine ununterbrochene Bildungsanstrengung zurückführte, die sich mit der Wertschätzung der sog. Sekundärtugenden verband. Das ist etwas, was er aus den Karrieren der ersten schwarzen Intellektuellen ablas.

Wie Weber, war DuBois von der russischen Revolution zugleich angezogen, als auch abgestoßen. Ähnlich ging es dem bis in die 60er Jahre lebenden US-Intellektuellen mit dem Nazionalsozialismus, dessen scheinbare Effektivität (Ordnung, sprichwörtlich im sichtbaren Sinne) er bewunderte, dessen Rassenhass und Brutalität er aber ebenso scharf verurteilte.

Bei Weber wäre man versucht hinzuschreiben, dass jüdische Schüler des großen Soziologen konservativer, nationalistischer und chauvinistischer dachten, als ihr Lehrmeister, der schon was Sozialdemokratisches an sich hatte.

Beste Grüße

Christoph Leusch

maziar jafroodi 29.01.2014 | 10:04

Inwieweit wird in diesem Buch das Verhaeltniss zwischen Max Weber und seinem Vater behandelt?

Kurz vor dem Tode seines Vaters gab es zwischen den beiden einen grossen Streit, der zu einem volligen Bruch zwischen ihm und seinen Vater muendete.

Unmittelbar nach dem Tode seines Vaters geriet Max Weber in eine Krise, die vier Jahre dauerte und keine Zeile von ihm entstehen lies.

Nach dieser Kriese kam dann der voellige Bruch Webers mit der univeristaeren Herrschaften zu stande und - als Folge dieses Bruchs - seine These von der Werturteilfreiheit im wissenschftlichen Prozess.

Ich sehe im Wissenschftlichen Werdegang Max Webers, eine sich fortbewegende Befreiung von den dominaten gesellschaflichen Werten, die fuer ihm insbesondere durch seinem Vater und die Universitaetsprofessoren vertreten wurden.

Falls dieser Aspekt im Leben und Werke Webers in dem Buch hervortritt, wuerde ich es mir gerne besorgen.

gruss

koslowski 29.01.2014 | 10:14

„Es kommt selten vor, dass ein Leben, das zu einem Gutteil aus dem Wälzen von Textmassen besteht, zugleich den Stoff für ein Biopic abgibt.“ – In diesem Biopic dürfte eine Szene nicht fehlen, weil sie ihren Helden als Sympathisanten eines politischen Mordes und Opfer studentischer Randalierer zeigt – mit einer historischen Pointe:

Am 20. Januar verhinderten völkische Studenten mit Zwischenrufen und Sprechchören, dass Weber seine Vorlesung beginnen konnte. Sie empörten sich über einen Satz Webers am Tag zuvor, der die Begnadigung des Mörders von Kurt Eisner kritisiert hatte: „Graf Arco (der Attentäter) hat zweifelsohne unter dem Gefühl der großen Schande gehandelt, welche der Mann (Kurt Eisner, USPD, Ministerpräsident der bayerischen Republik) über uns gebracht hat, gegen den er sich wendete. Er hat sich vor Gericht tadellos benommen. Es ist trotzdem eine schlimme Schwäche, ihn zu begnadigen, solange das bestehende Gesetz gilt, und ich hätte ihn erschießen lassen.“

Wortführer der rechten Studenten war ein gewisser Heinrich Himmler, Sohn eines Gymnasialdirektors und später Reichsführer SS. Weber kommentierte die Vorgänge am nächsten Tag in seinem Seminar so: „Solange man von rechts und links mit Wahnsinnigen in der Politik zu tun hat, ziehe ich mich aus der Politik zurück. – Kommen wir zum Thema der heutigen Vorlesung zurück.“

Die Episode, die historisch verbürgt zu sein scheint (http://bit.ly/1eftLEP) , erzählte uns 1969 ein Ordinarius für Neuere Geschichte, als wir ihn in seiner Vorlesung aufforderten, zur braunen Vergangenheit seines akademischen LehrersStellung zu nehmen.

Michael Angele 29.01.2014 | 15:21

Die problematische Beziehung zum Vater kommt vor. Aber die "Krise" wird nicht monokausal erklärt. Kaube erlaubt sich sogar den Scherz, alle Deutungsangebote, die es so auf dem Markt gibt, durchzudeklinieren. Ebenso kommt natürlich die schwierige Beziehung zur Universiät und zu der Professorenschaft vor. Besonders interessant hier das Verhältnis zu Werner Sombart. Allerdings verwahrt sich Kaube ausdrücklich dagegen, in Weber einen "Aussenseiter" zu sehen. Vielleicht würde sie das enttäuschen, aber kauf lohnt auf jeden Fall (müsste langsam bei Kollegen Kaube Tantiemen einfordern :))

Michael Angele 29.01.2014 | 15:21

Die problematische Beziehung zum Vater kommt vor. Aber die "Krise" wird nicht monokausal erklärt. Kaube erlaubt sich sogar den Scherz, alle Deutungsangebote, die es so auf dem Markt gibt, durchzudeklinieren. Ebenso kommt natürlich die schwierige Beziehung zur Universiät und zu der Professorenschaft vor. Besonders interessant hier das Verhältnis zu Werner Sombart. Allerdings verwahrt sich Kaube ausdrücklich dagegen, in Weber einen "Aussenseiter" zu sehen. Vielleicht würde sie das enttäuschen, aber kauf lohnt auf jeden Fall (müsste langsam bei Kollegen Kaube Tantiemen einfordern :))