Michael Angele
Ausgabe 1116 | 23.03.2016 | 11:00 21

In Stahlgetwittern

Anti-Merkel Wie rechte deutsche Publizisten und Intellektuelle zu Widerstandskämpfern mutieren

Das ganze Unglück des Menschen gründet darin, dass er nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermag, schrieb Blaise Pascal in seinen Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände. Ein, wie ich meine, zeitlos wahrer Satz, der auch dann gilt, wenn nicht vom Menschen im Allgemeinen die Rede ist, sondern von den Intellektuellen und Publizisten, die zwar häufiger in ihren Zimmern anzutreffen sind, aber dort offensichtlich nicht ruhig bleiben können, sondern in höchste Erregung geraten, wenn sie an Angela Merkel, den impertinenten Kollegen (Richard David Precht! Dieser Kretin) oder an DIE GEFAHR und DAS UNRECHT denken und sich in abenteuerliche Aufgaben zur Abwehr dieser Gefahr und zur Beseitigung jenes Unrechts imaginieren.

Nun ist unstrittig, dass das intellektuelle Feld momentan durch eine schrille Inszenierung von „Kulturkämpfen“ geprägt ist, in denen laufend Positionen markiert werden (müssen). Aktuelles Beispiel: Ulrich Greiner in der Zeit mit seinem Essay „Vom Recht, rechts zu sein. Gedanken eines heimatlosen Konservativen“.

Greiner bleibt vergleichsweise nüchtern, wenn er seine Leser davon in Kenntnis setzt, dass er nun erst einmal „beobachten“ werde, wohin die Parteien im „Fluss der Gegenwart“ schwimmen. Beobachten, würde man meinen, ist das, was Leute wie Greiner oder der Verfasser dieser Zeilen von Berufs wegen nun mal tun und was ergo ihrer Selbstbeobachtung und -beschreibung entspricht. Ist es aber nicht. Man staunt nicht schlecht, wer unter dem Druck aktueller Krisen so alles zum Widerstandskämpfer mutiert.

Entscheidende Fragen

Alexander Kissler ist leitender Redakteur der Zeitschrift Cicero. Mit seiner rabiaten Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik gilt er vielen als eine Art publizistischer Flankenschutz der AfD und als Symbol für einen Rechtsruck in den Medien, den man zu beobachten glaubt. Ob die Beobachtung einer empirischen Überprüfung standhielte, wage ich zu bezweifeln, sie scheint vor allem „gefühlt“, eben dadurch, dass sich Protagonisten wie Kissler lautstark radikalisierten, was bei ihm wiederum besonders deutlich wurde an seinem intensiven Twittern, das man in Anlehnung an Ernst Jünger als ein „Stahlgetwitter“ bezeichnen könnte, Tweets zu Merkels verbrecherischen Flüchtlingspolitik folgten quasi im Minutentakt.

In einer seiner jüngsten Einlassungen auf cicero.de wurden unverhohlen völkische Denkmuster deutlich. „Sind wir Zeuge einer demokratisch nicht gedeckten, fundamentalen Veränderung des Staatsvolkes? Treibt Merkel diese offensiv voran? Und wer hätte das Recht und die Pflicht, ihr in die Speichen zu greifen?“, formulierte Kissler als die „entscheidenden Fragen dieses Jahres“. Vor allem die letzte Frage erschließt sich nicht jedem. Denn sie enthält ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer, dem exponiertesten Vertreter der Bekennenden Kirche, der noch im April 1945 von den Nazis hingerichtet wurde.

Querfront

Das Zitat lautet vollständig: „Wenn ein Betrunkener Auto fährt, dann genügt es nicht, das Opfer zu verbinden, man muss dem Rad selbst in die Speichen greifen!“ Mit dem Betrunkenen meinte Bonhoeffer natürlich Adolf Hitler. Mal abgesehen von der enormen Geschmacklosigkeit, ein auf Hitler bezogenes Zitat auf Merkel umzumünzen: Wie kommt es in einen solchen Text? Wie kann man einen Assoziationszusammenhang zwischen deutscher Diktatur, Widerstand und der Situation von 2016 erstellen? Ist das nicht einfach Irrsinn?

Es ist jedenfalls kein Einzelfall. Jürgen Elsässer, Chefredakteur der Zeitschrift Compact und Querfront-Denker, nannte Justizminister Heiko Maas jüngst bei einer Veranstaltung in Thüringen den „neuen Reichsjustizminister“. Nachzulesen in einer Reportage ebenfalls aus der Zeit, in der auch eine Stimme aus dem Publikum zitiert wird. „Ein älterer Herr mit Brille (…) regte an, die Kanzlerin nach Paragraf 6 Völkerstrafgesetzbuch anzuklagen, wegen Genozid am eigenen Volk.“

Ob der ältere Herr sich auch in den Kommentarspalten des Cicero äußert, ist nicht bekannt. Aber wer einen Eindruck gewinnen will, wie radikal ein Teil dieses „Volks“ denkt, dem sei die Lektüre ebendieser Kommentare empfohlen, die sich unter jeden noch so differenzierten Artikel, und die gibt es im Cicero durchaus, reihen. Kommentiert wird bei voller Namensnennung, ein konspiratives Vorgehen scheint also nicht unbedingt nötig. Und doch fasziniert das Konspirative offenkundig. Ein Bonhoeffer-Zitat in einen Text zu „schmuggeln“, ist ja selbst ein kleiner verschwörerischer Akt: ein Codewort. Für die, die zu lesen verstehen.

Vorbild Ernst Jünger

An wen richtet es sich? Die Antwort kann hier nur skizziert werden. Der konservative deutsche Widerstand gegen den nationalsozialistischen Terror fasziniert die deutschen Rechtsintellektuellen schon länger. Nach der Wende begann man in den neuen Bundesländern den Schriftsteller Ernst Jünger (1895–1998) zu entdecken, der zwar nicht direkt zu den Verschwörern um Graf Claus von Stauffenberg gehörte, aber 1939 mit Auf den Marmorklippen eine mutige Parabel auf die Verbrechen des Dritten Reichs geschrieben hat.

Auch persönlich ließ der Autor von In Stahlgewittern an seiner Haltung gegen die Nazis keinen Zweifel. Ein Weltkrieger, ein soldatischer Mann, der seinen Mut und seine Ideale gegen den Verbrecherstaat in Stellung brachte, das war die perfekte Mischung für viele junge, oft in der DDR aufgewachsene Männer, bei denen allein die Worte „links“ oder „emanzipiert“ einen Brechreiz auszulösen schienen, die aber an Pathos und Ethos von „Widerstand“ partizipieren wollten.

Die BRD hatte Jünger in provinzieller Abgeschiedenheit verlebt; im Forsthaus der Stauffenbergs im schwäbischen Wilflingen stilisierte er sich zum „Waldgänger“, später zum „Anarchen“, zu einer halb poetischen, halb weltanschaulichen Existenz, die entschlossen ist, „Widerstand zu leisten“, welcher Art auch immer, und in deren Schatten sich noch ein Botho Strauß bewegt.

Und nicht nur er. Was erst in kleinsten Zirkeln, etwa um die ehemalige Schülerzeitung Blaue Narzisse aus Chemnitz oder um das rechtsintellektuelle Magazin Sezession, aber auch im Umfeld der Jungen Freiheit gepflegt wurde, wuchs nun in die Breite, Avantgarde wurde massentauglich. Mit der merkelschen Flüchtlingspolitik bekam die vage Rede vom „Widerstand“ klare Konturen. Und wirkte dadurch mobilisierend.

Innere Emigration

Ablesbar wird das gewachsene Interesse an einer Tagung, die das „Institut für Staatspolitik“ in diesem Januar auf einem Rittergut in Sachsen-Anhalt durchführte. Das Institut war um die Jahrtausendwende von Karlheinz Weißmann und Götz Kubitschek gegründet worden, vor allem Kubitschek, Verleger des Antaios-Verlags, gilt als Vordenker der Bewegung, sein Institut könnte er getrost als Thinktank der Neuen Rechten bewerben, stünde man Anglizismen in seinen Kreisen nicht eher ablehnend gegenüber.

„Widerstand“ lautete das Thema der Tagung, es zog 130 Teilnehmer an. Der Stauffenberg-Kreis war natürlich ebenso ein Sujet wie Ernst Jünger, der sich wiederum in einer Reihe mit den Aufständischen des 17. Juni, aber auch mit Ulrich Plenzdorf und sogar Christian Kracht wiederfand. Letzterer, so ist einem Tagungsbericht zu entnehmen, gilt als Vorbild „einer antimodernen Widerständigkeit“, die man als den kleinsten gemeinsamen Nenner aller Widerstandsformen bezeichnen könnte.

Besonders intensiv wurde das Verhältnis von innerer Emigration und offenem Widerstand diskutiert, was einiges über die aktuelle Bewusstseinslage sagt. Und große Beachtung fand schließlich auch ein Vortrag des Juristen Thor von Waldstein (kein Pseudonym): „Wir Deutsche sind das Volk. Zum politischen Widerstandsrecht der Deutschen nach Art. 20 IV Grundgesetz in der ‚Flüchtlingskrise‘“.

Sicher, manches an diesem „Widerstand“ erinnert weniger an Stauffenberg als mehr an eine rechte Form von zivilem Ungehorsam, oder wenn man so will: von unzivilem Ungehorsam. Und nicht alles bleibt in Studierzimmern und Ritterburgen. So wirkt eine Sezessions-Serie über konkrete Formen des Widerstands von Kubitschek aus dem vergangenen Herbst wie das „Drehbuch für die Busblockade“ von Clausnitz (Süddeutsche Zeitung). Was aber die Kopfgeburten anbelangt: Da stellt sich dann doch die Frage, ob die Entwicklungen in der europäischen Flüchtlingspolitik den Widerstandskämpfer im deutschen Publizisten überhaupt noch verlangen.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 11/16.

Kommentare (21)

wwalkie 23.03.2016 | 13:34

Der Artikel beschreibt anschaulich, welche semantische Transformationen nicht wenige "heilige Worte" der Linken momentan erleben, besser erleiden.

Der Begriff "Résistance" wird seines historischen Charakters entkleidet. Der "Widerstand" bekommt die alte "querfrontale" Weimarer Bedeutung zurück. Das bedeutet für seine Protagonisten Widerstand gegen den Finanzkapitalismus, 1789, die Aufklärung, den Liberalismus, den Parlamentarismus, für das "Volk", einen "eigenen" politischen Weg der Nationen, Anlehnung an Russland gegen den finsteren Westen, der "uns" nach dem Krieg (egal, ob I oder II) seine Institutionen aufzwang.

Kein anderer verkörpert diese Position so durchdacht wie der in der Tat mutige Widerstandskämpfer Ernst Niekisch, der nicht umsonst zu den Referenzautoren für Alexander Dugins eurasiatische Visionen zählt. Er wird wohl bald wieder in den einschlägigen Mainstreamnmedien der "Querfront" gefeiert werden.

Daniel Domeinski 23.03.2016 | 15:17

Diese Entwicklung läuft schon seit vielen Jahren. Völkisches, rassistisches Denken ist nicht "wieder salonfähig", denn es war nie wirklich aus dem Diskursen verschwunden. Insbesondere bei den Themen "Islam" (hier ein aktueller Tweet von Kissler, "der Westen muss..."), "Griechenlandrettung" und der Krise in der Ukraine (das Verhältnis deutscher Intellektueller und politischer Aktivisten zu Rußland war und ist weniger eindeutig als es wwalkie behauptet) beteiligten sich auch Befürworter der "Westanbindung", des Liberalismus und der Menschenrechte an der Legitimation des Rassismus. Der gegenwärtige Erfolg eines Milieus, das sich selbst einst als "Neue Rechte" ist daher eher ein Symptom, ein Teilbereich eines größeren Problems.

Eine Betrachtung der Diskussionen zum Widerstandsbegriff, der kein genuin linker Begriff ist, in den Kreisen der "Neuen Rechten", ihrer Beziehungen zur Geschichtswissenschaft, den Diskurs zur nationalen Identität und ihrer Bedeutung für die gegenwärtigen Protestbewegungen von Rechts wäre ein interessantes Thema. Doch leider bleibt der Artikel für den dF inzwischen typisch sehr oberflächlich und um gute Konsumierbarkeit bemüht.

Gugel 23.03.2016 | 15:21

Was ist eigentlich dagegen zu sagen, dass sich Probleme auch in Grenzen betrachetet werden können. Grenzen, die aus dem Problem selber entstehen, weil die Lösung des Problems einen Problemkreis ständig neu entickelt....Problem an Problem knüpft, wo die Grenze erkennbar im Problem schon allein die verindern würden. So wie es bei jedem Problem eigentlich gemaccht wird, wenn man es Schritt für Schritt den Lösungen zuführen will.

Was ist dagegen zu sagen, dass den Kern dessen, was die Betrachtung des Problems - hier Flüchtlinge - zeigt richtig benannt wird. Von mangelndem Integrationswillen über Weigerung Verhaltensmuster aus verlassener Gesellschaft aufzugeben bis überwiegend fehlende Qualifikation so zu benennen, wie es ist.

Dafür braucht es keinen Ernst Jünger, dafür braucht es den Menschenverstand und die kritische Vernubnft. Die ist anscheinend einigen - bes. hier in dem Medium - abhanden gekommen.

Aber wir können die uns auch weiter wegbomben lassen....ist sehr effektiv.

Helmut Eckert 23.03.2016 | 16:58

Es ist kein Altnazi, kein Hindenburg der viele Menschen in das rechte Lager treibt. Ein treffendes Beispiel: In Lübeck beschließen die Stadtvertreter eine Flüchtlingsunterkunft zu bauen. Der Auftrag soll eine städtische Baugesellschaft übernehmen. Geplant ist, dass die hochverschuldete Stadt der Gesellschaft 16, 50 Euro pro Quadratmeter Mietpreis erstattet. Nach 10 Jahren soll das Anwesen abgerissen werden, weil auf dem Areal gar keine Wohnunterkünfte errichtet werden dürfen. Soweit der Plan.

Dem Hartz IV Empfänger wird 360 Euro bei 50 qm genehmigt. Hier sind die Wohnungsnebenkosten enthalten. Heiz und Warmwasser ist nicht eingerechnet.

16,5 x 50 qm = 825 Euro Mietkosten für den Flüchtling. Das will die Stadt übernehmen. Für 10 Jahre. = 99 000 Mietkosten der 50 qm.

Der Hartz IV Empfänger wird kaum eine Neubauwohnung zu diesem Preis erhalten. Selbst Altbauwohnungen sind ganz selten in dieser Preislage auf dem Markt. So ist er gezwungen, alle zusätzlichen Mietkosten über dem Regelsatz von 360 Euro von seinem Harzt IV Geld zu bezahlen.

Der Hartz IV Empfänger, der diese städtische Rechnung erfährt, wird sehr wohl mehr als nur wütend auf die soziale Schieflage der Berechnung sein. Er wird diese Tatsache als ungerecht empfinden und seine Schlussfolgerung ergibt sich zwangsläufig. Er wird Nichtwähler, oder wählt aus Protest die AfD.

Das ganze Gerede und die vielen Veröffentlichungen der Mahner, Zweifler und Rosarechten wird von nur von der selbsternannten Elite gelesen und wahrgenommen. Ein Arbeiter von VW ergötzt ich am späten Abend kaum über die Redeergüsse eines Alexander Kissler und weitere Schönredner bei Maischberger und Ilgner.

Ich erinnere an die Zeit der Machtergreifung eines Hitlers 1933. Die damalige Meinung der gutbürgerlichen Kreise wahr: Der Schreihals hat in ein paar Monaten abgewirtschaftet. Der wird von der Industrie schon gebändigt… Nach 1933 rief die große Mehrheit Heil, Heil dem Führer.

2016 sind die Ziele und faschistische Gesinnung der AfD Schreihälse bekannt. Trotzdem wählen die Menschen diese Volksverdummer und Hetzer. Warum wohl? Weil unser Politiker, nicht nur viele derer in Berlin, kein Gespür für die wahren Sorgen der Menschen haben. Die Gernegrössen in den Rathäusern und Landratsämtern, in den Beamtenstuben und Hinterzimmern der kommunalen Herrlichkeit, jedes Unrechtbewusstsein verloren haben. Was verkündete A. Merkel und Herr Steinmeier 2008 dem Volk. Eure Spareinlagen sind sicher. Für 2008 stimmte der Satz. Natürlich wussten beide Politiker, dass diese Rettungsmilliarden vom doofen Sparen bezahlt werden muss. Eile vor Weile… Jetzt kommt die Zeche in Form der Nullzinsenpolitik. Altersarmut für viele der Menschen, auch aus dem sogenannten Mittelstand wird die Folge sein. Die schwarze Null das Glaubensbekenntnis der CDU. Geld zum Reichtum und Zukunftssorgen zum kleinen Steuerzahler. Glorreiche Zukunft, für wen?

koslowski 23.03.2016 | 18:15

Der Artikel gefällt mir, weil er über die rechtsintellektuelle Szene und ihre Themen ausführlich informiert (und elegant formuliert ist). Für mich ist neu und erstaunlich das wohlwollende Interesse am konservativen Widerstand gegen Hitler. In meiner Schulzeit zu Beginn der 60er war dieser Widerstand der einzige, über den das Geschichtsbuch ein paar Worte verlor, unser Oberstudienrat bestritt seine Legitimität. Das Beispiel zeigt, dass die neue Rechte dabei ist, einige Relikte der alten Rechten zu entsorgen. Das macht sie interessant und anschlussfähig für das konservative Bürgertum und für Querfrontler.

karamasoff 23.03.2016 | 21:43

Persil für die Mitte

Die nachholende Legitimation des eigenen Selbstverständnisses und Handelns weiter Teile der in der Krise des Kapitalismus ökonomisch bevorteilten und abgesicherten bürgerlichen Mitte durch formale/formelhafte Abgrenzung (die zudem mehr als undeutlich daherkommt) von der neuen Rechten aka AfD, Pegida, NPD etc. ist völlig unzureichend und trägt zudem deutliche Züge einer in voller Absicht fehlgeleiteten und gescheiterten Aufarbeitung der braunen deutschenVergangenheit nach 1945: eine grundlegende Entnazifizerung hat exakt so stattgefunden, wie sich die deutsche Bürgerlichkeit jetzt präsentiert. An der Oberfläche, formal- und warenästhetisch.

Dieses Momentum, das auch in den staatlichen Grundstrukturen und Verwaltungen seit 1945 überwintern konnte/durfte, hat auch die neue Rechte (spielend leicht) erkannt und seit 1990 intensiv genutzt. Mit der Echauffierung alleine ist es nicht getan, ebensowenig mit einem dekonstruierten Grundgesetz, das statt des Bretts nun vor dem Kopf getragen und deren Inhalt in Geiselhaft genommen wird.

Gremlizas diesmal zweiseitige Kolumne in der neuen "konkret" Ausgabe weiß einiges mehr dazu zu sagen und er fragt "Wohin das führt?".

Nun ich schätze mal zu "Angebot und Nachfrage", und "der Markt reguliert das". Wertneutrales neudeutschnationales business as usual eben.

"Unsere weisse Weste verdanken wir Persil(scheinen)"

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Ehemaliger Nutzer 23.03.2016 | 23:30

Es ist echt so witzig – bis hierher wirkt das Chloroform aus dem Kanzleramt: Bloß nicht Merkel kritisieren. Ist ja sofort Rechts, sofort Bäh.

Selbst ein Aust zum SPIEGEL saust, also, sch*** auf die Reinheit, wie wär's?

Jammerlappen und Schoßhündchen und Eierfeiler. Echte kritische Geister halt ...

zelotti 24.03.2016 | 10:23

Die Kontinuität des Staatsvolkes zu sichern, das ist aber geltende Rechtsprechung des BVerfG und auch logisch für jeden humanistisch-altgriechisch gebildeten Intellektuellen.

Ich vermute, die echten Agitatoren sind mehr solche Leute die faule "Hurra, wir brauchen mehr Flüchtis gegen Fachkräftemangel" Artikel schreiben. Sie besorgen den Zulauf für die Afd und waschen ihre Hände in Unschuld.

McCormick 24.03.2016 | 13:06

Auch hier wird Elsässer erwännt und gleich als Querfront-Denker tituliert. Ich muss gestehen, dass ich das nicht ganz nachvollziehen kann. Ist er denn nicht ein Friedensaktivist, hat er sich nicht immer gegen das neoliberale Kapital gestellt, besonders nach 2007? War er nicht sein ganzen Leben in irgendwelchen K-Gruppen unterwegs?

Jemanden als Querfront-Vertreter zu titulieren ist heutzutage immer diffamierend. Damit wird ein Akteur in die Schmuddelecke gestellt. Wenn die neoliberale oder neokonservative Ecke solche Begriffe benutzt, ist die Richtung ja klar: der politische Gegener soll diffamiert werden. Deutschland führt heute an allen Enden der Welt Krieg, niemand redet darüber, niemand stört sich daran. Und im Gegensatz zu den 80ern gibt es keine nennenswerte Friedensbewegung! Das die Montags-Mahnwachen mit den Label Querfront wirksam diffamiert wurden, ist ohne Zweifel ein großer Erfolg von NATO affinen Medien und Think Tanks. Gerade ein einer Zeit, in der noch mehr Krieg Verantwortung von Deutschland eingefordert wird.

Aber warum übernimmt dein irgendwie linkes Mediun diese Sprachregelung?

Wenn ich höre, dass eine Kipping der Wagenknecht eine Querfrontrethorik vowirft, frage ich mich ob die Kipping im Auftrag der Union die Linkspartei implodieren lassen will.

Aber nocheinmal, warum ist Elsässer schlecht, böse, gefährlich etc pp?

Magda 24.03.2016 | 15:37

Widerstand gegen eine Person, die - bei aller Mitterückerei - ja doch auch konservativ ist und - ordentlich gewählt. Opposition wäre ja o.k. - aber Widerstand. Was für eine unglaubliche Anmaßung von Leuten, die wenig riskieren außer einer großen Klappe.

Seit ich irgendwo in einem Forum "informiert" wurde, dass Angela Merkel eigentlich Jüdin ist, warte ich noch auf den Satz: "Merkel ist Deutschlands Unglück". Dass das alles mit der Flüchtlingspolitik hochkommt, hat - aus meiner Sicht - auch damit zu tun, dass sie selbst für viele eine Fremde geblieben ist. Für die im Westen sowieso und auch für die im Osten - eine Frau, die keiner kannte. Seltsamerweise. Wenn der Jochen Maaz wilde Ferndiagnosen über Merkelschen Narzissmus in die Medien bläst und ein tapferer Pfarrer in Baden-Württemberg auch von dem finsteren Merkel-Plan des kompletten Volksaustauschs lamentiert. Was soll man da sagen.

Die Personenschützer sind jetzt bestimmt verstärkt worden - das wenigstens.

lebowski 24.03.2016 | 20:21

Der Begriff "Widerstand" im Zusammenhang mit Merkel ist in der Tat lustig. So als ob Merkel eine Diktatorin wäre, die über eine physische Machtbasis wie Militär, Polizei oder Geheimdienst verfügt.

Blöderweise hat Merkel all das nicht. Die Polizei ist überaltert und schlecht motiviert, die Bundeswehr läuft hilflos in Afrika herum, die Geheimdienste werden bei jeder Gelegenheit durch den Dreck gezogen.

Aber vielleicht sinds ja Merkels persönliche Eigenschaften, die ihre Machtbasis sind. Leider nein: Merkels Charisma geht gegen Null und ihre rhetorische Fähigkeiten spotten jeder Beschreibung. Persönliche politische Ansichten über irgendwelche Themen besitzt sie keine, sie passt sich geschmeidig jeder demoskopischen Lage an.

Um zu verstehen wie es hier in Deutschland läuft, muss man sich nur noch mal den Film "Einer flog übers Kuckucksnest" anschauen. Angela Merkel ist Schwester Ratched und die Rechtsintellektuellen sind die Irren aus der morgendlichen Gesprächsrunde die angestachelt von McMurphy den Aufstand gegen Schwester Ratched wagen. Blöd nur, dass die Irren vergessen haben, dass sie freiwillig in der Klapse sind, weil es sich da so kommod leben lässt.

kürsche 25.03.2016 | 10:46

Die Merkel-Verteidigung nimmt groteske Züge an. Es wird persönlich. Wie Magda an anderer Stelle schreibt, seien die Merkelkritiker Heuchler, die warm und trocken sitzend Merkel zum Sündenbock machen wollten.

1. Die Kritik ist keine Heuchelei. Sie findet notwendig da statt,wo die Medien schweigen. Es muss z.B. gesagt werden, dass Merkel gerade eine empfindliche Niederlage zu verzeichnen hatte, als sie sich mit einem Verhandlungsergebnis (EU) "zufrieden" erklärte.

2."Warm und trocken" bei uns was Besonderes? Oder regnet es bei Magda rein oder hat Merkel kalte Füsse bekommen, und die Kritiker haben einen unverdienten Vorteil?

3. Merkel kann Sündenbock nur sein, wenn andere Fehler machen. Es geht aber um ihre Fehlleistungen.

Respekt vor der Kanzlerin kann man eigentlich nur haben,wenn man sie als Frau in der rauen Männerwelt sieht (die Mitleidsarie läuft bereits), die sich tapfer über Wasser hält. Aber dieses Klischee hatten wir doch bereits überwunden.

zelotti 19.04.2016 | 19:13

Das Staatsvolk ist das Subjekt eines Staates. Wie das Staatsvolk Fremde in sich aufnimmt, ist eine spannende soziologische Frage. Sicherlich ist eine Sklavenhaltergesellschaft für uns heute inakzeptabel. Nach wie vor ist es "herrschende Meinung" des BVerfG, dass die Identität des Staatsvolkes zu wahren ist, und dazu gibt es einen interessanten staatsrechtlichen Diskurs. Die instrumentelle Idealisierung der attischen Demokratie ist sicherlich problematisch.