Kleines Satire-Gipfeltreffen

Humorkritik Mit dem politischen Humor in Deutschland geht es wieder leicht aufwärts. Zu verdanken ist dies vor allem auch einem wiedererstarkten Harald Schmidt

Es ist so einfach geworden, sich über den Gastgeber des Satire Gipfels aufzuregen, dass Fans von Mathias Richling sich hier bitte melden sollen. Mittlerweile nervt Richling ja sogar, wenn er seine Stärken ausspielt, also Politiker wie Franz Müntefering parodiert. Aber auch dessen Geklapper und Geräusper kam so überdreht-hibbelig daher, wie der ganze Auftakt des gestrigen Gipfels (ARD 23 Uhr). „Wir haben versucht, den Obama, also einzuladen...", hahaha, und dann ging es in einer Art Hildebrandtturbovermatscher weiter bis zum CDU-Wahlkampfslogan „Wir in Europa“, den die Konkurrenz neulich allerdings souveräner abgefertigt hatte, indem Oliver Welke in der heute Show einfach fragte: Wo denn sonst?

Dann also Auftritt Harald Schmidt, mit Vollbart. Richling befragt ihn zur Kunst des Fragestellens. Schmidt antwortet mit einem Kerner und einem Beckmann, das ist nicht originell, bildet aber die Basis, auf der heute jedes böse Gespräch über Gesprächsführung im Fernsehen bauen muss.

– Die Kerner-Technik: „Tut mir Leid, aber ich muss das fragen, was ist das für ein Gefühl im Finger, wenn man gar keinen Finger mehr hat“.

– Die Beckmann-Technik: Die Frage ist mein bester Freund

Und zwischendurch ein kleiner giftgrüner Satz, den so nur Schmidt bringen kann: „In der Talkshow stört nur eins, und das ist der Gast.“ Politische Satire, die sich gewaschen hat, kann heute gar nicht anders, als den medialen Aspekt mit zu thematisieren. Deshalb hatte es Sinn, dass „die Talkshow“ leitmotivisch durch die Sendung führte. Was passiert, wenn man die Medien vergisst, zeigte H.G. Butzo, der es zum Beispiel lustig findet, seine Homepage „Heimatseite“ zu nennen. Im Satire Gipfel ließ Butzo sich über Europa aus und tat es so billig und pseudo-bildungsnahe – „Europa war ein perverses Flittchen“ –, dass selbst Uli Deppendorf nicht lachen konnte, den die Kamera wiederholt im Publikum sitzend zeigte.

Renitenz und Verzweiflung

Man kann auch fast ganz auf Humor verzichten – wie Hagen Rether, dessen Klavier für einmal stumm blieb. Gegen den kabarettistischen Strich erzeugt Rether Präsenz durch Ruhe. Er machte ein paar kluge Anmerkungen über Lafontaine und den Populismus (ein absurder Vorwurf) und die Talkshows, in denen „Lafo“ das sagt, was er immer sagt, nämlich: „Das habe ich schon immer gesagt“.

Rether, der intellektuellste der Gäste, wurde vom Franken Matthias Egersdörfer kontrastiert. Im Stile eines Gerhard Polt erzählte Egersdörfer von seiner Oma, und den Knöpfen, und dem Karstadt in Nürnberg, und tat es so einzelgängerisch-renitent-verzweifelt, dass man ihm ein eigenes Format wünschte.

Davor war er von „Talkmaster“ Schmidt als „Gast“ gecastet worden, der den Kurras-Verteidiger geben sollte. „Der Kommunismus hat mein Leben ruiniert“, sollte er klagen und die These vertreten, dass der Urknall, der uns den ganzen Mist gebracht hat, ein Reaktorunglück in Zwickau war. Gast Egersdörfer fühlte sich immer unbehaglicher, normalerweise sei er doch bloß auf den kleinen armen Schlucker abonniert. Eben, eben.

Mit Rether und Egersdörfer traten zwei Gäste auf, die Hoffnung auf eine Renaissance des politischen Kabaretts machen. Es folgte Schmidt über Kita-Streik, vielleicht nicht mehr ganz so lustig, aber doch mit so viel Energie, dass sie uns sogar noch über Richlings finale Merkel-Parodie hinweg trug. Im Anschluss daran kam eine neue Folge von Geheimnis Geschichte, und wie Thomas Kausch ins Bild trat, musste man unweigerlich an einen Scherz denken, den Harald Schmidt wenige Minuten davor über Guido Knopp gemacht hatte. Was will man mehr?

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14:30 19.06.2009

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