Mein Institut für Desensibilisierung

Hegelplatz 1 Unser Chefredakteur hilft jetzt Menschen dabei, sich von ihren Fixierungen zu lösen
Mein Institut für Desensibilisierung
Mit solch einem schicken Netz lässt sich das Gehirn erforschen. Schlauer macht es einen leider nicht

Foto: Oli Scarff/Getty Images

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe ein Institut für Desensibilisierung gegründet. Das Institut will den schädlichen Siegeszug des „Framing“ stoppen. Vermutlich haben Sie davon gehört: Die ARD hatte sich Sorgen gemacht, dass die Rundfunkgebühren vom Volk gar nicht gerne bezahlt werden, dass es überhaupt viel (rechte) Kritik am „Staatsfunk“ gibt, und hat eine Studie in Auftrag gegeben, wie man das ändern könnte.

Den Job übernahm die Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Wehling. Sie ist Expertin für „Framing“, zu Deutsch: für Rahmung. Ihre Lehre besagt, dass man heikle Aussagen in einem gewissen Licht präsentieren muss, damit sie Anerkennung finden. Dass man umgekehrt bestimmte Begriffe und Sprachbilder vermeiden sollte, weil sie unangenehme Gefühle erzeugen.„Rundfunkgebühren“ zum Beispiel, da denkt man gleich an „Zwangsgebüren“. Besser also von „unserer finanziellen Beteiligung“ sprechen. Auch „Staatsfunk“ klingt doof, muss man übertönen mit einem „unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“. Schlug jedenfalls Frau Wehling vor. Und hatte mit dieser Anregung die gesamte Journaille gegen sich, die sich fragte, wie man so bescheuert sein kann, erwachsenen Menschen Phrasen anheimzulegen, die wie eine Mischung aus Kindergarten und 1984 klingen.

Einfach anfragen!

Nun, Frau Wehling würde vermutlich mit einem alten Spruch von Monty Python sagen: „It’s the mind!“ Unser Hirn reagiert nun einmal auf Sprachreize, kannste nichts machen. Dahinter steckt eine etwas krude Idee von Kongnitionspsychologie. Die Kalkulation ihres „Berkeley International Framing Institute“ steht dagegen auf solidem marktwirtschaftlichen Fundament. Die Studie kostete samt Workshop 120.000 Euro.

Mein Institut, es heißt übrigens "HU- nahes Institute for Desensibilisation", ist da deutlich preiswerter. Es besteht aus einer E-Mail-Adresse, viel mehr braucht ein solches Institut auch nicht. Einfach anfragen, Kostenvoranschlag folgt.

Hier kurz unsere Leistungen: Wir können Ihnen zeigen, wie Sie sich von einer Fixierung lösen. Fixierungen können für den Einzelnen sehr unangenehm werden und sie bringen die Gesellschaft nicht wirklich weiter.

Zum Beispiel also diese alberne Studie. Was hat man sich nicht darüber aufgeregt, konnte gar nicht aufhören! Wurde in seinem Hass auf die ARD sogar den rechten Wutbürgern ähnlich, obwohl man das ja nicht wollte!! Kein Problem für uns. Wir arbeiten eng mit dem Institut für Mikroaggression zusammen. Unsere Leitwissenschaft ist die Verhaltenstherapie. Desensibilisierung meint: den Fokus der Aufmerksamkeit verschieben. Jetzt gerade. Wenn Sie sich über den Artikel aufregen, nicht hängen bleiben. Es ist nur eine Glosse. Die wichtigen Themen stehen woanders - nämlich in der aktuellen Zeitung.

06:00 03.03.2019

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