Paranoia in der Mediengesellschaft (I): Der Fall Rothschild - Angele

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Als ich neulich mein Leib- und Magenblatt Ossietzky zu lesen begann – es sieht ja immer noch aus wie die Weltbühne! denke ich jedes Mal und werde sentimental –, als ich also den Ossietzky aufschlug, staunte ich nicht schlecht. Unser Autor Thomas Rothschild hatte einen Beitrag geschrieben. Titel: „Wie der Freitag abgewickelt wird“. Hatte er geheime Informationen? Er hatte, sehr geheime sogar, wie sich bald herausstellte, es stand da nämlich:

Die Wahrheit ist: Jakob Augstein ist angetreten und Michael Angele wurde eingestellt, um das linke Projekt namens Freitag abzuwickeln. Unter dem Vorwand einer technischen Reform – des Ausbaus der Online-Ausgabe –, die nicht mehr war als ein Ablenkungsmanöver, sollte eins der letzten publizistischen Foren der Linken zunächst aufgeweicht und dann vernichtet werden.“

Meine erste, und wie ich hoffe, nachvollziehbare Reaktion war: Nun ist er durchgedreht! Dann aber dachte ich, dass es vielleicht doch der Versuch darstellt, sich in die Höhen von Thomas Bernhards Übertreibungs- und Erregungsversuch zu schreiben (darauf deutet der Ausdruck "vernichtet" hin). Allerdings ein wenig gelungener Versuch, denn ich musste überhaupt nicht lachen.

Nicht zum Lachen fand ich dann leider auch, dass Thomas Rothschild in diesem Ossietzky-Artikel aus der privaten Mailverkehr zwischen mir und ihm zitierte. Darf er das? Soll ich einen Anwalt befragen? Überlegte ich. Aber dann kam ich zur Einsicht, dass dafür das Internet ja wie geschaffen ist: Um solche Streitigkeiten zu dokumentieren, um der ganzen Welt (theoretisch) ein ebenso vergnügliches wie mahnendes Beispiel zu geben. Was wäre nicht gewonnen, ginge etwa ein Henryk M. Broder mit seinen Fehden nicht ständig vor Gericht, sondern ins Netz! Ausserdem haben die Rechtsanwälte ja wohl wichtigeres zu tun.

Und so dokumentiere ich hier also den Fall. Er besteht a) aus dem Artikel, den Rothschild für den Ossietzky geschrieben hat. Ich erlaube mir in Anbetracht der Sachlage, beim Verantwortlichen meines Leib- und Magenblatts nicht erst um die Erlaubnis anzufragen. Zumal dieser Verantwortliche auf eine Mail von mir bisher noch nicht geantwortet hat. Ich wollte nämlich zu Rothschilds Text einen Kommentar posten. Immerhin ist man sich gewisser Probleme dieser Kommentare bewusst (seltsam nur dass sie nicht für die Texte selbst gelten).

Im Disclaimer steht:

Sie sollten Ihre Beiträge vor der Veröffentlichung sorgfältig darauf überprüfen, ob sie keine Angaben enthalten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.“ steht da.

Aber leider ist die Kommentar-Funktion ausser Betrieb. Ich habe also um händisches Einfügen gebeten. Eine Antwort steht aus, man wird sehen. Einstweilen füge ich meinen Kommentar darum hier b) unten an.

1. Der Aufsatz von Thomas Rotschild, aus: Ossietzky Nr 24/2009

Wie der Freitag abgewickelt wird

Thomas Rothschild

Im Juli 2009 bot ich dem Freitag, für den ich zeit seines Bestehens geschrieben habe und mit dem ich mich lange politisch identifizieren konnte, den folgenden Beitrag an:

Prognose

Es fällt nicht schwer, die Prognose zu wagen. Sie ist nicht einmal mehr originell: Kritik und vielleicht der Journalismus insgesamt als ein bezahlter Beruf werden aussterben. Blogs beweisen ja, daß es Laien gibt, die nicht schlechter schreiben als professionelle Kritiker, zumal unter den bestallten Journalisten eine Entprofessionalisierung längst eingesetzt hat. Der Mitarbeiter einer Zeitung, einer Rundfunkanstalt, einer Nachrichtenagentur, der die deutsche Grammatik nicht beherrscht und über die stilistischen Fähigkeiten eines Junggymnasiasten verfügt, ist eher die Regel als die Ausnahme.

Die Unternehmen werden den Nachweis führen, daß man auch ohne Profis und also ohne Gehälter und Honorare auskommen kann. Wie Heimwerker mit Hilfe der Baumärkte die professionellen Handwerker von einst, so werden Amateurschreiber Journalisten ersetzen, die ja schon bisher nur in Ausnahmefällen eine einschlägige Ausbildung hatten. Wenn es möglich ist, durch Laien eine Enzyklopädie zu erstellen, die den Brockhaus aus den Gleisen wirft – wie sollte es da ein Problem sein, Zeitungen oder Rundfunksendungen mit Beiträgen von Laien zu füllen?

Die Profis wehren sich natürlich gegen diese Entwicklung. Sie verteidigen ihren Besitzstand. Wenn die von ihnen attackierten Amateure ihnen ihrerseits unterstellen, daß sie die Konkurrenz fürchten, daß ihnen an ihren Jobs, nicht an der vorgeblich angemahnten Qualität gelegen sei, so haben sie die Lacher auf ihrer Seite. Das Argument scheint allzu einleuchtend, als daß man es zurückweisen könnte. Schließlich ist es nicht widerlegbar (wer behauptet, für ihn gelte es nicht, macht sich dadurch gerade verdächtig), und obendrein ist es ja nicht von vornherein anrüchig, wenn jemand um seinen Arbeitsplatz kämpft.

Andererseits kann man die Ersetzung professioneller Arbeit durch Laientätigkeit nicht uneingeschränkt unter dem Stichwort »Demokratisierung« verbuchen. Daß jeder mitreden kann, muß nicht unbedingt der Wahrheit förderlich sein. Es kann auch den Gedankenmief hochspülen oder bloß Lärm und Unübersichtlichkeit erzeugen. Laienchöre, Laienspielgruppen oder Laienorchester haben ihre sympathischen Züge. Die Verwandten der Mitwirkenden sind stets ein dankbares Publikum. Vollwertiger Ersatz für Profikünstler sind Laien nicht. Das wird deutlich, wenn man das angloamerikanische Kulturangebot mit dem mitteleuropäischen vergleicht.

Wiederum andererseits hat die Verluderung des professionellen Journalismus längst begonnen, ehe das Internet die Alternative einer Blogkultur anbot. Daß es genüge, eine Meinung zu haben und sie in halbwegs verständlicher Sprache mitzuteilen, haben die Amateurschreiber den Zeitungs- und Radioschreibern der vergangenen Jahre abgeschaut. Was in den Feuilletons kleinerer Zeitungen als Kritik firmiert, erweist sich oft in jeder Hinsicht als so dilettantisch, daß Blogger es kaum unterbieten können.

Wahrscheinlich ist die hier prognostizierte Entwicklung nicht mehr aufzuhalten. Vor allem deshalb, weil sie für die Unternehmen ökonomische Vorteile bringt. Wie soll man es interpretieren, wenn die Neue Zürcher Zeitung, die immerhin einen Ruf zu verlieren hat, ihren Filmredakteur in den Vorruhestand schickt und seine Stelle nicht mehr besetzt, wenn sie ihrem kenntnisreichen Kulturkorrespondenten aus Österreich, Paul Jandl, kündigt? Was hat es zu bedeuten, wenn der Weser-Kurier, bei dem es weniger drauf ankommt, seinen Mitarbeitern eröffnet, daß er kein Geld mehr für eigene Filmkritiken ausgeben will, wenn sich immer mehr Zeitungen auf die unqualifizierten und von Fehlern strotzenden Kulturkritiken der dpa beschränkt? Wenn die Printmedien in naher Zukunft tatsächlich verschwinden sollen, wie es etwa Jakob Augstein vorauszusehen meint, dann soll der Untergang nicht allzu viel kosten. Für den ohnedies mit Gewißheit Sterbenden reichen unbezahlte Ärzte. Und daß sich mit Publikationen im Internet auf die Dauer ein Zubrot, gar ein Lebensunterhalt verdienen läßt, scheint niemand so recht zu glauben.

*Den Journalismus als Beruf hat es nicht immer schon gegeben, und auch andere Berufe sind verschwunden: die Weber, die Heizer, die Küffner, die Setzer, die Henker zum Beispiel. Den Schaffner in der Straßenbahn ersetzt ein Automat ebenso wie den Kaffeesieder im Kaffeehaus, wenn man noch eins findet. Soziale und pflegerische Dienste, deren Bezahlung früher als selbstverständlich galt, werden zunehmend freiwilligen »Amateuren« überlassen. Aber ein bißchen nostalgisch darf man noch an Zeiten denken, in denen es Kritiker und Journalisten wie Reinhard Baumgart, Hilde Spiel, Georg Hensel, Wolf Donner, Jörg Drews, Robert Jungk, Sebastian Haffner, François Bondy gab, auf deren Beiträge man mit Ungeduld wartete. Sie wurden dafür auch bezahlt.

Der zuständige Redakteur des Freitag, Michael Angele, schrieb mir daraufhin: Lieber Herr Rothschild, Ihren Text »Prognose« werden wir in dieser Form nicht drucken. Ich habe aus großem Respekt vor Ihnen schon einige schlecht gelaunte Texte durchgehen lassen und sie in der Redaktion sogar verteidigt. Aber dieser Text wäre für mich nur erträglich, wenn auch er mit jener Ahnung von Komik geschrieben wäre, die Sie in Ihrem Zadek-Nachruf vom großen Schauspieler gerade da erwarten, wo es tragisch wird – denn in der Sache haben sie ja in vielem Recht. Nur: Wer weiß das eigentlich noch nicht? Für wen schreiben sie das? Vor allem aber: Sie haben Vorbehalte gegen die Blogkultur, kann ich verstehen. Allerdings ist ihr eigener Text selbst ein Blogbeitrag – nichts anderes, sogar einer, mit dem sich »ein Zubrot« verdienen lässt. Dazu ein letztes: die Wendung »wie Jakob Augstein vorauszusehen meint« klingt schon arg despektierlich und ist vom Argumentationsgang her völlig überflüssig. Da muss ich dann schon fragen: Warum sollte er ihnen für diesen Hieb auch noch Geld geben? Ihr Michael Angele

Darauf reagierte ich: Sie erwarten doch auf diese Rüge keine Antwort? Ich nehme sie zur Kenntnis. Nur eins wüßte ich gerne: abgesehen davon, daß ich keine Hemmungen hätte, despektierlich zu sein – was an dem zitierten Satz ist despektierlich? ... Bezahlt wird man nicht für kommode Ansichten, sondern für Arbeit. Ach Herr Angele, mich ermüden solche Korrespondenzen, dafür bin ich zu alt.

Michael Angeles Antwort: Lieber Rothschild, schade, dass sie nur auf den letzten Punkt eingehen, der bei mir eher marginal ist. Ich fand mit anderen nicht den Inhalt, aber die Formulierung »vorauszusehen meint« despektierlich, völlig unnötig. Meine anderen Punkte sind mir allerdings sehr wichtig, es ist keine Rüge, sondern eine Kritik. Es würde mich freuen, wenn Sie mir darauf eine Antwort gäben. Ich will noch einmal meinen Hauptkritikpunkt erwähnen: Teilen Sie meine Meinung, dass ein wenig (Selbst)-Ironie dem Beitrag gut getan hätte? Oder anders gefragt: Würden Sie Thomas Bernhard auch so verehren, wenn man bei seinen Erregungen nicht eben auch in Lachen ausbrechen würde? Darum geht es mir. Im Kern. Sehr ernst. Ihr Michael Angele

Darauf ich: Sind Sie sicher, daß es nur der Mangel an Ironie ist, der Sie dazu bewegt, meinen Beitrag nicht zu veröffentlichen?

Michael Angele: Aus tiefstem Herzen gesprochen: Ja! Es gibt für mich keinen anderen Grund. Ich schwöre. Muss jetzt aber weg, schlafen wir mal darüber, Ihr Michael Angele

Ein paar Wochen später. Michael Angele spricht Klartext: Ein von mir gegebener konkreter Hinweis auf einen nicht veröffentlichten Artikel, den er zunächst angeblich verschieben mußte, weil er dafür keinen Platz hatte, sei »insofern gut, als ich nicht einsehe, warum ich (sic!) Ihnen Geld bezahlen soll für Betrachtungen, die andere (wenn auch nicht immer in der Qualität) bloggen«.

Es bedurfte meines Hinweises nicht. Die Wahrheit ist: Jakob Augstein ist angetreten und Michael Angele wurde eingestellt, um das linke Projekt namens Freitag abzuwickeln. Unter dem Vorwand einer technischen Reform – des Ausbaus der Online-Ausgabe –, die nicht mehr war als ein Ablenkungsmanöver, sollte eins der letzten publizistischen Foren der Linken zunächst aufgeweicht und dann vernichtet werden. Schon von Anfang an mußte einiges stutzig machen. Vollends klar wurde mir, wohin die Reise geht, als Michael Angele, der gern den Ton eines Bosses in einem großen Industrieunternehmen pflegt, voll Dégout von den Gegnern der jüngsten Bekenntnisse Sloterdijks und Bohrers zum Klassenkampf von oben sprach. Was immer man Sloterdijks Haltung attestieren mag – sie ist so links, wie Berlin subtropisch ist. Der Freitag wird über kurz oder lang verschwinden, weil er so, wie er nun zugerichtet wurde, keine Funktion mehr erfüllt. Andere werden seinem Beispiel folgen. Die Welt kommt auch ohne Journalisten aus. Und in schwachen Momenten frage ich mich, an Leute wie Michael Angele denkend, ob da nicht was Wahres dran ist.

Die insgeheim und nur mir selbst gestellte Frage hat er mir schnell beantwortet. Nach einem neuerlichen Angebot, das ich nicht, seinem Wunsch entsprechend, von weniger als 4.000 auf 8.000 Zeichen verlängern wollte (zuvor hatte er stets um Kürzungen gebeten), schrieb Michael Angele: Lieber Herr Rothschild, ich habe ihnen ja ausdrücklich gesagt, dass ich den Beitrag auch in dieser Form nehme. Als Glosse. Mir schien aber, dass man daraus noch mehr hätte machen können. Ich habe ihnen alle Freiheiten gelassen, auch in der Länge. Nun gut, sie wollen nicht, angeblich haben sie schon alles gesagt, Neugierde, Weiterdenken wollen, Argumentationslust, alles Fehlanzeige. Es war ein freundliches Angebot, ich dachte, es würde ihnen vielleicht eine Freude machen. Wie konnte ich nur? Sorry, Antworten wie diese ziehen mich zu sehr runter. Ich habe einfach keine Lust mehr, ich drucke noch diese Glosse, wenn Sie mögen, und den Text zu Fried, dann lassen sie uns die Farce beenden. Schöne Grüße Michael Angele

Selten hat sich eine Prognose so schnell als richtig herausgestellt. Selten wurde eine Prognose so hanebüchen just von jenen bestätigt, die sie dementieren. Daß übrigens auch die Flucht ins Internet nicht der Weisheit letzter Schluß ist, belegt das (ökonomische) Schicksal der Netzeitung. Michael Angele war Feuilleton- und danach Chefredakteur der Netzeitung, ehe er den Freitag-Kulturredak-teuren vorgesetzt wurde, um das Blatt internettauglich zu machen. Er ist den zwölf Kollegen von der Netzeitung zuvorgekommen, die zum Jahresende 2009 allesamt entlassen wurden, um von einem automatisierten Nachrichtengenerator – das ist kein Witz – ersetzt zu werden. Irgendwann werden Nachrichten- oder Meinungsgeneratoren auch in den Räumen des Freitag Platz finden können.

2. Mein Kommentar für den Ossietzky:

Herr Rothschild zitiert hier ungefragt aus der nicht-öffentlichen Korrespondenz zwischen ihm und mir. Ich bin etwas erstaunt, dass Herr Rothschild, der in mehreren Beiträgen für den FREITAG hohe Ansprüche an das Berufsethos des Journalisten gelegt hat, dabei nicht ins Grübeln gekommen ist. Ich bin mir nämlich gar nicht sicher, ob das Zitieren dieser Mails presserechtlich unbedenklich ist und behalte mir eine Klärung vor.

Es würde mich natürlich schon reizen, auch die Teile aus unserer Korrespondenz den Lesern zur Verfügung zu stellen, die Rothschild wohlfeil verschweigt. Einstweilen aber, um nicht den selben Fauxpas wie jener zu begehen, müssen ein paar Andeutungen genügen:

1. Ich habe Herrn Rothschild auf Nachfrage erklärt, dass er mit den anderen beiden Kulturredakteuren des FREITAG jederzeit Artikel vereinbaren kann und ich mich da auch nicht einmischen werde. Nur ich selbst wolle eben nichts mehr mit ihm zu tun haben, weil mir seine Art auf den Wecker gehe. Diesen Aspekt unterschlägt Rothschild.

2. Herr Rothschild schreibt in seinem Artikel: "Nach einem neuerlichen Angebot, das ich nicht, seinem Wunsch entsprechend, von weniger als 4.000 auf 8.000 Zeichen verlängern wollte (zuvor hatte er stets um Kürzungen gebeten), schrieb Michael Angele: (…)"

Es handelte sich bei den genannten 4000 Zeichen um eine Glosse zum Ende der Germanistik als Fach. Ich habe Herrn Rothschild darauf hin angeregt, ob er den Stoff nicht zu einem Debatten-Beitrag weiten wolle, immerhin ist die Germanistik ja das Fach, in dem er unterrichtet hat. Ich vermutete also einiges Herzblutt, und in der Heftplanung kristallisierte sich gerade ein kleiner Schwerpunkt Bildungsnotstand heraus.

Herr Rothschild antwortete mir, dass er im FREITAG schon mehrmals über den (schlechten) Zustand der Bildung geschrieben habe und sich nicht wiederholen wolle. Ich habe das zu akzeptieren. Nur: mal etwas Neues versuchen, respektive seine Postion mit neuen Argumenten unermauern, vielleicht auch sie kritisch überdenken – last but not least sich schlicht für das Angebot zu bedanken: auf diese Idee ist er leider auch in diesem Fall nicht gekommen.

Nichts gegen schlechte Laune, aber in den Glossen von Herrn Rothschild näherte sie sich zu oft dem Punkt, wo sie von der Kritik nicht mehr zu unterscheiden war. In der Redaktion war das nicht nur meine Meinung – und bevor hier behauptet wird, die Kritik sei nur von den vermeintlichen Totengräber des FREITAG gekommen: nein, sie kam auch von der alten Garde.

3. Wenn sich dann auch noch Pharisäertum dazu gesellte, wie im Fall einer weiteren Glosse zum Ende des Journalismus, wurde es mir einfach zu viel:

Herr Rothschild kritisierte also in jener Glosse in harschen Worten das Heer der Journalisten, die sich mit der PR gemein machen. Laut lachen musste ich dann allerdings, als ich den Satz las: "Der Typus ist uns längst vertraut: der smarte Alt-68er, der die angeblichen Vorzüge einer Fluglinie, einer Geldanlage, eines Pharmapräparats propagiert."

Ich erinnerte Thomas Rothschild daraufhin an ein Angebot, das er der Kulturredaktion ein paar Wochen davor gemacht hatte, im welchem er das sommerliche Kulturangebot des Salzkammerguts empfehlen wollte. Wir hatten das Angebot natürlich abgelehnt, da wir eine Verquickung von kommerziellen Interessen und journalistischem Engagement vermuteten. Eine Vermutung, die Herr Rothschild bestätigte: auch er sei in - und diese Stelle muss ich für einmal wörtlich zitieren - "ambivalente Geschäfte" verwickelt.

Das kommt vor, und es fand sich dann sogar, auf meine dringende Bitte hin, ein entsprechend differenzierender Passus in der veröffentlichten Glosse. Schade nur, dass in den meisten anderen seiner neueren Texte - wie ich finde leider auch in dem obigen - die Selbstgerechtigkeit so unbarmherzig an die Stelle der Selbstzweifel getreten ist.

Michael Angele

So weit die Dokumentation des Falls, wie er sich bis dato darstellt. Herr Rothschild kann uns selbstverständlich jederzeit neue Vorschläge für Artikel machen.


14:30 09.12.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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rainer-kuehn | Community
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chrisamar | Community
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jacob-fricke | Community
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