Michael Jäger
25.08.2010 | 13:37 3

(49) Der Punkt

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Michael Jäger

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Wir sind dabei zu beobachten, wie Dieter Wolf, ein Vertreter der Neuen Marxlektüre, die Wertgleichung und Ware-Geld-Beziehung bei Marx interpretiert. Wenn Menschen Waren austauschen, sagt er, handeln sie unter dem Zwang, den das "gesellschaftliche Verhältnis der Sachen" ihnen auferlegt; durch ihre "Gedankenbewegungen", die weit entfernt sind, ihr Handeln zu bestimmen, werden sie nur "motiviert", zu tun, was sie tun müssen. Wolfs Versuch, die Zwangsthese durch eine allgemeine Theorie von "Strukturen", die allem Handeln vorausgingen, zu rechtfertigen, sozialen, nicht physikalischen "Strukturen", die dennoch "wie die Schwere" wirksam sein sollen, haben wir schnell als indiskutabel beiseite gelegt. Wovon er aber überhaupt spricht, ist jetzt erst zu untersuchen. Er spricht vom Verhältnis der Gegenstände des ersten und zweiten Kapitels im Marxschen Hauptwerk zueinander. Das erste Kapitel erklärt, wie es im Warentausch zur "allgemeinen Äquivalentform" und folglich zur "Geldform" kommt. Damit ist der Ort des Geldes angegeben; das zweite Kapitel fragt, weshalb Gold das Ding ist, das ihn zu Marx' Zeit erobert hat.

Wolf schreibt, "dass Marx im ersten Kapitel nach der allgemeinen Äquivalentform die qualitativ mit ihr gleiche, aber ein historisches Moment einschließende Geldform behandelt", und gleich anschließend noch pointierter: "dass es, von dem historischen Unterschied zwischen dem allgemeinen Äquivalent und dem Geld abgesehen, keinen qualitativen Unterschied gibt" (Kritische Theorie und Kritik der politischen Ökonomie, Hamburg 2004, online-Version S. 42 f.). Wenn man genau formuliert, gibt es auch nicht einmal einen "historischen Unterschied", sondern Wolf will sagen, dass sich der zum Teil historisch konnotierte Begriff "Geldform" vom gänzlich nichthistorischen Begriff "allgemeine Äquivalentform" unterscheide. Daran, dass beide Begriffe das Gleiche bezeichnen, wird dadurch ja weder historisch noch "logisch" das Geringste geändert. Doch sollen wir immer dessen eingedenk sein, dass "allgemeine Äquivalentform" ein "logischer", kein historischer Begriff sei.

Das heißt, er ist logisch abgeleitet. Und zwar ist er es aus der Preisform einer beliebigen Ware, die mit x Ware A (ausgepreiste Ware) = y Ware B (Ware, in der bezahlt wird) angegeben werden kann. In der einzelnen, zufälligen Wertform der B-Ware, die womöglich n u r gegen die A-Ware zu tauschen ist, liegt nämlich eine der Tauschgesellschaft unzumutbare, ja mit ihr unvereinbare Beschränkung. Wenn man eine solche Beschränkung denkt - die abstrakt möglich ist, konkret aber nicht, weil es die Tauschgesellschaft ja gibt, wir leben in ihr -, muss man sogleich unterstellen, dass sie immer schon überwunden wurde, was logischerweise nicht anders als durch den Schritt vom beschränkten zum überall unmittelbar Tauschfähigen geschehen sein kann. Dieses, die "allgemeine Äquivalentform", ist dann aber schon das Gleiche wie die "Geldform". Doch während die erstgenannte Form ausspricht, was ersichtlich eine Tautologie und insofern "logisch" ist - ein Zustand, der die Unmöglichkeit einer Beschränktheit voraussetzt, setzt die Möglichkeit einer Unbeschränktheit voraus -, spricht die zweite vom Erfordernis der Tat: Wo unbedingt Geld gebraucht wird, müssen historische Kräfte einem Ding den Geldcharakter zusprechen.

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Wenn ich zunächst würdigen will, inwiefern hier tatsächlich von einem "gesellschaftlichen Verhältnis der Sachen", das zu gewissen Handlungen zwingt, die Rede ist, kann ich das nur in einer Interpretation tun, die sich von der Wolfischen deutlich unterscheidet. Legen wir wie Marx die Gleichung "20 Ellen Leinwand = 1 Rock" zugrunde. Dass sie gebildet werden kann, liegt daran, dass Leinwand wie Rock "Arbeitsgallerten" und als solche das Gleiche sind. Was die Gleichung ausspricht, ist dann nicht nur das Gleiche, sondern das Selbe, ein und dieselbe Arbeitsleistung, die in zwei verschiedenen Ausdrücken formuliert wird: (20 Ellen Leinwand)-Arbeitszeit = (1 Rock)-Arbeitszeit. Als wenn man sagt: (7 + 5 ist zusammengezählt) 12 = (12 ist) 12. Es ist dieselbe 12, und es ist dieselbe Menge Arbeitszeit. Daran ist nichts Geheimnisvolles. Das Problem ist nur, dass man den "Arbeitsgallerten" die in sie eingegangene Arbeitszeit nicht ansieht. Der Rock kann gleichsam nur behaupten, er habe so viel Arbeit gekostet wie die Ellen Leinwand. Das ist der Grund, weshalb man es ihm bestenfalls fallweise glaubt. Damit etwas überall und immer als Geld akzeptiert wird, muss es der Sphäre des Glaubens enthoben sein, will sagen, das "gleich viel kosten" muss gesellschaftlich sanktioniert und in Gestalt eines Kosten-Gleichungsoperators sichtbar gemacht werden. Eben in Geldgestalt.

Und nun habe ich es ja selbst gesagt: Die Notwendigkeit der Auspreisung der von (20 Ellen Leinwand)-Arbeitszeit herrührenden 20 Ellen Leinwand, sie als pure Arbeitsgallerte betrachtet, e r z w i n g t die Schaffung des Gleichungsoperators, des Geldes. Erzwingt also eine "Struktur" eine Handlung? Wer so spricht, überspringt etwas. Es ist doch eigentlich nur gesagt, dass die Notwendigkeit, eine Gleichung sichtbar zu machen, und zwar nicht irgendeine, sondern die der Auspreisung, einen Gleichungsoperator erzwingt. Das ist nicht anders, als wenn man sagt: Das Erfordernis einer gut organisierten mobilen Gesellschaft, die Nähe oder Ferne der Stadt Köln anzuzeigen, erzwingt einen Wegweiser mit aufgeschilderter Kilometerzahl. Es ist wahr, dass es Handlung ist, die beliebig vielen Wegweiser aufzustellen, und manche mögen es paradox finden, dass Köln sich dann durch ein Stück Holz oder Metall oder Plastik dargestellt findet, das ganz und gar nicht Köln ist. Ich finde es übrigens nicht paradox. Aber wie dem auch sei, wodurch wird denn eine solche Handlung "erzwungen"? Nur durch ein Wer A sagt, muss auch B sagen: Wer will, dass sich die Nähe oder Ferne von Köln zeigen soll, muss einen Wegweiser aufstellen. Also durch eine andere H a n d l u n g , nicht "Struktur"; denn wenn B Sagen Handlung ist, dann doch auch A Sagen.

Wer will, dass sich die (20 Ellen Leinwand)-Arbeitszeit zeigt, muss den Gleichungsoperator aufstellen. Auch dies wird ersichtlich durch ein Wer A sagt, muss auch B sagen erzwungen. Aber die Redensart selber, so bekannt sie auch ist, ist keineswegs zwingend, vielmehr geradezu unsinnig. Sie lügt: Wer A sagt, muss natürlich n i c h t B sagen. Das fängt schon damit an, dass nicht A hätte gesagt werden müssen. Wenn dann aber nach A mit B fortgefahren wird, von Menschen, einer Gesellschaft, die es mit "gesellschaftlichen Sachen" A und B zu tun haben, kann das aus Überzeugtheit geschehen sein, froher Gewohnheit oder blinder Routine, schließlich aus Angst und Gewalt, niemals aber allein aus "logischen" Gründen. Übrigens ist die verlogene Redensart von Hannah Arendt erörtert worden, als typisch für einen totalitären Diskurs.

W e n n "Wer A sagt, muss auch B sagen" gilt, d a n n gilt "A erzwingt B"; sonst nicht. Daran ändert der Umstand nichts, d a s s es wahr ist - im hier betrachteten Fall des Warentauschs - , dass "Wer A sagt, muss auch B sagen" gilt. Es ist aber nur jetzt wahr, war es nicht immer und muss es nicht immer bleiben. F ü r d i e J e t z t z e i t hat Wolf recht, von einem "gesellschaftlichen Verhältnis der Sachen" A und B zu sprechen, welches Handlungen B wegen A erzwingt. Er spricht keinen Unsinn! Unsinnig ist nur die Verallgemeinerung, die übersieht, dass "B wegen A" selbst wieder aus Handlung hervorging, die einst anders hätte ausfallen können, wie lang das auch her sein mag, und die in Zukunft anders ausfallen kann.

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Was aber meine Interpretation von der Wolfischen am meisten unterscheidet, habe ich noch nicht gesagt. Das betrifft die Wolfische Behauptung, die historisch konnotierte allgemeine Äquivalentform sei "qualitativ das Gleiche" wie die Geldform. Man kann doch nur sagen, dass sie das Gleiche b e d e u t e t . Das Geld bedeutet das Gleiche wie die damit bezahlte Ware, nämlich die gleiche und also dieselbe Arbeitsmenge. So wie das Wort "Köln" auf dem Wegweiser die von ihm "qualitativ" und überhaupt in jeder Hinsicht ganz verschiedene Stadt Köln bedeutet. Da kommt nun freilich eine Differenz ins Spiel, die schon Marx nicht beachtet hat. Von 20 Ellen Leinwand = 1 Rock kann gesagt werden, dass sie "qualitativ das Gleiche" sind, als Arbeitsgallerten, in denen die gleiche und also dieselbe Arbeitszeit steckt. Nicht so von 20 Ellen Leinwand = 1000 Euro. Denn die Euro zeigen die entsprechende Arbeitszeit nur an; ich gehe zwar davon aus, dass auch zur Herstellung des Werts "1000 Euro" nicht wenig Arbeitszeit erforderlich ist - wenn man bedenkt, was alles vorausgesetzt ist: ein Bankensystem, die Begrenzung von Diebstahl und so weiter -, doch wird er schwerlich in einem Äquivalenzverhältnis zu jener Ware stehen. Dazu ist er nicht da; er b e z e i c h n e t Äquivalenz, ohne äquivalent zu s e i n .

Das heißt, er ist ein Zeichen. Marx hat das Geld zwar nicht als Zeichen erörtert, sondern als pures Äquivalenzding, und er hatte recht. Wenn es nämlich n u r Zeichen wäre, könnte es nie an ihm fehlen. Hier endet dann auch die Analogie zum Wegweiser. Unvorstellbar die Situation, dass einer vom Sturm umgerissen wird und man kein Mittel findet, ihn zu erneuern. Selbst wenn Holz, Metall und Plastik fehlen, was schon recht unwahrscheinlich ist, kann man immer noch einen Menschen, Verkehrspolizisten am Unglücksplatz aufstellen. Mit dem Geld verhält es sich anders. Geld kann verloren oder entwertet sein, ohne dass es möglich ist, es durch anderes Geld zu ersetzen. Geld ist tatsächlich nicht nur Zeichen. Es ist ein Ding, das, einmal eingeführt, in relativer Autonomie existiert. Die Autonomie besteht darin, dass es etwas Bestimmtes ist und alles davon abhängt, ob man dies Bestimmte hat oder nicht hat. Aber es ist a u c h Zeichen. Wie es zu seiner relativen Autonomie kommt, ist eine Frage für sich, aber das ist eben die Frage, wie d i e s e s Z e i c h e n zu ihr kommt, im Unterschied zu anderen Zeichen wie dem Wegweiser. Der mag immer Zeichen sein, relativ autonom wird er niemals.

In der Sprache der linguistischen Wissenschaft kann formuliert werden, dass in einem gegebenen Zeitraum die Materialität des Zeichens "Geld" nicht beliebig ist. Gemeint ist natürlich die Sache, die man mit Recht als "Geld" bezeichnet, statt des bloßen Wortes.

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Nun wollen wir einbeziehen, dass Wolfs Behauptung, allgemeine Äquivalentform und Geldform seien "qualitativ das Gleiche", die Annahme einschließt, die Äquivalentform sei eine "logische", die Geldform hingegen eine zum Teil historische Kategorie. Zunächst muss auch hier das Richtige eingeräumt werden, wie Wolf selbst es ausspricht. Er beruft sich auf den Satz von Marx, dass eine systematische Darstellung zuletzt auf "letzte Gleichungen" (Axiome) führt, die nicht mehr selber abgeleitet, sondern nur noch als historische Spur erfasst werden können. Wo das System auf sie stößt, ist der Systematiker aufgefordert, zur Untersuchung von Geschichte überzugehen. So verhält es sich laut Wolf mit "dem einfachen 'Konkretum' Ware": Mit ihm kommt die Marxsche "Darstellung der kapitalistischen Gesellschaft an ihre Grenzen und verweist auf eine bestimmte historische Vergangenheit" (S. 41 f.).

Das ist richtig, und ich hätte mir natürlich gewünscht, dass Wolf an dieser Stelle tatsächlich zu historischen Untersuchungen geschritten wäre, die selbst wieder a n d e r e l o g i s c h e Untersuchungen hätten herbeiführen können. Denn wenn wir hier an die Frage erinnert werden, ob und wie der Warentausch von der Logik, der er im Kapitalismus unterliegt, in andern Formationen teilweise befreit ist, dann sind wir doch erst bei dem Punkt, an dem nach der Rolle, die der Warentausch in der n a c h k a p i t a l i s t i s c h e n , "kommunistischen" Gesellschaft spielen oder nicht spielen kann, gefragt werden könnte. Doch wissen wir ja schon, das ist gerade der Punkt, den die meisten Vertreter der Neuen Marxlektüre, Wolf nicht ausgenommen, nicht kennen wollen.

Es bleibt die Konstruktion einer Gleichheit des "logischen" mit dem auch historischen Moment. Dass es sich um Gleichheit handeln soll, haben wir abgewiesen. Abgesehen davon ist aber die Trennung als solche, zwischen einem teilweise historischen Moment und einem, das nur "logisch" sein soll, nicht haltbar. Wenn wir dies betrachten, hier kurz präludierend und in der nächsten Notiz ausführlicher, stoßen wir immer tiefer zum Problemkern vor. Ich gebe jetzt nur einen Aufriss: Darin, dass die Marxsche "Geldform" ein historisches Moment einschließt, ansonsten aber auch sich logisch aus der "allgemeinen Äquivalentform" ergibt, bin ich mit Wolf einig. Es m u s s ein allgemeines Äquivalent geben, dieses i s t Geld, und wer vom Geld spricht, spricht von einer historischen Tat. So weit, so richtig. Aber die allgemeine Äquivalentform selber schließt auch ein historisches Moment ein. Um sich das klar zu machen, reicht es, auf die einfache Wertform zurückzugehen, aus der die allgemeine ja logisch entwickelt wird.

In x Ware A = y Ware B ist, wenn von der B-Ware als einem hier noch zufälligen Geld, dann natürlich von Historischem die Rede. Selbst wenn Marx irgendwo sagen würde, das sei nicht der Fall, wäre es so. Eine Ware ist eine real vorhandene Sache, und eine solche ist nun einmal immer historisch. Nur wenn wir es mit der Formel xA = yB zu tun hätten, könnten wir behaupten, hier sei von gar nichts Historischem die Rede. Diese Formel wäre reine Mathematik; x "Ware" A = y "Ware" B ist aber i n t e r p r e t i e r t e , a n g e w a n d t e Mathematik, und zwar ist sie auf Gesellschaftliches angewandt, somit auf Geschichtliches.

Einen Unterschied zwischen allgemeiner Äquivalentform und Geldform gibt es dennoch, nur nicht an der Stelle, wo Wolf ihn hintut. Logisch und historisch sind beide. Der Unterschied liegt nicht hier. Vielmehr darin, dass die allgemeine Äquivalentform dem Geld einen O r t i n d e r G l e i c h u n g s r e l a t i o n schafft, während die Geldform hinzufügt, dass dieser Ort dann auch von e t w a s e i n g e n o m m e n werden muss, und zwar von historischem Geld. Doch schon jener Ort in der Gleichungsrelation, dieses "y Ware B", ist ganz eindeutig und explizit der Ort e i n e r W a r e und somit von Historischem.

Weshalb wollen das manche Forscher nicht wahrhaben? Dies ist eben der interessante Problemkern: Es gibt ein Bedürfnis, etwas als rein "logisch" fest- und aus allen Bezügen herauszuhalten, das es gar nicht ist und niemals sein kann. Es ist ein Problem, das über unsere derzeitige Debatte weit hinausweist; ich denke da wieder an Adorno, seine Husserl-Kritik - so viel für heute.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (3)

Frank Gestmann 27.08.2010 | 00:40

Lieber Herr Jäger,
auch hier wieder kurz mein Senf dazu: Wenn Sie schreiben:
"In x Ware A = y Ware B ist, wenn von der B-Ware als einem hier noch zufälligen Geld, dann natürlich von Historischem die Rede. Selbst wenn Marx irgendwo sagen würde, das sei nicht der Fall, wäre es so. Eine Ware ist eine real vorhandene Sache, und eine solche ist nun einmal immer historisch."
dann scheint mir das unzutreffend bzw. empirisch verkürzt. Denn Marx spricht auch am Anfang des "Kapitals" von "der" Ware und meint damit keinesfalls eine vorkapitalistische Ware oder überhaupt etwas, das mal als distinktes Objekt (oder Praxis) irgendwo historisch existiert hätte (das wäre eine Ware ohne Preis bzw. deren Wert direkt durch die bewusste Messung des inneren Wertmaßes bestimmt werden müsste, d.h. deren Wert an ihr selbst erkennbar wäre und das bestreitet Marx vehement - er will ja den "inneren, notwendingen Zusammenhang" von Ware und Geld erklären). Wenn ich irgendwas an diesem Neomarximus von Wolf und Co. interessant finde, dann den Hinweis, dass Marx einen Warentausch einfacher Waren ohne Geld und Preis gar nicht für möglich hält und von Beginn des "Kapitals" an den Kapitalismus analysieren will (auch einen Warentausch ohne allgemeines Äquivalent hält Marx ja für unmöglich). Was Sie als zufälliges Geld bezeichnen ist kein äußeres Wertmaß, kein Maß wertbestimmter Waren, sondern ein "Tausch"mittel in einem zufälligen Produkten"tausch".
Zu dem anderen Hinweis mit dem "Vergessen" in Ihrer letzten Antwort: Der Wert ist für Marx doch nur gedanklich fassbar, aber deshalb nicht etwas bloß Gedachtes, das dann vergessen wurde (das schreibt er m.W. auch nirgends).
Die ganzen Differenzierungen, die Wolf, aber auch Elbe oder Heinrich in dieser Sache mit dem Geld und allg. Äquivalent einführen, verstehe ich ehrlich gesagt ab einem bestimmten Punkt nicht mehr - mag auch daran liegen, dass ich mit anderer Arbeit mein Geld verdiene...
Obwohl ich Ihre Kritik verkürzt finde (auch die Texte der Herren Exegeten verstehe ich anders), finde ich Ihren Beitrag und ihren Einspruch zu der Debatte zwischen den festgefahrenen Positionen Reichelt/Backhaus vs. Wolf doch sehr wichtig und würde ihn gern mal irgendwo in handlicher Aufsatzform vorfinden.

Dieter Wolf 27.08.2010 | 21:13

Dieter Wolf

Kommentar zu dem Beitrag von M. Jäger in Blog (48) : „Von Adorno zu Luhmann.“

In einem Blog des „Freitag“ hat Michael Jäger einen Kommentar zur Auseinandersetzung um die Marxsche Werttheorie, die in den letzten Jahren zwischen Helmut Reichelt, Hans-Georg Backhaus und mir stattgefunden hat, verfasst. Dabei wirft er meiner Position einen „Strukturabsolutismus“ vor und plädiert für die Konzipierung des Werts als „Gedankending“. (Siehe hierzu den Verweis auf eine Abhandlung von mir weiter unten.)

Es sind die Menschen, welche die ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen schaffen bzw. die durch die Gegensatzverhältnisse von Gebrauchswert und Wert strukturierten ökonomisch gesellschaftlichen Verhältnisse. Der Witz ist gerade der, dass diese von den Menschen selbst geschaffenen ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen den Menschen nach einer Seite hin unbewusst sind, was gerade die auch von Adorno hervorgehobene „zweite Natur“ des kapitalistischen Reproduktionsprozesses ausmacht. Die Menschen schaffen die historisch spezifischen ökonomisch gesellschaftlichen Strukturen bzw. in ihrem die gesellschaftliche Arbeit insgesamt bestimmenden Verhalten zueinander und zur Natur produzieren und reproduzieren sie auf eine ihnen unbewusst – bewusste Weise das historisch gewordene Kapitalverhältnis. Ich habe diesen Sachverhalt in Anlehnung an Kants Rede von der selbst verschuldeten Unmündigkeit mit der von den Menschen selbst verschuldeten Naturwüchsigkeit umschrieben. Es sollte sich daher von selbst verstehen, dass das, was die Menschen geschaffen haben, sie auch selbst verändern und im Zuge der Etablierung einer weiter entwickelten, Demokratie allererst wahr machenden Gesellschaft umgestalten können. Dabei müssen gerade – worauf ich hier natürlich nicht eingehen kann – die Schwierigkeiten behoben bzw. die Probleme gelöst werden, welche die Naturwüchsigkeit mit sich bringt, die, als durch die historisch spezifischen Formen der gesellschaftlichen Arbeit bedingte, schwer zu durchschauen ist. Gegner eines „Strukturfetischismus“ schütten das Kind mit dem Bade aus, wenn sie glauben, sich ohne Rekurs auf die von den Menschen selbst geschaffenen, aber nach einer Seite hin unbewussten ökonomisch-gesellschaftlichen Strukturen für eine schöpferische, auf die Emanzipation der Menschen ausgerichtete Praxis einsetzen zu können.

M. Jäger: >>> Und zwar bestreitet er hauptsächlich, dass im Tauschwert ein "Gedachtes" walte, jenen auf Adorno zurückgehenden Satz, den ich meinerseits unterschrieben habe. Wie wir sahen, begreift Reichelt ihn als Hinweis auf eine ökonomische und auch soziologische "Geltungs"-Problematik“

D. Wolf: Wenn man den Unterschied von Wert und Tauschwert kennt und dann lax nur vom Tauschwert spricht, dann sei das, so sagt Marx, nicht so schlimm: „Wenn es im Eingang dieses Kapitels in der gang und gäben Manier hieß: Die Ware ist Gebrauchswert und Tauschwert, so war dies, genau gesprochen, falsch. Die Ware ist Gebrauchswert oder Gebrauchsgegenstand und "Wert". Sie stellt sich dar als dies Doppelte, was sie ist, sobald ihr Wert eine eigne, von ihrer Naturalform verschiedene Erscheinungsform besitzt, die des Tauschwerts, und sie besitzt diese Form niemals isoliert betrachtet, sondern stets nur im Wert- oder Austauschverhältnis zu einer zweiten, verschiedenartigen Ware. Weiß man das jedoch einmal, so tut jene Sprechweise keinen Harm, sondern dient zur Abkürzung.“ (MEW 23, S. 75)
Man muss aber den Unterschied zwischen Wert und Tauschwert genauestens kennen, wenn man wissen will, was der Wert und der Tauschwert ist; denn es muss gezeigt werden, dass der Wert in dem Tauschverhältnis, in dem die Arbeitsprodukte in der vom Gebrauchswert verschiedenen Hinsicht Wert sind, auch eine Form annimmt, in der er erscheint. Diese zugleich vom Wert verschiedene Erscheinungsform des Werts ist der Tauschwert auf der Abstraktionsstufe des ersten Kapitels. Dass der Unterschied zwischen Wert und Tauschwert für Jäger ein Buch mit sieben Siegeln ist, dürfte in den folgenden Ausführungen deutlich werden. Was die Erscheinungsform des Werts ist, muss erklärt werden, und wenn das gelingt, dann hat man angefangen zu begreifen was Geld ist, weshalb Marx von der einfachen Wertform, mit der die einfache Äquivalentform begriffen ist, von der „Keimform des Geldes“ spricht. Das Geld ist eine gegenüber dem Tauschschwert entwickeltere Erscheinungsform des Werts der Waren.
Im Unterschied zu Jägers Behauptung geht es mir darum, auf allen Ebenen der Darstellung zu erklären, was es mit dem Bewusstsein der Menschen auf sich hat, wenn sie in ihrem Verhalten zueinander und zur Natur die durch das Kapital in ihrer historisch spezifischen Form bestimmten ökonomisch gesellschaftliche Wirklichkeit schaffen und gestalten. So geht es darum auch, wenn die Menschen ihren gesellschaftlichen Kontakt miteinander in der über Geld vermittelten Warenzirkulation herstellen. Es kommt dabei alles darauf an zu erklären, was den Menschen hinsichtlich des Preises und des Geldes bewusst ist, und was ihnen unbewusst ist. Um Preis und Geld zu erklären, abstrahiert Marx von beiden und nach mehreren Abstraktionsschritten stößt er auf das Austauschverhältnis von Gebrauchswerten, die Arbeitsprodukte sind. Wenn Menschen bewusst, aus welchen Gründen auch immer, die Austauschbeziehung herstellen, gilt es zu zeigen, warum sie nicht wissen, dass sie die als Gebrauchswerte verschiedenen Arbeitsprodukte in der Hinsicht einander gleich setzen und gesellschaftlich aufeinander beziehen, in der sie die ihnen gemeinsam zukommende allgemeine Eigenschaft besitzen, überhaupt ein Arbeitsprodukt zu sein. (MEW 23, S. 52 ) (Das beiden im Austauschverhältnis befindlichen als Gebrauchswerte voneinander verschiedenen Arbeitsprodukten gemeinsame Dritte : „Beide sind also gleich einem Dritten, das an und für sich weder das eine noch das andere ist. Jedes der beiden, soweit es Tauschwert, muß also auf dies Dritte reduzierbar sein.“(MEW 23, S, 51/ )
Ohne dass die Menschen das wissen, wird, indem sie ihre Arbeitprodukte in der allgemeinen Eigenschaft, ein Arbeitsprodukt zu sein, aufeinander beziehen, festgelegt, dass ihre als Gebrauchswerte verschiedenen Arbeitsprodukte gesellschaftlich allgemeinen Charakter in der Hinsicht erhalten, in der sie die allgemeine Eigenschaft besitzen, ein Arbeitsprodukt zu sein. Diese ist eine unsinnliche nicht sichtbare Eigenschaft und die gesellschaftlich allgemeine Bedeutung, welche sie im und durch das Austauschverhältnis erhält und auf die es entscheidend ankommt, ist als etwas Gesellschaftliches ebenfalls unsinnlich d.h. nicht sinnlich wahrnehmbar. Indem die Menschen die Arbeitsprodukte im Austausch auf bestimmte Weise gleichsetzen und aufeinander beziehen, erhält deren allgemeine Eigenschaft eine von ihr verschiedene gesellschaftliche Bedeutung, die sie außerhalb der Austauschbeziehung nicht besitzt. Es ist als notwendige Bedingung vorausgesetzt, dass das Arbeitsprodukt Resultat menschlicher konkret nützlicher Arbeit ist, aber die alles entscheidende hinreichende Bedingung besteht darin, dass in und durch die gesellschaftliche Beziehung diese allgemeine Eigenschaft die gesellschaftlich allgemeine Bedeutung erhält, die gesellschaftlich allgemeine Form zu sein, in der die konkret nützlichen Arbeiten ihren gesellschaftlich allgemeinen Charakter besitzen. Hiermit ist auf abstrakt allgemeinste Weise bestimmt, was der Wert ist, und erklärt, warum Arbeitsprodukte, die als verschiedene Gebrauchswerte im Austausch zugleich in ihrer Eigenschaft als Arbeitsprodukte (MEW 23, S, 52 oben) aufeinander bezogen und gleichgesetzt werden, Waren sind.
Hier beim Wert fängt bereits das Gelten an, indem die allgemeine Eigenschaft ein Arbeitsprodukt zu sein, in der und durch die von Menschen hergestellten Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander als etwas von ihr Verschiedenes gilt, d.h. als etwas gesellschaftlich Allgemeines, was auch als das bezeichnet werden kann, was ihre Austauschbarkeit ausmacht.
Von dem so auf diese Weise durch die Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander bestimmten Wert wissen die Menschen nichts. Das Bewusstsein der Menschen wird von vorneherein berücksichtigt, allerdings mit dem Ergebnis, dass ihm das, was sich hinsichtlich des Werts in der Austauschbeziehung der Arbeitsprodukt zueinander abspielt, entzogen ist, ihm nicht zugänglich ist. Damit aber nicht genug: vorgreifend sei festgehalten, dass Marx mit dem Warenfetisch und später mir dem Geldfetisch gerade beweist, warum den Menschen die von ihnen selbst hergestellten ökonomisch gesellschaftlichen Verhältnisse nach einer wesentlichen Seite (Wert) unbewusst sind. Wir haben also bisher schon beides. Einmal das Geltungsverhältnis dort wo es hingehört, und zweitens auch was es mit dem “Walten“ des Bewusstsein hinsichtlich des Werts, wohlgemerkt und noch nicht des Tauschwerts für eine Bewandtnis hat.
Jetzt, nachdem man sich um den Wert bemüht hat, kann man verstehen, was der Tauschwert ist, und wie beim Wert wird es darum gehen, dass der Sachverhalt, dass Menschen zwischen den Arbeitsprodukten eine Gleichheitsbeziehung herstellen, diese etwas bewirkt, was es außerhalb von ihr nicht gibt, und was den Menschen selbst auch nicht bewusst ist. Die Arbeitsprodukte, die „Sachen“ machen gar nichts, bewerkstelligen nichts, bestimmen sich nicht irgendwie selbst und hüpfen auch nicht sprechend, denkend, mit Gesten irgendetwas ausdrückend herum. So dreist es von Jäger ist, mir zu unterstellen, ich würde diesen mystisch irrationalen Unsinn, dass Sachen sich irgendwie selbst bestimmen, „sich ausdrücken“, „allen Ernstes glauben“, so weit ist Jäger vom Verständnis dessen entfernt, worum es bei den hier verhandelten Sachverhalten im Marxschen Kapital und meinen Texten geht. Jäger führt ein Marxzitat an, indem es heißt "Ohne Hirn wie sie ist", "geht die Leinwandwaare anders zu Werke, um auszudrücken, weß Schlags die Arbeit, woraus ihr Werth besteht". Marx schreibt das, um ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass für die Menschen unbewusst die gesellschaftliche Austauschbeziehung, an den Arbeitsprodukten zusätzlich zu dem, was sie außerhalb dieser gesellschaftlichen Beziehung sind, etwas Besonderes bewirkt. Dies Besondere besteht, wie sich zeigen wird, darin, dass, eine ganz bestimmte Eigenschaft eine ihr ansonsten nicht zukommende gesellschaftliche Bedeutung erhält. Es geht als nicht darum, dass die Sachen etwas bewirken, was tatsächlich purer Unsinn ist, sondern darum, ob die gesellschaftliche Austauschbeziehung, hinsichtlich gesellschaftlicher Bedeutungen an den Arbeitsprodukten etwas bewirkt, das über alles hinausgeht, was sie als Stücke umgeformter Natur sind.
Wenn Jäger etwas zu kritisieren hätte, dann müsste er sich nicht über das Herumgehampel von sich selbst bestimmenden, sich selbst ausdrückenden Sachen bzw. Arbeitsprodukten lustig machen, sondern ernsthaft danach fragen, was es damit auf sich hat, dass ein Arbeitsprodukt oder die allgemeine Eigenschaft überhaupt ein Arbeitsprodukt zu sein, in der und durch die gesellschaftliche Austuschbeziehung eine gesellschaftliche Bedeutung erhält, die es außerhalb von ihr nicht gibt. „Er (der Rock als Arbeitsprodukt, nach der Seite, nach der er Gebrauchswert ist - D.W.) gilt hier daher als ein Ding, worin Wert erscheint oder welches in seiner handgreiflichen Naturalform Wert darstellt. Hervorhebung - D.W.) Nun ist zwar der Rock, der Körper der Rockware, ein bloßer Gebrauchswert. Ein Rock drückt ebensowenig Wert aus als das erste beste Stück Leinwand. Dies beweist nur, daß er innerhalb des Wertverhältnisses zur Leinwand mehr bedeutet als außerhalb desselben, wie so mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes mehr bedeutet als außerhalb desselben. Sämtliche Hervorhebungen – D.W.) “ (MEW 23, S. 66), Jäger unterstellt, ich würde das Zitat, worin Marx metaphorisch von dem spricht, was die Waren „ohne Hirn“ machen „für bare Münze“ nehmen, d.h. „humorlos zum Beleg“ für die nicht existente Position der herumhüpfenden und sich selbst ausdrückenden Sachen machen. Was von Jägers Einsichten in die Entwicklung der Wertformen bzw. in die von der Erklärung des Werts ausgehende Erklärung des Tauschwerts übrig bleibt, ist die umwerfende Erkenntnis, dass die Ware kein „sich selbst bestimmendes“, „sich selbst ausdrückendes Subjekt“ ist und dies „zweifelsfrei feststeht“ und „keinerlei (…) Debatte (…) verdient.“
Damit nicht genug, Jäger geht, alles überspringend, was die Erklärung des Tauschwerts anbelangt, von der falschen Annahme aus, dies Zitat und auch die entsprechenden Zitate über die „sprechenden Waren“ (MEW 23, S. 66) aus dem Kapital gehörten in die Darstellung des Warenfetischs und seien Marx Sarkasmus ausdrückende den Fetischismus ironisierende Ausführungen. Alle zitierten Textpassagen zu dem, was Waren „ohne „Hirn bewerkstelligen“ und was ihre „Sprache“ anbelangt, sind metaphorische Umschreibungen, für das, was sich hinsichtlich der Generierung von gesellschaftlichen Bedeutungen bzw. von Geltungen in der Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander abspielt. Marx will mit der Metaphorik gerade betonen, dass sich kraft der Gesellschaftlichkeit der Austuschbeziehung hinsichtlich des Werts und der Entwicklung seiner Formen (Tauschwert) etwas abspielt, wovon die Menschen nichts wissen.
Was bewirkt die Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander (und nicht die letzteren bzw. die Sachen selbst), was mit dem etwas zu tun hat, was Marx metaphorisch zum Ausdruck bringt, wenn er von der „Warensprache“ und den „Gedanken“ spricht, die die Waren „verraten“ usf.(MEW 23, S. 66) Indem die Arbeitsprodukte dadurch, dass sie als untereinander gleiche Arbeitsprodukte schlechthin aufeinander bezogen werden, gelten sie auch als das, als was sich auf sie jeweils bezogen wird. Dies spielt jetzt eine besondere Rolle bei der Erklärung des Tauschwerts als Erscheinungsform des Werts. Wenn es um die vom Wert verschiedene Erscheinungsform des Werts auf der Abstraktionsstufe des für sich betrachteten Austuschverhältnisses zweier Waren geht, dann geht es zuerst und grundlegend darum, dass das Austauschverhältnis eine Gleichsetzung der Waren ist in der Hinsicht, in der sie, wie oben erklärt, Werte sind.
Indem die erste Ware als Wert der zweiten als Wert gleichgesetzt wird und dabei zugleich der Wert der ersten Ware auf den Gebrauchswert der zweiten Ware bezogen wird, gilt dieser als das, als was sich auf ihn bezogen wird, d.h. als Wert, wobei er selbst nach wie vor kein Wert ist. Der Gebrauchswert der zweiten Ware erhält eine von ihm selbst verschiedene Bedeutung. Die Austauschbeziehung ist zugleich damit, dass sie eine Gleichheitsbeziehung der Waren as Werte zueinander ist, eine gesellschaftliche Repräsentationsbeziehung oder Geltung bewirkende gesellschaftliche Beziehung.
In der Austauschbeziehung gibt es selbstverständlich keine Gesten keine Sprache mittels derer auf obskure mystische Weise, eine Ware es schafft, Wert zu sein und zugleich als Wert im Gebrauchswert einer anderen Ware sich darzustellen, ihm die Bedeutung zu verleihen, den von ihm verschiedenen Wert vorzustellen bzw. als Wert zu gelten.
Da es nur Gebrauchswert und Wert gibt, kann der Wert der Ware, der unsichtbar ist, sichtbar nur in dem von ihm und dem Gebrauchswert der Ware verschiedenen Gebrauchswert der anderen Ware erscheinen, wobei er nicht aufhört, eine unsinnliche gesellschaftliche Qualität zu sein. Dass der Wert dabei nicht aufhört, eine gesellschaftliche Qualität zu sein, in die, wie Marx sagt, „kein Atom Naturstoff eingeht“ (MEW 23, S. 62) geschieht dadurch, dass der Gebrauchswert der anderen Ware in und durch die Austauschbeziehung als das gilt, als was sich auf ihn bezogen wird, er in und durch die gesellschaftliche Austauschbeziehung eine gesellschaftliche Bedeutung erhält, die er außerhalb dieser Beziehung niemals besitzen kann. „Im Wertverhältnis der Leinwand gilt der Rock als ihr qualitativ Gleiches, als Ding von derselben Natur, weil er ein Wert ist. Er gilt hier daher als ein Ding, worin Wert erscheint oder welches in seiner handgreiflichen Naturalform Wert darstellt. Nun ist zwar der Rock, der Körper der Rockware, ein bloßer Gebrauchswert. Ein Rock drückt ebensowenig Wert aus als das erste beste Stück Leinwand. Dies beweist nur, daß er innerhalb des Wertverhältnisses zur Leinwand mehr bedeutet als außerhalb desselben, wie so mancher Mensch innerhalb eines galonierten Rockes mehr bedeutet als außerhalb desselben.“ (MEW 23, S. 66)
Mit dem Gebrauchswert der zweiten Ware (diese ist wie die erste Ware Gebrauchswert und Wert), der im Austauschverhältnis der Waren als Wert der ersten Ware gilt, ist der Tauschwert als Erscheinungsform des Werts der ersten Ware erklärt. Wieder wird voll und ganz dem Geltungsproblem Rechnung getragen, d.h. gezeigt, wie es gelöst wird. Und wieder geht es jetzt auch um das Bewusstsein der Menschen, allerdings weniger darum, „wie ein Gedachtes im Tauschwert waltet“ (Jäger), sondern darum, wie den Menschen der Tauschwert bewusst gegeben ist, d.h. darum, was die Menschen vom Tauschwert wissen, angesichts des Sachverhalts, dass ihnen der Wert nicht bewusst gegeben ist. Letzteres heißt, die Menschen, was immer sie über den Tauschwert (später das Geld) wissen, sie wissen nicht, dass er die Erscheinungsform des Werts der Waren ist. Die in Äquivalentform stehende Ware besitzt die Form der unmittelbaren Austauschbarkeit gegen die erste Ware, weil der Gebrauchswert der Äquivalentware als Wert der ersten Ware gilt und damit als das, was den Wert als die die Austauschbarkeit konstituierende gesellschaftliche Qualität auszeichnet. Was die Menschen im praktischen Verkehr in der gesellschaftlichen Realität auf Basis des Geldes als der Erscheinungsform des Werts aller Waren erfahren, ist die unmittelbare Form der Austauschbarkeit. Sie wissen, dass mit dem Geld unmittelbar jede andere Ware zu haben ist, dass sie ihren Waren einen im Geld ausgedrückten Preis geben müssen, um die Warenzirkulation in Gang zu halten. Sie wissen aber nicht, und um die Warenzirkulation in Gang zu halten, müssen sie das auch nicht wissen, was das Geld als Erscheinungsform des Werts der Waren und der Preis der in Geld ausgedrückte Wert der Waren ist.
Mit der unmittelbaren Austauschbarkeit erfassen die Wirtschaftssubjekte etwas vom Wert. Was sich zwischen Wert und Tauschwert abspielt d.h. hinsichtlich der Erzeugung der gesellschaftlichen Bedeutung bzw. der Geltung ist nicht nachvollziehbar, weil die Vermittlung, wie Marx sagt, in ihrem Resultat erloschen ist. Daher müssen die Menschen, was sie bewusst als unmittelbare Austauschbarkeit wahrnehmen und praktizieren, mit dem erklären, mit dem sie in der Realisierung der Austauschbarkeit umgehen, d.h. mit dem Gebrauchswert der Äquivalentware, von dem sie annehmen, er besäße die gesellschaftliche Eigenschaft der unmittelbaren Austauschbarkeit von Natur, so als käme sie ihm zu, wie die Eigenschaft warm zu halten, schwer zu sein, rot zu sein usf. (Beim Geldfetisch, der auch darauf beruht, dass die Wert und seine Erscheinungsformen vermittelnden Prozesse in ihrem Resultat ausgelöscht sind, kommen die Wirtschaftssubjekte und ihre theoretischen Dolmetscher dazu, die aufgegriffene unmittelbare Austauschbarkeit in aufgeklärter Manier nicht aus dem Arbeitsprodukt als umgeformten Stück Natur, sondern unmittelbar aus dem Denken bzw. bewusst vorgenommenen Verabredungen zu erklären.)
„Indem die relative Wertform einer Ware, z.B. der Leinwand, ihr Wertsein als etwas von ihrem Körper und seinen Eigenschaften durchaus Unterschiedenes ausdrückt, z.B. als Rockgleiches, deutet dieser Ausdruck selbst an, daß er ein gesellschaftliches Verhältnis verbirgt. Umgekehrt mit der Äquivalentform. Sie besteht ja gerade darin, daß ein Warenkörper, wie der Rock, dies Ding wie es geht und steht, Wert ausdrückt, also von Natur Wertform besitzt. Zwar gilt dies nur innerhalb des Wertverhältnisses, worin die Leinwandware auf die Rockware als Äquivalent bezogen ist. Da aber Eigenschaften eines Dings nicht aus seinem Verhältnis zu andern Dingen entspringen, sich vielmehr in solchem Verhältnis nur betätigen, scheint auch der Rock seine Äquivalentform, seine Eigenschaft unmittelbarer Austauschbarkeit, ebensosehr von Natur zu besitzen wie seine Eigenschaft, schwer zu sein oder warm zu halten. Daher das Rätselhafte der Äquivalentform, das den bürgerlich rohen Blick des politischen Ökonomen erst schlägt, sobald diese Form ihm fertig gegenübertritt im Geld.“ (MEW 23, S. 71ff.) „Dagegen hat die Warenform und das Wertverhältnis der Arbeitsprodukte, worin sie sich darstellt, mit ihrer physischen Natur und den daraus entspringenden dinglichen Beziehungen absolut nichts zu schaffen. Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. Um daher eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten. Hier scheinen die Produkte des menschlichen Kopfes mit eignem Leben begabte, untereinander und mit den Menschen in Verhältnis stehende selbständige Gestalten. So in der Warenwelt die Produkte der menschlichen Hand. Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist. (MEW S. 86f.)
Jäger stellt fest: „ Gesellschaftliche Sachen existieren aber - nicht nur, aber immer auch - im Kopf der Menschen. (…) und der Fetischismus besteht genau im Vergessen und Übersehen der gesellschaftlichen Herkunft, die immer auch unter anderem eine gedankliche ist. (…) Indem Wolf das bestreitet, nimmt er selbst eine fetischistische Position ein und macht Marx, den er zu interpretieren beansprucht, zum Fetischisten.“ Zwei wichtige Punkte sind hier festzuhalten. Gesellschaftliche Sachen existieren und Fetischismus heißt, die gesellschaftliche Herkunft wird vergessen. Im Sinne des Zitats von Jäger geht es also einmal darum das Gesellschaftliche der Arbeitsprodukte, das Entstehen gesellschaftlicher Sachen nach der Seite zu betrachten, nach der es den Menschen nicht bewusst ist, „nicht in ihrem Kopf“ ist. Diese Gesellschaftlichkeit, die mit dem Wert gegeben ist, wird mit dem Wert, der sich zum Tauschwert entwickelt, auch weiter entwickelt, d.h. sie erhält die Form des Tauschwerts. Im Tauschwert ist die Gesellschaftlichkeit also nicht vergessen. Aber wie kommt es zum Fetischismus, für den das Vergessen der gesellschaftlichen Herkunft zutrifft? Das liegt daran, dass im Tauschwert die Vermittlung, deren Resultat er ist, erloschen ist, und das, was die in Äquivalentform stehende Ware auszeichnet, nämlich unmittelbar gegen andere Waren austauschbar zu sein, wird als Natureigenschaft ausgeben, womit die „gesellschaftliche Herkunft vergessen“ wird. Jetzt wird klar, was hinsichtlich des Denkens unbewusst und was bewusst ist, wobei was bewusst ist „zu spät kommt“, weil es die Erscheinungsform ist, die bewusst wahrgenommen wird. Es bleibt unbewusst, dass es eine Erscheinungsform des Werts ist, die ihn zugleich verbirgt, und ihn dem bewussten Zugriff der Wirtschaftssubjekte entzieht. Ich erkläre mit Marx, was die einfachste gesellschaftliche als Ware sich erweisende Sache ist, auf welche Weise der sie bestimmende Wert im gesellschaftlichen Verhältnis der Waren zueinander im Tauschwert erscheint, und erkläre weiter mit Marx den Fetisch damit, dass im Tauschwert die gesellschaftliche Herkunft ausgelöscht ist, und grob materialistisch durch eine Natureigenschaft ersetzt wird. Es bleibt also nur übrig, dass Jäger mir eine Fetischisierung vorwirft, weil ich die Herkunft des Werts und des Tauschwerts aus dem Denken der Menschen bzw. seine Entstehung aus dem Denken bzw. seine gedankliche Herkunft“ vergessen hätte.
Was es mit dem Denken der Menschen, in dem laut Jäger der Wert generiert werden soll, wirklich hinsichtlich der gesellschaftlichen Herkunft von Wert und Tauschwert auf sich hat, wurde dargelegt. Hinsichtlich der Herkunft der gesellschaftlichen Sache bietet Jäger an, die gesellschaftlichen Sachen existieren erst im Kopf bzw. im Medium des Denkens und dann sind sie „aus dem Kopf heraus“, d.h. die Herkunft aus dem Kopf wird „vergessen“, was Ursache des Fetischismus sein soll. Irgendwann aber muss die gesellschaftliche Sache, die doch auch getrennt vom Denken existieren soll, aus dem Kopf heraus in die Wirklichkeit getreten sein, und mit dieser kreationistischen oder dem intelligent Design verpflichteten Lösung muss auch erklärt werden, wie ein gesellschaftlich Allgemeines bereits eingeschlossen in den Köpfen Einzelner existieren kann, wo doch nur im wirklichen gesellschaftlichen Zusammenwirken der Menschen und dem darüber vermittelten Zusammenwirken der Waren allein ein gesellschaftlich Allgemeines wie der Wert, das Geld usf. unter einer bestimmten, insgesamt unbewusst-bewusst zu charakterisierenden Beteiligung des Denkens entstehen kann.
In der rational verfahrenden „Kritik der politischen Ökonomie“, dem Kapital, wird zunächst auf mehreren Abstraktionsebenen (Kapitel 1 bis 3), vom Austausch der einfachen Arbeitsprodukte an, erklärt, was Wert, Wertform und Geld sind, und was im Hinblick auf ihre Entstehung sich in der Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander abspielt, wobei erklärt wird, was es mit dem Bewusstsein der den Austausch der Arbeitsprodukte vollziehenden Menschen hinsichtlich dessen auf sich hat, was ihnen bewusst und was ihnen unbewusst ist. Zu dem hierfür grundlegenden Zusammenhang der Abstraktionsebenen, den Jäger, wie seine Bemerkung zum Verhältnis der beiden ersten Kapitel bestätigt, nicht zu fassen bekommt, sei insbesondere wegen dieses Zusammenhangs der beiden ersten Kapitel und auch wegen einer Erklärung der methodisch durch eine bestimmte Abstraktion bedingten Rede vom Wert als „Gedankending“, die Lektüre meiner folgenden Abhandlung empfohlen: „ Zur Methode in Marx’ Kapital unter besonderer Berücksichtigung ihres logisch-systematischen Charakters. Zum „Methodenstreit“ zwischen Wolfgang Fritz Haug und Michael Heinrich“. In: Ingo Elbe, Tobias Reichardt, Dieter Wolf: Gesellschaftliche Praxis und ihre wissenschaftliche Darstellung. Beiträge zur Kapital-Diskussion Wissenschaftliche Mitteilungen. Heft 6. Argument Verlag, Hamburg, 2008. (Auch zugänglich auf meiner Website.)

Im Folgenden sei ein weiteres Beispiel für Jägers selektive Wahrnehmung meiner Texte angeführt. Wenn ich, was übrigens Marx auch macht, auf das Gewicht von Gegenständen eingehe, und es mit der allgemeinen Eigenschaft des Arbeitsprodukts vergleiche, dann geht es nur um den einen Aspekt, dass diese Eigenschaft real in der Welt der konkret nützlichen Arbeiten verrichtenden Menschen existiert. „Wie die Schwere der Dinge ausfindig gemacht und im Kopf gedanklich fixiert werden kann, so kann auch die Eigenschaft, Arbeitsprodukt zu sein, an den Waren, die über ihre Existenz als Sachen hinaus, in ein gesellschaftliches Verhältnis gebracht wurden, ausfindig gemacht und als das gemeinsame Dritte erkannt und im Kopf gedanklich fixiert werden.“ (Dieter Wolf, Zur Konfusion des Wertbegriffs. Beiträge zur »Kapital«-Diskussion, S. 193)
Die Analogie hört aber an einem entscheidenden Punkt für Marx und mich auf, an dem es um die Eigenschaft als Träger der gesellschaftlichen Bedeutung geht. Jäger versteht nicht, worum es geht, und suggeriert mit aus dem Kontext herausgerissenen Zitaten, ich würde den Wert mit dem Gewicht verwechseln. In dem Buch („Konfusion des Wertbegriffs“) heißt es bei mir hinsichtlich der die Analogie verlassenden, gesellschaftlich durch den Austausch bestimmten Ebene: „Daher geht es bei den Arbeitsprodukten nicht nur darum, dass alle verschiedenen Arbeitsprodukte mit verschiedenen nützlichen Eigenschaften schon immer untereinander als Arbeitsprodukte schlechthin gleich sind, sondern darum, dass der gesellschaftliche Prozess, worin auf abstrakt allgemeinste Weise über den gesellschaftlichen Charakter der einzelnen konkret nützlichen Arbeiten entschieden wird, ausgerechnet der Austausch der Arbeitprodukte ist, worin die verschiedenen Arbeitsprodukte in der Hinsicht aufeinander bezogen werden, in der sie untereinander gleich sind. (…) Es kann also niemals im Austausch das den Arbeitsprodukten Gemeinsame etwas sein, das zum Gebrauchswert gehört, weder so etwas wie das Gewicht noch so etwas wie der Gebrauchswert schlechthin.“ (Wolf, 184) Bei Marx heißt es entsprechend: „Hier hört jedoch die Analogie auf. Das Eisen vertritt im Gewichtsausdruck des Zuckerhuts eine beiden Körpern gemeinsame Natureigenschaft, ihre Schwere, während der Rock im Wertausdruck der Leinwand eine übernatürliche Eigenschaft beider Dinge vertritt: ihren Wert, etwas rein Gesellschaftliches.“ (MEW 23, S. 71)

Dieter Wolf 30.08.2010 | 23:57

Dieter Wolf

Kommentar zu den Ausführungen eines nicht namentlich bekannten kritischen Autors vom 25.08.2010 | 13:37 in (49) Der Punkt

I.

Für die Erklärung dessen, was Geld in den ökonomisch gesellschaftlichen Verhältnissen des kapitalistischen Reproduktionsverhältnisses ist, kommt es zuerst und grundlegend darauf an, das allgemeine Äquivalent zu erklären. Es gilt zu erklären, was das Geld aufgrund eines noch näher anzugebenden historischen Sachverhalts mehr ist, als mit seinem gesellschaftlich allgemeinen Charakter, allgemeines Äquivalent zu sein, von ihm erfasst wird. Daher ist es eine Tautologie festzustellen der gesellschaftlichen Qualität nach sind Äquivalentform und Geldform gleich. Es geht also darum nachzuvollziehen, warum für Marx allgemeine Wertform und Geldform qualitativ gleich sind: „Es finden wesentliche Veränderungen statt beim Übergang von Form I (einfache Wertform) zu Form II, (entfaltete Wertform) von Form II zu Form III (allgemeine Wertform). Dagegen unterscheidet Form IV (Geldform) sich durch nichts von Form III, außer daß jetzt statt Leinwand Gold die allgemeine Äquivalentform besitzt. Gold bleibt in Form IV, was die Leinwand in Form III war - allgemeines Äquivalent. (Einschübe und Hervorhebungen – D.W.) “
Es kommt bei der Geldform also alles darauf an zu begreifen, was sie als allgemeine Äquivalentform ist. Das zu erklären, darum hat sich Marx von der ersten Zeile des ersten Kapitels an bemüht, wobei ein entscheidender Schritt mit der Erklärung der einfachen Wertform gemacht wird. Mit ihr wird am einfachsten ökonomisch gesellschaftlichen Verhältnis zweier Waren zueinander erklärt, was eine Äquivalentform ist d.h. was es mit einer in Äquivalentform stehenden Ware auf sich hat. „Die Schwierigkeit im Begriff der Geldform beschränkt sich auf das Begreifen der allgemeinen Äquivalentform, also der allgemeinen Wertform überhaupt, der Form III. Form III löst sich rückbezüglich auf in Form II, die entfaltete Wertform, und ihr konstituierendes Element ist Form I: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock oder x Ware A = y Ware B. Die einfache Warenform ist daher der Keim der Geldform – Hervorhebungen – D.W.)“
Wenn es, was die ökonomisch gesellschaftliche Formbestimmung anbelangt, alles darauf ankommt, dass die Geldform auch eine allgemeine Äquivalentform ist, d.h. sie die gesellschaftliche Qualität ist, dann sind allgemeine Äquivalentform und Geldform qualitativ gleich. Wenn das bestritten und behauptet wird, „(m)an kann doch nur sagen, dass sie das Gleiche b e d e u t e t“, dann hat man sich nicht darum bemüht zu verstehen, was denn die gleiche gesellschaftliche, aus dem allgemeinen Äquivalent bestehende Qualität ist. Es sei hier nur darauf hingewiesen, dass der kritische Autor sich sofort, ohne auf die gesellschaftlichen Qualität einzugehen, weit weg von ihr auf eine für ihn ausschlaggebende quantitative Bestimmung einlässt: „Das Geld bedeutet das Gleiche wie die damit bezahlte Ware, nämlich die gleiche und also dieselbe Arbeitsmenge.“
Bei der gesellschaftlichen Qualität geht es grundlegend um ein Bedeuten, aber ganz anders als sich das der kritische Autor vorstellt. Es geht darum, dass, wie Marx im Verhältnis zweier Waren zueinander erklärt, sich die Äquivalentform über die zugrunde liegende Gleichsetzung der Waren als Werte hinaus dadurch bestimmt ist, dass der Wert der ersten Ware im Gebrauchswert der zweiten Ware dargestellt wird, d.h. die Waren als Werte auf den Gebrauchswert als Wert bezogen werden, der aber gar kein Wert ist und daher als das gilt als was sich auf ihn bezogen wird: er gilt als Wert aller Waren. Der Gebrauchswert der in Äquivalentform stehenden Ware erhält also die von ihm total verschiedene gesellschaftliche Bedeutung des Werts aller Waren, wobei er selbst kein Wert ist, sondern nach wie vor getrennt von seiner gesellschaftlichen Bedeutung ein konkret nützliches Ding ist. Der Wert aller Waren hat auf die hier beschriebene Weise die von ihm verschiedene Erscheinungsform im Gebrauchswert der von ihnen allen verschiedenen Ware gefunden, ohne dass Wert und Gebrauchswert mystisch irrationalistisch miteinander vermischt werden: Mit dieser auf die gesellschaftliche Bedeutung abhebenden Erklärung der Äquivalentform ist klar, warum sie die Keimform der Geldform ist; denn diese zeichnet sich in ihrer gesellschaftlichen Qualität dadurch aus, dass in ihr über die Gleichsetzung aller Waren als Werte hinaus, der Wert aller Waren im Gebrauchswert der von allen Waren verschiedenen, in Äquivalentform stehenden Ware dargerstellt wird bzw. alle Waren als Werte sich auf den Gebrauchswert als Wert beziehen und der Gebrauchswert als das gilt. als was sich auf ihn bezogen wird und die gesellschaftliche Bedeutung des Werts aller Waren erhält, ohne selbst mystisch irrational in Wert verwandelt worden zu sein.

I.1

Der kritische Autor schreibt der „Begriff der allgemeinen Äquivalentform“ „ist logisch abgeleitet. Und zwar ist er es aus der Preisform einer beliebigen Ware, die mit x Ware A (ausgepreiste Ware) = y Ware B (Ware, in der bezahlt wird) angegeben werden kann.“ Diese Äußerung hat mit einer Erklärung des allgemeinen Äquivalents wenig zu tun. Wenn man noch bedenkt, dass Marx mit dem allgemeinen Äquivalent überhaupt erst nachweist, was das Geld und der Preis überhaupt sind, dann bleibt nur noch festzustellen: diese Äußerung des kritischen Autors ist, so wie er sie an den Preis bindet, falsch. Die Konsequenzen hieraus für die weiteren Darlegungen des kritischen Autors sind, dass sie hinsichtlich der angesprochenen Problematik im Kapital von Marx und in meinen Texten, so gut wie nichts zu tun haben. Dies ergibt sich auch daraus, dass der kritische Autor sich nicht um ein an den Texten orientiertes Verständnis der Wertformen bzw. der ihnen entsprechenden Äquivalentformen bemüht, weder der einfachen noch der allgemeinen Äquivalentform. Das Wesentliche, um das es, über die qualitative und quantitative Gleichsetzung (von Letzterer wird hier abgesehen) der Waren als Werte hinaus, bei der Äquivalentform geht, wird von dem kritischen Autor mit keinem Wort erwähnt. Gemeint ist die zugleich mit der Gleichheitsbeziehung gegebene, oben dargestellte Geltungs- bzw. Repräsentationsbeziehung, der zufolge der Wert der Waren jeweils im Gebrauchswert der anderen Ware bzw. Waren (entfaltete Wertform) dargestellt wird, so dass die Gebrauchswerte jeweils als Wert der andern Waren gelten, ohne selbst hierdurch mystisch irrational in Wert verwandelt zu werden. („Aber die zwei qualitativ gleichgesetzten Waren spielen nicht dieselbe Rolle. Nur der Wert der Leinwand wird ausgedrückt. Und wie? Durch ihre Beziehung auf den Rock als ihr "Äquivalent" oder mit ihr "Austauschbares". In diesem Verhältnis gilt der Rock als Existenzform von Wert, als Wertding, denn nur als solches ist er dasselbe wie die Leinwand. (…) Im Wertverhältnis, worin der Rock das Äquivalent der Leinwand bildet, gilt also die Rockform als Wertform. Der Wert der Ware Leinwand wird daher ausgedrückt im Körper der Ware Rock, der Wert einer Ware im Gebrauchswert der andren. Hervorhebungen - D.W.)“ (MEW 23, S. 66, 67) („…Das ergab die Analyse der Ware. Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller andren Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform.“ (MEW 23, S. 101)
Im Folgenden werde ich mich auf die in meinen Texten versuchte Interpretation des Kapitals konzentrieren und nur sporadisch, bei passender Gelegenheit auf Äußerungen des kritischen Autors eingehen.

II.

Nach dieser Erklärung der gesellschaftlichen Qualität der Geldform und auch des in der Warenzirkulation sich herumtreibenden Geldes – abgesehen, von der in der Warenzirkulation beginnenden Ersetzung des Geldes (Geldware) durch Zeichen seiner selbst, (MEW 23, 3. Kapitel .Geld als Zirkulationsmittel) – soll nun betrachtet werden, woraus denn das „historische Moment“ besteht, durch das sich Geldform und Geld von ihrer gesellschaftlichen Qualität, allgemeines Äquivalent zu sein, unterscheiden. Allein hinsichtlich dieses „historischen Moments“ unterscheidet sich die Geldform von der allgemeinen Wertform bzw. allgemeinen Äquivalentform. Es geht also pointiert, gemäß der von mir vom kritischen Autor zitierten Feststellung, um „den historischen Unterschied zwischen dem allgemeinen Äquivalent und dem Geld (…) von dem abgesehen es keinen qualitativen Unterschied gibt“.
Da es um die klare und deutliche Unterscheidung der gesellschaftlichen Qualität und dem „historischen Moment“ geht, muss vorgreifend, d.h. mit Verweis auf eine noch folgende Erläuterung darauf verweisen werden, dass es im Kapital um die gedankliche Reproduktion des kapitalistischen Reproduktionsprozesses als einer ganz bestimmten historisch spezifischen Form gesellschaftlicher Arbeit geht. Daher sollte es sich von selbst verstehen, dass alle den kapitalistischen Reproduktionsprozess bestimmenden ökonomisch gesellschaftlichen Formen, wie der Wert, das allgemeine Äquivalent, das Geld das Kapital, der Profit, der Zins historisch spezifische Formen gesellschaftlicher Arbeit sind. Als allgemein vorherrschende kommt in ihnen die historische Spezifik zum Ausdruck, was also nicht damit zu verwechseln ist, dass es solche ökonomisch gesellschaftliche Formen, ohne dass sie allgemein vorherrschten, d.h. nebenherspielend in Gemeinwesen in der historischen Vergangenheit gegeben hat.
Die Darstellung im Kapital fängt mit der Erklärung des Werts bzw. mit der Ware an, weil der Wert allgemein vorherrscht und alle ökonomisch gesellschaftlichen Formen ebenso viele Formen des Werts sind. Fängt die Darstellung mit der Erklärung des Werts und damit der Ware an, so fängt man an, die historische Spezik des Kapitals zu erfassen, aber solange noch nicht der Übergang vom Geld ins Kapital gemacht ist, hat man es mit dem Wert und seinen in der – zunächst noch als „abstrakte Sphäre der Kapitalzirkulation“ behandelten – Warenzirkulation erscheinenden Formen (Geld, Preis, usf.) zu tun, die für sich genommen noch nicht die „differentia spezifica“ der kapitalistischen Produktionsweise ausdrücken
Es gilt im Folgenden drei Sachverhalte zu berücksichtigen, die dem Verständnis der von dem kritischen Autor angesprochenen Problematik dienen. Es geht erstens um das historische Gewordensein des Kapitals, das sich im Verhalten der Menschen zueinander und zur Natur auf seinen historisch gewordenen Grundlagen produziert und reproduziert. Zweitens geht es um das historische Werden des Kapitals bzw. des kapitalistischen Reproduktionsprozesses, als seiner mit der Auflösung des Feudalismus beginnenden Entstehungsgeschichte, und drittens geht es um das „Stück Zeitgeschichte“ des Kapitals z.B. seine Geschichte in Deutschland seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Kapital ist nicht die Darstellung der Entstehungsgeschichte des Kapitals und auch nicht die eines Stücks Zeitgeschichte, sondern erfasst das Kapital seinem idealen Durchschnitt nach in seiner Grundgestalt, Grundstruktur, so wie sie allen Ländern; in denen kapitalistische Produktionsweise vorherrscht, gemeinsam ist zu welche Zeit und in welchen unterschiedlichen Gestaltungen Ausprägungen auch immer. Marx hat das Kapital im Verlaufe seines Lebens im Wechselspiel von Forschungsprozessen und Darstellungsversuchen zustande gebracht. Zu der Zeit, in der Marx lebte, war das Kapital so weit entwickelt, dass die historisch gesellschaftlichen Bedingungen gegeben waren, um es prinzipiell bzw. seiner Grundstruktur, seinem idealen Durchschnitt nach, zu erkennen und wissenschaftlich darzustellen. Die durch das so bestimmter Kapital gewonnen Einsichten in die ökonomisch gesellschaftliche Struktur der modernen Gesellschaft lassen es im Sinne eines Umschlags von Theorie in methodisch durch sie geleitete Analyse zu einem Schlüssel für das Verständnis der historischen Vergangenheit werden ebenso wie für das Verständnis eines Stücks Zeitgeschichte des Kapitals im 21.Jahhundert.
Das Kapital ist in dem oben abgesteckten Rahmen eine logisch-systematische Darstellung einer realen ökonomisch gesellschaftlichen Praxis, die sich dadurch auszeichnet, dass in ihr die durch das Kapital in ihrer historisch spezifischen Form bestimmte ökonomisch gesellschaftliche Wirklichkeit im Verhalten der Menschen zueinander und zur Natur produziert und reproduziert wird. Hinter der logisch systematischen Darstellung verbirgt sich daher kein gleichsam in der Luft hängendes, gegen die Wirklichkeit verselbständigtes Gedankenkonstrukt. Das Kapital muss nicht, wie oft angenommen wird, eine logisch-historische Darstellung sein, um eine in der Wirklichkeit verankerte, der gesellschaftlichen Praxis voll Rechnung tragende wissenschaftliche Unternehmung zu sein. Wenn man das Kapital als die gedankliche Reproduktion der methodisch im Sinne der Grundstruktur und dem idealen Durchschnitt zu verstehenden „contemporären Geschichte“ (Grundrisse) versteht, dann versteht man auch, dass es, wie Marx ausdrücklich betont, um den kapitalistischen Gesamtreproduktionsprozess zu erfassen, nicht nötig ist, die historisch vergangene Geschichte als Gegenstand der Darstellung einzubeziehen.
III.

Zur gesellschaftlichen Qualität des Werts, der Wertformen, des allgemeinen Äquivalents usf. gehört selbstverständlich, dass sie historische spezifische gesellschaftliche Formen der Arbeit sind. Wenn es etwas davon Verschiedenes Historisches gibt, dann handelt es sich um Ereignisse, in der historischen Vergangenheit, um historisch bedingte Veränderungen, welche, wie im Falle des Geldes, ohne die historisch spezifische gesellschaftliche Qualität zu verändern, hinzukommen und sich bereits in der historischen Vergangenheit ereignet haben oder sich in dem Stück Zeitgeschichte ereignen können. Es ist also vollkommen falsch, wie der kritische Autor zu unterstellen, es gäbe einen „gänzlich nichthistorischen Begriff "allgemeine Äquivalentform". Das allgemeine Äquivalent und das mit der Geldform hinzukommende historische Moment, sind also auf ganz verschiedene Weise historisch. Wenn vom allgemeinen Äquivalent die Rede ist, ist wie oben erklärt wurde, unterstellt, dass es sich um eine historisch spezifische Form gesellschaftlicher Arbeit handelt, was nicht immer wieder betont werden muss. Aber das historische Moment der Geldform und des Geldes, so wird noch ausführlich gezeigt, ist auf ganz andere Weise historisch, die sich sogar der logisch systematischen Darstellung entzieht, die eine Darstellung der historisch spezifischen, aus dem Wert dem allgemeinen Äquivalent, dem Geld, dem Kapital usf. bestehenden ökonomisch gesellschaftlichem Formen ist. (Warum und auf welche Weise Marx in der logisch systematischen Darstellung, die ihre Grenzen kennen muss, um richtig zu sein. auf das historische Moment eingeht, und auch am Ende der logisch-systematischen Darstellung im zweiten Kapitel d.h. vor dem Übergang in den historischen Exkurs das allgemeine Äquivalent mit dem Geld zusammenbringt, kommt weiter unten zur Sprache.)
Zu dem, was es mit dem „historischen Moment“ auf sich hat, durch das ein Unterschied zwischen allgemeiner Äquivalentform und Geldform besteht, der kein gesellschaftlich qualitativer ist, sei zunächst angeführt, was Marx dazu meint:
„Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Äquivalentform gesellschaftlich verwächst, wird zur Geldware oder funktioniert als Geld. Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion, und daher ihr gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen. Diesen bevorzugten Platz hat unter den Waren, welche in Form II als besondre Äquivalente der Leinwand figurieren und in Form III ihren relativen Wert gemeinsam in Leinwand ausdrücken eine bestimmte Ware historisch erobert, das Gold. Setzen wir daher in Form III die Ware Gold an die Stelle der Ware Leinwand, so erhalten wir: D) (die) Geldform. Hervorhebungen – D.W.). “ (MEW 23, S.83f.)
„Der Fortschritt besteht nur darin, daß die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine Äquivalentform jetzt durch gesellschaftliche Gewohnheit endgültig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist. –Hervorhebungen- D.W.).“ (MEW 23, S XXX)
„Schließlich heißt es weiter bei Marx: „Gold tritt den andren Waren nur als Geld gegenüber, weil es ihnen bereits zuvor als Ware gegenüberstand. Gleich allen andren Waren funktionierte es auch als Äquivalent, sei es als einzelnes Äquivalent in vereinzelten Austauschakten, sei es als besondres Äquivalent neben andren Warenäquivalenten. Nach und nach funktionierte es in engeren oder weiteren Kreisen als allgemeines Äquivalent. Sobald es das Monopol dieser Stelle im Wertausdruck der Warenwelt erobert hat, wird es Geldware, und erst von dem Augenblick, wo es bereits Geldware geworden ist, unterscheidet sich Form IV von Form III, oder ist die allgemeine Wertform verwandelt in die Geldform. Hervorhebungen- D.W.).“ (MEW 23, S. XXX)
Der kritische Autor erwähnt zu Recht, dass die „systematische Darstellung“ „auf erste Gleichungen“ stößt, die sich auf etwas historisch Gewordenes beziehen, das als solches vorausgesetzt und selbst nicht mehr der Gegenstand der Darstellung ist. Marx spricht, worauf hier nicht eingegangen werden kann, in diesem Zusammenhang von den „Grenzen der dialektischen Darstellung“, die nur „richtig ist, wenn sie ihre Grenzen kennt.“ (Grundrisse) Dies gilt, worauf der kritische Autor aber gerade nicht eingeht – er wendet sich „der Ware als erstem Konkretum“ zu – auch für das hier verhandelte „historische Moment“, das in der Geldform enthalten ist. Man kann von den Geldfunktionen auf ein für sie geeignetes Material schließen, was zusammen mit den historischen Umständen dazu führen kann, ob diese oder jene Ware, ob Gold oder Silber usf. vom allgemeinen Äquivalent zum Geld avanciert. Diese historischen Umstände nachzuvollziehen, unter denen eine Ware „historisch“ die „Monopolstellung (….) erobert“ und dadurch zum allgemeinen Äquivalent wird, ist nicht die Aufgabe der logisch-systematischen Darstellung, nicht im ersten Kapitel und auch nicht im zweiten Kapitel. Im Sinne der „ersten Gleichungen“ und der „Grenzen der dialektischen Darstellung“ muss darauf eingegangen werden, wobei stets bedacht werden muss, das man sich mit einem der gesellschaftlichen Qualität äußerlichen Hinweis begnügen muss, d.h. mit dem Hinweis auf ein ihr äußerliches, von verschiedenen historischen Umständen abhängiges Ereignis.

IV.

Es dürfte mit den Ausführungen von Marx hinreichend klar sein, worin das „historische Moment“ und damit, worin der einzige Unterschied zwischen allgemeiner Äquivalentform und Geldform besteht.
Im ersten Kapitel ist das allgemeine Äquivalent noch nicht vollständig erklärt, was auch auf der es auszeichnenden Abstraktionsstufe der Darstellung nicht möglich ist, worauf im Folgenden noch eingegangen wird. Das allgemeine Äquivalent, so sei aber schon festgestellt, ist erst erklärt, wenn die Notwendigkeit nachgewiesen ist, wie das Marx im zweiten Kapitel tut, dass es nur im praktischen Verhalten der Warenbesitzer zueinander entstehen kann, das über den wirklichen Austausch der Waren bzw. der Realisierung der Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander vermittelt ist. Hierbei ist es wichtig, festzustellen, dass es bei der Rolle, welche der „Austauschprozess im zweiten Kapitel spielt, diese sich nicht darauf beschränkt, wie der kritische Autor suggeriert, als ginge es nur noch darum, dass eine bestimmte Ware also Gold oder Silber usf. als allgemeines Äquivalent ausgewählt würden, was unterstellen würde, es gäbe bereits das allgemeine Äquivalent, vielleicht weil die Warenbesitzer eine göttliche Eingebung hatten oder das erste Kapitel vom Kapital gelesen haben. Es geht aber gerade darum, dass das allgemeine Äquivalent entsteht, d.h., dass eine bestimmte Ware allgemeines Äquivalent wird, indem es im Austauschprozess dazu kommt, dass der Wert aller Waren im Gebrauchswert einer von allen Waren verschiedenen Ware (d.h. bestimmten Ware) ausgedrückt, dargestellt wird.
In der Natur des praktischen mit bestimmten Waren durchgeführten Austauschprozesses liegt es, dass, wenn eine Ware als allgemeines Äquivalent ausgeschlossen wird, es dann auch eine bestimmte ist. Es sei aber auch betont, dass, wenn „die Form unmittelbarer allgemeiner Austauschbarkeit oder die allgemeine Äquivalentform durch gesellschaftliche Gewohnheit“ nicht „endgültig mit der spezifischen Naturalform der Ware Gold verwachsen ist“, das Gold auch nicht mehr Geld sein kann, sondern für kurze Dauer nur allgemeines Äquivalent ist und schließlich zu einer gewöhnlichen Ware wird, nachdem eine andere Ware „durch gesellschaftliche Gewohnheit“ die Monopolstellung der Geldware erobert hat: „ Nach und nach funktionierte es (das Gold) in engeren oder weiteren Kreisen als allgemeines Äquivalent. Sobald es das Monopol dieser Stelle im Wertausdruck der Warenwelt erobert hat, wird es Geldware, und erst von dem Augenblick, wo es bereits Geldware geworden ist, unterscheidet sich Form IV (Geldform) von Form III, (allgemeine Wertform, allgemeine Äquivalentform) oder ist die allgemeine Wertform verwandelt in die Geldform“ MEW 23, S. 84) Das, was eine Ware zum allgemeinen Äquivalent macht, geschieht im Austauschprozess. Es geht in ihm als Resultat der „gesellschaftlichen Tat hervor“, indem es unter Beteiligung aller Warenbesitzer und damit all ihrer Waren dazu kommt, dass deren Wert im Gebrauchswert einer von ihnen verschiedenen Ware ausgedrückt wird. „Aber nur die gesellschaftliche Tat kann eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent machen. Die gesellschaftliche Aktion aller andren Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform dieser Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform.“ (MEW 23, S. 101)
Dass es nur eine bestimmte Ware sein kann, ist von vornherein klar, aber dass sie allgemeines Äquivalent wird, ist Angelegenheit des Austauschprozesses, in dem es allein möglich ist, dass alle Waren ihren Wert ausgerechnet im Gebrauchswert einer von ihnen allen verschiedenen Ware darstellen. Nur im „gemeinsamen Werk“ der den Menschen einschließenden „Warenwelt“ ist es möglich, dass eine von ihnen ausgeschlossen wird, deren Gebrauchswert auch für alle die Erscheinungsform ihres Werts ist. Es geht im Austauschprozess, so wie er von Marx im zweiten Kapitel dargestellt wird, nicht darum, eine bestimmte Ware ausfindig zu machen, die bereits allgemeines Äquivalent ist und es dann nur noch darum ginge, durch „gesellschaftliche Gewohnheit“ diese so lange als allgemeines Äquivalent funktionieren zu lassen, bis sie diese Monopolstellung endgültig erobert hat, und damit nicht nur allgemeines Äquivalent, sondern auch Geld ist.
Es ist also vollkommen falsch, wenn der kritische Autor schreibt: „Das erste Kapitel erklärt, wie es im Warentausch zur "allgemeinen Äquivalentform" und folglich zur "Geldform" kommt. Damit ist der Ort des Geldes angegeben; das zweite Kapitel fragt, weshalb Gold das Ding ist, das ihn zu Marx' Zeit erobert hat.“
Es ist immer eine Ware, die bereits allgemeines Äquivalent ist, die zusätzlich zu Geld wird. Das allgemeine Äquivalent ist immer das Erste ist und dann kommt ein historisches Moment hinzu, insofern in einem in die Zeit sich erstreckenden Vorgang gewohnheitsmäßig sich die Funktion des allgemeinen Äquivalents fest mit der als allgemeinem Äquivalent ausgeschlossenen Ware verbindet. Da es nur der wirkliche im praktischen Handeln der Menschen ausgeführte Austauschprozess sein kann, in dem sich etwas Geschichtliches ereignen kann, kann Marx, nachdem feststeht, dass der Austauschprozess der alleinige Ort ist, in dem das allgemeine Äquivalent entsteht, und in dem auch einzig und allein sich historisch etwas ereignen kann, diesen historischen Aspekt einbeziehen. Am Schluss der logisch systematischen Darstellung des zweien Kapitels stellt er für den Austauschprozesses zusammenfassend fest:: „Die gesellschaftliche Aktion aller anderen Waren schließt daher eine bestimmte Ware aus, worin sie allseitig ihre Werte darstellen. Dadurch wird die Naturalform Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform. Allgemeines Äquivalent zu sein wird durch den gesellschaftlichen Prozeß zur spezifisch gesellschaftlichen Funktion der ausgeschlossenen Ware. So wird sie - Geld.“ (MEW 23, 101 unten)
V.

Wenn es nicht ausreicht, die „Gesetze der Warennatur“ zu erklären, um zu erklären, was das Geld als allgemeines Äquivalent ist, dann muss auch die Art und Weise, in der das allgemeine Äquivalent im ersten Kapitel erklärt wird, noch mangelhaft sein, d.h. etwas ganz Entscheidendes fehlen. Dies hat, was die bisherigen Ausführungen zeigen, nichts mit dem historischen Moment der Geldform oder des Geldes zu tun, zu dem alles Erforderliche gesagt wurde. Es hat etwas mit dem folgenden, bereits ebenfalls wiederholt vorgebrachten, aber in seiner Bedeutung für die Erklärung des Geldes noch nicht bedachten Sachverhalt zu tun.
Es geht nicht um den bereits erklärten Unterschied zwischen der allgemeinen Äquivalentform und der Geldform hinsichtlich des historischen Aspekts der Geldform, sondern um die Erklärung des allgemeinen Äquivalents selbst, d.h. um die Erklärung der gesellschaftlichen Qualität, durch die sich die Geldform gerade nicht von der allgemeinen Äquivalentform unterscheidet. Wenn man auf das stößt, von dem gesagt wurde, es sei das alles Entscheidende, das im ersten Kapitel bei der Erklärung des allgemeinen Äquivalents fehlt, dann stößt man auf die besondere eigentümliche Weise, in der Marx die Erklärung des Geldes mit der logisch systematischen Darstellung gibt.
Diese besondere eigentümliche Weise besteht darin, dass Marx aufgrund einer Eigentümlichkeit der Warenzirkulation, das sie beherrschende Geld zunächst auf zwei unterschiedlichen, aus dem ersten und zweiten Kapitel bestehenden, sich wechselseitig bedingenden und ergänzenden Abstraktionsebenen der Darstellung analysiert und erklärt.
Ohne es wie noch in Zur Kritik (MEW 13 S. 37) ausdrücklich durch eine Überschrift (A. Historische Analyse der Ware ) zu markieren, geht Marx, nachdem er in der Weise der logisch systematischen Darstellung das allgemeine Äquivalent und grundsätzlich das Geld erklärt hat, ab Seite 102 im Kapital zu einer historischen Betrachtung bzw. Exkurs über, auf dessen Bedeutung hier nicht eingegangen werden kann.
Wenn das erste und das zweite Kapitel bis Seite 101 unten genuiner Teil der logisch systematischen Darstellung sind, worin besteht dann der für die Erklärung des allgemeinen Äquivalents entscheidende Unterschied? In beiden Kapiteln ist auf je unterschiedliche Weise ein und derselbe gesellschaftlich praktische Prozesses der Gegenstand der Darstellung und zwar der praktische gesellschaftliche Prozess, der ausdrücklich Gegenstand des zweiten Kapitels ist, den Marx Austauschprozess nennt im Unterschied zur Warenzirkulation. In ihr ist der Austauschprozess, von den handelnden Menschen abgesehen, unsichtbar eingeschlossen und durch eine methodisch bedeutsame Abstraktion erschlossen als die Seite der Warenzirkulation, nach der aus ihr das Geld und seine Entstehung erklärt werden müssen. Die Warenzirkulation ist der funktionierende Austauschprozess, insofern alle Bewegungen in ihr über das Geld vermittelt sind, das mit dem „Austauschprozess“ im zweiten Kapitel abschließend erklärt wird.
Wie der Austauschprozess sich einer methodisch bedeutsamen Abstraktion vom Preis und vom Geld der Warenzirkulation verdankt, so verdankt sich das erste Kapitel einer methodisch bedeutsamen Abstraktion von den Warenbesitzern und ihrem praktischen Handeln. Somit wird der Austauschprozess im ersten Kapitel unter einem bestimmten Gesichtspunkt analysiert. Die hergestellte und zugleich verwirklichte Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander betrachtet Marx im ersten Kapitel für sich genommen. Dies ist erforderlich, weil sich in dieser im Austauschprozess wirklich vollzogenen Beziehung hinsichtlich des Werts und der Entwicklung seiner Formen bis hin zur Geldform etwas abspielt, von dem die Warenbesitzer nichts wissen bei all dem, was sie wissen müssen, wenn sie den Austauschprozess wirklich ausführen.
Auch wenn der Warenfetisch beweist, dass dies der Fall ist, und Marx die Abstraktion von den Warenbesitzern ausdrücklich mit den Worten bekundet, die „Waren können nicht von allein zu Markte“ gehen, und man sich „daher nach den Warenhütern“ umsehen müsste, hätte er, gerade auch, weil er außerhalb des durch den Warenfetisch abgesteckten Rahmens auf die Warenbesitzer eingeht, die Abstraktionsebene des ersten Kapitel ausdrücklich verdeutlichen müssen. Dies ist schon deshalb, kein von außen herangetragener Vorwurf, weil Marx, in Zur Kritik (MEW 13), obwohl er die Darstellungsebenen nicht durch zwei getrennte Kapitel auseinander hält, aber dennoch methodisch korrekt, den Unterschied beider Abstraktionsebenen ausdrücklich angibt. Die aus der gesellschaftlichen Praxis herausabstrahierte Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander, die für sich genommen nur für den theoretischen Betrachter bzw. das wissenschaftliche Bewusstsein gegeben ist, bezeichnet Marx in Zur Kritik klar und deutlich als „theoretisch gedachte Beziehung. Betätigt wird sie nur im Austauschprozess. Hervorhebung – D. W,“ (MEW 13, S. 29) „Die wirkliche Beziehung der Waren aufeinander ist ihr Austauschprozess.“ (Ebenda, S. 28).
Da die „Gesetze der Warennatur“ nichts anderes sind, als das, was sich hinsichtlich des Werts und der Entwicklung seiner Formen in den von den Warenbesitzern verwirklichenden Austauschbeziehungen der Waren zueinander abspielt, werden sie im ersten Kapitel für sich analysiert und erklärt. Das erste Kapitel dient also dazu verständlich machen, was im Austauschpr0zess, der Gegenstand des zweiten Kapitels ist, sich für die Warenbesitzer unbewusst hinsichtlich des Werts und der Entwicklung seiner Formen ereignet. Es sei hier nur nebenbei bemerkt, dass die Darstellung einer ökonomisch gesellschaftlichen Wirklichkeit, die sich durch eine von den Menschen selbst verschuldete Naturwüchsigkeit auszeichnet, mit etwas begonnen werden muss, das den Menschen bereits unbewusst ist.
Da die Warenbesitzer mit allem, was sie, im Begriffe stehend, den Austausch zu vollziehen, wissen, kein allgemeines Äquivalent zustande bringen (MEW, 23, S. 99ff.), weil es nur im wirklichen praktisch vollzogenen Zusammenwirken der Warenbesitzer und ihrer Waren zustande kommen kann, bleibt nur übrig festzustellen, „sie haben gehandelt, bevor sie gedacht haben“ (MEW 23, S.101) d.h. sie haben die im ersten Kapitel dargestellten, ihnen aber unbewussten „Gesetze der Warennatur“ durchgesetzt. Diese können auch noch einmal so umschrieben werden, dass sie „ihre Waren nur als Werte und darum nur als Waren aufeinander beziehn, indem sie dieselben gegensätzlich auf irgendeine andre Ware als allgemeines Äquivalent beziehn.“ (MEW 23, S. 101)
Nun betont Marx ausdrücklich, dass es vorher im ersten Kapitel um die „theoretisch gedachte Beziehung“ der Waren zueinander gegangen ist, wie sie nur dem wissenschaftlichen Betrachter als Gegenstand seiner Analyse gegeben ist. Diese „Analyse“ „ergab“ schon, was in der „gesellschaftlichen Tat“ sich praktisch durchsetzt, nämlich dass es dazu kommt, dass es eine bestimmte Ware geben muss, in deren Gebrauchswert alle Waren „allseitig ihre Werte darstellen“. „Dadurch wird die Naturalform dieser Ware gesellschaftlich gültige Äquivalentform.“ (MEW 23 , S. 101).
Das erste und das zweite Kapitel sind jeweils unter unterschiedlichem Aspekt vorgenommene theoretische Betrachtungen ein und desselben gesellschaftlich praktischen Prozesses. Im ersten Kapitel analysiert der wissenschaftliche Betrachter die Austauschbeziehung der Arbeitsprodukte zueinander für sich genommen. Um deren „Betätigung“ bzw. wirkliche Durchsetzung im praktisch gesellschaftlichen Prozess geht es im zweiten Kapitel.
Das Verhältnis von erstem zu zweitem Kapitel (S. 99-101) ist nicht das Verhältnis von „Logischem“ zu „Historischem“, sondern das Verhältnis zweier voneinander verschiedner Weisen ein und denselben praktisch gesellschaftlichen Prozess (der wirklichen Austuschbeziehung der Waren aufeinander“) theoretisch zu erfassen. Das erste Kapitel ist eine einseitige theoretische Betrachtung des gesellschaftlich praktischen Prozesses unter dem Aspekt dessen, was sich in den für sich als “theoretische gedachte“(MEW 13, S. 29) betrachteten Austauschbeziehungen der Arbeitsprodukte zueinander hinsichtlich des Werts und der Entwicklung seiner Formen abspielt. Das zweite Kapitel ist die theoretische Betrachtung des praktisch gesellschaftlichen Prozesses unter dem Aspekt der „gesellschaftlichen Tat“ die einzig und allein „eine bestimmte Ware zum allgemeinen Äquivalent“ machen kann.
Im ersten Kapitel kommt die allgemeine Äquivalentform lediglich dadurch zustande, dass der Theoretiker die entfaltete Wertform einfach mittels eines logischen Schlusses umkehrt. Der Schluss ist zwar zwingend und zeigt die Notwendigkeit einer allgemeinen Äquivalentform. Aber in der gesellschaftlichen Praxis kommt die allgemeine Äquivalentform nicht zustande, indem irgendein theoretisch begabter Warenbesitzer in seinen Kopf die entfaltete Wertform vorstellt und sie dann logisch schlussfolgernd umkehrt. Ein gesellschaftlich Allgemeines, wie das allgemeine Äquivalent kann nur das Resultat des von Menschen in ihrem wirklichen Verhalten zueinander in Gang gebrachten „gemeinsamen Werks der Warenwelt“ sein, d.h. einer wirklichen gesellschaftlichen Aktion, in der von allen für alle eine Ware ausgeschlossen wird, die von allen verschieden ist, aber für alle diejenige ist, in der das an ihre Waren gebundene gesellschaftlich Allgemeine (Wert) ihnen selbständig getrennt von ihnen gegenübersteht. Daher kann die Erklärung des allgemeinen Äquivalents im ersten Kapitel nur unvollständig sein, so dass es gerade auch, weil sein Zustandkommen den Warenbesitzern unbewusst ist, als gesellschaftlich Allgemeines nur, wie Marx ausdrücklich im zweiten Kapitel betont, das Resultat einer wirklichen unter Beteiligung von allen Warenbesitzern und ihren Waren sich vollziehenden „gesellschaftlichen Tat“ sein.