RE: Zusammensein der Leute | 11.03.2019 | 16:28

Lieber Wolfgang, ich hab meine Antwort an dich und Thomas.W70 unter dessen Kommentar gesetzt.

RE: Zusammensein der Leute | 11.03.2019 | 16:27

Ich hab es mir eben auf YouTube angehört. Zweierlei: 1. entspricht das überhaupt nicht dem Höreindruck im Konzertsaal. Der Klavierklang ist dermaßen überproportioniert, daß das Sonstige über weite Strecken als geringfügiges Nebenbei erscheint. Ich dachte zuerst, der PC gebe eben auch bei guten Lautsprechern, die ich habe, mehr nicht her, führe zu dieser Vereinseitigung, aber das stimmt nicht, bei den „Nächten in spanischen Gärten“ z.B. kommt es nicht zu so einem Effekt. Aber auch Nichtklavierklänge für sich genommen lassen von der realen Klangfülle nichts ahnen, das muß man dann doch dem PC zuschreiben, bei einem guten CD-Player und schon im Rundfunk bei durchschnittlich gutem Gerät wäre es anders. Im Konzertsaal hat der Nichtklavierklang den Höreindruck bestimmt, der Klavierklang hat nur eine gewisse Schärfe hereingetragen, die andere Kompositionen dieser Art nicht haben, und das war so subtil, daß ich es beim Hören dem Klavier nicht einmal zugeschrieben hatte.

Die einseitige Hervorhebung des Klavierklangs führt dazu, daß Sie besonders auf die tonalen Strukturen aufmerksam werden. Insofern hat sie ja ein Gutes, denn mir waren sie gar nicht so aufgefallen. Sie stützen, finde ich, meine Deutung: Einzelne Klaviertöne sind wie die „Sterne“ der alten Auffassung der harmonia mundi (oder erinnern noch, als schon „verstimmte“, daran), aber es ist eben auch etwas „dazwischen“. Und der Titel der Komposition sagt, wie es ist: Das Dazwischen ist der Hauptinhalt der Komposition. Abgesehen davon stützt auch überhaupt der Umstand, daß tonale Strukturen eine wichtige Rolle spielen, meine Auffassung, so meine ich jedenfalls: Komposition wären ja gerade dann n i c h t „revolutionär“, wenn sie nur das Atonale irgendwie weiterentwickeln würden - eine wahre Revolution zeichnet sich dadurch aus, daß sie das, war zuvor als „die“ Alternative gegolten hat, als solches überwindet. (So hat Bruno Latour argumentiert, der Rechts-links-Gegensatz werde vom neuen Gegensatz ökologisch-nichtökologisch durchkreuzt und eingeschlossen.)

RE: Die EU verteidigen | 28.02.2019 | 12:23

"... gibt es keinen Widerspruch zwischen Michael Jäger und iDog. Denn natürlich muß der Kampf in Europa (vielleicht sogar einmal gegen Europa, zB wenn sich die Rechten oder die neoliberalen Bürger europaweit durchsetzen) für ein besseres Europa, was sage ich, für eine bessere Welt das Endziel der antikapitalistischen, prosolidargesellschaftlichen Revolution haben."

Klar, so sehe ich das auch.

RE: Die EU verteidigen | 26.02.2019 | 17:37

Dann scheinen wir einig zu sein. Daß es „zur aktuellen Bund-Verfasstheit keine realistische Alternative gibt“, in dem Sinn jedenfalls nicht, daß das Nichtvorhandensein des Bundes oder der Austritt das Bessere wäre, ist ja der springende Punkt. Und es zu betonen ist nicht überflüssig, weil nicht alle der Auffassung sind.

Und ja, die Musik spielt im Zweifelsfall auf der Straße. Sehr große Demos zum Beispiel können wichtig sein. Auch das ist manchmal umstrittren.

RE: Zusammensein der Leute | 26.02.2019 | 10:56

Vielen Dank auch für Deine Analyse. Ich werde meinen Eindruck nun noch einmal überprüfen und es hier aufschreiben, kann es nicht sofort tun, aber wohl im Lauf der Woche.

RE: Zusammensein der Leute | 25.02.2019 | 14:09

Danke für Ihr Urteil. Ich weiß übrigens gar nicht, wie Sie das Stück haben hören können, mir ist es nicht gelungen. Als ich die Sendung am Mittwoch einschaltete, wurde doch gesagt, Mason komme nicht, der sei schon vorher bei einer Gesamtrückschau gespielt worden. Ich habe dann nur Xenakis angehört, der mir wieder gut gefallen hat, und danach ausgeschaltet.

RE: Kann Elite links sein? | 21.02.2019 | 14:50

Ich bin natürlich einverstanden.

RE: Kann Elite links sein? | 21.02.2019 | 13:24

"Avantgarde", richtig verstanden, kann gerade keine Selbsteinschätzung sein.

RE: Kann Elite links sein? | 21.02.2019 | 12:56

Ich würde den Begriff Avantgarde nicht heruntermachen wollen. Er bedeutet zunächst nur, daß manche vorausgehen auf einem bestimmten Weg, der sich im Nachhinein als wirklich weiterführend erwiesen haben mag, und dem andere etwas später nachgefolgt sind, weil ihnen die vorgeführte Richtung erprobenswert erschien oder gar irgendwie eingeleuchtet hat. In dieser Bedeutung ist er meines Wissens in der Welt der bildenden Kunst entstanden und konnte da sicher nicht mißbraucht werden. Auch wenn ein oder zwei einzelne Vögel einen Schwarm zur Richtungsänderung veranlassen, ist es der Sache nach nicht anders. Und ich meine schon, daß in diesem Sinn auch politische Avantgarden nötig sind. Wollten die 68er die Arbeiterinnen „anleiten“? Wahrscheinlich spielte das mit und war in der Tat lächerlich. Aber zunächst einmal versuchten die Studentinnen die Arbeiterinnen darauf aufmerksam zu machen, daß sie ausgebeutet wurden und daß ihnen dieses übel bekomme. Das war doch gut, wenn auch aus zeitbedingten Gründen, in Westdeutschland, illusionär. Wo der Versuch in der großen Kunst reflektiert wurde, erscheint er als diese Illusion, keineswegs aber als lächerlich. So in der Sinfonia von Luciano Berio (1968), der die Agitation der Studentinnen mit der Predigt vergleicht, die der heilige Antonius den Fischen zu halten versuchte.

Avantgarde im wohlverstandenen Sinn müßte der kommunistische Gegenbegriff zu Elite sein. Es wäre immer mitgemeint, daß die Fähigkeit, zu einem bestimmten Zeitpunkt Avantgarde zu sein, sich über diesen Zeitpunkt hinaus nicht verlängert, außer die betreffenden Leute erweisen sich dann von Neuem als eine solche. Und da liegt das ganze Problem, weil die erfolgreiche Avantgarde leicht ohne den Erweis, es weiteerhin zu sein, in Herrschaft übergeht und diese verfestigt. Wie schwer das Problem wiegt, sieht man schon daran, daß bereits das altgriechische Wort für Herrschaft, arché, zunächst einmal den Ursprung, den Anfang bezeichnet: Da ist die Identität von Herrschaft und Avantgarde schon durch die Sprache fixiert. Ähnlich ist es, wenn man im Kapitalismus die „Unternehmerinitiative“ rühmt. Aber trotz allem, auch zu einer emanzipierten Gesellschaft wird es nie kommen, wenn es nicht Leute gibt, die anfangen.