RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 18:23

"Die politische Impotentia coeundi, einander als Linke beizuwohnen" - Ihr letzter Satz ist ja ganz wunderbar. Ansonsten haben Sie natürlich recht, wenn Sie die Gegenrechnung aufmachen. Aber mein Gesichtspunkt ist auch richtig, finde ich. Das Bild, daß die rechte Dynamik unaufhaltsam voranschreite, ist falsch. Am letzten Wochenende wurde es widerlegt. Solche Momente werden viel zu wenig hervorgehoben. Was die jungen Wähler angeht, bin ich gerade auch über sie erfreut: Die AfD hat nicht mehr Prozente als im Gesamtdurchschnitt, die Grünen sind aber fast so stark wie die CSU und das, ich gestehe es in aller Form, finde ich gut. Weil die CSU-Führung hat sich rassistisch profiliert und die Grünen sind antirassistisch. Überdies wäre noch die Linke über die Fünfprozenthürde gekommen. Im Gesamtdurchschnitt, hatte ich geschrieben, sind CSU und SPD von 68,3 auf mit Einschluß der AfD 57,1 Prozent gesunken, bei der Jugend haben sie aber nur noch 44 Prozent!

RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 16:31

Oh, daran erinnere ich mich nicht! Wie nannten Sie sich denn damals? Aber ich erinnere es auch anders. Die Sache mit dem Zitronenfalter hatte ich als Witz kennengelernt und so auch hier weitergegeben („Wer glaubt, daß..., der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten“, irgendwie so). Wieviele Jahre ist das her – schön, daß Sie noch da sind, wer immer Sie sein mögen.

RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 16:24

„Auch an der Agenda 2010 war die CDU beteiligt“, richtig. Das heißt dann also nicht, daß Merkel die Verantwortung trägt, sondern Merkel / die Union und die SPD tragen sie gemeinsam. Die SPD hätte da nicht mitmachen und sich an die Spitze setzen müssen, so wenig jemand sie gezwungen hat, 1992 die faktische Abschaffung des Asylrechts zuzulassen. Und so wenig jemand sie heute zwingt, an der GroKo beteiligt zu sein. Was haben wir dagegen angeschrieben, und andere auch – Frau Nahles hat sich taub gestellt. Ja, es ist tatsächlich so, daß ich „SPD-Bashing“ zur Zeit besonders wichtig finde: weil es in dieser Partei doch Kräfte gibt, die mit der Agenda-Politik brechen wollen, und sie seit der Bundestagswahl im letzten Jahr immerhin sehr viel stärker geworden sind, sich aber bisher nicht durchsetzen. Jeder, der immer wieder auf die wunden Punkte der Partei zeigt, unterstützt diese Kräfte.

RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 13:06

Manche Linke, die sich in den letzten Wochen hier geäußert haben, haben wohl auch das Problem, daß sie in der Perspektive ihres Milieus auf andere Milieus nur noch mit Verachtung, ja Haß blicken können – das war für mich das Erschreckendste an den Debatten über die #unteilbar-Demonstration. Ein innervölkischer Milieu-Rassismus sozusagen, der selbst Anhänger von #aufstehen erfassen kann, obwohl diese Bewegung doch neue Mehrheiten hervorbringen will, was ohne Zusammengehen mit anderen Linken, die zugleich anderen Milieus angehören, kaum möglich sein dürfte. Ich habe auch an die stalinistische Tradition des Hasses auf „Kleinbürger“ gedacht – es ist ein weites und düsteres Feld.

RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 12:55

„Zu Zeiten Schröders war der Kanzler verantwortlich. Zu Zeiten Merkels ist folgerichtig die Kanzlerin verantwortlich. Wenn die SPD den Rechtsruck mitzuverantworten hat, dann hat die CDU die Agenda 2010 mitzuverantworten.“ Das ist doch genau meine Rede. Vor acht Tagen erst habe ich es wörtlich so geschrieben – „Aus der Not der Menschen lässt sich der Rassismus nicht ableiten, wohl aber aus der Politik [...] der Bundeskanzlerin und der mitregierenden SPD, die der Agenda 2010 nicht abschwören“ – und im obigen Artikel ist es auch impliziert, da ich SPD und Union als Einheit behandle, die die rechte Dynamik verschuldet.

RE: Neue Perspektiven | 20.10.2018 | 11:42

"Handeln aus einem Guss wird es nicht werden. Muss es in einer pluralistischen Gesellschaft wohl auch nicht." Sehe ich auch so.

RE: Wer seid das, ihr? | 16.10.2018 | 09:02

Attac und DIEM25, die Interventionistische Linke, Riexinger und Urban, Kipping, Bartsch, Konstantin Wecker – da hast du dir aber ordentlich was abgebrochen, um einräumen zu können, da da die l i n k e „Mitte“ demonstriert hat... Was weißt du denn von der knappen Viertelmillion, die sich da gezeigt hat, außer daß sie sich hinter einem Aufruf versammelt hat, der die Agenda 2010, den Niedriglohnsektor etc. verantwortlich macht? Wahrscheinlich haltet ihr es einfach nicht aus, da da so viele j u n g e Leute zu sehen waren, die böserweise ihr junges Leben zu genießen scheinen. Die muß man unbedingt verleumden! Aber wann hat es das schon mal gegeben, daß „Linke“ eine große linke Demo runterzureden versuchen aus keinem anderen Grund, als weil es eine große Demo ist. Es ist klar, euch kann man für die weitere politische Entwicklung abschreiben. Ihr würdet wahrscheinlich immer noch behaupten, es ginge darum, irgendwann mal die gesellschaftliche Mehrheit zu erlangen, aber noch wichtiger ist es euch offenbar, euch von einer solchen Mehrheit, die entstehen könnte, vorsorglich erst mal in aller Form zu distanzieren, sie abzuschmettern und möglichst auseinanderzutreiben. Zum Glück seid ihr vollkommen isoliert und es kommt auf euch nicht an. Ihr seid es ja gerade auch in der Linkspartei.

RE: Wer seid das, ihr? | 15.10.2018 | 23:03

Meine Intention sehen Sie richtig. Obwohl ich, wie immer, daran erinnern muß, daß nicht ch die Titel über meinen Texten mache, außer natürlich wenn es Blogeinträge sind. Zu Ihrem letzten Satz: Das Wichtige an dieser Demo sehe ich in dem, was sie selbst deutliuch macht und was ganz einfach ist, nämlich daß sie dem versuchten Rechtsruck entgegentritt und ihm ein Stoppschild zeigt. Für manche Leute, die hier mitdiskutieren (Sie nicht), ist das schon höhere und zu hohe Mathematik, wir leben eben in finsteren Zeiten. Diese Leute sagen z.B., die Demo sei nicht gegen die Urheber des sozialen Unrechts aufgestanden, und wenn wir dann Urbans Rede abdrucken, fällt ihnen die nächste schwachsinnige Scheiße ein... Aber sicher beruhigen sie sich irgendwann auch wieder. Und ganz bestimmt ist es nicht Wagenknechts Schuld.

RE: Wer seid das, ihr? | 13.10.2018 | 18:10

Das ist ja genau der Punkt: Den Bürger, der sich nur egoistisch auf seine Geldmacht bezieht, kann man z.B. im Französischen als bourgeois vom citoyen unterscheiden, die deutsche Sprache kennt diesen Unterschied nicht. Man hat in Preußen von „Zivilisten“ gesprochen, das war aber als Schimpfwort gemeint (Menschen, die „nicht gedient“ haben). Um jenen Unterschied nachzubilden, ist der Ausdruck Zivilgesellschaft entstanden, der außerdem auch noch auf den Unterschied von Gesellschaft (società civile) und Staat verweist. Die „Zivilgesellschaft“ ist die Bürgergesellschaft, die mit der Bourgeoisgesellschaft nicht zusammenfällt. Sie schließt alle Bürger ein – in ihrer potentiellen Selbständigkeit dem Staat gegenüber -, schließt also auch die Bourgeoisie ein, wie Sie richtig sagen, geht aber weit, weit über diese hinaus.

RE: Für die solidarische Weltgesellschaft! | 04.10.2018 | 18:16

Darum geht es ja auch nicht. Der Rassismus muß kein „größeres“ Problem sein, er ist jedenfalls kein kleineres. Es geht darum, daß wenn mir jemand Schaden zufügt, ich nicht sage, da steht noch der und die, schade doch denen statt mir. Sondern daß ich sage „Macht kaputt, was euch kaputt macht“.