RE: Spiel ohne Regeln | 22.04.2018 | 11:50

Das ist wirklich ein interessanter Beitrag, danke, und wohl auch ein zutreffender.

RE: Spiel ohne Regeln | 22.04.2018 | 10:48

Danke, das ist eine sehr richtige Ergänzung.

RE: Wir wollen leben! | 17.04.2018 | 18:18

Ich bin erst heute dazu gekommen, Ihren Text zu lesen. Sehr vielen Dank dafür.

RE: Die Lehre der Knüppel | 05.04.2018 | 12:12

Lieber CE, danke für Deinen persönlichen Bericht. Deine anarchistischen Wurzeln machen mir Deine jetzige politische Position verständlicher. Deine drei deutschen Typen sind interessant, ein Theaterstück kann man sich da gut vorstellen.

Daß wir „auch die bundesdeutsche Gesellschaft im Blick“ hatten, klar. Sicher nicht nur „auch“. Aber dieser Gesellschaft wegen hätte ja schon 1960 eine Revolte ausbrechen können und tat es nicht. Oder spätestens als Rudolf Augstein verhaftet wurde. Da begann sich immerhin etwas zu regen. Der Zündfunke, meine ich, war dann aber Vietnam. Die radikalsten Studenten, Leute wie Dutschke, wollten ein anderes Deutschland, das hieß aber sie wollten Deutsche, die nicht zur Anti-Vietnam-Koalition gehört hätten. So sehe ich das und so habe ich es in Westberlin erlebt, wo die Farbeier gegen das Amerikahaus geworfen wurden und es daraufhin eine pro-USamerikanische Arbeiterdemonstration, eine Demo der Arbeiter gegen die Studenten gab.

Sinnbildlich für den Zusammenhang eine andere Demo, auf dem Ernst-Reuter-Platz: In der Mitte des Platzes sprach Dutschke, am Rand war ein riesiger Baukran, ganz oben hatten Studenten eine Rote Fahne angebracht. Worum es bei der noch relativ kleinen Kundgebung ging, weiß ich nicht mehr, was Dutschke angeht, ist aber jedenfalls klar, daß er vor allem global dachte und ihm Vietnam besonders unter den Nägeln brannte. Während er sprach, kletterte ein Arbeiter außen am Kran hoch, eine extrem gefährliche Aktion, und entfernte die Fahne. Ich glaube nicht, daß sie auf dieselbe Weise angebracht worden war. Der Arbeiter war auch ohne jegliche Begleitung gekommen. Wir schauten atemlos zu und Dutschke sagte dann, um die Situation zu entschärfen, dieser Arbeiter werde der erste sein, der die Rote Fahne für die Revolution tragen werde.

RE: Die Lehre der Knüppel | 04.04.2018 | 18:58

Danke, und auch Ihnen einen herzlichen Gruß!

RE: Die Lehre der Knüppel | 04.04.2018 | 18:38

Lieber CE, die Frage der Karrieren habe ich ja im Artikel zu beantworten versucht. Ich denke, die Erklärung liegt schlicht darin, daß der Mensch nicht dazu geboren ist, „Revolutionär“ zu sein. Trotzki, finde ich, hat das gut erklärt im Vorwort seiner ‚Geschichte der Russischen Revolution‘: „Die Gesellschäft ändert nämlich ihre Einrichtungen nicht nach Maßgabe des Bedarfs, wie ein Handwerker seine Instrumente erneuert. Im Gegenteil, sie nimmt die über ihr hängenden Institutionen praktisch als etwas ein für allemal Gegebenes. [...] Schnelle Veränderungen von Ansichten und Stimmungen der Massen in der revolutionären Epoche ergeben sich folglich nicht aus der Elastizität und Beweglichkeit der menschlichen Psyche, sondern im Gegenteil aus deren tiefem Konservativismus. Das chronische Zurückbleiben der Ideen und Beziehungen hinter den neuen objektiven Bedingungen, bis zu dem Moment, wo die letzteren in Form einer Katastrophe über die Menschen hereinbrechen, erzeugt eben in der Revolutionsperiode die sprunghafte Bewegung der Ideen und Leidenschaften, die den Polizeiköpfen als einfache Folge der Tätigkeit von ‚Demagogen‘ erscheint.“ Die „Katastrophe“ war für uns der Vietnamkrieg. Nicht für die Arbeiter, wohl aber für uns Studenten.

Man sollte also, meine ich, nicht fragen, warum die meisten 68er staatstreue Karrieristen wurden, sondern umgekehrt, warum sie nicht schon 1968 selbst begonnen hatten, es zu sein. Die Antwort darauf ist, daß es objektive Umstände gab, eine „revolutionäre Situation“, die uns anzog und formte, solange sie anhielt; solange die Niederlagen nicht zu stark wurden für das, was die meisten noch ertragen konnten. Im Grunde sind viele ja noch sehr lange dabei geblieben, ich würde sagen bis ans Ende der 1980er Jahre. Daß der Karrierismus schon in den K-Gruppen anfing, glaube ich nicht. Ich selbst war damals in der SEW und habe es da nicht so erlebt. Aber ich weiß ja, Du bist ein Parteifeind... Du hast vermutlich keiner K-Gruppe angehört, oder irre ich mich?

Auch die Frage des bewaffneten Kampfes in peripheren Ländern würde ich für die damalige Zeit nicht so eindeutlich beantworten wie Du. Über Fidel Castros bewaffnete Machtergreifung in Kuba bin ich auch heute noch nicht traurig. Ich denke, das Recht eines Kampfes, ob bewaffnet oder nicht, hängt von dessen Legitimität ab. Oder, noch einmal, damals jedenfalls war das so.

Daß die Gewalt mit dem strikten zivilen Ungehorsam beginnt, sehe ich auch so, habe ich ja geschrieben. Eine künftige „Revolution“ müßte deshalb einen Weg finden, die immer naheliegende Entwicklung vom Ungehorsam zur Bewaffnung auszuhebeln. In Deutschland hätte es nie dazu kommen dürfen. Die „Schlacht am Tegeler Weg“ war im Grunde schon das Ende unserer 68er Revolte.

RE: Auf der Straße zum Krieg | 02.04.2018 | 22:23

"Wohl aber verurteile ich..." Mehr habe auch ich natürlich nicht gemeint. Es steht ja im Artikel: Regime-change durch Krieg, durch Bewaffnung, durch Destabilisierung von außen. Was Putin angeht, steht es in meinem Kommentar, auf den Sie sich beziehen: Gegen "vollidiotische Anklagen" muß man ihn verteidigen. Anklage und Verteidigung, so heißt das vor Gericht in einem Rechtsstaat.

RE: Auf der Straße zum Krieg | 01.04.2018 | 23:31

Sie können das auch von einem linken Journalisten lesen, hier in den nachdenkseiten.

RE: Auf der Straße zum Krieg | 01.04.2018 | 23:30

Liebe mymind, Sie finden, Sie seien anderer Ansicht als ich, und ich finde das nicht – eine Situation, die wir schon häufiger hatten.

Sicher sind die Europäer nicht freizusprechen. Klar wäre es besser gewesen, sie hätten sich von ihrem Hegemon emanzipiert... Und haben sie lieber gute Geschäfte gemacht... Und die Eskalationsspirale gegen Rußland erwähne ich sehr wohl. Ich habe geschrieben, Rußland werde heute so beschuldigt wie Serbien 1914. Krasser kann man es ja wohl kaum ausdrücken.

Und es hängt nicht an Trump oder Obama, wobei ich übrigens das Schlimmste, die Destabilisierung, beiden vorgeworfen habe. Aber die Analyse von Wallerstein, die sich nicht an irgendwelche Figuren bindet, erscheint mir richtig. Wir leben im Kapitalismus und da spielt der Kampf zwischen den absteigenden USA und dem aufsteigenden China die Hauptrolle. Das ist die Struktur in allem. Dieser Schluß wird nahegelegt durch ein halbes Jahrtausend kapitalistische Geschichte.

RE: Auf der Straße zum Krieg | 01.04.2018 | 22:01

Ich bin nicht nachsichtig. Ich denke genau wie Sie: "Ob er zum Dialog bereit ist, muß sich erst noch erweisen." Nicht weniger und nicht mehr. Man soll die winzige, wenig wahrscheinliche Möglichkeit nicht auch noch negieren. Ansonsten haben Sie ja recht: "Er ist ein Mann des Weiter-so." Wie diese ganze SPD-Riege, die sich nicht geschämt hat, erneut in die CDU/CSU-Regierung einzusteigen.