Der Motor muss brummen

Klima Nicht nur Obamas Amerika, auch Europa dreht sich umweltpolitisch im Kreis

Präsident Obama dreht sich umweltpolitisch im Kreis. Auf die Ölpest ­reagierte der US-Präsident mit der Bitte, die Parteien sollten Vorschläge machen, wie man dergleichen in Zukunft verhindern kann, statt selbst welche zu unterbreiten; er muss mit Gerichten kämpfen, um auch nur ein Bohrmoratorium aufrechtzuerhalten. Jetzt ist sein Versuch, eine Emissionsobergrenze für Treibhausgase gesetzlich festzuschreiben, vorerst gescheitert. Beim Klimagipfel in Kopenhagen hatte er angekündigt, die USA würden den Ausstoß bis 2020 um 17 Prozent unter das Niveau von 2005 ­drücken. Darin folgt ihm aber der Senat nicht. Auch Senatoren seiner eigenen Partei sind dagegen, wenn sie Staaten vertreten, in denen Kohleförderung wichtig ist. Die Republikaner lehnen bindende Obergrenzen ohnehin ab. Arbeit an einem harmloseren Gesetzentwurf wurde in Aussicht gestellt, ein Zeitrahmen jedoch nicht genannt.

Wenn Europa solche Obergrenzen festschreibt, ist man auch nicht zufrieden, weil die Erfahrung lehrt, dass sie trotzdem überschritten werden. Die Wirtschaft soll ja gleichzeitig wachsen, „der Motor muss brummen“, wie Ex-SPD-Chef Franz Müntefering einst sagte, und wo gehobelt wird, da fallen eben Späne. Und wenn die deutsche Wirtschaft verspricht, die unvermeidlichen Emissionen in der Erde zu vergraben, weil sie dort so sicher wie in einem Container aus Stahl verwahrt werdenkönnten, kommt auch keine rechte Freude auf. Sicherlich wird man wieder lesen können, Europa stünde ökologisch besser da als die USA. Aber an die Wurzel des Problems rührt es ebenso wenig. Auch Europa dreht sich umweltpolitisch im Kreis.

Man kann sich fragen, wie lange das Publikum dem noch zuschauen wird. In den siebziger Jahren hatte ein Hamburger Magazin einen großen Moment, als es auf vielen Seiten erklärte, weshalb man nicht so naiv wie die Ökologen sein dürfe. Während diese nämlich Ökologie gegen Ökonomie ausspielten, sei doch ganz klar, dass man beides brauche.

Auf diesem Stand sind wir bis heute. Die Debatte darüber, wie Ökonomie beschaffen sein müsste, damit sie sich mit den ökologischen Erfordernissen verträgt, steht immer noch aus.


Nur für kurze Zeit!

12 Monate lesen, nur 9 bezahlen

Geschrieben von

Michael Jäger

Redakteur „Politik“ (Freier Mitarbeiter)

Michael Jäger studierte Politikwissenschaft und Germanistik. Er war wissenschaftlicher Tutor im Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin, wo er bei Klaus Holzkamp promovierte. In den 1980er Jahren hatte er Lehraufträge u.a. für poststrukturalistische Philosophie an der Universität Innsbruck inne. Freier Mitarbeiter und Redaktionsmitglied beim Freitag ist er seit dessen Gründung 1990. 1992 wurde er erster Redaktionsleiter der Wochenzeitung und von 2001 bis 2004 Betreuer, Mitherausgeber und Lektor der Edition Freitag. Er beschäftigt sich mit Politik, Ökonomie, Ökologie, schreibt aber auch gern über Musik.

Michael Jäger

Freitag-Abo mit dem neuen Roman von Jakob Augstein Jetzt Ihr handsigniertes Exemplar sichern

Print

Erhalten Sie die Printausgabe zum rabattierten Preis inkl. dem Roman „Die Farbe des Feuers“.

Zur Print-Aktion

Digital

Lesen Sie den digitalen Freitag zum Vorteilspreis und entdecken Sie „Die Farbe des Feuers“.

Zur Digital-Aktion

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Jetzt kostenlos testen

Was ist Ihre Meinung?
Diskutieren Sie mit.

Kommentare einblenden