Die erste Reaktion der etablierten Parteien auf den Parteitag der AfD war hektisch, und das nicht ohne Grund. Gerade von Spitzenpolitikern der CDU waren deutliche Worte zu vernehmen. Die AfD trete unsere Werte mit Füßen, sagte etwa Generalsekretär Peter Tauber. Sie ist ja so etwas wie die Abspaltung des rechten Rands der Unionsparteien, was diese auch dann beunruhigen müsste, wäre ein harmloseres Programm beschlossen worden. War es doch immer Unionsvernunft gewesen, dass rechts von ihr nur noch die Wand sein solle. Aber nun hat sich gezeigt, dass die AfD-Delegierten nur mit Mühe von einem noch deutlicher rechtsradikalen Programm zurückgehalten werden konnten. Wie soll die neue Partei bekämpft werden? Was würde es nützen, ihr Programm zu zerpflücken, wenn sich hinter ihm eine noch dunklere Gesinnung versteckt?
Am Mittwoch nach dem Parteitag meldete die Bild-Zeitung, die Kanzlerin wolle die Union wieder mehr nach rechts lenken. Das war aus vielen Gründen unwahrscheinlich und wurde sofort dementiert. Aber etwas veränderte sich von da an tatsächlich: Viele Politiker riefen nun dazu auf, sich mit der AfD inhaltlich auseinanderzusetzen. Der Sozialdemokrat und Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz verlangte, dass Rechtspopulisten nicht gleich als Nazis qualifiziert werden sollten. Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag, ging noch weiter, indem er einem zentralen Satz des AfD-Programms zustimmte: Der Islam gehöre nicht zu Deutschland. Kauder hatte den Satz schon früher vertreten, wie übrigens auch Bundespräsident Joachim Gauck. Aber stellt man sich so die Auseinandersetzung vor?
Ganz falsch wäre es nicht. Man kann keinem ein Gespräch aufzwingen, den man in allem verteufelt. Eine Debatte funktioniert nur, wenn man unterscheidet: Wo greift die AfD Positionen auf, die auch andere vertreten, wo beginnt das Inakzeptable und wo wird beides vermengt? Es ist allerdings sehr zweifelhaft, ob die anderen Parteien zur Debatte wirklich bereit sind. Der Zentralrat der Muslime wäre es, auf sein Gesprächsangebot reagierte die AfD nicht. Kämen von der Union und der SPD solche Angebote, könnte sie sich nicht wehren. Das müssten aber Auseinandersetzungen vor laufender Kamera sein, organisiert wie das Hearing über Stuttgart 21 vor ein paar Jahren oder wie die TV-Duelle von Parteiführern vor einer Bundestagswahl.
Christlich oder nicht?
Es wäre eine bemerkenswerte Veränderung der politischen Kultur, die aber nur den Charakter einer Erweiterung und Zuspitzung hätte, denn mit Recht gilt die deutsche Gesellschaft als besonders konsensuell; man kann sich tatsächlich vorstellen, dass ein schwerer politischer Konflikt, wie wir ihn gegenwärtig erleben, auf der Gesprächsebene wenn nicht entschärft, dann doch in rationale Bahnen gezwungen werden kann. Die Debatte könnte zwar nur das AfD-Programm zum Gegenstand haben. Wenn man vorausschickte, das Diskussionsangebot sei nicht ernst gemeint, würde es verweigert werden. Findet die Debatte dann aber statt, können die AfD-Politiker nicht mehr anders, als sich zu bekennen, auch ihrer eigenen Parteibasis gegenüber.
Das Problem ist nur, dass die etablierten Parteien sich dann auch selbst bekennen müssten. Sie alle sind in Entwicklungsprozesse verstrickt, die sie nicht gern eingestehen. Was soll die Union darauf antworten, dass die AfD sich auf die „religiöse Überlieferung des Christentums“ und auf die Erneuerung der „antiken Wurzeln“ des Humanismus „in Renaissance und Aufklärung“ beruft? Wenn das wirklich eine christlich-demokratische und -soziale Union wäre, dürfte es nicht schwerfallen. Sie würde an den Multikulturalismus der zuletzt christlichen Antike erinnern und daran, dass zum Beispiel der heilige Mauritius von dem Renaissancemaler Matthias Grünewald als schwarzhäutig dargestellt wird. Oder dass Augustinus, der Kirchenvater des Westens, eine Berberin zur Mutter hatte.
Schon darin hätte sie Mühe, denn sie hat zwar große Fortschritte bei der Adaption des Multikulturalismus gemacht, ihn aber kaum wirklich verdaut. Das eigentliche Problem liegt aber darin, dass sie endlich einmal bekennen müsste, ob sie sich überhaupt als christliche Partei versteht oder im Zweifel lieber doch nicht.
Wie Politologen längst herausgearbeitet haben, gab es unter europäischen Parteien, die sich christlich nannten, die einen, die auch christlich waren, und andere, die nur konservativ waren und das christliche Panier bloß zum Zeichen einer diffusen Traditionstreue vor sich hertrugen. Dass die Union zur zweiten Sorte gehörte, war immer eindeutig. Dies Diffuse und im Grunde Verlogene ist es genau, was die AfD nicht missen möchte. Um sich dagegen zu wenden, müsste sich die Union am Papst orientieren, der zeigt das Maß an. An dem, was Franziskus zum Flüchtlingsdrama sagt, ist abzulesen, dass selbst Angela Merkels Flüchtlingspolitik nicht christlich genannt werden kann. Darin wird ihr ganzes Dilemma deutlich. Unter ihrer Führung hat die CDU, die nie christlicher war als andere Parteien, auch noch aufgehört, konservativ zu sein. Das war der Preis, den sie zahlen musste, um die SPD dauerhaft zu schwächen. Die CDU sieht inzwischen selber sozialdemokratisch aus und kann die ständige Kanzlerpartei sein. Würde sie wieder konservativ werden, käme die SPD wieder hoch. Es gibt aber noch konservative Wähler, die nun heimatlos werden: Ihrer nimmt sich die AfD an. Selbst denen könnte Merkel etwas bieten, würde sie die Konfusion von Konservatismus und Christentum bewusst machen und angreifen. Aber so christlich ist sie eben selbst nicht. Aus dem unbarmherzigen Neoliberalismus ihrer Partei, der sich etwa im Umgang mit Griechenland zeigte, findet sie nicht heraus, gehört sie doch zu denen, die ihn in die Wege geleitet haben.
Da kann man nicht auf eine besondere Nähe der Union zu den Kirchen setzen, sondern nur auf die Kirchen selbst, die sich in letzter Zeit nach links gewendet haben. Wenn die AfD sich auf das Christentum beruft, kann sie Debattenangebote der Muslime, nicht aber der Kirchen ablehnen. Die Kirchen müssten sie erinnern, dass mehrere Päpste in Moscheen gebetet haben. Den albernen Satz des AfD-Programms, dass ein Muezzinruf ein „islamisches Herrschaftssymbol“ sei, weil er besage, dass es „außer dem islamischen Allah keinen Gott gibt“, würden sie zurückweisen. Nicht nur, weil dann auch das Glockengeläut ein Herrschaftssymbol wäre. Sondern auch, weil Allah kein „islamischer“, sondern der abrahamitische Gott ist, den auch die Christen anbeten und für den einzigen halten.
Über den Schatten springen
Ein solches Engagement der Kirchen würde die Schwierigkeiten der Union noch vergrößern. Obwohl sie nicht christlich ist, hat sie starke christliche Wählergruppen. Es liefe darauf hinaus, sie der Linie des Papstes auszuliefern, nicht nur in den Fragen der Flüchtlinge und der religiösen Toleranz, sondern letztlich auch bei der Kapitalismuskritik.
Andere Parteien und Strömungen müssten ebenfalls Federn lassen bei einer ernsthaften Debatte mit der AfD. Kann es sich die SPD erlauben, die antisoziale Politik Gerhard Schröders, ihres letzten Kanzlers, aufrechtzuerhalten, wenn nun die neue Partei unter Arbeitern und Arbeitslosen wildert? Das tut sie gar nicht so sehr durch ihr Programm, das sich eher an bürgerliche Kreise richtet, dafür aber durch Hoffnungen, die sie unausgesprochen weckt: Wenn es keine Einwanderung gäbe, ginge es den schlecht gestellten Deutschen besser. Die SPD könnte das aufdecken, wenn sie – im Unterschied zur AfD – ein soziales Reformprogramm hätte. Aber sie hat keines.
Auch die Linkspartei hat Schwierigkeiten mit der Arbeiterklasse, aber andere. Ihre Politiker werden nicht damit fertig, dass diese Klasse, auf die sie sich immer noch gern beruft, in Teilen nach rechts abdriften kann. Wenn sie den besonderen Bezug aufrechterhalten will, muss er sich zurzeit in der kritischen Debatte mit diesen Teilen äußern. Hat die Linkspartei dazu den Mut? Und was soll sie erst zu manchen ihrer Anhänger sagen, die der Behauptung des AfD-Programms, die deutsche politische Klasse habe vor allem das eigene „materielle Wohlergehen“ im Auge, womöglich zustimmen würden? Sie müsste über ihren Schatten springen, um Angela Merkel und andere vor dieser antidemokratischen Schmähung in Schutz zu nehmen.
Am besten stünden noch die Grünen da. Sie bräuchten sich nicht zu verbiegen, um auf Gender Mainstreaming zu beharren und darauf, dass der Treibhauseffekt menschengemacht ist, was die AfD bestreitet. Allerdings hätten sie es schwer, den nicht ganz weltfremden Angriff der AfD gegen das System des Euro abzuwehren.
Die offene Auseinandersetzung mit der AfD zu postulieren, war auf jeden Fall richtig. Aber nur wenn alle bereit sind, etwas dazuzulernen, kann es zu ihr auch kommen. Das wäre wünschenswert und ist leider sehr unwahrscheinlich.

Kommentare 87
"Ihr müsst Farbe bekennen"
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welche denn ausser der, die sie bislang repräsentiert?
Wo doch die AfD sich lediglich als Reflex auf Ergebnisse verfehlt empfundener Politik empfindet.
Sie, die AfD, ist eben nicht "das Volk": diese schwere Übung wird ihr ähnlich bevorstehen, wie ihren Freunden in der Wolfschanze damals bereits.
Beruft sich die LINKE tatsächlich, wie geschrieben, auf die Arbeiterklasse? Ich bin da nicht mehr so dicht dran, kann mich aber an nichts in dieser Richtung erinnern, was mich erreichte.
Die These von der Sozialdemokratisierung der CDU wurde nun schon so wahnsinnig oft wiederholt, dass sie unmöglich falsch sein kann. Oder? Die neoliberale Umgestaltung der Republik, die die rot-grünen Agenda-Sadisten einleiteten, wurde nahtlos fortgeführt. Der Terror der Arbeitsverwaltung wird, von der nicht betroffenen Öffentlichkeit kaum bemerkt, ständig verschärft. Was konkret belegt die These? Die Kosmetik der Rente mit 63, die nur für einen kleinen zeitlichen Korridor für eine sehr begrenzte Zahl von Menschen gilt? Derweilen wird schon an weiteren Einschnitte gearbeitet. Der lachhafte Mindestlohn?
Sollte nicht wenigstens im Freitag dieser Unfug sehr kritisch hinterfragt werden?
Wird man konkret und schaut sich zum Beispiel die Regelungen zur Befristung von Arbeitsverträgen, zur Rente, in der Arbeitsverwaltung, zur Besteuerung hoher Einkommen oder im sozialen Wohnungsbau an, die vor Merkel und Schröder galten, kommt man nicht umhin, Kohl für einen großen Sozialdemokraten zu halten, fast schon für einen Linksradikalen.
Es gibt diesen Linksruck der CDU nicht, hat ihn nie gegeben. Es gibt den neoliberalen Amoklauf der Eliten, der vielleicht von anderen Phrasen begleitet wird. Wobei ich selbst das, also tatsächlich linkes Geschwätz, nicht sehe. Wenn Merkel von “Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, klingt das doch, als ob die das Wort Gottes verkündet.
Der Weg vieler Menschen zu den rechten Rattenfängern, die genau so neoliberale Irre sind, ist ein vollkommen wahnsinniger Reflex. Aber eben ein Reflex auf eine tatsächliche gesellschaftliche Entwicklung, die als “links“ beschrieben und begriffen wird. Auch wenn daran so gar nichts dran ist. Er ist nicht durch eine falsche Choreografie in Talkshows, zu wenig Zensur gegen Petry und AfD oder sonst was für ausgedachtes Zeug zu erklären.
Die Christen, die von jeher die Unionsparteien wählen, sehen den Papst und die Amtskirche nur solange als Richtschnur, wie diese ihre eigenen Vorstellungen teilen.
Die Katholiken (davon kenne ich viele, über die Haltung der Protestanten kann ich nichts sagen) schütteln über ihre Hirten regelmäßig die Köpfe, wenn sie ihnen Multikulti und Solidarität mit Schwächeren verordnen wollen. Die Union weiß das natürlich und ist sich darin einig, dass mit einer "christlicheren" Politik kein Blumentopf zu gewinnen ist.
Selbstverständlich fällt es den Parteien schwer, sich mit der AfD auseinander zu setzen, besonders der CDU/CSU. Schließlich ist das die gleiche oder ähnliche Wählerschaft und sind das gleiche oder ähnliche politische Positionen, die nur nicht so direkt ausgesprochen werden, wie beim Stammtischniveau der AfD.
Die Analyse der derzeitigen Politdarsteller resp. "Parteiengemenge" ist gut gelungen. Vor allem werden die Schwachpunkte der etablierten deutlich.
ttip ist z.B. genau das an Demokratie, nämlich eine marktkonforme (Merkel), heißt als Feigenblatt für die neoliberale Politik, was diese politische und wirtschaftliche Oligarchie will. Wegfall aller Grenzen für den Wildwestkapitalismus, mit dem Motto nur der hat nrecht, der auch Geld hat. Über Schiedsgerichte könnten dann Staaten von den Multis ungeniert ausgeplündert werden.
Das wollen merkel, dickunddoof und die anderen Kauderwelsche. Dabei haben sie nur Order auszuführen; Glaubt man Seehofer der auch schon mal gesagt hat: WER GEWÄHLT IST HAT NICHTS ZU SAGEN UND WER WAS ZU SAGEN HAT; IST NICHT GEWÄHLT!
"Das Problem ist nur, dass die etablierten Parteien sich dann auch selbst bekennen müssten. Sie alle sind in Entwicklungsprozesse verstrickt, die sie nicht gern eingestehen."
Sag ich doch:
"Aber die "Landschaft", d.h. die etablierten Parteien, die Medien, die etablierte Öffentlichkeit, die seit Jahren in der politischen oder öffentlichen Verantwortung stehen, rechnen oder reden oder retuschieren sich selbst konsequent aus dem Bild heraus. Das sind die Umstände, über die wir alle reden reden müssten, wenn wir über die AfD reden."
Die Entwicklungsprozesse , in die etablierte Parteien "verstrickt" sind umfassen nicht nur deren eigene Entwicklung. Worum es geht ist, dass das was man immer noch mit Fug und Recht als Establishment bezeichnen kann, auch wenn es sich weltoffen und aufgeklärt gibt sich nicht nur erkennt, indem es die eigenen Entwicklungsprozesse anerkennt, sondern dass endlich auch einmal klar erkannt wird, dass solche Phänomene, wie die AfD, der Rechtsruck in Europa und die Remilitarisrierung der ganzen Welt ein Ergebnis der Politik sind, die sie selber seit Jahrzehnten betreiben. Und dass dieses Establishment sich auch endlich mal zu der Verantwortung für die aktuellen Auswüchse dieser Politik bekennt. Die etablierten Parteien sind in der Form in den Status Quo der gesellschaflichen Realtäten verstrickt, dass sie sich selber als Teil diese Problems erkennen müssen. So wie die SPD ganz richtig die antisoziale Politik Schröders in ihrer historischen Bedeutung für den Jetzt Zustand enerkennen und endlich ad Acta legen müsste.
Aber dazu, und da bin ich einer Meinung mit dem Autor des Artikels, werden "die" nicht bereit sein. Weil es viel einfacher ist, den Teufel auch weiterhin an der Stelle austreiben zu wollen, an der man selber von den Konsequenzen nicht wirklich betroffen ist.
"Warum es den Parteien so schwerfällt, sich mit den Rechtspopulisten [und Kapital-Faschisten] inhaltlich stärker auseinanderzusetzen"
Beiden ist die bestehende ökonomische und ideologische Gesellschaftsformation heilig!
Die bürgerlich-ideologischen Gemeinsamkeiten -insbesondere bezüglich der kapitalistischen Ordnung- sind doch letztlich recht groß. Gemeinsam ist ihnen der Schutz der kapitalistischen und imperialistischen Gesellschaftsordnung, der ökonomischen Macht und gesellschaftspolitischen Herrschaft der Bourgeoisie, insbesondere der imperialistischen Finanz- und Monopolbourgeoisie. Eine Differenz gibt es allenfalls im Einsatz der Gewaltmittel hierfür. Aber im grenzwertigen Konflikt treten die bürgerlichen Parteien zurück, und sie überlassen den Kapitalfaschisten das politische und gewaltsame Schlachtfeld.
Siehe doch hier auch nur die bürgerliche Sozialdemokratie 1933. Sie sorgten für die freiwillige Entwaffnung ihrer Mitgliedschaft und Gewerkschaften. Sie sahen in den bürgerlichen Humanisten, Kommunisten, Sozialisten und Antikapitalisten ihren Hauptgegner, so wie auch die Faschisten es sahen.
Info.-Empfehlung:
Der Verrat 1918/1919 - als Deutschland wurde, wie es ist
von Sebastian Haffner
>>Schließlich ist das die gleiche oder ähnliche Wählerschaft und sind das gleiche oder ähnliche politische Positionen, die nur nicht so direkt ausgesprochen werden, wie beim Stammtischniveau der AfD.<<
So isses. Die „A“fD ist nicht inhaltlicher Gegner, sondern wirtschaftspolitischer Konkurrent von CDU/CSU/SPD/Grün/FDP. Bei den C-Parteien zeichnet sich ab, dass nachdem die Dämonisierung des Konkurrenten und Wählerrückgewinnung nicht geklappt hat, Plan B erwogen wird: Eine Koalition CDU/CSU/FDP/“A“fD, oder CDU/CSU/Grün/“A“fD. Die Grünen machen natürlich mit, wenn sie wieder den Futtertrog der Privatprofitlobby wittern.
Und die SPD? Ja, wenn sie ab Herbst 2017 nicht mehr mitregiert, dann hat die SPD wieder mal ein paar hübsche Worte für die nichtbesitzende Klasse.
Gabriel will mit der parteiinternen Debatte um den Kanzlerkandidaten selbst nicht und die anderen, Scholz und Nahles, haben auch keine Lust aufs Verlieren,
Lieber Herr Jäger,
um sich wirksam mit der AfD auseinander zu setzen, genügt es m.E. nicht, wenn die so genannten etablierten Parteien lediglich kritisieren, was vom AfD-Programm oder von den öffentlichen Äußerungen der AfD-Politiker sie für falsch, rassistisch, islamophob, nicht grundgesetzkonform, neoliberal oder sonstwie ihren jeweils eigenen Grundsätzen nicht entsprechend halten. Vielmehr müssten sie endlich ihre eigenen Vorstellungen davon entwickeln und, ja auch popularisieren, wie dieses Land oder meinetwegen auch Europa wenigstens mittelfristig aussehen soll und ihre Positionen auch dauerhaft durchhalten, anstatt, wie in den vergangenen 8 bis 10 Jahren das „Fahren auf Sicht“ einschließlich anlassbezogener taktischer Winkelzüge zum faktisch parteiübergreifenden Politikmodus zu machen. Außer bei den Grünen sehe ich nirgends irgendwelche diesbezüglichen Ansätze, und auch die sind, da wo sie mitregieren, nicht mehr frei vom Agieren im allgemeinen Krisenreaktionsmodus.
Es ist doch kein Wunder, dass das Fehlen offener innerparteilicher wie parteiübergreifender Auseinandersetzungen über grundsätzliche gesellschaftspolitische Fragen oder auch nur über tagespolitische Entscheidungen bei manchen den Eindruck erweckt, als sei hier ein Parteienkartell am Werk, dem man es mit der AfD nun aber mal richtig zeigen könne.
Sowohl die AfD selbst als auch ihre Wähler, und das trifft wohl auf alle rechtspopulistischen Parteien in Europa zu, bestreiten die Legitimität politischer Entscheidungen der legalen Exekutive und auch der Legislative, weil sie angeblich nicht im Namen des Souveräns getroffen werden. Das mag demokratietheoretischer Quark sein, aber, wenn sich der Eindruck festsetzt, dass die Souveränität in Deutschland und Europa längst zum Elitenprojekt geworden ist, dann fliegt uns der Laden absehbar um die Ohren.
MfG
So weit ich im Rundfunk gehört habe, erklären CDUler, die derzeitige Koalition nach der Bundestagswahl nicht fortsetzen zu wollen. Und SPDler beklagen zeitgleich die weiter aufklaffende Schere zwischen arm und reich. Und beweinen bitterlich, dass sie im Koalitionsvertrag nicht auf mehr "Steuergerechtigkeit" pochten...
Das geht jetzt wieder nach dem Prinzipe: " Ist ja egal, wir regieren eh nicht mehr mit"...
!
Mein Verdacht ist ja eher, dass die etablierten Parteien deshalb so große Probleme mit der Abgrenzung habe, weil die AfD sie ziemlich genau in der Machart kopiert. Populäre Forderungen und Botschaften, gepaart mit leeren Versprechungen, ein wenig von allem etwas und der gefühlten Sicherheit in absehbarer Zeit keine Regierungsverantwortung übernehmen zu müssen und also Fundamentalopposition machen zu können, das bringt sie in eine komfortable Situation. Dass Wahlversprechen in aller Regel nicht gehalten werden und dass man als heillos naiv gilt, wenn man eine Partei nach der Wahl an ihrer Versprechen vor der Wahl erinnert, gehört doch längst schon zum guten, schlechten Ton. Was machen die denn groß anders? >90% der Menschen werden auch deren Parteiprogramm nicht lesen so bleibt es bei viel Trara.
Und die Frage, ob es den Klimawandel gibt, bzw. ob und zu welchem Anteil der menschengemacht ist, wird nie im Leben wahlentscheidend. Wir diskutieren ja auch nicht, ob Maria tatsächlich jungfräulich empfangen hat.
Aber, so traurig ich es finde, ebenso nüchtern muss ich feststellen, dass sich in der Öffentlichkeit, in den Medien in der Tat etwas bewegt hat und ich nehme an, dass es wegen des Drucks ist, den diese Bewegung aufbaut. Auf das Gesprächsangebot des Zentralrats der Muslime haben sie meines Wissens entsprechend reagiert und es angenommen und das ist ja auch schon mal ein Zeichen, dass der Zentralrat der Muslime eine Partei zum Dialog bittet und nicht umgekehrt.
Die bisherigen Parteien haben zu den Fragen, die die AfD gerade moderat stark macht keine erkennbare Haltung. Je nach dem, wen man fragt und ob es sich um gerade oder ungerade Tage handelt hört man was anderes. Das überzeugt nicht (und schließt an meinen Vorredner an).
Eben, und darum will auch keiner den Kopf für eine Niederlage hinhalten. Da war Willy Brand ein anderes Kaliber, der hatte noch eine soziale Überzeugung und konnte durchhalten.
>>Populäre Forderungen und Botschaften, gepaart mit leeren Versprechungen...<<
Na ja: Abschaffung des gesetzlichen Mindestlohnes, Einführung des "Kirchhofschen Steuermodells", endgültige Abschaffung der Erbschaftssteuer, allgemein das Prinzip: "Armer Staat, weiter wachsender Privatreichtum": das sind schon keine leeren Versprechungen.
Wer die "A"fD nicht genauso fürchtet wie CDUCSUSPDFDPGrün, der/die weiss genau warum. Ein paar Deppen fangen sie auch, aber tun die Anderen ja ebenfalls, bis jetzt sogar in grösseren Mengen...
Wenn ich nicht in die Gefahr kommen Regierungsverantwortung zu übernehmen, kann ich auch Freibier und gutes Wetter für alle fordern.
Spannend wird es ja erst, wenn man dann mal konkreter erläutern muss, wie man denn gedenkt, dies oder jenes zu tun. Dass Mandy aus dem ostdeutschen Frisörsalon dann auch weiter ihre 3 Euro Stundenlohn kriegt, wird sie sicher freuen.
>>Da war Willy Brand ein anderes Kaliber,...<<
Tja. Ich kann mich noch gut erinnern, damals war ich ja SPD-Mitglied:
Als wir (Juso) gegen die Bettelbriefe an Konzerne und "Wirtschaftsverbände" protestierten, wg. zu grosser Abhängigkeit der SPD von Kapitalinteressen: Da kommentierte Willy the Kid das folgendermassen, ich zitiere wörtlich: "---".
Aber dann die Berufsverbote von BaWü auf Bundesebene übernehmen: Ja, das war noch Politik von echtem Schrot & Korn...
>>Wenn ich nicht in die Gefahr kommen Regierungsverantwortung zu übernehmen, kann ich auch Freibier und gutes Wetter für alle fordern.<<
Das zeigt sich ja jetzt bei der SPD, da die "GroKo" nach der Wahl 2017 wohl nicht fortgesetzt wird. Und die "A"fD wird dann der neue Koalitionspartner, das ist ja fast unvermeidlich.
>>Dass Mandy aus dem ostdeutschen Frisörsalon dann auch weiter ihre 3 Euro Stundenlohn kriegt, wird sie sicher freuen.<<
Wenn es zu spät ist, kann man ja mal nachdenken...
Damals gab es noch Lager.Wahlen. Sowas ist heute nicht mehr, es gibt nur noch die Wahl der Kandidat.Innen, die nichtssagende Worthülsen verteilen, die von den Wähler.Innen mit Inhalt gefüllt werden sollen.
Sowas wie ALTERNATIVLOS ist ja schon eine konkrete Aussage und führt zu Kritik.
"Und die "A"fD wird dann der neue Koalitionspartner, das ist ja fast unvermeidlich."
Nie und nimmer. Schau mal, wie lange man sich bei der Linkspartei geziert hat (m.E. allerdings aus gutem Grund).
"Die These von der Sozialdemokratisierung der CDU wurde nun schon so wahnsinnig oft wiederholt, dass sie unmöglich falsch sein kann. Oder? Die neoliberale Umgestaltung der Republik, die die rot-grünen Agenda-Sadisten einleiteten, wurde nahtlos fortgeführt."
Dem schließe ich mich vorbehaltlos an. Die immer wieder behauptete und sich irgendwann "festtretende", natürlich sehr nützliche Legende von der Sozialdemokratisierung der CDU ist nur die semantische Tarnung für die freundliche Begleitung der, ich zitiere nochmal, "neoliberalen Amokläufe".
"A"fD als Koalitionspartner der C-Parteien, das wird immer weniger unwahrscheinlich. Die Koalition mit der SPD wollen sie nicht fortsetzen.
Kann sein, aber das will die AfD ja nun gerade nicht ändern. Die will nur verhindern, dass hier auch noch Moslems sadistisch versklavt werden. ;-)
Schwarz-grün wäre die Alternative und ob die SPD oder CDU dann wirklich auf die Regierung verzichten, wenn es denn doch rechnerisch nicht anders geht, da bin ich ein wenig skeptisch.
Bekundungen, was man garantiert nicht will und dann dennoch macht, gibt es ja in der Politik mehr als genug. Das ist es ja gerade, warum immer weniger den Laden ernst nehmen. Die AfD wird zwar nur die nächste Enttäuschung, aber sie hatten halt noch nicht die Gelegenheit zu enttäuschen.
Im Ungefähren zu verweilen und dabei trotzdem einen gewissen Grad an Tiefe des Arguments zu gewährleisten, darin zeigen Sie, lieber Michael, hier einmal mehr Ihre leserorientierte Meisterschaft. Warum den Leser/in mit Begriffen wie asymmetrische Demobilsierung der gegnerischen Anhänger- und Wählerschaft belasten, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel seit dem Bundestagswahlkampf 2009 Richtung SPD, gar Linkspartei mit verheerenden Folgen für unsere Demokratie und Debattenkultur praktiziert, wenn doch das Äsen auf den Wiesen des Ungefähren pfingstlich gewandete Unterhaltung, inklusive Ausschüttung des Heiligen Geistes, verbürgt.
Dabei ist die AfD genau die Partei zur Unzeit am falschen Ort als Polarisierer mit prvokantem Programm gegen den inneren, sozialen womöglich Rest an äußerem Frieden, wenn sie die Bundeswehr um 18000 Soldaten/innen aufrüsten, die Aussetzung der Wehrpflicht, ohne Aktivierung des Zivildienstes, beenden will, nicht Alternative für Deutschland sondern Atomlobby für Deutschland zum letzten atomar radioaktiv stahlenden Gefecht auf allen gesellschaftlichen Ebenen zivil und gar militärisch sein will, ohne auch nur ansatzweise an eine globale Haftungsgemeinschaft für den industriellen Flopp Atomwirtschaft und dessen Folgen Sellafield in der irischen See 1957, Three Miles Island 1978, Tschernobyl 1986, Fokushima 2011 Gau über Gau für alles, was da an Flora, Fauna wächst, was da atmend kreucht und fleucht anstrebt. Was wir brauchen ist keine polariserende Partei, wie die AfD, die spaltet, sondern eine KPD, Konsens Partei Deutschland, die die Parteien thematisch kampagnestark zusammenführt, wirkliche Herausforderungen Deutschlands und Europas in und mit einer Welt von 60 Millionen Flüchtlingen, von denen 41 Millionen Binnenvertriebene sind, die um Gesundheit.Unversehrteheit, Lebensperspektive, Hab und Gut gebracht. Opfer des Kriegs gegen den Internationalen Terrorismus seit Nine Eleven 2001 sind, den die AfD nicht etwa beenden, sondern fortführen, gar Richtung eines neuen Apartheidssystems für staatenlose Refugees in vorhandenen und neu ausgewiesenen Homelands auf allen Kontinenten erweitern will?
Hallo Herr Jäger,
ich will mal wieder nur auf das eingehen, was ich nicht gut finde.
Keine Ahnung, wie oft ich den Begriff christlich lesen musste. Habe irgendwann aufgehört zu zählen.
Lese: Kirche = gut, Papst = gut, Kirche = links, Kirche = Kapitalismus-kritisch - und muss mir vor'n Kopp hauen, weil ich nicht begreife, dass und wie ein Linker einen solchen Text verfassen kann. Wo sind wir nur gelandet..?
Was ist mit dem US-Evangelismus..? Was ist mit den Teilen Schwarzafrikas, in denen sich der Katholizismus - gesellschaftspolitisch besehen - kaum vom radikalen Islamismus unterscheiden lässt..? Was ist mit der saublöden Tatsache, dass alle dachten, das Erzbistum Köln müsse das reichste Deutschlands sein, bis die Paderborner Zahlen auf dem Tisch lagen..?
Kennt die pol. Linke den Begriff Gesellschaftspolitik überhaupt noch..? Oder will sie, angesichts des religiöser (= autoritärer und intoleranter; Anm. J.B.) werdenden Deutschlands (K. Göring-Eckardt), nur noch von rosinengepickt-christlichem Li-La-Laune-Multikulturalismus reden, bei dem alles gut wird, wenn nur alle mehr in der Bibel läsen und beteten, was das Zeug hält..?
Als Sahnehäubchen der Integration bezeichnete Migrationsforscher Ruud Koopmans bei Anne Will kürzlich interkonfessionelle Ehen. Im Umkehrschluss heißt das, dass Religionen der größte Integrations-Hemmer sind. Und auf das, was ich da im letzten Absatz frage, habe ich noch keine Antwort erhalten.
Ich kann mit dem Multikulti-Begriff der Linken, der mehr ein Nebeneinander als ein Miteinander meint, nichts anfangen. Wie soll eine Gesellschaft so auf Dauer funktionieren..? Das führt doch zu nichts als Spaltung und Konflikten, wie wir überall auf der Welt sehen.
Was mir von linker Seite zunehmend gern als ausgrenzender Rassismus angekreidet wird, ist in Wirklichkeit die Einladung an alle Migranten, nach den geschriebenen wie ungeschriebenen Regeln nach Lust und Laune mitzuspielen. Je mehr, desto besser. Eine solche ungeschriebene Regel ist z.B. die, die sich aus dem Recht auf Religionsfreiheit ableiten lässt. Freiheit zu Religion muss für mein Verständnis auch Freiheit von Religion bedeuten. Und ich will im öffentlichen Raum nicht mit religiösen Symbolen jedweder Art belästigt werden. Weder von Kreuzen um den Hals oder an den Wänden, noch von Fisch-Aufklebern auf Autos noch von Tüchern auf Frauenköpfen. Braucht kein Mensch.
Sondern: mischen, mischen, mischen - bis kleine, blauäugige Moslems und kleine, schwarze Musliminnen mit blondem Kraushaar herauskommen, die, wenn sie erwachsen sind, weder zur Kirche noch zur Moschee rennen, um sich dort erzählen zu lassen, der Gott ihrer Eltern sei der einzig wahre. Auf nichts anderes, als auf diese Entwicklung sollten wir als pol. Linke hinwirken. Das ist das einzige, was mir als Antwort auf die gesellschaftspolitischen Folgen des globalisierten Turbokapitalismus einfällt. Es wäre das Richtige im Falschen.
Wenn junge, in x-ter Generation in D geborene und aufgewachsene Menschen in die Köln-Arena pilgern, um "ihrem Ministerpräsidenten" Erdogan zu huldigen oder aufgebrachte Russlanddeutschen wegen "unserer Lisa" (Lawrow) durch die Straßen ziehen und der Türken-Kurden-Konflikt hier aufbricht, dann ist in der Vergangenheit etwas verfickt falsch gelaufen. Dann haben sich Parallelgesellschaften gebildet, die diesen Staat und seine - trotz Neoliberalismus a la AfD & Co. - irgendwie friedliche Gesellschaft ablehnen.
Jaaaa, aber das ist Politik und hat mit Religion nichts zu tun, wollen mir hier jetzt alle entgegenrufen. Bildung, Bildung, Bildung, höre ich es schon entsetzt von den Dächern pfeifen. Na gut. Und es spricht ja nichts dagegen. Ganz im Gegenteil. Von einer geschriebenen oder ungeschriebenen Regel, die besagt, dass Hauptschulen die native Schulform für SchülerInnen muslimischen Religionshintergrundes sind, weiß ich jedenfalls nichts. Guckt man sich die Zahlen an, meint man aber fast, es gäbe sie. Das ist erschreckend. Da wächst eine - grob, aber förmlich - nach Religion sortierte Unterschicht heran. An einem schlechten Tag würde ich sagen, dass da der Bürgerkrieg vorprogrammiert wird. Aber heute habe ich keinen schlechten Tag.
Gerade jene, denen an gelingender Integration gelegen ist, müssten sich solchen Fakten auch einfach mal stellen und fragen, was die Gründe dafür sein könnten und wie wir aus diesem Duo-Parallel-Kulti herauskommen könnten. Überlässt man das allein den Rechten, dann werden halt Antworten herauskommen, die uns, Ihnen, Herr Jäger, und mir, nicht gefallen.
Ich beobachte es draußen, im richtigen Leben, abseits des Netz-Irrsinns: Die allermeisten Leute haben nichts gegen Andersartigkeit jedweder Sorte. Viele haben aber etwas gegen zur Schau getragene Andersartigkeit, die brüllt: Ich bin nicht wie du! Face it! Als schwuler Mann, der sich über Prinzessinnen (m) wundert, die sich allen Ernstes wundern, warum sie so oft anecken, weiß ich ziemlich genau, wovon ich da rede. Individualismus ist immer nur das eine. Drum spreche ich im Zusammenhang von Alltags-Islamismus. Den kann man pflegen, gar perfektionieren, in einer Gesellschaft, in deren Alltag sich ansonsten imgrunde nichts um Religion dreht. Nur darf man sich halt nicht wundern, wenn man sich im Off wiederfindet.
Das Spiel ist nicht sauber, aber das sind so die Regeln. Noch schmutziger ist nur der Rassismus, der, um im obigen Bild zu bleiben, nicht nur (ein bisschen) Anstoß am Verhalten der Tucke nimmt, sondern am gesamten Dasein. Da reden wir dann nicht mehr über Soziologie, sondern über Menschenhass. Und da wollen wir nicht hin. Drum: Genau! Entreißen wir der AfD endlich wieder die Themen und besprechen sie selbst. Aber nicht so, als seien sie - heute und/oder morgen - mit keinerlei Problem(ch)en behaftet. Der Ponyhof fällt aus. Gesellschaftspolitik ist Arbeit, Arbeit, Arbeit. Also warum packen wir's an, wie eine heiße Kartoffel und reden lieber dem Grundübel das Wort..??
17 mal "christ-" im Text. Ich habe doch mal durchgezählt. Das Thema, an dem sich die halbe Welt entzündet hat, zum Heilmittel erklärt. Puh. Nix für mich. Nicht mehr. Wer sich den Zustand der Welt anguckt und trotzdem noch an den einen Gott glaubt, sollte dringend eine Augenärztin (m/w) konsultieren. Nur meine Meinung. In einem Meinungsmedium.
Liebe Grüße!
Warum es den Parteien so schwerfällt, sich mit den Rechtspopulisten inhaltlich stärker auseinanderzusetzen...
Weil die Rechtspopulisten Fleisch von ihrem Fleisch sind.
Sondern: mischen, mischen, mischen - bis kleine, blauäugige Moslems und kleine, schwarze Musliminnen mit blondem Kraushaar herauskommen...
Das machen die nicht. Das ist das Problem.
»Wenn Merkel von “Wettbewerbsfähigkeit“ spricht, klingt das doch, als ob die das Wort Gottes verkündet.«
Sehr gut! Das ist es auch, bzw. dessen Surrogat für aufgeklärte Fortschrittsgläubige.
»Der Weg vieler Menschen zu den rechten Rattenfängern, die genau so neoliberale Irre sind, ist ein vollkommen wahnsinniger Reflex. Aber eben ein Reflex auf eine tatsächliche gesellschaftliche Entwicklung, die als “links“ beschrieben und begriffen wird. Auch wenn daran so gar nichts dran ist. Er ist nicht durch eine falsche Choreografie in Talkshows, zu wenig Zensur gegen Petry und AfD oder sonst was für ausgedachtes Zeug zu erklären.«
Ein wichtiger Punkt. Vor allem die letzte Bemerkung, weil das genau die aktuelle Abwehrstrategie und Teil der Verdrängung der bürgerlichen Medien ist. Man beschränkt sich weiterhin darauf die Symptome zu diskutieren, die auch nur ein Reflex sind auf das, was die Politik, unterstützt von ihrer Hofberichterstattung seit 30 Jahren selber zu verantworten hätte. das Problem der Brandstifter wird auf die Brandstifter selbst reduziert: Wie Pyromanen in der Streichholzfabrik.Die eigene neoliberale Basis, das Haus, das diese Pyromanen hervorgebracht hat, darf nicht in Frage gestellt werden. Das Bionade Biedermeier hat sie sich ins Haus eingeladen und schimpft über die Brandstifter, so als ob ihnen Hausverbot erteilt werden könnte. Es ist vielleicht sogar in der Lage, zu ahnen, was sich da mittlerweile unterm Dachboden eingenistet hat. Dass es diese Brandstifter zu dem gemacht hat was sie sein können, und dass es ihnen sowohl die Streichhölzer als auch das Benzin frei ins eigene Haus liefert steht nach wie vor nicht zur Debatte.
Gottlieb Biedermanns Rolle
»Frisch selbst äußerte sich zu seinem Protagonisten: „Wenn Sie mich fragen, ich finde diesen Gottlieb keinen Bösewicht, wenn auch als Zeitgenossen gefährlich. Um ein gutes Gewissen zu haben – und das braucht er, um Ruhe zu haben –, belügt er sich halt. […] Gottlieb möchte als guter Mensch erscheinen. Er glaubt sogar, daß er das sei: indem er sich selber nicht auf die Schliche kommt.“[9] Biedermann ist ein durchschnittlicher Bürger, dessen Dilemma es ist, dass er gut sein möchte, ohne dabei irgendetwas zu verändern. Dass er sich daher immerfort selbst belügen müsse, so der „Verfasser“ des Hörspiels, mache ihn gefährlich.«
Vor allem konnte Willy Brandt, der allseits geliebte spezialdemokratische westeuropäische Atlantikführer, die bösen deutschen Kommunisten fürs Kapital in Westeuropa raushalten und unter seinem Vorsitz 1972 die Berufsverbote ["Radikalenerlass"] für bürgerliche Humanisten, Kommunisten und Sozialdemokraten offiziell gesellschaftspolitisch einleiten. Damit waren sie schon mit allen anderen bürgerlichen Parteien und dem übernommenen NS-Beamtenapparat 1956 recht erfolgreich, bei der fortgesetzten und anhaltenden Liquidierung der antifaschistischen KPD [- das schafften selbst die Faschisten vor 1945 nicht].
Diese "einseitige" Wahrheit wird auch weiterhin gerne unterschlagen, wenn es um den geliebten ideologischen Führer der (internationalen) Spezialdemokratie der Bourgeoisie geht.
All das ist die AfD auch. In der Wahrnehmung derer, die keine Parteiprogramme lesen, ist die Afd aber zunächst einmal die Partei, die gegen jene mobilisiert, die uns vermeintlich etwas wegnehmen bzw. wegnehmen wollen. Zu selig Lucke-Zeiten ging es es gegen den Euro, die EU-Bürokratie usf. (Wohlstand), dann gegen Migranten, Flüchtlinge und die Flüchtingspolitik (Lebensraum) und nun gegen den Islam (Kultur). Nichts als politische Glücksritter (mit hauptsächlich privatem Karriereportfolio), reitend auf den jeweiligen Empörungswellen einer absteigenden Mittelschicht und einer, dank Schröder/Hartz, ins Prekäre abgleitenden Arbeiterschaft. Wer sich auf das Agendasetting der AfD einlässt und keine eigenen Lösungen realer Probleme zu bieten hat außer dem Verweis auf´s Grundgesetz, hat schon verloren.
Recht haben Sie damit, dass wer das Afd-Programm liest und sie dann trotzdem noch wählt, nur den Austauch der einen verkommenen Elite gegen eine andere noch verkommenere bewirkt.
Gut gebrüllt Löwe; mein kleiner Kommentar sollte auch keine Seminararbeit über Willy Brandt sein, NUR das völlige Fehlen von Profil bei der heutigen SPD deutlich machen.
Ich selbst war kein Anhänger der SPD und verweise auf das Godesberger Programm, das in Teilen noch heute für die SPD gilt.
Dabei bedarf es eigentlich keiner AfD-Atomlobbyisten mehr, dafür sorgen doch auch schon die französischen, amerikanischen, russischen, japanischen und chinesischen Nuklearfreunde der Dividendengesellschaften: "China auf dem Weg zum größten Atomkraftproduzenten", siehe CIIC, Beijing, 28.04.2016 [O-Ton: Im Jahr 2020 soll es in China 90 Atomkraftwerke geben, so "Umweltminister" Chen Jining].
Es ist zu kurz gesprungen, nur auf den „Multikulti-Begriff der Linken“ zu verweisen. Der ist nur eine Erscheinungsform einer tiefer liegenden Entwicklung, die der Soziologe Zygmunt Bauman (Moderne und Ambivalenz, 1995) in etwa folgendermaßen beschreibt:
Aus „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wurde unter dem Druck des globalsierten Marktes „Freiheit, Verschiedenheit, Toleranz“ und zwar in marktkonformer Interpretation. Der Freiheitsbegriff der Aufklärung wurde praktisch herunter gekocht auf die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten (auch in Religions- und Genderfragen). Die Verschiedenheit (ethnische, kulturelle, lebensweltliche) gedeiht und wird gar gefördert, wenn sie dem Markt nützt. Und die Toleranz wird vom Markt als Indifferenz oder Desinteresse befördert. Zitat: „...die vom Markt geförderte Toleranz führt nicht zur Solidarität: sie fragmentiert, statt zu vereinen. Sie dient der Aufsplitterung der Gemeinschaft und der Reduzierung des gesellschaftlichen Bandes auf einen Schimmer an der Oberfläche.“
Es ist im Interesse des Marktes, dass es das von Ihnen eingeforderte Miteinander gar nicht geben soll, sondern eben nur das Nebeneinander. Verantwortung, Schuld und Scham soll jeweils nur der Einzelne für sich empfinden. Die eigene Person soll im Zentrum allen Denkens und Handelns stehen, der narzistische Mensch als Optimierer seines Eigennutzens ist keine Pathologie.
Religion stört übrigens genau dabei, indem sie Räume für ein Miteinander bereitstellt, aber eben nur für die eigenen Leute.
Sehr richtig. Und seitdem Frau Merkel das drängende Problem der Fremdängstigen in 'sauberer' AfD-Manier gelöst hat, wird es die AfD schwer haben ihre bisherigen Wählern zu halten. Die Grenzen sind dicht und es wird geschossen – was mehr kann ein Fremdängstiger sich von einem Abwehrsystem zur Fernhaltung unliebsamer Fremder wünschen.
Ansonsten empfehle ich den Parteien, den Bürgern einfach mal intelligente soziale und demokratische Gesamtkonzepte zur Überwindung des neoliberalen Schwachsinns und dessen Folgen (wozu auch das Vertreibungsproblem gehörte) vorzulegen – das wäre nämlich erster (mehrheitlicher) Bürgerwunsch. Auch wenn es manchmal nicht so aussehen mag.
Kennt die pol. Linke den Begriff Gesellschaftspolitik überhaupt noch..?
Kann sein. Kritik, die in eine ähnliche Kerbe haut, wie Ihre, gibt es aber auch von linker Seite:
Carlo Strenger. Zivilisierte Verachtung: Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit. Suhrkamp 2015
Jedenfalls viel zu wenige. Und die Hauptschuld daran tragen nicht Herkunft, Haut- oder Augenfarbe, sondern Religion und religionsähnliche Vorstellungen von Richtig und Ralsch.
Wobei zum Mischen natürlich zwei Seiten gehören, klar. Aber je tradierter Familien, desto mehr Druck in Richtung Nichtdurchmischung. Und das ist nicht nur schade, sondern auf Dauer auch gefährlich, wie ich meine. Und je größer eine Minderheit ist/wird, desto mehr fällt's halt ins Gewicht..
Ich weiß. Solcherlei Botschaften zu überbringen, ohne sich in einer Ecke wiederzufinden, in der man nicht steht, ist dieser Tage aber extrem schwer. Weshalb wohl viele davor zurückschrecken. Den sog. Ukraine-Konflikt nicht zu vergessen, bei dem Teile der pol. Linken - über den Umweg der totalen Parteinahme für Putins Neu-Russland - auf der autoritär-totalitären Seite gelandet sind. Etliche davon finden sich nun bei Pegida und der AfD wieder - also in Opposition zu "den Flüchtlingen". Und natürlich in Opposition zu Erdogan. Diese Gemengelage, in der vollideologische Extremismen vollideologischen Extremismen gegenüberstehen, hatte ich da mal wieder angesprochen. Und da. Wir Linken müssen die Fronten neu klären. Neu sortieren. Das ist das. Und was wir - im Hinblick auf das hier zu besprechende Thema - dafür dringend brauchen, sind irgendwie linke, zumindest aber nicht-konservative Muslime (m/w). Und zwar ganz viele, laute, selbstbewusste, gebildete, vorwärtsgewandte, die sich von Islamismus-Kritik nicht auf den Schlips getreten fühlen und in eine Opfer-Schleife geraten, sondern solche, die selbst keinen Bock haben, lieb gewonnene Freiheiten wieder nach und nach preis zu geben. Diese Gefahr kommt von politisch rechts. Und in diesen Sack stecke ich pers. den Islamismus mit hinein. Andere mögen es anders halten. Aber denen fehlt m.M.n. der Blick dafür, wie sehr sich Putinismus, Erdoganismus und Pegidiotismus im Kern ähneln.
Danke für das Zitat. Und den Rest auch. Endlich finde ich mich hier mal in was wieder.
"der totalen Parteinahme" {...}
Sie sollten sich ernsthaft mit der objektiven Realität in der bundesdeutschen Parteien, Medien- und Bildungslandschaft beschäftigen.
Die große Mehrheit der analogen -privaten und staatlichen- Springer-Medien steht doch fest und ungebrochen an der Seite der NATO-Geo- und Wirtschaftspolitik, der westlichen Waffen- und Rüstungslobby, der Rohstoffinteressen der Vereinigten Staaten und der Wirtschafts- und Monopolverbände der Europäischen Union. An deren profitablen ökonomischen Interessen, - an den Rohstoffen und Bodenschätzen, an 'deren' (zukünftigen) Russischen Föderation!
Auch hierfür gibt es eine große Mehrheit gegen die eigenständige kapitalistische Existenz der Russischen Föderation!
Also, sie sind hierbei nicht einsam und alleine, auch der Club Deutscher Unternehmer (CDU,spd,oliv-grün,afd,fdp etc.), die Atlantikbrücke und der BDI-Monopol- und BDA-Wirtschaftsverband steht fest an [ihrer?] deren ideologischen Seite!
Sorry, aber Sie kapieren gar nix. Wenn ich nicht zum einen Extrem tendiere, heißt das nicht, dass ich, wie Sie mir unterstellen, mit dem anderen Extrem sympathisiere. Mit Ihrem Entwederoderismus belästigen Sie also bitte andere. Was Sie schreiben, ist genau das, woraus die Kriege bestehen. Nicht böse sein, aber da mache ich nicht mit.
lieb gewonnene Freiheiten wieder nach und nach preis zu geben
Ich habe mir schon immer meine Freiheiten herausgenommen und auch gern dafür den "Preis" gezahlt - wenn es denn sein mußte.
Der Putinismus hat mir nichts genommen, der Erdoganismus ist für mich vom Merkelismus und Islamismus nicht zu trennen - damit will ich nichts zu tun haben - doch die davon betroffenen Menschen haben meine Unterstützung und der Pegidiotismus hat für mich eine "alternative" Spannbreite von NPD über CDU/CSU bis hilflos prekär und unpolitisch.
Ihren Hass auf den "Putinismus" habe ich nie verstanden und vermute, dass Sie auch noch nie in seinem Lande waren und sich auch kein eignes Urteil bilden wollen - also aus meiner Sicht sehr für mediale Gehirnwäsche zu diesen speziellen Thema ansprechbar sind. Das finde ich schade, weil ich Ihre Meinung sonst sehr annehmbar und interessant finde.
Dann hier zum Weiterlesen, wenn Zeit und Geduld es erlauben. Und auch Teil 2 und 3 nicht auslassen.
Auch dazu sind wir wohl einer Meinung.
An harsdorfer 16.05.2016 | 11:35
Es besteht eine Signifikanz zwischen dem Hochmut des Politikerstandes und dem Entstehen der AfD
„um sich wirksam mit der AfD auseinander zu setzen, genügt es m.E. nicht, wenn die so genannten etablierten Parteien lediglich kritisieren, was vom AfD-Programm oder von den öffentlichen Äußerungen der AfD-Politiker sie für falsch, rassistisch, islamophob, nicht grundgesetzkonform, neoliberal oder sonstwie ihren jeweils eigenen Grundsätzen nicht entsprechend halten. Vielmehr müssten sie endlich ihre eigenen Vorstellungen davon entwickeln und, ja auch popularisieren, wie dieses Land oder meinetwegen auch Europa wenigstens mittelfristig aussehen soll.“
Lieber HARSDORFER,
„ihre eigenen Vorstellungen davon …, wie dieses Land oder meinetwegen auch Europa wenigstens mittelfristig aussehen soll“ haben sie längst entwickelt. Sollte Ihnen das entgangen sein? Diese Vorstellungen sind in der AGENDA 2010 festgeschrieben.
Und seit 15 Jahren betreiben die Politiker des „Parteienkartell aus CDU/CSU, SPD, FDP und GRÜNE“ konzertiert systematischen Besitzstandsklau und Prekarisierung der Bevölkerung, während es Finanzwirtschaft und multinationalen Konzernen gleichzeitig devot die Wege für deren Beutezüge ebnet.
Und „dass das Fehlen offener innerparteilicher wie parteiübergreifender Auseinandersetzungen über grundsätzliche gesellschaftspolitische Fragen oder auch nur über tagespolitische Entscheidungen“ ist dabei Methode und politisch ausdrücklich gewollt.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die Unsitte hinweisen, dass die Politiker des genannten Parteienkartells im Deutschen Bundestag Regelwerke durchwinken, die so umfangreich und oft auch in englischer Juristensprache abgefasst sind, dass sie von den Abgeordneten gar nicht verstanden werden können. Oftmals lagen zwischen Vorlage und Abstimmung gerade mal Tage. – Aber sie heben bei der Abstimmung brav und devot ihr Händchen. Schauen Sie sich zudem das skandalöse parlamentarische TTIP-Gehampel an.
Die Politiker dieser Parteien haben sich in ihren heimatlichen Wahlbezirken mandatieren lassen und dieses Mandat anschließend in großem Stil gegen ihre Wähler gerichtet.
Dieser hochmütige Wählerbetrug hat eine riesige Frustration der Bürgerinnen und Bürger bewirkt, und die SPD, die Erfinderin der Folterwerkzeuge (AGENDA 2010), wird die Geister, die sie rief, nun nicht mehr los. – Es geschieht ihr recht.
Die Wut der vernachlässigten Bevölkerung hat in der Zwischenzeit ihr Ventil gefunden und eine aufwühlende Dynamik entwickelt. Zum ersten Mal haben Teile der Bevölkerung erreicht, dass zumindest eine Reihe von Politikern verunsichert ist und von ihrem ansonsten so hohen Ross herunterzusteigen bereit scheint. Sie reiben sich verwundert die Augen. Die Signifikanz zwischen ihrer eignen politischen Hochmütigkeit und dem Entstehen der AfD vermögen sie nicht zu erkennen.
Der politische Treppenwitz allerdings besteht darin, dass ausgerechnet diese Politiker die AfD zum Geburtshelfer gemacht. – Als hätte man es nicht vorher wissen können.
Korrektur:
Der politische Treppenwitz allerdings besteht darin, dass ausgerechnet diese Politiker Geburtshelfer der AfD sind. – Als hätte man es nicht vorher wissen können.
Sie sprechen mir, wie man so sagt, aus der Seele. Aber man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.
Man brauchte einen Prügelknaben. Anforderungen: fremd, suspekt, schlägt nicht zurück. Erst der Scheinasylant, dann der Scheinarbeitslose. Man wandelte bestehende, gut gemeinte Systeme in Prügelmaschinen um. Dann kamen die Wirtschaftskrise und der bestreikte UN-Sicherheitsrat, und man hat die Maschinen nicht rechtzeitig abgestellt gekriegt.
Resultat: Verprügeltenschwemme, Prügelselbstjustiz.
Lösung: größere Paddel.
Alternative: Humanismus, Karl Popper, Jesus minus Paulus. Vermitteln, dass alle Menschen objektiv verschieden, aber subjektiv gleich sind, ohne Gefälle. Keine heuchlerische Toleranz der Eigentlichen den Uneigentlichen gegenüber. Verzicht auf Prügel zwecks Ermöglichung der Gewissensbildung. Freiheit ohne Zwang statt “freiheitsfixiertem Legalismus”.
“Deutsche Teenager wollen sein ‘wie alle’”, titelt der Spiegel. Sie haben recht, wir sollten sie lassen.
“Wollte man [...] die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, als Ideal fordern, anstatt sie als Tatsache zu unterstellen, so würde das wenig helfen. Die abstrakte Utopie wäre allzu leicht mit den abgefeimtesten Tendenzen der Gesellschaft vereinbar. Daß alle Menschen einander glichen, ist es gerade, was dieser so paßte. Sie betrachtet die tatsächlichen oder eingebildeten Differenzen als Schandmale, die bezeugen, daß man es noch nicht weit genug gebracht hat; daß irgend etwas von der Maschinerie freigelassen, nicht ganz durch die Totalität bestimmt ist.”
-- Adorno, Minima Moralia, 1945.
Vor der letzten BTW gab es in Ostdeutschland gegenüber dem Westen immer viel Zuspruch zur Linken.
Die BTW erzeugte eine linke Mehrheit, die von der SPD aber nicht genutzt wurde.
Nach nun mehr als ein viertel Jahrhundert hat sich der Osten angesichts der tatsächlich blühenden Landschaften dazu entschlossen, dem Ausspruch zu folgen: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
Pegida und AfD sind Ausdruck einer dementsprechenden Antwort des Volkes auf ein Larifari in der Politik und auf ein "Nicht Farbe bekennen" bei den immer größer werdenden sozialen Problemen, die der entfesselte Kapitalismus schaffte und immer noch schafft.
Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten vor dem Hintergrund seines Grundgesetzes kaum wirklich Farbe bekannt - alles war so schön bunt und man war für alles und gegen jeden.
Das rächt sich nun und ich wage zu bezweifeln, dass es den etablierten Parteien noch gelingen wird, das Ruder rumzureißen.
Im Gegenteil, von einigen glaube ich sogar, dass sie nur darauf warten, neue Koalitionen zu probieren, in denen sie ihre Machtgelüste befriedigen können. Egal, wie rechts sie auch erscheinen mögen. Schließlich kommt es doch nur darauf an, sie dem Volk als alternativlos zu verkaufen.
Ich hätte Widerspruch anzumelden, was die linke Mehrheit betrifft. Die gab es -leider- in diesem Lande nie. Nicht auf Seiten der Partein, denn links verorten kann man die rosa-grünen Hartz IV-Partein der doch nun wirklich nicht. Aber auch nicht auf Seiten der Wähler. Ich vermute, belegen kann ich das naturgemäß nicht, dass viele der SPD- und Grünenwähler, besonders von den letzteren im Westen der Republik, also das typische grüne Spießertum, das im Osten so noch nicht in Massen etabliert ist, das nicht mitgemacht hätten.
Bedenken Sie bitte, was nach der Hessenwahl, als Ypsilanti eine solche Möglichkeit ergreifen wollte, geschah. Und in NRW, als Kraft dies an der lächerlichen Frage eines Sozialtickets für den Nahverkehr scheitern ließ. Wobei man Kraft zugute halten muss, dass sie sich als kluge und gut kalkulierende Machtpolitikerin erwies. Damals zeigte sich aber auch, was die SPD (als Westpartei, das lief im Osten auch schon mal anders) von den Linken erwartet: Als bedingungsloses und hirnloses Stimmvieh zu agieren. So hatte Kraft im Prinzip jegliches Entgegenkommen auf Positionen der LINKEN prinzipiell verweigert. Wie schon gesagt, nicht mal das Sozialticket war auch nur verhandelbar für die SPD.
An janto ban 16.05.2016 | 13:17
Ethnien mischen sich nicht
„...mischen, mischen, mischen - bis kleine, blauäugige Moslems und kleine, schwarze Musliminnen mit blondem Kraushaar herauskommen...“
Hallo JANTO BAN, nach 73 jähriger Sozialisation in dieser „weltlichen Wertegemeinschaft“ sage ich Ihnen: Ethnien mischen sich nicht! Auch die Deutschen mischen sich nicht mit ihnen. – Ausnahmen sind Ausnahmen.
Die etablierten Parteien tun sich schwer mit der AfD? Nun, das wird auch noch ein Weilchen so bleiben, bis die Parteispitze fest in die transatlantischen Think-Tanks und Logen integriert ist und die Basis hinreichend von Soros-NGOs durchsetzt wurde. Danach wird die Partei ihren Platz im +90%-Gefüge einnehmen und ein ganz wunderbarer Koalitionspartner werden.
AfD steht nicht für Alternative für Deutschland sondern ist die Ausgeburt für Demobilisierung unserer Debattenkultur und Demokratie in Wirtschaft und Gesellschaft durch die CDU Bundeskanzlerin Angela Merkels, die eigentlich ausschließlich die Anhängerschaft des politischen Gegners asymmetrisch demobiliseren will, was ihr gelunegn ist. Da die CDU Basis in Bund und Ländern aber den politischen Gegner braucht, um sich an diesem reibend, selber zu spüren, den Merkels asymmetrische Demobilisierung aber unsichtbar gemacht hat, probt diese Basis, von allen guten Geistern verlassen, an denen sie sich bis dato reiben konnte, nun mit der AfD den Aufstand. Wobei die AfD erst einmal, wie alle Sekten, jedes denkbare Portestpotenzial unter Willkommensbekundungen umarmt, um es hernach Stufe um Stufe, Grad um Grad abwürgend zu erdrücken
"Dabei bedarf es eigentlich keiner AfD-Atomlobbyisten mehr, dafür sorgen doch auch schon die französischen, amerikanischen, russischen, japanischen und chinesischen Nuklearfreunde der Dividendengesellschaften: "China auf dem Weg zum größten Atomkraftproduzenten","
Hierzulande schon, damit Bundesknazlerin merkel mit Verwis auf die AfD. dem Atomausstieg den Verfassungsrang im Grundgesetz weiter, wie schon 2008, verweigern kann und irgendwann den Austieg vom Atomausstieg 2011 nach dem dreifachen Fukushima Gau revidieren kann
>>Die etablierten Parteien tun sich schwer mit der AfD? Nun, das wird auch noch ein Weilchen so bleiben...<<
Bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr. Bis dann weiss ja kaum noch jemand, wie sehr sich die C-Parteien mal um Abgrenzung von der "A"fD-Konkurrenz bemüht haben: Dr. Alzheimer lässt grüssen...
>>Ansonsten empfehle ich den Parteien, den Bürgern einfach mal intelligente soziale und demokratische Gesamtkonzepte zur Überwindung des neoliberalen Schwachsinns und dessen Folgen (wozu auch das Vertreibungsproblem gehörte) vorzulegen...<<
Was sagt denn die Privatprofitlobby und ihre Auftraggeber dazu? Sollten wir die nicht besser mal abwählen?
Abwählen geht nicht. Die sind es, die bestimmen wer und was gewählt werden darf. Das sind die Regeln. Da ist nichts zu machen. Der Traum, dass man den Dingen eine andere Richtung geben könne, wenn man während eines Sonntagvormittag-Spazierganges nur das Kreuz an der richtigen Stelle setzt, wird sich nicht erfüllen.
Niemals
Die Linke insgesamt beruft sich nicht auf die Arbeiterklasse. Einige ihrer Politiker, wie Lafontaine und Wagenknecht, bewegen sich aber schon in diesem Schema. Das erklärt auch ihre Äußerungen. Äußerungen, die von daher verständlich werden und doch kritisiert werden müssen. Ich wollte es im Artikel nicht so deutlich sagen.
Die These von der Sozialdemokratisierung der CDU ist deshalb kein Unfug, weil sie sich nicht auf einen idealen Begriff von Sozialdemokratie bezieht, sondern auf die wirkliche SPD. Sie schreiben es doch selbst: „Die neoliberale Umgestaltung der Republik, die die rot-grünen Agenda-Sadisten einleiteten, wurde nahtlos fortgeführt.“ Na eben! In dem Punkt mußte sich die CDU nicht sozialdemokratisieren, weil sie ohnehin das neoliberale Umgestalten schon länger als die SPD betreibt. In dem Punkt hatte sich umgekehrt die SPD unter Gerhard Schröder christdemokratisiert. Aber es gab andere Punkte; wie gestandene CDU-Mitglieder darüber denken, können Sie z.B. hier nachlesen. Die Sozialdemokratisierungsthese ist gut, weil sie eine große Erklärungskraft hat: Sowohl zur Erhellung dessen, daß die SPD von der Merkel-CDU so klein gemacht und gehalten werden kann, wie auch dessen, daß sich der rechte CDU-Rand von der CDU abspaltet, trägt sie viel bei.
„17 mal ‚christ-‘ im Text“ – hallo Janto Ban, das hat aber einen Grund. Ich habe die Frage, ob die Unionsparteien zum Farbebekennen imstande wären, aus gutem Grund ins Zentrum des Artikels gestellt. Denn mir jedenfalls scheint die Frage, wie die Union auf die AfD reagiert, noch wichtiger zu sein als die, wie die anderen Parteien reagieren. Die Union trägt „christ“ nun mal im Parteinamen. Daraus ergibt sich alles andere. Und nun würde es durchaus einen Unterschied machen, ob sie so bleibt wie sie heute ist oder zurückkehrt zu Kohl und Seiters oder gar zu Barzel und Strauß, ja zu Adenauer und Globke. Die Frage ist gar nicht leicht zu entscheiden: Würde sich die Union wieder aggressiv konservativ geben, könnte die SPD wieder hochkommen und im erneuerten scharfen Kampf beider würde es leichter, die AfD dazwischen zu zerreiben, d.h. ihr den Garaus zu machen. Aber ist es nicht vielleicht besser, sie bleibt wie sie geworden ist, weil damit die ganze Gesellschaft ein weiteres Stück von Adenauer und Globke weggezogen wird, auch wenn es zur Folge hat, daß sich dann einige Ewiggestrige, sprich AfDler, auf die Hinterbeine stellen?
Blicken Sie doch mal ganz cool auf die Sache. Es geht nicht um „Kirche = gut“ und so weiter.
Sorry, ich hab den Link vergessen:
... Wie gestandene CDU-Mitglieder darüber denken, können Sie z.B. hier nachlesen. ...
„Was sagt denn die Privatprofitlobby und ihre Auftraggeber dazu? Sollten wir die nicht besser mal abwählen?“
Tja, die würden wohl die Nase rümpfen – das reichte bisher meist, um die Parteien wieder auf Spur zu bringen.
Abwählen ist eine gute Idee. Leider fehlt da aber eine frühlingsfrische Alternative mit Tiefenstrukturformel – eine die graue Häupter wieder bunt werden lässt und den Menschen ein fröhliches hoffnungsvolles Lächeln in die betrübten Gesichter zaubert …;)
Das "Dilemma", aus unserer Sicht, das Sie beschreiben, kann ich durchaus nachvollziehen. Die Frage, ob mir die Merkel-CDU nun eigentlich gefällt, weil sie das Land ein wenig nach links rückt (im Vergleich zu wem oder was eigentlich..?) - oder ob mir die Kanzlerinnen-Partei nicht gefällt, weil sie den Spielraum nach links hin (immer nur) gerade so eng macht, dass keine linkere Koalition mehr zum Schuss kommt; diese Frage stelle ich mir schon seit langem.
Was mir, nach Ihrer Erklärung, noch mehr auf der Zunge liegt als zuvor schon, ist die bekannte Frage, für wen wir (hier) eigentlich schreiben. Ihr Kommentar ging, klar, an mich. Und so (gut) liest er sich auch. Aber Ihr Text macht auf mich den Eindruck, als richte er sich an eine Leserschaft, die ihn mit großer Wahrscheinlichkeit gar nicht lesen wird. Das ist mein Hauptproblem. Was ich aber erst jetzt merke. Den 17 mal "christ-" hin- oder her. Tatsächlich ist es natürlich nicht so, als störte mich das. Aber warum, frage ich mich da irgendwie, muss ich mir - als immer noch Kirchensteuer-pflichtiger Katholik (hüstel) auch noch - anhören, wie das perfekte Christentum in einer besseren Welt auszusehen hätte, während die, die es lesen müssten, weil sie vom "chrstl. Abendland vs. unchrstl. Asylgesetz"-Wahn befallen sind, in ganz anderen Blättern als dem dF blättern.
Langer Satz, ich weiß. Hoffe, dass einigermaßen verständlich geworden ist, was ich sagen will..
Die Hoffnung, jene andere Leserschaft zu erreichen, ist schon sehr wichtig für mich. Denn was hätte eine Zeitung für einen Sinn, die nur von denen gelesen wird, die sowieso schon so denken wie die Zeitungsschreiber? Wobei man jene, wenn sie Leser gar nicht sind, auch so erreichen würde, daß die, die lesen, auf sie im Alltag stoßen und sich mit ihnen unterhalten. Gibt es z.B. in Ihrer Familie, ich meine in Ihrem Clan, unter Verwandten, auf die man bei Geburtstagen usw. stößt, keine Konservaten?
Na ja, vielleicht etwas viel verlangt;) - so etwas wie Podemos halt …
Hier und hier.
Die Linken sollten die AfD einfach rechts liegen lassen und sich um basisorientierte Bündnisse bemühen - das braucht genug Zeit und Energie. Nur mit klugen realen Alternativen kann man Desorientierte aus der rechten Ecke locken – das wäre ein Selbstgänger.
"Konservaten", mein Gott... Also "Konservativen". Obwohl man ja auch slangmäßig von "Katholen" und "Evangelen" spricht...
|| Denn was hätte eine Zeitung für einen Sinn, die nur von denen gelesen wird, die sowieso schon so denken wie die Zeitungsschreiber? ||
Tja. Ich bin maximal pessimistisch, was Ihre Hoffnung betrifft. Die habe ich ja auch immer gehabt. Ich meine, wer hat die nicht..? Aber ich fürchte, dass die Leute im Normalfall nicht nur kein Geld ausgeben, um sich selbst mit Inhalten zu konfrontieren, von denen sie vorher schon wissen, dass sie ihnen die Hutschnur hochgehen lassen. Ich denke, die allermeisten befassen sich nicht einmal mehr mit unentgeltlich dargereichten Inhalten im Netz, die ihren Standpunkt (das ist dieser Kreis mit dem Radius Null) antasten.
|| Gibt es z.B. in Ihrer Familie, ich meine in Ihrem Clan, unter Verwandten, auf die man bei Geburtstagen usw. stößt, keine Konservaten? ||
Natürlich. Und mein FreundInnenkreis besteht zu größeren Teilen aus neoliberal Zerhetzten, wie sie im Buche stehen. Nur kann man mit denen, die in Bildzeitungsüberschriften denken und sprechen ja leider nicht über Politik reden, ohne sich selbst zum Abschuss freizugeben. Mit meinem Vater, dem Wessi, der - noch vor meiner Zeit - wegen Fluchthilfe über zwei Jahre in der DDR eingesessen hat, konnte man reden. Der hat mich zwar immer einen Linken geschimpft (sic!), aber ich war halt sein Sohn, nicht wahr.
Ich schildere Ihnen mal etwas. Es war vor ein paar jahren an meinem Geburtstag. Party in unserer Wohnung. Sehr gute Freundin: zum ersten Mal schwanger. Sitzt mit mir und einigen anderen am Küchentisch und jemand fängt an, eines der seinerzeit aktuellen, boulevardesquen Polit-Themen anzuschneiden. Wulff. Es fielen ein paar Sätze, da versuchte ich, ganz behutsam, einen irgendwie politischen Gedanken zwischen den Begriffen Bettina und Bobby-Car zu platzieren. Kaum fing ich an, riss meine Freundin die Arme hoch und schrie: Nein! Fang jetzt bloß nicht mit Politik an! Ich bin schwanger, das verkrafte ich nicht! Irgendwie sowas. Da stand ich auf und ging erst mal 'ne Runde heulen. Was okay war, denn es war ja meine Party, nicht wahr. Und dass ihr wegen mir das Kind abging, wollte ich natürlich nicht. So bin ich dann halt. Ganz Menschenfreund.
Diesen Schlenker, um zu erahnen zu geben, was vorher schon alles passiert sein musste, dass eine solche Situation eintreten konnte. Wer es nicht selbst erlebt hat, glaubt ja nicht, was man mitunter durchmacht, wenn man einer der einzigen, politisch interessierten - und, tja, verbal engagierten - Menschen ist, die man so kennt. Und dann auch noch einer, der nichts bei IKEA kauft, sich in Gebrauchtstoffe hüllt und über die heilige Kanzlerin des Landes, das so reich ist, weil die Menschen darin so schlau und so fleißig sind (Sie verstehen) schimpft und schimpft. Oder schimpfte.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab's aufgegeben. Die Welt ist nicht zu retten. Seitdem mir das klar ist, schlafe ich durch.
|| Ethnien mischen sich nicht! Auch die Deutschen mischen sich nicht mit ihnen. ||
Muss aber.
Denn was hätte eine Zeitung für einen Sinn, die nur von denen gelesen wird, die sowieso schon so denken wie die Zeitungsschreiber?
Ich vermute allerdings mal, dass es eher wenige dF-Leser gibt, die die BILD-Zeitung lesen und umgekehrt. Obwohl: Beim SPIEGEL bin ich da schon nicht mehr so sicher, das ist wahr. Das Netz hat ja zu einer gewissen "Verbildzeitung-ung" geführt. Früher lachte man von oben herab über die Schlagzeilen der BILD-Zeitung, wenn man am Kiosk vorbeiging. Heute kommt es mir so vor, als wären ganze Texte wie aus der BILD-Zeitung abgeschrieben.
Mit den Wählern und Nachläufern, mit denen, die Ängste und Hoffnungen haben, muss man reden, nicht mit Storch, Petry, Höcke und Konsorten, nicht mal mit Lucke, der nun in der Ecke sitzt, heult und natürlich nicht wahrhaben will, was er, ja, er, losgetreten hat. (Ich spitze zu...)
Die AfD damit agitieren zu wollen, ihr unter die Nase zu reiben, dass der Islam viel mit dem Christentum gemein hat und deshalb gar nicht "so schlimm" sein kann, ist, auch wenn es richtig ist, illusionär. Die Bewegung hat in der Islamophobie, von Pegida hochgekochte Volksseelenempfindung, nur die eine Bewegung einigende und massenkompatible Ideologie gefunden. Sie ist als diese massenkompatible Sündenbock-Ideologie einfach ein manipulatives Instrument, sie ist keine wirkliche Meinung, geschweige denn eine dezidierte Weltanschauung. Das glauben nur die naiven Mitläufer. Der Kern der AfD-Programmatik ist Ordo-Liberalismus. Das muss man den Mitläufern, den Zukurzgekommenen oder Modernisierungsverlierern oder denen, die Angst davor haben, es zu werden, unter die Nase reiben: Dass das Gegenteil von dem passieren wird, was sie sich erhoffen, wenn die AfD eine Machtergreifung durchzieht.
Und was die stereotype Leierei, man sollte die nicht gleich als Nazis bezeichnen, angeht: demagogische Anti-System-Rhetorik, Sündenbock-Ideologie, volkstümliche Versprechungen usw. usf. - das alles traf auch mal auf die NSDAP zu.
Und was die Linkspartei angeht, ihre Politiker sind auch nur Menschen. Einige von ihnen haben vielleicht wirklich geglaubt, ein lohnabhängig Beschäftigter müsste wegen seiner Lohnabhängigkeit auch automatisch ein Revolutionär sein. Die meisten aber sind wohl doch nicht so naiv oder blind oder marxistisch unbelesen. Dass Arbeiter rechtsextremer Demagogie, dem Nationalismus, allen möglichen Soziophobien verfallen können, ist ein ganz alter Hut. Im Ergebnis fanden sie sich jedesmal auf Schlachtfeldern und in Trümmerwüsten wieder. Und wenn es dazu nicht gleich kommen sollte, wird die "Arbeiterschaft" in einem ordo-national-liberalen Umfeld zur "Gefolgschaftstreue" gezwungen werden, was "Verzicht" auf gwerkschaftliche Freiheiten und wiederum, die werden sich wundern, Lohnverzicht bedeuten würde.
Da ist es natürlich richtig zu verlangen, dass mit denen geredet, bewiesen wird, dass das Gegenteil von ihren Hoffnungen entreffen wird. Sich nicht am autoritätsfixierten Personen-, sprich Merkel-Bashing zu beteiligen, war schon immer eines dialektisch-historisch denkenden Menschen würdig. Aber gesagt werden muss, vor allem den angefixten Arbeitern, dass die (auch Merkel-) CDU fleißig dabei war und ist, ihnen ihr Klassenbewusstsein, anders gesagt, ein nüchternes Bewusstsein ihrer wahren Lage, auszutreiben. Ihre Wut und ihre Angst, das müsste gezeigt werden, sind illusionär in dem Sinne, dass sie jetzt um den Verlust einer Bürgerlichkeit bangen, die ihnen jahrzehntelang als Lohn für ihre Systemkompatibilität versprochen wurde. Die AfD setzt nur fort, was den etablierten bürgerlichen Parteien und Ideologieschleudern nicht mehr geglaubt wird. Und sie kann aufbauen auf das, was ihre Vorgänger geleistet haben, nämlich die Erkenntnis der wirklichen Lage zu verhindern.
Warum liest man Dich nur noch so selten? Deine Stimme ist so wichtig.
Danke, aber, naja, es gibt eben auch noch ein Leben außerhalb einer FC, das seine Zeit braucht, egal ob es für Dinge ist, die man tun muss oder die man unbedingt tun will. Das "Unbedingt-hier-etwas-tun-wollen", die Motivation dafür, hängt ein bisschen durch. Warum auch immer...
Ich lese aber als Abonnent den redaktionellen Freitag in allen Aggregatzuständen, dann und dort, wann und wo ich gerade dazu komme... :-)
Einen herzlichen Gruß von g.
Oh, falschen Knopf gedrückt - das war @Michael Jäger.
>>Niemals<<
Was ist, gilt immer als unverrückbar.
Niemals wird das römische Reich untergehen, niemals nimmer nicht! Und zwar genau so lange, bis das Imperium Romanum weg war von Fenster...
Niemals wird ein König abgesetzt werden, den der König ist nun mal der Herrscher über die Untertanen. Und zwar genau so lange, bis in Franzosen feststellten, dass sie sich den König nicht mehr leisten können.
Niemals wird die Macht des Kapitales zu brechen sein. Und zwar genau so lange, bis die Nichtbesitzenden Menschen feststellen, dass sie sich "ihre" Kaputtalisten schon lange nicht mehr leisten können.
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Das "abwählen" war natürlich ironisch gemeint. Gegen die Herrschaft einer Minderheit über die Mehrheit helfen nur stärkere Mittel. Wie uns die Geschichte lehrt.
>>Leider fehlt da aber eine frühlingsfrische Alternative mit Tiefenstrukturformel...<<
Über Alternativen wurde schon viel gedacht, diskutiert und geschrieben. Aber es fehlt das Bewusstsein, dass man echte Alternativen zum Bestehenden weder bei Aldi kaufen noch als App runterladen kann...
Oder deutlicher gesagt: Es fehlt der revolutionäre Elan. Wie ihn zum Beispiel die Leute von Mondragon vor 70 Jahren hatten. Die haben ja durchaus gezeigt, dass ganz ohne Kaputtalisten eine Menge machbar ist.
>>Niemals wird ein König abgesetzt werden, den der König ist nun mal der Herrscher über die Untertanen. Und zwar genau so lange, bis in Franzosen feststellten, dass sie sich den König nicht mehr leisten können.<<
Da hat der Tipppfelerteuffell wieder zugeschlagen, also noch mal:
Niemals wird ein König abgesetzt werden, denn der König ist nun mal der Herrscher über die Untertanen. Und zwar genau so lange, bis die Franzosen feststellten, dass sie sich den König nicht mehr leisten können.
savoir vivre: heute stellen viele Franzosen fest, dass sich sich selbst, l'etat sont ils, kaum mehr selbst etwas leisten könnten?...
Was ist schlimmer?
Ein König, den man sich nicht mehr leisten kann?
Oder Völker, die man sich nicht mehr leisten will?
Nun, Ihre Erklärung macht Sinn, wenn man Ihrer These folgt, es ginge um die real-existierende SPD. Auch wenn der Gedanke, nu ja, unerfreulich erscheint. Ich bin mir nur nicht sicher, ob eine breite Öffentlichkeit nicht auch eher solche Vorstellungen mit dem Begriff der Sozialdemokratisierung verbindet, wie ich es tue.
Als regelmäßiger Leser des Blogs von Elsässer und der PI-News staune ich immer wieder, wer und was in den Augen der dort agierenden Wirrköpfe, als links begriffen und bezeichnet wird. Und das voller abgrundtiefem Hass. Merkwürdige Welt, in der die das Geschäft der Prekarisierung und Umverteilung mit nie gekannter Konsequenz Betreibenden, als links gelten. Und alle Partein jenseits der AfD als sozialdemokratisch
Danke, bin jetzt auch dazu gekommen, ihn zu lesen. Er bestätigt mich in zwei Annhamen. Die erste davon habe ich vorhin gepostet: Dass eine merkwürdige Belegung des Begriffes links stattfand und in bizarrer Weise der neoliberale Amoklauf als so was verstanden wird. Als Links.
Ist eine ideale Voraussetzung für meine zweite Annahme. Und die wird auch durch Helmes kaum geringer. Namlich, dass sich die Rechtskonservativen sehr schnell und sehr entschieden mit der AfD verständigen werden. Wenn es nicht gelingt, sie politisch zu eleminieren, wonach es im Moment nicht aussieht, dann werden sie eben umarmt.
Wer kürzlich Maischberger mit Petry und dem Innenminister sah, wird vielleicht ähnliches gedacht haben. Es war Petry, die dann so was wie Dissenz ausdrücklich hervorheben musste. Sonst hätte man den Dialog zwischen beiden für Koalitionsverhandlungen halten können.
|| Warum auch immer... ||
Feigling! Liebe Grüße!
Naja, jedenfalls nicht wegen irgendeiner "Sowjetisierung". :-)
Die Politik wird nicht als verfehlt empfunden. Sie hat de facot verfehlt. Aber in "verfehlt" steckt ein ungewollten versagen, jedenfalls würde eine soche Interpreation es zulassen.
In Wirklichkeit ist das Verfehlen ein Plan, geschmiedet von einer kleinen Gruppen vollkommen Irrer, Sadisten und Misantropen.
etwas schwachbrüstiger argumentiert, als ohnehin en vogue Monsieur
In einer Blase die sich noch im Kelch eines Elfenbeinturmes befindet, mag man das so empfinden. Tatsächlich fehlt der Welt eine direkte Definition des Bösen. Wir kennen alle möglichen Krankheiten, die die kleinen Leute betreffen, aber es gibt kaum Erkenntnisse darüber, warum sich Clinton so über den Tot von Gadafi und millionen von Lybiern freuen kann.
Du verstehst den Ernst der Lage nicht. Wenn eine Gruppe von Menschen kein Empfinden von Leid und Mitgefühl für zerbombte Kinder und erstochene Schwangere, geköpfte Christen und uranverseuchte Landstriche hat, und diese ausgerechnet einen starken politischen Einfluss nehmen können, stellt sich eine sehr wichtige Frage: Was nu?
Wenn dir das zu schwachbrüstig ist, dann empfehle ich dir die Google-Bildersuche: war crime
Dann guckst du dir mal die toten Menschen und und nennst mich dann noch mal "schmalbrüstig".
Mich ereilt die Vermutung, Sie sind selbst vlt. diesbzgl. etwas dispositioniert? Ist Ihnen ein rhetorisches Fechten wichtiger als tatsächliche Fakten und Menschenleben?
..."Du verstehst den Ernst der Lage nicht."...
Schlimmer noch: mir kommt die Lächerlichkeit der Lage in den Sinn bei dem ganzen sinnlosen Abschlachten für irgendeinen Scheiß - seit Jahrtausenden geht das so und es gibt immer neue Menschenschlächter, die sowas für unausweichlich halten - weil sie das wollen: das immerhin habe ich begriffen.
das alles traf auch mal auf die NSDAP zu
Meinen Sie, dass wir uns vergleichbar in den 30er Jahren des letzten Jhd. befinden?
Nach 70 Jahren Frieden unter CDUSPDFDP sind wieder ähnlich vergleichbare Zustände entstanden?