Franziskus bestellt sein Haus

Katholische Kirche 20 neue Kardinäle hat der Geistliche ernannt. Sind das die Vorbereitungen für das Ende seiner Amtszeit?
Kehr Papst Franziskus den Gläubigen bald den Rücken?
Kehr Papst Franziskus den Gläubigen bald den Rücken?

Foto: Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Die Aktivitäten des Papstes seit dem vorigen Samstag könnten bedeuten, dass er seinen baldigen Rücktritt vorbereitet. Franziskus, selbst 85 Jahre alt, hat am vergangenen Wochenende 20 neue Kardinäle ernannt, davon 16 unter 80 Jahren, die somit als Papstwähler in einem künftigen Konklave wahlberechtigt sind. Insgesamt 83 wahlberechtigte Kardinäle sind von Franziskus seit 2013 ernannt worden, das sind 63 Prozent im Konklave, nicht weit von der Zweidrittelmehrheit entfernt, die ein Papst auf sich vereinigen muss. Sie kommen ganz überwiegend aus dem Süden der Welt. Am Sonntag betete Franziskus am Grab Coelestins V., des ersten Papstes, der (1294) zurücktrat. Dasselbe hat Papst Benedikt VI. kurz vor seinem Rücktritt 2013 getan.

Für den Montag und Dienstag hatte Franziskus sämtliche Kardinäle aus allen Kontinenten in die Vatikanstadt gerufen: Sie sollten über seine Anfang Juni in Kraft getretene Kurienreform beraten. Ein Vermächtnis kann man diese Reform nicht nennen, da sie wenig vorschreibt, überwiegend nur Ratschläge erteilt. Fast schon lustig ist die neue Regelung, dass einigen Kurienbehörden künftig kein Bischof, kein Priester mehr vorstehen muss, das heißt, sie können von Frauen geleitet werden. Man fragt sich, ob nicht auch das Papstamt vom Priesteramt getrennt werden könnte.

Aber die Kirche ist nicht zum Lachen. Was immer man von ihren Lehren hält, sie ist eine an der Einheit der Welt interessierte Institution und wirft als solche gerade jetzt wieder ihr Gewicht in die Waagschale: Der Papst weigert sich zum Ärger vieler beharrlich, die Tür zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zuzuschlagen. Und er gibt Signale genug, dass er für mehr eintritt, als in seiner Kurienreform zum Ausdruck kommt. So hat er öffentlich kritisiert, dass Nancy Pelosi, die Vorsitzende des US-Kongresses, als Abtreibungsbefürworterin nicht mehr zur Kommunion zugelassen ist.

Auch Michail Gorbatschow, der eben verstorbene Generalsekretär der KPdSU, hat versucht, ein marodes System als Einzelner von der Spitze her zu reformieren. Er ist damit krachend gescheitert. Papst Franziskus ist bescheidener und damit wohl auch erfolgreicher. Bei der Zusammensetzung des Konklave konnte ihm niemand dreinreden. Er hat für die Zukunft Weichen gestellt.

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