Michael Jäger
01.03.2016 | 16:55 76

Raus aus der Sackgasse!

Sozialdemokraten Bei Licht besehen läuft Gabriels Forderung nach einem „neuen Sozialpaket“ auf den Wechsel zu rot-rot-grüner Politik hinaus. Die SPD sollte sich nicht einschüchtern lassen

Raus aus der Sackgasse!

Wird von allen Seiten attackiert: Sigmar Gabriel

Bild: CLEMENS BILAN/AFP/Getty Images

Was war so falsch an Sigmar Gabriels Satz, ein „neues Sozialpaket für unsere eigene Bevölkerung“ sei nötig, den er am vorigen Donnerstag in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ aussprach? Dieser Satz wäre in so vielen vergangenen Jahren richtig gewesen, in denen kein SPD-Vorsitzender ihn über die Lippen brachte. Mehr Kita-Plätze, mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau, Aufstockung geringer Renten, überhaupt die Abkehr vom strikten Sparkurs - wird das jetzt alles falsch, weil Gabriel es mit der Gefahr begründete, die Gesellschaft fliege sonst auseinander? Hätte er bei Illner nicht zitieren dürfen, was nicht nur er schon oft hat sagen hören: „Für die macht ihr alles“ – für die Flüchtlinge nämlich –„für uns macht ihr nichts“?

Auch von der Linken wird Gabriel kritisiert. Er spiele Deutsche und Flüchtlinge gegeneinander aus. Und die Kanzlerin stößt ins gleiche Horn. Eine solche Äußerung, sagte Angela Merkel am Sonntag bei Anne Will, dürfe man sich nicht zu eigen machen. Sie sei gefährlich. Ja eben! Vor der Gefahr hat Gabriel gewarnt. Und hat sich die Äußerung nicht zu eigen gemacht, sondern erkannt, dass man auf sie reagieren muss, weil sie nicht völlig wirklichkeitsfremd ist. „Jetzt sind auf einmal Milliarden Euro verfügbar, sogar ohne dass der Sparkurs aufgegeben werden muss, aber unsere soziale Situation habt ihr verschlechtert, statt sie zu verbessern!“ – so übersetzt, ist die Äußerung richtig. Genauso wie sie richtig war, als auf einmal Geld da war, marode Banken in der Finanzkrise zu stützen.

Es ist eine seltsame Hypermoral, der jetzt manche das Wort reden: Deutsche, die benachteiligt werden, hätten jetzt, wo es um die Flüchtlinge geht, den Mund zu halten. Auf keinen Fall dürfe der Eindruck entstehen, sie neideten den Flüchtlingen etwas. Welche Mutter reagiert so, wenn eins ihrer Kinder aufs andere eifersüchtig wird? Und darf man nicht mehr sagen, dass Deutsche und Flüchtlinge wirklich zweierlei sind, so lange jedenfalls, wie letztere noch nicht integriert sind? Sie sind ja gerade erst angekommen! Es ist schon bemerkenswert, mit wie viel Gereiztheit sich die politische Debatte auflädt. Wirklich erstaunlich ist es aber nicht.

Bei Licht besehen läuft Gabriels Forderung doch auf den Wechsel der SPD zur rot-rot-grünen Koalition hinaus. Denn mit Merkel und Wolfgang Schäuble kann sie nicht verwirklicht werden. Die aber sehen dem möglichen Wechsel nicht tatenlos zu. Gleich hat Schäuble geantwortet, wie man ihn kennt: „Wenn wir Flüchtlingen - Menschen, die in bitterer Not sind - nur noch helfen dürfen, wenn wir anderen, die nicht in so bitterer Not sind, das Gleiche geben oder mehr, dann ist das erbarmungswürdig." Das Gleiche oder mehr – was für ein erbarmungswürdiger Versuch, die Köpfe zu vernebeln! Warum denn nicht das Gleiche, Herr Schäuble? Damit geben Sie ja denen recht, die „Für uns macht ihr nichts“ sagen! Der Bundesfinanzminister spielt dasselbe Spiel wie in der Griechenlandkrise: lautes Gepolter, das von der brutalen Entschlossenheit ablenken soll, die Austerität aufrechtzuerhalten. Mit Grund darf er hoffen, dass die SPD sich einschüchtern lässt.

Um dieser Sackgasse zu entkommen, muss die SPD aus der schwarz-roten Koalition aussteigen. Um aus der Koalition auszusteigen, muss sie „ein neues Sozialpaket“ fordern, ganz wie Gabriel es jetzt tut. Gewiss drängt sich die Frage auf, ob der SPD-Vorsitzende es ernst meint oder vielleicht nur einen Luftballon steigen lässt, weil Landtagswahlen bevorstehen. Aber dann müsste die Linke dies eruieren, statt an Schäubles Seite über ihn herzufallen.

Kommentare (76)

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2016 | 17:13

Merkels Reaktion auf Gabriels Forderung war übrigens der Tiefpunkt ihres sonst allgemein positiv aufgenommenen Talks.

Sie leugnete einfach kackfrech das Problem weg.

Bleibt zu hoffen, dass die SPD ihre Ankündigung, den Haushalt zu blockieren, sollte auf die Forderung nicht eingegangen werden, auch wahr macht.

namreH 01.03.2016 | 17:37

Im ND steht heute ein guter Text dazu : Reicht es schon aus, wenn sich Linke und Konservative einig darin sind, dass Gabriel die Klappe halten solle, auch wenn sie dafür unterschiedliche Gründe angeben? Was ist schlecht an dem Plan, mehr Geld für Arme und Unterprivilegierte in Deutschland locker zu machen? Geld, das womöglich die Schwarze Schäuble-Null gefährden, aber mehr Gerechtigkeit schaffen könnte. Interessanter als das Motiv des SPD-Chefs, über dessen mangelnde Lauterkeit sich nur aufregen kann, wer immer noch Illusionen über ihn spazieren trägt, ist doch, ob er wieder einmal nur eine Lippe riskiert oder auch einen ordentlichen Krach mit dem Koalitionspartner. Gerade erst nahm er die Beerdigung eines Gesetzentwurfs zur Leiharbeit in Kauf. Der Mann braucht Beifall, so laut, dass er sich nicht traut zurückzuschauen. http://www.neues-deutschland.de/artikel/1003546.lob-bis-zum-abwinken.html

Ich habe es hier im Freitag schon mal gesagt: Die SPD hat noch ein kleines Zeitfenster vor der Wahl 2017, um aus ihrer "Babylonischen" Gefangenschaft mit der CDU auszubrechen.....wenn sie denn wirklich daran interessiert ist, die Politik im Land umzusteuern. Nämlich so schnell wie möglich auszusteigen (Misstrauensvotum stellen) und eine rosa-rot-grüne Regierung auf die Beine stellen. Dann muss allerdings sofort das passieren, was Gabriel z. Zt. daherflötet und noch einiges mehr: sehr konkrete Kurskorrekturen bei der z. Zt. automatisch sich vergrößernden Schere zwischen arm und reich. Wenn die Grünen da blockieren (das würde man in Vorfeld schnell feststellen müssen), dann ist der Zug eben abgefahren, weil die CDU die SPD dann zur Koalition nicht mehr braucht. Die hat dann die Wahl zwischen Alleinregierung und wenn es dazu nicht reicht mit Grün, AFD oder auch wieder FDP, die nur darauf wartet, dass der Platz "an ihrer Seite" wieder frei wird.

namreH 01.03.2016 | 17:55

Trotzdem....weil es gerade so gut passt von Oskar Lafontaine:

Ach Sigmar
In der Sendung „Maybritt Illner“ hatte Sigmar Gabriel plötzlich einen Rückfall. Er erinnerte sich daran, wofür die SPD einst gegründet wurde.
„Für die (gemeint sind die Flüchtlinge) macht ihr alles, für uns macht ihr nichts“, hört auch Sigmar Gabriel oft auf seinen Veranstaltungen. Das will er ändern. Ein neues „Solidaritätsprojekt für unsere eigene Bevölkerung“ sei nötig. Es müsse mehr Investitionen für Sozialen Wohnungsbau und Kitaplätze „für alle“ geben. Außerdem müssten niedrige Renten aufgestockt werden.
Wenn Sigmar jetzt noch den Mut hat, das in der nächsten Woche im Deutschen Bundestag zu beantragen, kann er das alles mit den Stimmen der LINKEN und der Grünen (die vor Wahlen auch immer sehr sozial sind) verabschieden. Wetten, dass er das nicht macht?
So verkommt Politik zu hohlem Geschwätz und die Wählerinnen und Wähler wenden sich in immer größerer Zahl ab oder wählen AFD, weil sie nicht wissen, dass auch die von Wirtschaftsliberalen gegründete AFD gegen Vermögenssteuern und Erbschaftssteuern, für eine Senkung des Spitzensteuersatzes und gegen den Mindestlohn ist.
Quelle: Oskar Lafontaine via Facebook

Filou Sophia 01.03.2016 | 18:01

Schäuble und Merkel haben erkannt, wohin das zielen könnte. Die Häme und Überheblichkeit von Schäubles Kommentar haben mich aber überrascht. Immerhin war das kein griechischer Finanzminister, den er da öffentlich demütigte, sondern der Stellvertreter der Kanzlerin. Da hat er sich (vermutlich) schon hinreissen lassen. Wie dünn doch der Berliner Faden ist.

Filou Sophia 01.03.2016 | 18:11

Das Problem an Lafontaine ist doch aber, dass der selbst noch zur Geburtstunde eines R2G-Bündnisses in Berlin die Torte an sich reissen würde und sie dem Kanzlerkandidaten ins Gesicht schmeissen würde. Diesen Kasperlkomplex sollte er endlich mal bewältigen. Nicht (allein) mit streng frisierten Frauen und gutem Rotwein, sondern wie andere auch ihre Krisen, mit einem Psychotherapeuten.

Hans Springstein 01.03.2016 | 18:13

Viele, die Gabriels Worte und die anderer Sozialdemokraten hören, fragen sich tatsächlich: Können wir ihnen glauben? Da ist in den letzten Jahrzehnten viel Misstrauen entstanden. Rot-Grün führten die Bundesrepublik nicht nur in den Krieg in und gegen andere/n Länder/n, sondern auch gegen den eigenen Sozialstaat. Gabriel & Co. waren aktiv dabei. Da fällt es schon schwer, ihnen heute zu glauben. Es ist zu hoffen, dass sie es ernst meinen.

namreH 01.03.2016 | 18:15

Das mit der Illoyalität der Partei DIE LINKE müssten Sie schon ein bisschen begründen. Loyal in einer Partei heißt ja nicht "gleichgeschaltet" bei Strafe der Exkommunikation. Vielleicht assoziieren Sie bei LINKS noch immer Stalin?

Ist es Ihnen total entgangen, dass sich DIE LINKE als Partei bildete, als die SPD unter Schröder sich von den genuinen Zielen einer Sozialdemokratie entfernte und in der ehemaligen DDR der Raubtierkapitalismus zuschlug?

Richard Zietz 01.03.2016 | 18:17

Bei Gabriel heißt das gar nichts, und schon gar nichts kann man irgendwas daraus ableiten. Der Mann kann morgen – wenn Pegida nicht mehr akut ist oder eine andere Opportunität eintritt – bereits das Gegenteil sagen.

Ansonsten ist es mir immer wieder Anlass zur Plaisir, wie der Freitag selbst allerunverbindlichstes Tagesgeschwätz zu Wetterleuchten in Sachen Rot-Rot-Grün hochdeutet. Erinnert irgendwie an den Roten Morgen der guten alten KPD/ML – nur dass da das anvisierte Endziel nicht unbedingt eine Regierungskoalition mit Sozialdemokraten war ;-).

Joachim Petrick 01.03.2016 | 18:44

Was war so falsch an Sigmar Gabriels Satz, ein „neues Sozialpaket für unsere eigene Bevölkerung“ sei nötig und „Für die macht ihr alles“ – für die Flüchtlinge nämlich –„für uns macht ihr nichts“?

Falsch ist die gutsherrliche Tonlage, die keinerlei gesellschaftspolitischen Mobilisierungeffekt anstrebt, geschweige denn aktiviert. weil die Bürger hier als duldsame Schafe vorgeführt werden, die am gesellschaftlichen Prozess nicht wirklich partizipieren, außer SPD- Sigmar Gabriel verteilt ganz Gutsherr reiner Güte nacheilend Brotsamen als milde Gaben.

Warum verkündet Gabriel nicht, Danke liebe Mitbürger, Arbeitnehmer, Rentner. Alleinerziehende, dank ihrer Zückhaltung in den letzten 13 Jahren bei Forderungen nach Lohn- Bafög- , Sozialhilfesatz- , Kindergeld- , und Rentenerhöhungen, trotz der drastischen Einschnitte mit der rotgrünen Einführung der Agenda2010/Hartz IV Gesetze 2003, haben wir jetzt unbürokratisch die finanziellen Mittel, um Flüchtlinge hierzulande aufzunehmen und trotzdem die Schwarze Null im Bundeshaushalt zu wahren.

Dass die Bundesregierung 2015 die Zuschüsse für die Weltflüchtlingshilfe, den UNHCR, mehr als halbiert hat, um die schwarze Null zu wahren ist im CDU/CSU Kerbholz der GROKO eingeritzt. Das geschah gegen unseren Widerstand.

Ihr habt euren Teil in der Willkommens- und Ankommenskultur gesellschaftspolitisch engagiert und vorrausschauend geleistet. Dafür gilt euch allen mein Dank

Jetzt sind andere in Deutschland dran, die zur Finanzierung des Schutzes, der Versorgung, Unterkunft, Bildung, Ausbildung, Integration von Asylsuchenden, Flüchtlingen und deren nachgereisten Famillen heran gezogen gehören. Voran die Wirtschaft bei der dualen Berufsausbildung, voran vermögensnahe Schichten, Grund- und Boden- , Immobilien- , Kapitalvermögen, Erbschaften.

namreH 01.03.2016 | 19:27

Nochmal an IBAN:

Probleme sind dazu das, dass sie angegangen werden. Nein, die Koalition aus SPD, LINKE und GRÜNE wäre natürlich keine linke Regierung! Also: Nicht die LINKE besteht aus drei Teilen, sondern die mögliche Koalition würde aus drei Parteien bestehen, die alle drei mehr oder weniger weit links von der Mitte einzuordnen wären! Aber – alle drei hätten die Aufgabe und die Chance zur Kurskorrektur einer aus dem Ruder gelaufenen Gesellschaft.

Übrigens, gelänge es solch einer Regierung auch noch das Unrecht zu korrigieren, das nach der Wende in der ehemaligen DDR ökonomisch über die Bühne ging (das ist genügend dokumentiert. Stichwort: Treuhand) dann wäre der AFD sehr schnell einiges an Boden – vor allem in den Bundesländern der früheren DDR - entzogen.

Ich vermute allerdings, dass die Hauptschwierigkeit zu einer solchen Koalition bei der SPD liegt, in der bis heute die Älteren nicht verarbeitet haben, dass sie selber Mitursache für den Aderlass an Mitgliedern war zur Gründung der Partei DIE LINKE.

denkzone8 01.03.2016 | 19:28

kurz mal links geblinkt..

...und schon wieder hoffen leute, daß sigmar "vorrats-(daten)speicher" gabriel, der total-korrumpierte, sich ehrlich macht.

raus aus der gasse, in der sich textil-um-mantelte lach-säcke verantwortungs-träger, wie er, wohl-fühlen?

jetzt, wo das häuflein seiner noch-wähler dringend gebraucht wird, die afd-verluste der christ-parteien zu ersetzen?

die spd ist mit sigmar gabriel und seinem post-schröder-kompetenz-team zur geh-hilfe der c-parteien verdammt, zumal diese eine riskante wende in der f-politik einleiten werden.

der harschen ordnungs-rufe schäubles hätte es kaum bedurft:

die selbst-fesselung der geschichts-vergessenen ("new labour-")spd unter der alten führung hält an.

männchen wie der links-flügel-darsteller ralf stegner sind ernst-zunehmende zeichen-geber: nur für repetitiv-verarschbare .

denkzone8 01.03.2016 | 19:53

parteien-equilibrist, koalitions-anbahner und traum-jaeger michael in seinem element: was wäre, wenn trotz..unter anderem licht betrachtet, die denkbare möglichkeit in praktische nähe...

in gleicherweise wag ich mich vor: eher kommt ein vorschlag im sinn-sinne: mindest-lohn-teilung: zwei zu-zügler haben sich mit der hälfte von 8 euro 80 zu begnügen. wette?

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2016 | 20:02

Warum sollte sich die SPD denn auch mit dem inzwischen zwar abgehalfterten Spaltpilz von der Saar einlassen, der sich ja nicht mal zu schade war, auch DIE LINKE zu spalten, was vermutlich aus ego-emotionalen Gründen dann in letzter Sekunde doch ausblieb.

Der Dampfplauderer weiß nämlich genau, dass ohne seine WASG-Fraktion eine irgendwie linke Koalition sehr wohl möglich, vielleicht sogar erfolgreich wäre, aber das gönnt der Egomane nicht einmal seinen eigenen Parteifreunden.

schna´sel 01.03.2016 | 23:41

"Raus aus der Sackgasse!"

Die SPD ist die Sackgasse. Und seit dieser Legislaturperiode sozusagen die Obersackgasse in Person. Mit einer Gabriel SPD wird sich daran auch niemals etwas ändern. Einschüchtern lassen dagegen ist gar kein Thema. Warum auch? Gabriel darf sich, aller Voraussicht nach auf eine weitere GROKO freuen und wir alle werden als Banker Bonus Zugabe obendrein in den Genuss der wundervollen Hillary kommen. Das riecht schon jetzt so sehr nach Sackgasse, dass ich mich wirklich frage, wie man bei dem Versuch, der SPD Mut zusprechen, aus der Sackgasse zu kommen ernst bleiben kann.

smukster 01.03.2016 | 23:51

Dass das kurzfristig nicht geschehen wird, dürfte klar sein. Aber Gabriel hat damit eine prinzipiell richtige Idee in die öffentliche Debatte eingebracht, und es liegt auch an der (gesellschaftlichen wie parlamentarischen) Linken, diese aufzugreifen, weiterzudiskutieren und den SPD-Chef darauf festzunageln!

Bei allem oft berechtigten Zynismus: Wenn wir noch nicht einmal mehr an die Möglichkeit von Verbesserungen glauben, dann können wir auch ganz aufhören über Politik zu reden.

maxundmoritz 02.03.2016 | 03:05

@MichaelJäger

Sie schreiben:

"Bei Licht besehen läuft Gabriels Forderung nach einem „neuen Sozialpaket“ auf den Wechsel zu rot-rot-grüner Politik hinaus. "

Also, da braucht es schon mehr als nur ein wenig guten Willens, um das genauso zu sehen!

Schon Tucholsky sagte (der folgende, sinngemäß, zitierte Satz stammt allerdings nicht von ihm): "SPD - hier können Familien Kaffee kochen." Und unter der Führung von Herrn Gabriel hat sich daran nichts geändert. Beliebigkeit aller Orten!

Insbesondere fällt dieser Herr Parteivorsitzende immer wieder aufs Neue dadurch auf, dass er stets dann alte sozialdemokratische Werte ausstellt, wenn ihm und seinem Verein das Wasser bis zur Unterkante Oberlippe steht. Dann lässt er mal dies, mal das an sozialdemokratisch klingenden Sätzen ab. Wer kann denn so was übersehen? Beliebigkeit - wie gesagt - in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit diktiert das Handeln dieses Heinis.

Dieser Parteivorsitzende ist dennoch der richtige Mann am richtigen Platz! Nicht nur, dass er prinzipienlos bis zum geht-nicht-mehr ist, er ist auch der richtige Mann, um die Sozen als Schildknappen von Angelas Gnaden bei der Stange zu halten. Nicht mehr und nicht weniger!

Lieber Herr Jäger, es ist verständlich und die Umstände gebieten es: wir brauchen einen Politikwechsel in diesem Land! Und den wird es zunächst wahrscheinlich nur geben, wenn sich SPD, Grüne und Linke zur Koalition in Berlin zusammen finden. Aber dazu wird es einen anderen Parteivorsitzenden der SPD brauchen, als diesen dicken Hampelmann, und es wird eine grundsätzlich andere Politik brauchen, als die SPD derzeit zu praktizieren in der Lage ist.

Zu guter Letzt: was hat Sie dazu getrieben, hier so einen Artikel zu schreiben? Einen Artikel, der sich derart unkritisch mit den Auslassungen des Herrn Gabriel befasst, dessen Dünnschiss sogar hochjubelt als Paradigmenwechsel in der spezialdemokratischen Politik? Ich bin nicht nur ein wenig enttäuscht von Ihnen!

Nochmal: Klar ist, dass dieses Land einen Wechsel in der Politik braucht und einen Wechsel in der Regierungsprogrammatik - keine Frage! Aber wir werden das nicht erreichen, indem sich die Linken in dieser unkritischen Art und Weise an Äußerungen dieses äußerst fragwürdigen SPD-Vorsitzenden ran schmeißen.
I'm not amused! Das können Sie besser. Und soviel Licht gibt es garnicht, um auch nur annähernd dieses Ihr Intro zu Ihrem Artikel gut heißen zu können: "Bei Licht besehen läuft Gabriels Forderung nach einem „neuen Sozialpaket“ auf den Wechsel zu rot-rot-grüner Politik hinaus. "

Da kann ich nur noch sagen: Herr, es werde Licht, doch der fand den Schalter nicht. Also bleiben wir im Dunkeln hocken.

Last but not least hoffe ich, dass dieser Artikel kein Abgesang auf ein linksdemokratisches Selbstverständnis war, das den Freitag, seine Redakteure und Leser bisher miteinander verbunden hat (die vor Jahren mal stattgefundenen grünen Verwirrungen sind heute verziehen, es sollten aber keine rosa-farbenen folgen!).

Helmut Eckert 02.03.2016 | 09:25

Rot, Rot, Grün ist gleich Dem Versuch eines Mannes, der sich eine Miniatureisenbahn aufbauen will und von seinen Verwandten = (Wählern) drei verschiedene Spurweiten an Gleismaterial erhielt. Diese Gleisteile kann er auf seine Eisenbahngrundplatte nageln, nur fahren kann er seine Lokomotiven nur jeweils auf die für die Lok benötigte Schiene. Ein guter Bastler würde es schaffen, dass es wie ein einheitliches System erscheint. Letztlich bleiben es drei Systeme auf einem Brett.

Mit Gabriel und Steinmeier ist diese Koalition nicht zu schaffen. Ob die Mehrheit der Grünen sie noch wollen, mehr als fraglich! Die Linken sind so zerstritten, dass eine Wagenknecht und ein Ramelow sind bestimmt kein Liebespärchen. Frau Wagenknecht und ihre Anhänger (alte SED Kader)wollen eine neue DDR, welche am Ende nur die alte DDR in ganz Deutschland sein würde.

Ich vermute und hoffe, dass erst eine neue Generation bereit sein wird, in Deutschland eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen. Die Sektierer der Linken werden zu einer unbedeutenden Masse. Problematischer sehe ich die Entwicklung der Grünen. Deren Erste Generation ist längst eine gutbürgerliche Mehrheit in dieser Partei. Sie gehören zu den Gewinnern der letzten 30 Jahre. Mit ihrem Alter kommt die Angst eines sozialen Verlustes. Daher tendieren sie zum Erhalt des Derzeitigen. Somit gleichen sie sich der Stammwählerschaft der CDU immer mehr an. BWB ist hier der Vorreiter! Die Arbeiterschaft, besonders die jüngere Generation hat die SPD längst verlassen. Die Rentnergeneration der Arbeiter wählt die SPD noch, ohne an sie zu glauben. Ein großer Teil von ihnen wählt die Linken. Viele der Enttäuschten Wähler der SPD liebäugeln jetzt mit der AFD. Auch mit dem Gedanken, diesen Verrätern der Ideale der SPD einen Denkzettel zu verpassen.

Die derzeitige politische Lage im Lande gleicht einer Soße, die ein Koch zubereiten soll, deren Zutaten er nicht kennt, oder nicht bestimmen darf. Als schlauer Küchenchef wird er seinen Gästen die Soße vorenthalten und sie mit einer Gulaschsuppe trösten. Die Fleischbrocken darin, wurden vor dem Servieren dem Küchenpersonal aufgetischt. Den Gästen wird vom Küchenchef erzählt, dass Fleisch ungesund sei und die Suppe auch so satt macht. In diesem Lokal sehe ich im Moment keinen Küchenchef, der eine neue Speisekarte erstellt, welche die große Mehrheit der Gäste zufrieden stellen wird. Wahrscheinlich kommt nach dem derzeitigen Koch erneut ein Kantinenkoch, der sein Handwerk bei der Bundeswehr, oder in einem Zuchthaus erlernt hat. Möglich wäre es auch, man setzt gleich eine ungelernte Kraft ein. Auf der druckfrischen Speisekarte wird sie als der Küchenchef der Superlative deklariert.

A-Deiport 02.03.2016 | 10:00

"...rot-rot-grüner Politik..."

Wer dies glaubt, wird selig.

Ein rot-rot-grüner Politik mit der jetzigen Führung der Sozialdemokratie und einem neoliberalen Cem Özdemir ( der nun wirklich breit ist, alles zugeben, um endlich mit der CDU und Frau Merkel in eine Quallition zu steigen), wird nicht geben bzw. wird nicht funktionieren. Das ist nur eine Illusion.

Der Wähler, der ein diesem Phantom glaubt, der/sie solle sein Gehirn bzw. seinen Verstand vom Arzt untersuchen lassen. Gabriel sieht, dass SPD bei den nächsten Wahlen an Stimmen verliert . Es sind wieder diese schlaflose Nächte, in den er nach einem wirklich richtigen Konzept sucht aber er findet es nicht. Nun ist wieder an der Zeit, das soziale Gewissen der Sozialdemokratie, die schon seit der Ära von Gerhard schröder nicht wirklich existiert, aus der Mottenkiste rauszuholen und versuchen dadurch ein paar Punkte zu sammeln. Mehr ist das nicht.

schna´sel 02.03.2016 | 11:07

"Bei allem oft berechtigten Zynismus: Wenn wir noch nicht einmal mehr an die Möglichkeit von Verbesserungen glauben, dann können wir auch ganz aufhören über Politik zu reden."

Sicher, da ist was dran. Die Frage ist aber doch gerade in dem Fall, ob die "Henne SPD" zuerst da war oder das Ei das sie ausgebrütet hat. Ich meine, wenn man sich in den 60er und 70er jahren stark macht für soziale Verbesserungen, 35 Stunden Woche, früher Renteneinstieg, Entspannungspolitik, nur um das alles dann 40 Jahre später wieder in die Tonne zu kloppen und zu einer Art Blinddarm im Verdauungssystem des Neoliberalismus bzw. noch schlimmer, dessen Erfüllungsgehilfe zu werden, dann darf man sich nicht darüber beschweren, wenn die Menschen den Glauben an die Möglichkeit der Veränderungen durch die Politik verlieren. Der Zynismus, über den Sie sich beschweren geht primär von dieser SPD aus, die sich immer noch als Volkspartei sieht und meint, im Dienste der sozial Benachteiligten unterwegs zu sein. Das zeigt doch die Reaktion, der Menschen die dieser Partei das Vertrauen entzogen haben. Und Versuche dieses über eine Art Kampagnenjournalismus wiederherzustellen finde ich auch eher zynisch. Auch wenn ich das dem Autor dieses Artikels damit nicht unbedingt unterstellen möchte.

So floskelhafte Begriffe wie "Paket"oder "Gipfel" in Verbindung mit irgendwelchen, in diesem Ökofinanzsystem eigentlich unlösbaren politischen oder sozialen Problemen finde ich mittlerweile nur noch abstoßend. Wenn Gabriel Ideen einbringt, wunderbar. Er ist der Politiker, der die Wähler davon überzeugen muss, dass seine Ideen und er selbst Potential haben. Er muss um Vertrauen werben und es sind nicht die Leute in der Pflicht, denen Sie Zynismus vorwerfen. Der erklärt sich aus dem was die SPD, spätestens seit Schröder, politisch vorgelegt hat. Ich bin jedenfalls nicht bereit, dieser Partei abzukaufen dass sie sich wirklich für soziale Verbesserungen interessiert. Und Sigmar Gabriel schon gar nicht.

pleifel 02.03.2016 | 12:08

Ich würde mich gerne von Gabriels Ansinnen überzeugen lassen, denn im Kern betrifft es einen ganz sensiblen Punkt der deutschen Realität. Nur, an der Zustandsbeschreibung hat sich die SPD selbst kräftig beteiligt, ohne jetzt wieder auf die allseits bekannten Ursachen einzugehen.

Wenn es Gabriel erst wäre, dann könnte er sich der Aktion der Linken öffnen, die zurzeit eine Vorlage zur "Konkretisierung des Sozialstaatsprinzips" im Grundgesetz bearbeitet und dem zur parlamentarischen Mehrheit verhelfen.

Vermutlich ist doch eher der Formulierung von Peter Grottian zuzustimmen, der im Artikel "Den Herrschenden vors Schienbein treten - (jw 02.03.)" schreibt:
"Manche meinen (...) Ziviler ungehorsam wurde gefordert, der weit über das Stören der SPD hinausgehen sollte (...), und irgenwie könne man es auch nicht mehr verantworten, Gabriels Wechselbäder der Lernunfähigkeit zu ertragen. Eine Belagerung seines Ministeriums könne den Zorn derAnti-TTIPler Ausdruck verleihen."

Das verloren gegangene Vertrauen in die SPD beschränkt sich nicht auf wenige Kritikpunkte (was bei einer "Volkspartei" logisch wäre), sondern bezieht sich auf den "Markenkern" der Partei, der bis auf Reste völlig ausgetauscht wurde. Deshalb wird sich ein Gabriel auch nicht zu einer Beendigung der Koalition aufraffen können, denn die realen Schnittstellen mit der CDU/CSU sind größer als mit der Linkspartei.

SigismundRuestig 02.03.2016 | 12:29

Wer weiterhin Bürger in die Arme von PEGIDA und AfD treiben will, muss den Gabriel-Vorschlag eines neuen Solidaritäts-Projektes ablehnen!
Allein die Vielzahl und die Heftigkeit der Ablehnungen aber zeigt, wie gefährlich dieser Vorschlag ist: nicht für die Bürger, nein, für die "christlichen" Parteien, denen offensichtlich eine das "C" in ihrem Namen repräsentierende Haltung abhanden gekommen ist.
Gefährlich auch für die, die bei der sich weiterhin öffnenden Schere zwischen Arm und Reich auf der Sonnenseite stehen: ein Ergebnis einer jahrzehntelangen einseitigen Politik insbesondere der Unionsparteien, die derzeit sogar die durch die EZB verursachte größte Enteignung seit der letzten Währungsreform insbesondere von Sparern und Rentnern mit verantworten: Das ist erbärmlich, Herr Schäuble! Dagegen müssten Sie ankämpfen, Herr Seehofer! Das scheint außerhalb Ihres Blickfeldes geraten zu sein, Frau Merkel!
Nicht zuletzt wird ja schon an Konzepten gearbeitet, wie man wieder einmal die Mittelschicht zur Deckung der Kosten für die Flüchtlinge heranziehen will (Stichwort: Benzinabgabe, Beibehaltung des Soli). Da muß ich schon Lafontaine Recht geben, der sagt, es ist mal an der Zeit, den Tisch für die Flüchtlinge von den Wohlhabenderen decken zu lassen. Aber dazu bzw. dagegen wird sich die Union natürlich erst nach den Wahlen bekennen! Das ist eine Sichtweise, die den Herren Schäuble, Seehofer und Konsorten offensichtlich völlig fremd ist!
Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
http://youtu.be/0zSclA_zqK4
Bleibt nur zu hoffen, dass Gabriel und die SPD diesen Vorschlag nach den Wahlen, und schon gar nicht mit dem sachfremden, leicht zu widerlegenden Hinweis auf die "vielen Wohltaten" in der Koalitionsvereinbarung, nicht wieder in der Schublade verschwinden lassen, sondern ähnlich penetrant wie Seehofer, jedoch mit Stil und Anstand, zum Erfolg führen werden.
Viel Spaß beim Anhören!

Rock-Blogger, Blog-Rocker und Roll'n Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.

Michael Jäger 02.03.2016 | 13:59

Lieber Maxundmoritz, es ist eine Frage der journalistischen aber auch generell politischen Methode. Die, der ich immer gefolgt bin, bei der werde ich auch bleiben. ich schreibe nicht, um im Moment des Schreibens das wiederzufinden und wiederzuerkennen, was ich immer schon wußte. Ich schreibe auch nicht, um mich mit meinen eigenen Überzeugungen zu unterhalten, sondern für alle, die diese Zeitung in die Hand kriegen mögen, schreibe ich. Darunter sind Linke, Grüne, Sozialdemokraten, ja ich hoffe daß sogar CDUler und FDPler darunter sind. Hauptsache: Leute, die nicht sowieso schon so denken wie ich. Das wäre witzlos und da würde ich nichts für mögliche Veränderungen tun. Kurzum, ich bin kein Sektierer.

Ich glaube, Sie haben übersehen, daß ich nicht über Herrn Gabriel geschrieben habe, sondern über „einen Satz“. Wenn Sie Ihre Affekte mal einen Moment beiseitelassen (Affekte, die ich teile!), können Sie das in meinem Text ganz deutlich lesen. Der Satz ist richtig! Und auch wenn Angela Merkel, ja wenn Horst Seehofer ihn gesagt hätte, hätte ich seine Richtigkeit unterstrichen. Einige Leute hier hätten dann aufgejault. „Madonna Seehofer“ und so weiter. Sollen sie jaulen, die Karawane zieht weiter. Aber Sie, lieber Maxundmoritz, sehen Sie denn nicht, daß Merkel und Seehofer gar nicht Gabriel, sondern den Satz angegriffen haben (damit, daß eine Figur wie Gabriel ihnen den Vizekanzler macht, sind sie wahrscheinlich recht zufrieden), daß sie unrecht haben, ihn anzugreifen, und daß man sich in diesem Streit auf die Seite des besseren Satzes stellen muß? Es ist besser zu sagen „Wir brauchen ein Sozialpaket für alle“ als „Wir helfen den einen, ohne den anderen das Gleiche zu geben“.

Habe ich irgendwo geschrieben, ich sähe einen „Paradigmenwechsel der SPD“? Nein und abermals nein! Wahr ist ist freilich, daß es einen geben müßte, wenn der Satz ernst gemeint wäre. Das werden auch mitlesende Sozialdemokraten wissen. Mein Artikel ist ja kein Brief an Herrn Gabriel. Vor allem aber, der Satz muß auf Ernsthaftigkeit geprüft werden. So habe ich geschrieben und so schreibe ich immer in vergleichbaren Fällen. Ob ich selbst daran „glaube“ oder nicht, spielt dabei gar keine Rolle. Man muß vielmehr jedesmal, wenn so etwas gesagt wird, es dem Prüfdruck aussetzen. Dann gibt’s ja Ergebnisse und dann hat man für die politische Urteilskraft etwas getan (nochmal: nicht für meine eigene, ich schreibe nicht für mich selber, und auch nicht für die virtuelle Sekte von Leuten, die wie ich denken). Es reicht nicht, zu sagen „Stimmt sowieso nicht“, denn so denken nicht alle anderen, und Sie wollen sich doch nicht von anderen abwenden und sie sich selbst überlassen, das wäre keine politische Haltung.

smukster 02.03.2016 | 16:08

Kann ich alles nachvollziehen, und nein, an der Rolle der SPD beim Siegeszug des Neoliberalismus gibt es nichts schönzusaufen. Selbstverständlich ist die SPD in der Pflicht, sich eines Besseren zu besinnen und Menschen davon zu überzeugen, dass sie es damit Ernst meint. Aber ich habe den Eindruck, für viele Linke ist es völlig egal, was ein Gabriel sagt oder tut, es wird nichts am Blick auf die Partei ändern. Hätten Sie vor ein paar Jahren einen Pfifferling auf die Labour Party gesetzt? Ich nicht, aber mit Corbyn habe ich durchaus Hoffnung, dass sie sich zum "Guten" wendet - ob in der Regierung oder Opposition ist dabei letztlich egal.

...in diesem Ökofinanzsystem eigentlich unlösbaren politischen oder sozialen Problemen

Das scheint der springende Punkt zu sein - und das Ziel der Sozialdemokratie (soweit es sie noch gibt) war noch immer die Überwindung des Systems auf dem Reformweg. Utopisch? Vielleicht.

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 17:56

Genau der.

Endlich mal kein Steinzeit-Linker ist, sondern jemand, der in eine ähnliche Richtung denkt wie ich ...

"Paul Mason blickt auf die Daten, sichtet Krisentheorien – und sagt: Wir stehen am Anfang von etwas Neuem. Er nimmt dabei Überlegungen auf, die vor über 150 Jahren in einer Londoner Bibliothek entwickelt wurden und laut denen Wissen und intelligente Maschinen den Kapitalismus eines Tages »in die Luft sprengen« könnten. Im Zeitalter des Stahls und der Schrauben, der Hierarchien und der Knappheit war diese Vision so radikal, dass Marx sie schnell in der Schublade verschwinden ließ. In der Welt der Netzwerke, der Kooperation und des digitalen Überflusses ist sie aktueller denn je."

Hans Springstein 02.03.2016 | 18:09

Gabriel im O-Ton: "Es geht nicht um die Flüchtlinge, sondern um die ganze Gesellschaft" (Huffington Post, 2.3.16)

Hallelujah, lobet den Herrn! Das hat Schröder auch behauptet, der wollte ganz Deutschland modernisieren. Die konkreten Vorschläge von Gabriel sind zu analysieren, zum Beispiel die als Mittel gegen Altersarmut untaugliche "Lebensleistungsrente", die nur Symptome kuriert und nicht verhindert, dass eine wachsende Anzahl von Menschen in die Grundsicherung im Alter fällt.

Gabriels Vorschläge dürften wahrscheinlich der Rubrik Symbolpolitik zuzuordnen sein. Leider, aber eigentlich nicht anders zu erwarten vom früheren "Pop-Beauftragten" der SPD.

Hans Springstein 02.03.2016 | 18:20

Hallelujah, lobet den Mason ... ähm den Herrn! Schon erstaunlich, da wird der neue antikapitalistische Messias herbeigehofft und -geredet. Passt ja fast auch namentlich.

Ganz ehrlich, das Digitale hat bisher noch nicht die Grundverhältnisse und -strukturen des Kapitalismus und seinen dauerhaften Antrieb, das Streben nach Profit, außer Kraft gesetzt und wird das wohl auch nicht tun. Es hat diesem Grundantrieb nur neue Mittel gegeben.

Eines ist aus der Geschichte sicher: Die Messiase (ist das der richtige Plural?) kommen und gehen. Die Verhältnisse werden von ihnen nicht geändert, auch nicht durch sie und ihre Jünger. Ein Versuch, die gesellschaftlichen Grundverhältnisse und -strukturen und -mechanismen außer Kraft zu setzen funktionierte einen geschichtlichen Augenblick lang, bis ihm die Puste ausging und er sich selbst übergab.

Ob sich die Verhältnisse, die denjenigen, die sie erleben, erleiden und auch zu verstehen suchen, veränderungsbedürftig vorkommen, digital zuspitzen lassen oder werden, bis sie aus sich heraus zur Veränderung zwingen, also, ich hab da so meine Zweifel. Aber großes Verständnis für jegliche Hoffnung, dass da jemand kommen möge, der uns aus dem Elends- und Jammertal des Kapitalismus führen möge.

Übrigend "Steinzeitlinke" ist sowas von Quatsch, weil es "Linke" erst seit dem und nur im Kapitalismus gibt und erst recht nicht schon lange vor ihm, als die Menschen nicht einmal die Produktivkraft Metall kannten.

Das musste mal gesagt werden. Ich bin sicher: Der Kapitalismus wird auch einen Mason überstehen und überdauern.

Hans Springstein 02.03.2016 | 18:29

Ach und eines noch: Das wiederholte Schwingen der digitalen Keule ist vielleicht eher steinzeitgemäß.

Übrigens wird auch Sascha Lobo demnächst mit einem Buch die Debatte beleben. Für 2016 kündigte er seine buchförmigen Erkenntnisse über den "Plattform-Kapitalismus" an. Hoffentlich nicht nur als E-Book. Bei einer Veranstaltung erzählte er von Peter Thiel, PayPal-Gründe rund Facebook-Investor, einer der größten Investoren in Silicon Valley, der gesagt haben soll: "Mir sind Marktanteile egal, mich interessieren Monopole." Na, wenn das mal nicht urkapitalistisch ist, dann habe ich wahrscheinlich was falsch verstanden, als ich Politikwissenschaften samt Politischer Ökonomie studierte. Aber das hat mir in der DDR auch schon mein Staatsbürgerkundelehrer als eines der merkamle von Kapitalismus erklären wollen. Hat der etwa Recht gehabt? Aber das führt jetzt wohl zu weit ...

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 18:39

Es geht nicht um einen Messias, es geht nicht um digitale Technik und es geht nicht um KI, es geht darum, die neuen Strukturen zu durchdringen, auf denen das moderne Kapital surft.

Den Begriff Steinzeit-Linke verwende ich, da diese Linken sich immer noch in der zweiten Phase befinden, also die erste Phase ist Acherbau, Viehzucht, die zweite Phase ist Industrialisierung, Massenproduktion, Papierzeitung. Danach brach das Informationszeitalter an, Stufe drei. Steinzeit-Linke auf Stufe zwei lauern auf Zehenspitzen auf Stufe drei, schaffen aber den Sprung nicht. Das Kapital bewegt sich gegenwärtig schon Richtung Stufe fünf.

Auf der Welt gibt es ein Nebeneinader dieser Stufen, sozusagen Blochs Ungleichzeitigkeit oder die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen.

Das Problem ist, dass sich die Strukturen, in denen sich das moderne Kapital bewegt, nicht von einer Stufe darunter durchdringen lassen. Ähnliches gilt in vielen Wissens-Bereichen, nicht nur bezüglich Quanten oder Logik ...

Wer also dem Kapital an den Kragen will, der muss wenigstens die Entwicklungs-Stufe des Kapitals erreichen. Ansonsten ist es ein Kampf mit Steinzeitäxten gegen Laserwaffen. Genau das ist der Grund, warum gegenwärtig alle Angriffe gegen das Kapital so jämmerlich scheitern ...

Hans Springstein 02.03.2016 | 18:50

Du schreibst von neuen Strukturen

Das ist eben der Punkt, an dem sich unsere Sicht auf die Dinge udn Entwicklung unterscheidet. Du siehst anscheinend nur auf die Strukturen an der Oberfläche des Kapitalismus, die nicht erst heute anders sind als zur Zeit der Dampfmaschine, während die unter der Oberfläche, gewissermaßen in seinem Fundament immer noch die selben wie damals sind. So sehe ich das und bin mir da sicher.

Und entschuldige: Wer auch nur halbwegs ernsthaft Ackerbau und Viehzucht in der frühen Menschheitsgeschichte schon zum Kapitalismus zählt, naja, dem sei das nur verziehen, weil er das wahrscheinlich so anarchistisch nicht anders kann als alles in einen Topf zu werfen, weil er die Unterschiede nicht sehen kann oder will. Das ist so unhistorisch wie die Hoffnung auf einen frühzeitigen Postkapitalismus.

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2016 | 19:07

Wo steht, dass ich Stufe eins zum Kapitalismus zähle. Allerdings gibt es gegenwärtig auf der Welt Gegenden, die sich noch auf Stufe eins befinden, somit dem modernen Kapitalismus hilflos ausgeliefert sind, usw.

Bitte genauer lesen.

Strukturen haben nichts mit "Oberfläche" in Bezug auf "oberflächlich" zu tun.

Wenn Du Politikwissenschaften samt Politischer Ökonomie in der DDR studiert hast, dann müsstest du mir theoretisch den Zeitpunkt nennen können, an dem der Kommunismus letztlich alles verspielte, den "wesentlichen Entscheidungspunkt" wie ich ihn in einem Kommentar zur "Anderen Gesellschaft" nannte. Ich weiß, das ist etwas unfair, da sozusagen der "Blinde Fleck".

Dass Du Dich an überholte Dir vertraute Denk-Modelle klammerst, ist ganz natürlich, erschwert allerdings den Sprung auf die nächste Stufe. In der Wissenschaft gilt nicht ohne Grund, dass sich neue Modelle nicht durch Einsicht derjenigen durchsetzen, die alte Modelle vertreten, sondern dadurch, dass die Vertreter der alten Modelle aussterben ...

maxundmoritz 02.03.2016 | 19:23

Hallo, Herr Jäger! Im Großen und Ganzen stimme ich Ihnen zu, es ist aber solch ein Satz wie dieser, der mich dann doch wieder zu meiner Kritik hin führt: "Bei Licht besehen läuft Gabriels Forderung doch auf den Wechsel der SPD zur rot-rot-grünen Koalition hinaus."
Weil m.E. hier nicht scharf getrennt ist zwischen dem was notwendig wäre und dem was in dieser Frage ansonsten von Herrn Gabriel geäußert wird. Der Satz scheint zu sagen, dass Gabriel für diesen Wechsel ist, was er aber keineswegs ist. Es fehlt mir die kritische Würdigung der Rolle des derzeitigen SPD-Vorsitzenden, die m.E. auch in einem solchen Artikel einen Platz haben sollte. Aber die habe ich ja nachgeliefert.
Ansonsten ist es richtig, dass die Forderung nach einem "neuen Sozialpaket" die Türen für eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Mitgliedern der SPD und mit der Partei als solcher öffnet. Hier sind nun die anderen oppositionellen und zivilgesellschaftlichen Akteure gefordert.

Mühlenkamper 02.03.2016 | 21:23

Jedenfalls danke ich Herrn Jäger für die abgewogene Kommentierung, die der Linken nahelegt, den maßgeblichen "Satz" einfach ernst und beim Wort zu nehmen. Nach den Landtagswahlen könnte es durchaus zum Kanzlerwechsel kommen und dann zur Frage, ob die Gabriel-SPD noch eine alternative Machtperspektive hat? Da könnte der "Satz" allerdings eine sehr praktische Bedeutung erlangen. Darauf hingewiesen zu haben, das ist ein politisches Verdienst von Jägers Kommentar.

Hans Springstein 02.03.2016 | 22:34

Mein bester Mopperkopp, wenn ich das mal so sagen darf, denn wir sind uns in der kritik wahrscheinlich einig, aber unetrschiedlicher meinung was die Alternativen angeht:

Ich habe Staatsbürgerkunde in der DDR-Schule gehabt und Politikwissenschaften samt Politischer Ökonomie im Einheitsdeutschland nach 1990 studiert. So viel zur Korrektur, was Du nicht wissen kannst.

Das, was Du und andere Kommunismus nennen, wa sich eher Staatssozialismus nenne, musste scheitern, gewissermaßen von Anfang an, weil schon die rein materiellen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Das hat selöbst marx beschrieben, ich betone: beschrieben,. nicht herausgefunden oder dogmatisch festgelegt, dass eine Alternative nicht in einem rückständigen Land möglich ist. Es war bloß die Frage des Zeitpunktes, wann der Versuch einer Alternative zusammenbricht, ihm die Luft ausgeht, was ja eigentlich auch so gewesen ist. Aber alles hat seinen Spielraum, seinen Toleranzbereich, so dass einige Jahrzehnte, geschichtlich nur ein Augenblick, möglich schien, eine Alternative zur kapitalistischen Gesellschaftsordnung bewusst zu gestalten trotz schlechtester materieller Voraussetzungen dafür. Andererseites hätte es diesen Versuch ohne den Kapitalismus und dessen Verbrechen wie Krieg, Hunger, Elend und Ausbeutung gar nicht erst gegeben. Kapitalismus und Kommunismus sind gewissermaßen dialektische Zwillinge, wovon aber der Kapitalismus die Henne war und deer Kommunismus das Ei. Ich habe überhaupt kein Problem damit, zu erkennen und einzugestehen, dass der Versuch des Staatssozialismus schon von innen heraus, von seinen eigenen Voraussetzungen her zum Scheitern verurteilt war, auch wenn das was mit meinem eigenen leben und meinen Lebensvorstellungen, bzw. der Hälfte davon zu tun hat.

Genauso bin ich mir sicher, dass der Kapitalismus weiter eine Alternative in sich braucht, um ihn zu zähmen, ihn menschlich zu gestalten, daran zu erinnern, dass er es mit Menschen zu tun hat, nicht nur mit Produktions- und Kostenfaktoren. Das gilt sogar für seine digitale Spielart. Das haben selbst gestandene Vertreter desselben erkannt und eingestanden.

Nein, ich halte nicht an vertrauten Denk-Modellen fest, sondern an der bewährten Methode, gesellschaftliche Strukturen zu analysieren, so weit mir das möglich ist, die nicht mit 1989/90 unterging, nur weil der Staatssozialismus, der sich auch auf sie berief, sie aber in der Realität ignorierte, untergegangen ist. Ach und wenn das von Thomas S. Kuhn beschrieben biografische Muster wissenschaftlicher Revolution so einfach auf gesellschaftliche Prozesse und ihre Analyse zu übertragen wäre, wie einfach wäre es dann, den Kapitalismus und all seine Adepten, Apologeten und Propagandisten zu überwinden. Doch die Kapitalisten als einzelne Menschen kommen und gehen, werden geboren und sterben, aber dieses Gesellschaftssystem, das vor einigen Jahrhunderten die Bühne der menschlichen Gesellschaft und Geschichte betrat, ist immer noch da, krisenerprobt, flexibel, wie es der Staatssozialismus nie war und sich selbst auf seine digitale Herausforderung einstellend, die seine Erscheinungsformen verändern wird, aber nicht sein Wesen. Mag sein, das sich mich irre. Das ist auf jeden Fall möglich. Aber ich habe so meine Zweifel, ob das geschieht, zumindest ob ich das nochmal zu meinen Lebzeiten erlebe ...

Aber wie gesagt: In der Kritik sind wir uns einig.

Ratatörskr 03.03.2016 | 12:28

Ich erinnere hier auch an die bekannte Tatsache, dass Adolf der Schrecklichste sofort über Nacht den Sterntalersegen zum Kriegführen einsammeln konnte! Wer hat dafür gesorgt?

Woher kamen diese Unsummen zum Kriegspielen 1933 nach einer langen Kriegs- u. Elendsstrecke für die Menschen nach dem WK I und der Weimarer Zeit ? Nach Brünings Austeritätspolitik? Kriege können sie sich immer leisten, ob Adolf, Bush oder die NATO etc.!

Und angeblich lief das Volk jubelnd zu den Schlachtbänken! Oder gab es Hochbetrieb bei den Psychotherapeuten?

Ich stimme Gabriel zu. Alle Menschen, die der Hilfe bedürfen, haben ein humanes Recht auf diese Hilfe. Vorrangig vor den Banken u. a. Kriegsprofiteuren!

Ratatörskr 03.03.2016 | 13:19

& Co war wer, wann und unter welchen Bedingungen?

Man kann und muss über 2 Gesellschaftsformen diskutieren, aber nicht einseitig bei Unterlassung der unterschiedlichen Ausgangslagen u. Voraussetzungen.

Der Sozialismus war sofort ein rotes Tuch für jeden Kapitalisten. Bismarcks Sozialistengesetze und Verfolgung der Linken sind auch Ihnen noch in Erinnerung, bzw. bekannt.

Dass Frau Merkel am liebsten mit Herrn Bush nach Irak gezogen wäre, müsste auch ein Grund gewesen sein, sie nicht Kanzlerin werden zu lassen.

Dass es irgend ein Land gibt, das ungestört eine sozial gerechte Gesellschaft hätte aufbauen können, ohne dass die kapitalistischen Herrn trotz des eigenen Drecks am Stecken dies zugelassen hätten, ist mir nicht bekannt. Ein gutes Beispiel der Auferstehung der korrupten Gesellschaft bot Jelzin der westlichen Welt. Wo hatte Gorbatschow eine Chance, eine Sozialdemokratie zu gestalten? Welche Ausgangslage hatte die russische Revolution?

Der "kalte Weltwirtschaftskrieg" tobte bis zum Mauerfall und danach ohne Hemmungen. Und nicht erst seit Vietnam blutig und schlimmer!

Bis jetzt kämpfen Bomben gegen Humanismus, der durchaus mit Vernunft bedacht vorstellbar ist. Es liegt nicht am Geld, es liegt an der krankhaften Geld- u. Machtgier der alten Kader, die sich konservative Eliten nennen.

Z. B. Kuba und Griechenland, 2 kleine Länder, werden aus allen Rohren kapitalistisch bekämpft! Wenn Menschen tatsächlich für ihre Menschenrechte, nicht für ihren überflüssigen Protz u. Luxus kämpfen, haben sie mit rücksichtsloser, bestialischer Bombenmacht zu rechnen.

Das ist kapitalistischer Faschismus. Unrecht bleibt Unrecht. Egal mit welcher Farbe es übertüncht wird und ob man es Gulag oder Guantanamo nennt!

Ich wünsche uns eine humanistische Front, ohne das Geifern gegen links. Sollte sich die SPD nicht endlich von ihrem engstirnigen Denken gegen die Linke lösen, wäre sie nicht machthungriger als es die CDU immer war, die jedem alten Nazi die Absolution erteilte und jeden Wendehals freudig aufnahm. Wenn sich Merkel u. Gauck angesprochen fühlen sollten, ist das nicht zu ändern.

Hans Springstein 03.03.2016 | 16:02

& Co war wer, wann und unter welchen Bedingungen?

Hallo, schon mal was von der Agenda 2010 gehört? Und von "Hartz IV"? Wer hat's erfunden? Bzw. in Gang gebracht, an vorderster Front? Die Rolle der Sozialdemokraten beim Angroiff auf den Sozialstaat muss ich ich Ihnen doch nicht erläutern. Aber hier finden Sie was zum Nachlesen. Man kann sich ja nicht an alles erinnern.

Ansonsten habe ich kaum Widerspruch.

Ratatörskr 03.03.2016 | 18:23

Nein, das müssen Sie mir nicht erklären. Aber Sie haben auch zu bedenken, dass die damalige Situation so war, dass die Wirtschaft über die Arbeitslosenzahlen Druck machte. Und wenn die Arbeitgeber ihr Ziel erreichen wollen, werden die Zahlen schon passend gemacht. Ich bin der Meinung, dass Schröder wissen musste, dass ihm die AG nicht das geben, was er wollte, Arbteitsplätze schaffen. Auch Merkel macht nur, was die Wirtschaft ihr erlaubt! Und dass Sie erwarten, Sozialdemokraten müssten eine fehlerlose Politik machen, andere nicht, ist nun kein überzeugendes Argument. Es gab mehr zu kritisieren. Aber Schröder regierte nicht allein und der bessere Politiker war er nicht nur im Irak-Desaster.

Es geht um die Politik jetzt! Und eine unpolitische Kanzlerin jetzt. Und von der SPD hätte ich mir eine ehrliche Opposition mit den Linken gewünscht. Zu einer demokratischen Presse zählt auch die Information über die Standpunkte u. Argumente der Gewerkschaften. Auch sie wurden an die Wand gedrückt. Ich erwarte, dasss so etwas mit den AG-Institutionen und -Verbänden geschieht. Oder gleichrangig wie Religion und Sport in den Sendeanstalten feste Zeiten und Info-Programme für den DGB eingeordnet werden.

Meinungsunterschiede halte ich in jeder demokratischen Partei für lebensnotwendig. In der CDU werden 3 Stunden Vorträge gehalten und ohne jede Aussprache wunschgemäß abgestimmt. Das nenne ich eine geistlose Partei. Helmut Schmidt hat für seine Überzeugung zum Nato-Doppelbeschluss gekämpft.

Unter Merkel wird diskussionslos die weitere Stationierung der Atomsprengköpfe in der BRD beschlossen! Gut so?

Das wäre nicht nur schön, wenn wir in unseren ör. Sendeanstalten wieder Persönlichkeiten wie Casdorff, Gaus, Friedrichs, Luc Jochimsen, S. Mikich etc. hätten.

Ratatörskr 03.03.2016 | 19:12

Das ist ein Thema, dass nur auf 5 Worte reduziert, auch nur ein billiger Propaganda-Schlachtruf ist. Das Volk wurde von der gesamten konservativen Front nicht nur verraten, sondern verheizt. Wer Kinder hatte, die nach dem WK I betteln gehen mussten, weil der Vater als Gewerkschafter seine Arbeit verlor u. dafür dauerarbeitslos auf einer schwarzen Liste landete, wird einen anderen Einblick in diese schlimme Zeit gehabt haben. In den KZ waren Kommunisten, Gewerkschafter und Sozialdemokraten, die mit diesem hirnlosen Geschrei tief getroffen werden. Wo dann nach Brünings Austeritätspolitik das Geld für die Rüstung und Kriegsführung herstammte, immerhin nach 15 Elendsjahren des Volkes + Kriegsj. 14/18, ist der Verrat an der Menschheit derjenigen, denen man bis heute nicht verrät, wer wo dieses Geld bzw. bis heute verschwundene Goldreserven gebunkert hatte. Das Volk wurde zweimal verraten, von diesen konserv. Politokraten!

Mit Vernunft hat das Hassgeschrei gegen links nichts zu tun. Insofern wundert es mich, dass Sie diesen gehässigen Spruch ohne Nachfrage hier einbringen.

Diese Argumentation ist mir zu billig. Ich kenne diese Alltagskatastrophen aus dieser Zeit noch aus authentischen Berichten.

Che Nie 04.03.2016 | 17:20

Der Agendawechsel "Sparen" hat doch schon 2002 mit der Rürup-Kommission angefangen. Beauftragt von Ulla Schmidt unter userem Kanzler Gerhard Schröder. Neben Bert Rürup wurden dazu Gallionsfiguren wie Roland Berger und Bernd Raffelhüschen einberufen. Mit dem Koch/Steinbrück-Vorschlag den ein Bundesfinanzminister Hans Eichel 2003 bereitwillig aufgriff ging es dann darum "Subventionen" wie Pendlerpauschale und Eigenheimzulage zu streichen. Weil es so schön krass war noch mal deutlich: ROLAND KOCH UND PEER STEINBRÜCK.

Es ist vor diesem Hintergrund und noch so viel mehr, der dem damalige Ministerpräsident und spätere Bundesminister Sigmar Gabriel sicher im Gedächtnis geblieben ist, schlicht ein Täuschungsmanöver nun Schäuble und Merkel engstirnige Austeritätspolitik vor zu werfen.

Das ist nicht falsch aber so gewissenhaft wie der klagende Gabriel dabei immer die Rolle der eigenen Genossen vergisst so wertlos und hohl ist sein Standpunkt und der der SPD dazu.

Joachim Petrick 05.03.2016 | 00:37

Zwischenruf.

",,,,es ist eine Frage der journalistischen aber auch generell politischen Methode. Die, der ich immer gefolgt bin, bei der werde ich auch bleiben,,,,"

`Das klingt so durchdacht, so unanfechtbar, aber geht das zusammen. journalistische und generell politische Methode?

In Parteien geht es um die Parteilinie auf der viele Strömungen durch methodischen Aufwand an Überzegungskraft erlesen bewährter Kader beieinander gehalten werden oder gebracht werden sollen.

Dariin haben Sie, lieber Michael, ja seit den 60ziger Jahren in der Sozialistischen Einheitspartei Westberlin (SEW) vermutlich prägende Erfahrungen sammeln können.

Ist das hier im Freitag aber nicht ganz anders als in einer Partei. welcher auch immer? Hier sind Sie Journalist, hier haben Sie sich in Jahzehnten bei ihrer Leserschaft den Nimbus einer Marke mit Alleinstellungsmerkmal durch authentische Beiträge erworben. Hier muss Niemand auf Parteilinie gebracht werden, sondern wird eingeladen, über authentische Beiträge Lesegewinn zu erleben.

"Ich schreibe auch nicht, um mich mit meinen eigenen Überzeugungen zu unterhalten, sondern für alle, die diese Zeitung in die Hand kriegen mögen, schreibe ich. Darunter sind Linke, Grüne, Sozialdemokraten, ja ich hoffe daß sogar CDUler und FDPler darunter sind. Hauptsache: Leute, die nicht sowieso schon so denken wie ich. Das wäre witzlos und da würde ich nichts für mögliche Veränderungen tun. Kurzum, ich bin kein Sektierer."

Stellen Sie sich denn nicht als schreibende Person hinten an, wenn Sie nur für andere zu schreiben vorgeben? Wenn ja, geht das überhaupt? Liegt darin nicht eine missionierende Anmaßung, wenn Sie meinen, für jene und jene schreiben zu können, als wüssten sie, was jene und jene gerne bzw. weniger gerne lesen?

Für mich fühlt sich das nach seelisch schiefem Kuddelmuddelhaushalt an. Wenn ich Sie lese, will ich Sie und nicht irgendwelchen virtuellen "So als ob" Linken, FDPler, CDUler, SPDler lesen, der unverbindlich in Ihrem Kopf vagabundiert. Das das nicht so ist, davon bin ich bisher ausgegangen.

Dass Sie sich in Linke, FDPler, CDUler, SPDler u. u. schreibend hineinzudenken suchen, weil der Mensch eben nicht einer, sondern viele ist, heißt das nach meinem Verständnis ja nicht, dass Sie nicht für sich schreiben. Warum bezeichnen Sie jene da gleich als Setkierer, die das vermögen bzw. anstreben?

"...und daß man sich in diesem Streit auf die Seite des besseren Satzes stellen muß? Es ist besser zu sagen „Wir brauchen ein Sozialpaket für alle“ als „Wir helfen den einen, ohne den anderen das Gleiche zu geben“."

Ein Satz fällt doch nicht aus allen Wolken vom Himmel? Der fällt in einem bestimmten Kontext und hier im Fall Sigmar Gabriels sogar im Kontrast zur Haltung der Linkspartei. die jetzt die Bevölkerung als Subjekt unserer Zivilgesellchaft, Willkommens- und Ankommenskultur stärken und mobilisieren will für eine gemeinsam verantwortete Flüchtllngs- , Migrations- und Integrationspolitik, die über ein schlichtes "Sozialpaket kleiner Stellschrauben nach gnädiger Gutsherrenart hinausgeht, weil hier Forderungen an vermögensnahe Schichten, Erben, die Wirtschaft, die Kirchen, Gewerkschaften, Verbände, Stiftungen, die EU gestellt gehören

"Dann gibt’s ja Ergebnisse und dann hat man für die politische Urteilskraft etwas getan (nochmal: nicht für meine eigene, ich schreibe nicht für mich selber, und auch nicht für die virtuelle Sekte von Leuten, die wie ich denken). Es reicht nicht, zu sagen „Stimmt sowieso nicht“, denn so denken nicht alle anderen, und Sie wollen sich doch nicht von anderen abwenden und sie sich selbst überlassen, das wäre keine politische Haltung."

Was ist das, eine virtuelle Sekte, die wie Sie denken, lieber Michael?, wenn ja, einmal, zweimal oder einmal für allemal auf "Parteilinie"? Machen Sie sich da nicht als Person unkenntlich?

Was bedeutet Ihnen dieses suggestive MaxundMoritz gegenüber

"... Sie wollen sich doch nicht von anderen abwenden und sie sich selbst überlassen, das wäre keine politische Haltung?"

Was ist eine politische Haltung? Machen Sie zwischen politischer und parteipolitischer Haltung keinen Unterschied?, wenn doch, erscheint mir in diesem Beitrag sowohl ihre politische als auch parteipolitische Haltung recht unkenntlich gelungen.

Setzen Sie als Journalist so wenig Vertrauen in grundlegende Meinungsfindungsprozesse?, die auf Authenzität aller Teilnehmer/innen an Diskursen angewiesen bleiben?

In diesem Sinne ein schöne Wochenende wünscht Ihnen aus Hamburg

Joachim Petrick

miauxx 07.03.2016 | 23:03

"Was war so falsch an Sigmar Gabriels Satz, ein „neues Sozialpaket für unsere eigene Bevölkerung“ sei nötig, den er am vorigen Donnerstag in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“ aussprach?"

Es ist gar nichts falsch an diesem Satz. Aber er wird zur Unzeit ausgesprochen; allzu durchsichtig ist die Zielrichtung: Purer Populismus zum Wahlkampf. Dabei ist Populismus nicht zwingend verkehrt - aber das Bedürfnis nach einem "neuen Sozialpaket für unsere eigene Bevölkerung" besteht seit Jahren, nicht erst seit Flüchtlinge vermeintlich "alles bekommen" und "wir nichts". Die SPD steht aber seit vielen Jahren für alles andere als eine entsprechend soziale Politik - im Gegenteil, für Sozialabbau. Das auf vermeintlich ungünstige Umstände der Koalition wegen zu schieben, wäre eine allzu billige Ausrede. Die SPD ist seit gefühlten Ewigkeiten der wohl größte Lügenbold und Einknicker unter den Parteien, die in Regierungsverantwortung stehen und standen. Und gerade der Gabriel vorneweg.

"Hätte er bei Illner nicht zitieren dürfen, was nicht nur er schon oft hat sagen hören: „Für die macht ihr alles“ – für die Flüchtlinge nämlich –„für uns macht ihr nichts“?"

Ja, hätte er nicht. Gerade einmal vor Wochen hat er selbst genau davor gewarnt, dieser hanebüchenen wie gefährlichen Behauptung nachzugeben.

"Gewiss drängt sich die Frage auf, ob der SPD-Vorsitzende es ernst meint oder vielleicht nur einen Luftballon steigen lässt, weil Landtagswahlen bevorstehen."

Die Frage drängt sich nicht auf - es ist ganz klar ein "Luftballon". Obwohl "Luftballon" zu harmlos formuliert ist. Man ist ja schon einiges gewöhnt - aber dass sogar durch einen SPD-Mann schon versucht wird, Wähler auf dem rechten Weg entgegenzukommen, ist doch noch neu. Und ohne Schäuble verteidigen zu wollen weiß ich nicht, was an seiner von Ihnen hier zitierten Aussage schlimmer sein soll als an der in Rede stehenden Gabriels. Ich halte in dem Moment Gabriels Zunge ganz klar für die gefährlichere.

miauxx 07.03.2016 | 23:29

Ihren Kommentar an MAXUNDMORITZ lesend, muss ich nachlegen:

Dieser Absatz:

"Ich glaube, Sie haben übersehen, daß ich nicht über Herrn Gabriel geschrieben habe, sondern über „einen Satz“ (...)"

Ich verstehe nicht - wie kann man einfach "über einen Satz" schreiben, losgelöst von seinem Urheber, seinem Zeitpunkt und dem präzisen Umfeld?? Gut, wenn es sich um einen Satz des Erzengels Gabriel handeln würde - über den kann man sich sicher als einen Satz 'an sich' unterhalten; seine Zeit steht gewissermaßen still. Aber den in Rede stehenden Satz Sigmar Gabriels muss man schon präzise verorten. Und zwar als ein flüchtiges Ereignis. Und das insbesondere als einen Satz von einem Politiker.

Michael Jäger 08.03.2016 | 02:17

Damit schneiden Sie wahrlich ein Grund„satz“problem an. Wodurch steuert sich die politische Entwicklung? Mehr durch Politikerhandlungen oder mehr durch die Bewegung des Diskurses? Ich selbst habe schon vor langer Zeit die Neigung der vorhandenen Politikwissenschaft kritisiert, das Gesprochene in der Politik für nebensächlich zu halten. In Wahrheit, gebe ich mal überspitzt deren Mainstream wieder, sei Politik doch dasselbe wie Physik. Kräfteverhältnisse, Druck und Gegendruck, der dicke Körper des Herrn Gabriel... Mir selbst sind diese Dinge nicht so wichtig wie das, was von Wörtern bewirkt wird. Merkels und Schäubles Wort hat, obwohl es falscher war, gegen Gabriels Wort obsiegt. Das ist wichtig. Wer oder was Herr Gabriel ist, interessiert mich viel weniger, und ich kann es ja ohnehin nicht wissen, so wenig übrigens wie Sie, Miauxx.

Michael Jäger 08.03.2016 | 17:53

Auch ich möchte gern noch etwas nachlegen, nicht um recht zu behalten – vielleicht habe ich unrecht -, sondern weil mir scheint, daß wir es mit einer interessanten konzeptionellen Frage zu tun haben. Und zwar glaube ich, daß unsere Kontroverse hier der Kontroverse, die wir schon häufiger im Musikbereich geführt haben, genau entspricht. „Ein Satz, losgelöst von seinem Urheber“: Ich löse ihn nicht vom Urheber, wahr ist aber, daß ich vom Urheber gelegentlich (nicht immer) abstrahiere. Das entspricht meinem Verfahren, einem Musikstück „Sinn“ zuzuschreiben, das ja darin besteht, daß ich einzelne Stellen auf strukturell vergleichbare Stellen in vorausgegangenen Musikstücken zurückführe und die Art der Verwendung / Veränderung betrachte. Solche Stellen sind insoweit nicht nur vom Urheber losgelöst, sondern sogar vom Stück, in dem sie vorkommen. Der Gedanke dabei ist, daß die vorausgegangene Stelle einen Möglichkeitsraum eröffnet hat, in dem sich der aktuelle Komponist mit seiner wiederholend-modifizierenden Verwendung bewegen kann, um jene gleichsam zu kommentieren. Auch wenn das gar nicht bewußt geschieht, ist es doch vom Vorausgegangenen ermöglicht worden. (Beispiele wahrscheinlich bewußter Verwendungen: Die ersten Takte des Parsifal-Vorspiels sind die Umkehrung des Themas der Kunst der Fuge; und ein überraschendes Beispiel serieller Musik: Der Schlag, mit dem Pli selon Pli vom Boulez beginnt, ist Verdis Ein Maskenball entlehnt, wo er ebenfalls das Auftauchen des Bösen einleitet.) So kann es ganze Ketten von Ermöglichung –> (freier) Realisierung -> die ihrerseits Neues ermöglicht (usw.) geben. Auf Gabriel übertragen: Sein „Satz“ hat nicht nur selbst etwas wiederholt, sondern zu wünschen wäre, daß er seinerseits wiederholt wird – und weil immerhin Gabriel ihn gesprochen hat (in welcher „Intention“ auch immer!), ist es möglich geworden, ihn öffentlichkeitswirksam zu wiederholen -; dem haben aber Merkel und Schäuble mit ziemlich viel Erfolg einen Riegel vorzuschieben versucht, was sehr zu bedauern ist.

miauxx 08.03.2016 | 22:48

Danke für Ihre ausführlichen Antworten!

Ich möchte Ihnen beipflichten was das gesprochene Wort in der Politik angeht. Ich meine, dass Politik wohl sogar vornehmlich durch "durch die Bewegung des Diskurses" gesteuert wird. Dabei ist ja auch nicht zu verkennen, dass Politik im Volk vorrangig durch das, was zu hören ist, wahrgenommen und be- und ausgewertet wird.

Ich möchte auch versichern, dass es mir wie Ihnen um das geht, was ein Gabriel sagt, aber eben v.a. auch tut, und weniger, was er tatsächlich "ist" - denn freilich kennen wir nur die Politikerfigur Sigmar Gabriel (nein, die Wortwahl ist keine Anspielung auf seine äußere physische Beschaffenheit).

Um nun Ihre Analogie zu musikalischen Texten aufzugreifen: Wenn ein Text oder auch nur ein Baustein oder ein Motiv wieder aufgegriffen wird, spielt es ja auch eine Rolle, wie und wo dieser sich wiederfindet. Die abgegriffene Binse, dass der Ton die Musik macht, muss hier wieder bemüht werden. Wenn Sie sagen, dass Boulez ein Motiv "des Bösen" aus einem populären Werk des 19. Jh. illustrierend zitiert, so stimmt es wohl, dass das ein "Wiederholen" im Sinne des Wachrufens einer Hörerinnerung ist oder sein kann. Also Wieder-Holen im Wortsinne. Aber Boulez' setzt das Zitat in sein Werk. Allgemein, losgelöst vom konkreten Fall, kann man doch aber nicht sagen, solche Verfahren sprechen das Gleiche oder die gleiche Wahrheit aus, wie dort, woher sie entnommen sind. Sogar in Bearbeitungen ganzer Stücke, wie etwa Stravinkys "Pulcinella", muss man sich doch sogar die Frage stellen, was das nun für ein Kommentar auf die, i.d.F. frühklassische, Vorlage ist. Und noch viel mehr bei Mahler, einem oder dem Meister der Collagen aus Stilzitaten und v.a. auch des Selbstzitates. Es wird in einem eigenen und neuen Sinn mit dem Hör-Bekannten gespielt.

Um nun wieder auf Gabriel zurückzukommen, so haben Sie doch recht, dass sein Satz "seinerseits wiederholt" gehört. Aber es muss hier der gleiche Satz bleiben! Damit er das wirklich bleibt, muss er aber auch immer wieder im gleichen "Lied gesungen werden" (die Musikanalogie klingt hier jetzt ein bisschen blöd, ich weiß). Im jetzigen Kontext einer angeheizten Situation angesichts der Flüchtlingskrise mit einer Sozialneid-Debatte und kurz vor Regionalwahlen in drei Bundesländern ist es aber ein anderes Lied. Um nocheinmal einen Vergleich zu wagen: Wenn Gabriel genau jetzt einen Sozialpakt für unser Volk fordert, so hat das den gleichen schalen Geschmack, der bleiben würde, hörte man in einer Komposition von Adorno plötzlich einen Schubert-Satz zitiert. Etwas stimmt einfach nicht.