miwendl

Gewerkschaftssekretär, Mitherausgeber und Autor der Zeitschrift "Sozialismus".
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RE: Und plötzlich ist alles vorbei | 27.07.2012 | 16:19

Was mich an Lutz Herden Einschätzung irritiert, ist sein unbeirrtes Fixiertsein auf die Quantitätsttheorie des Geldes. Hier trifft er sich mit Sahra Wagenknecht und vielen traditionellen Marxisten. Diese Theorie meint, dass mit steigender Geldmenge die Inflationsgefahr entsprechend steigt. Das markiert quasi das Alltagsbewusstsein vieler Menschen, auch von Linken, ohne dass sie eine Zeile von Irving Fisher und Milton Friedman, den akademischen Begründern dieses Dogmas gelesen haben. Marx hat diese Quantitätstheorie, damals noch am Beispiel der Fassung durch David Ricardo scharf kritisiert, Keynes ebenso, aber dieser Stand kritischer Theorie wird offensichtlich nicht rezipiert. Nur auf dieser gemeinsamen Basis der Quantitätstheorie bekommen wir in der aktuellen Debatte über den Aufruf der "Wutökonomen" um Walter Krämer und Hans-Werner Sinn diese Übereinstimmung von Rechtspopulismus und Linkspopulismus bei der Bankenkritik. In den 1920er Jahren und danach hatten wir auch schon diese partiellen Übereinstimmungen zwischen kommunistischer und nationalsozialistischer Sicht. Nun ist Sinn kein Nazi und Wagenknecht keine Kommunistin, aber ein wenig Nachdenklichkeit ist bei solchen Überschneidungen doch geboten.

RE: Und plötzlich ist alles vorbei | 27.07.2012 | 16:18

Was mich an Lutz Herden Einschätzung irritiert, ist sein unbeirrtes Fixiertsein auf die Quantitätsttheorie des Geldes. Hier trifft er sich mit Sahra Wagenknecht und vielen traditionellen Marxisten. Diese Theorie meint, dass mit steigender Geldmenge die Inflationsgefahr entsprechend steigt. Das markiert quasi das Alltagsbewusstsein vieler Menschen, auch von Linken, ohne dass sie eine Zeile von Irving Fisher und Milton Friedman, den akademischen Begründern dieses Dogmas gelesen haben. Marx hat diese Quantitätstheorie, damals noch am Beispiel der Fassung durch David Ricardo scharf kritisiert, Keynes ebenso, aber dieser Stand kritischer Theorie wird offensichtlich nicht rezipiert. Nur auf dieser gemeinsamen Basis der Quantitätstheorie bekommen wir in der aktuellen Debatte über den Aufruf der "Wutökonomen" um Walter Krämer und Hans-Werner Sinn diese Überseinstimmung von Rechtspopulismus und Linkspopulismus bei der Bankenkritik. In den 1920er Jahren und danach hatten wir auch schon diese partiellen Übereinstimmungen zwischen kommunistischer und nationalsozialistischer Sicht. Nun ist Sinn kein Nazi und Wagenknecht keine Kommunistin, aber ein wenig Nachdenklichkeit ist bei solchen Überschneidungen doch geboten.