Behindertenverbände - Bewahrer des Status Quo

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Die Behindertenverbände befinden sich politisch, ideologisch und sozial in einer Sackgasse. Einerseits haben sie viele ihrer Ziele erreicht. Andererseits nehmen sie selbst am gesellschaftlichen Diskurs nicht teil. Dass Sonderschulen für Behinderte Quatsch sind, haben inzwischen viele mitbekommen. Die Blindenstudienanstalt in Marburg kostet pro Schüler und Monat nur 3000 Euro. Also weg damit, das ist gesellschaftlicher Konsens. Die Behindertenverbände aber klingen wie kaputte Schallplatten. Da fordern sie alle paar Wochen die inklusive Beschulung und raffen offenbar nicht, dass die einen nicht wissen, was Inklusion heißt und die anderen wissen, dass Inklusion organisiert werden muss. Die Blindenverbände protestieren regelmäßig gegen die Abschaffung des Blindengeldes. Manchmal scheint das ihre einzige Aufgabe zu sein, einmal erreichte Wohltaten für sich selbst zu erhalten. Ein Blinder könnte 10.000 Euro im Monat verdienen und würde immer noch 500 Euro Blindengeld bekommen. Ist das vernünftigg.? Gleichzeitig werden die Verbände zu Akteuren auf dem Markt. Was passiert, sieht man beim Stromanbieter Greenpeace. Man macht sich angreifbar und die Fähigkeit zur Selbstkritik und Selbsterneuerung und zur kritischen Selbstbetrachtung erlahmt. Ohne Zweifel sind viele der Mitarbeiter engagierte Leute. Zugleich sind sie abber in ihren eigenen Interessen festgefahren. Im Alltagsgeeschäft gehen langfristige Strategien einfach unter. Sie haben keine Idee, wo sie hinwollen. Alles, was sie tun, ist auf Selbsterhalt, Erhalt des Status Quo und das Richten von Forderungen beschränkt. Forderungen an die Politik, an die Gesellschaft und die finanzielle Leistungsfähigkeit ihrer Mitgliieder. In der Gesellschaft fordern wir mehr Basisdemokratie und Beteilgung, in den Verbänden wird alles von der Spitze diktiert. Die Verbände sprechen viel von Inklusion, tragen aber selbst aktiv zur Selbstisolation ihrer Mitglieder bei. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn je weniger man unter Behinderten ist, desto weniger ist man geneigt, in den Behindertenverband einzutreten.Es mag vieles schön sein am Behindertensport, an geselligen Abenden und gemeinsamen Ausflügen. Inklusiv ist das aber nicht. An den Diskussionen um Peter Singer und die Präimplantiationsdiagnostik sieht man, wie ideologisch festgefahren diese Verbände sind. Ein Häufchen Elend sammelt Argumente aus der Mottenkiste, um gegen Dinge vorzugehen, die eigentlich nicht behindertenfeindlich sind. Da werden die Nazivorwürfe hervorgekramt, da wird zum Boykott aufgerufen, da wird agitiert auf unterstem Niveau. Interessiert aber keinen. Singergate hat zur Beleidigung der Behindertenfunktionäre kein Feuer in den Massenmedien entfacht. sie haben sich mit ihrer Agitation selbst ins Bein geschossen, denn niemand, der auf diesem Niveau argumentiert, kann noch ernst genommen werden. Stephen King würde sagen, die Welt hat sich weiter gedreht, aber die Behindertenverbände nicht mitgenommen. Unser größtes Problem heute ist die Heiligkeit des Behinderten. Man darf die Kirche beleidigen, die Umweltverbände kritisieren und die Politik verfluchen, aber die Behinderten und ihre Verbände bleiben unantastbar. Kritiker werden mit Schmähkritik mundtot gemacht. Auch moderate Vertreter einer Geburtenkontrolle werden zu Nazis gestempelt. Wir sollen nicht mehr behindert sagen, weil ... irgendwas. Wir sollen nicht geistig behindert sagen, sondern einen Begriff verwenden, den die Betroffenen selber nicht verstehen. Auch die Kirchen durfte man lange Zeit nicht kritisieren und mittlerwile darf man ihr dabei zusehen, wie sie sich selbst verdaut. Den Behindertenverbänden droht das gleiche Schicksal, denn auch ihre Mitglieder werden nach und nach aussterben. Und aus heutiger Sicht ist das die beste Nachricht für die Gesellschaft, die Politik und vor allem für uns - die Behinderten.

19:03 02.06.2011
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