Was sagen Behinderte zur PID?

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Man sollte nicht soweit gehen, die Aussagen der Behindertenverbände mit jenen der Behinderten zu verwechseln. Die Behindertenverbände leben noch in einer Zeit, als Behinderte in Heime gesteckt wurden. Sie treffen bestenfalls Aussagen für eine sher begrenzte Zahl von Menschen. Verbände wie der Bayerische Blinden und Sehbehindertenbund beschäftigen vor allem nicht-behinderte Mitarbeiter, was wohl schon alles sagt, was man über diesen Verein wissen muss.
Die Aussagen dieser Leute sind nur beschränkt glaubwürdig. Sie haben Glück gehabt und wissen nicht, wie eine echte Schwerbehinderung sich auswirkt. Ständige Schmerzen, 24 Stunden Pflege und der völlige Manel an Freiheit ist möglicherweise nicht jedermanns Sache.
Zum Kotzen sind die zahlreichen Menschen, die nie Erfahrungen mit Behinderung gemacht haben. Wer kein behindertes Kind großgezogen hat, sollte vielleicht einfach mal die Klappe halten. Sine aussagen sind eben so viel wert wie das, was Pferde hinten fallen lassen. Ich meine die Kirchen- und Verbandsvertreter und die zahlreichen Gutmenschen, deren größte Handlung in mündlichen Liebesbekundungen besteht, die aber keinen Handschlag für Behinderte machen.
Behinderte sehen das sehr viel nüchterner. Einem Menschen, der kein Bewusstsein hat oder noch schlimmer, am Locked-In-Syndrom leidet, sollte man das Sterben erlauben. Einem Unngeborenen, das eine schwere Behinderung haben wird, sollte man die Gnade erweisen. Alles andere ist eben kein Humanismus, sondern das glatte Gegenteil.
Wir bilden uns immer ein, wir seien besonders ethisch, wenn wir jemandem nicht eine harte Wahrheit ins Gesicht sagen. Wir meinen, es sei Rücksichtnahme, wenn wir keine harten Entscheidungen treffen. Das ist falsch. Es ist Bequemlichkeit, Feigheit oder Faulheit. Wir richten uns in unserer Lila-Laune-Welt ein, gehen jedem Konflikt aus dem Weg, weil wir wissen, dass wir die Konsequenzen eh nicht zu tragen haben. Es sind am Ende die Mütter, die moralisch geächtet werden, weil sie kein behindertes Kind zur Welt bringen wollen. Bei der Geburt sind sie dann alle versammelt, die ethischen Menschen. Eine Woche später ist der Staub verflogen und die Mutter ist allein mit ihrem behinderten Kind.

Ist die PID humanistisch?

jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/525451

17:36 30.05.2011
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