RE: In der Krise sind alle Keynesianer | 05.04.2020 | 09:57

Das sind die Textanteile, aus einemm Veröffentlichungstext, den ich Ihnen gern als Anlage zusenden möchte:

Die Coronakrise ist keine Krise unseres Gesundheits-, Gesellschafts- oder Wirtschaftssystems, sondern eine Krise unseres Finanzsystems

Zwischen Desaster und Chance oder

welche Ökonomischen Notwendigkeiten aus der Coronakrise resultieren

Von Michael Rost, Prof. Dr.-Ing, Biederitz, Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Wasser, Umwelt, Bau und Sicherheit

Echte Veränderungen in einer Gesellschaft gibt es nur in Krisenzeiten. Ohne Zweifel ist die Corona-Pandemie eine weltweite Naturkatastrophe. Der Unterschied zu anderen Katastrophen ist die Zeitdauer und die weitgehende globale Gleichzeitigkeit.

Das Zusammenbrechen großer Teil des Wirtschaftssystems, immer mehr Arbeitslosigkeit und eine noch größere Schere von arm zu reich sind zu erwarten, wenn sich die Pandemie über viele Monate hinzieht. Die Finanzierung durch staatliche Hilfen wird irgendwann an Grenzen stoßen und hier zeigt sich das eigentliche Problem: Inwieweit ist unser Wirtschaftssystem in Krisenzeiten abhängig vom Finanzsystem.

Durch die Pandemie sind zuallererst die Opfer, die Toten betroffen, dann sind es , die dauerhaft Arbeitslosen, dann das zu erwartende Heer von Neuarbeitslosen, es sind die abhängig Beschäftigten betroffen, die in Kurzarbeit fallen oder denen es schlechter gehen wird, es sind die Selbständigen betroffen, es sind die Klein- und mittelständischen Unternehmen betroffen und es sind die öffentlichen Haushalte in allen europäischen Staaten und darüber hinaus betroffen, die immer höhere Schulden aufnehmen müssen und sich zukünftig andere notwendige Maßnahmen wieder weniger leisten können werden (es ist ein neues Spardiktat zu befürchten!). Dass die europäische Solidarität darunter leiden wird, hat schon das asoziale Verhalten der Regierungen Deutschland, Finnlands, Österreichs und der Niederlande zu Eurobonds gezeigt.

Offensichtlich nicht betroffen ist die „Kapitalmärkte“, das Finanzwesen, die „Finanzmärkte“, welche ganz unabhängig von der Pandemie über den Dingen zu stehen scheinen. In der Diskussion um „Coronabonds“ geht es ja darum, wer günstige Kredite von den Kapitalmärkten erhalten darf, Europa oder nur Deutschland und einige andere? Haben die Kapitalmärkte mehr Macht als die Regierungen oder die EU-Kommission? Wenn das so ist, ist das wohl eine der schlimmsten Fehlstrukturierungen unserer Gesellschaft, ein Systemfehler, der alle anderen Fragen zu dominieren scheint und all die vielen und wichtigen Bemühungen, die Schäden der Katastrophe zu minimieren, torpediert. Diese Kapitalmärkte sind in keiner Weise demokratisch legitimiert.

Dabei sind es die Kapitalmärkte, die maßgeblich die Umverteilung von arm zu reich über unser Geld und exponentielles Zinseszinssystem organisieren und sichern.

Während alle anderen bereit sind Einschnitte hinzunehmen, (die öffentlichen Haushalte verschulden sich, es gibt riesige Rettungspakete etc.), wird von den Regierungen das Finanzsystem „sanchrosant“ gestellt.

Es wäre nicht zu verstehen, wenn alle anderen durch die Pandemie massiv geschädigt werden, nur die Kapitalbesitzer und -anleger und die Akteure des Finanzsystems nicht, mehr noch, sie würden sich sogar an der Pandemie gesundstoßen. Schon aus diesem Grund ist es notwendig, im Finanzsystem zu gravierenden Änderungen zu kommen, sollen die Auswirkungen dieser und möglicher zukünftiger Pandemien minimiert werden.

Das unser derzeitiges Finanzsystem selbst das Problem ist, zeigt sich an den jetzt immer wieder auflaufenden Exponentialkurven für die Zahl der vom Virus betroffenen. Diese Exponentialkurven der Infektionen sind nichts anderes als die Exponentialkurven unseres derzeitigen Geldsystems bei Zins und Zinseszins. Erinnert sei an die Gleichnisse „Verdopplung der Getreidekörner auf dem Schachbrett“ oder der Parabel vom „Jesuspfennig“ (Was wäre heute, wenn Jesus im Jahre 0 einen Cent nach normalen Zinssätzen angelegt hätte?).

Von der Gesellschaft und auch den etablierten ökonomischen Wissenschaften wird dies alles ignoriert. Einer der wenigen Ökonomen, der dies ausdrücklich thematisierte war der 2017 verstorbene Helmut Creutz (z.B. /2/.)

Dass unser Finanzsystem nicht funktioniert, ist an dem Gedankenmodell zu sehen, wenn man beispielsweise eine Geldanlage von 100 € bei einer Bank festverzinslich für 300 Jahre anlegen will. Selbst bei geringen Zinssätzen von z.B. 1% ergäbe sich alle 72 Jahre eine Verdopplung, bei 4% alle 16 Jahre. Der Jesuspfennig aber waren über 2000 Jahren. Das zeigt, dass unser Finanzsystem mathematisch über längere Zeiträume überhaupt nicht funktionieren kann und eigentlich nur von Krisen oder Zusammenbrüchen lebt. Und von diesem im Charakter unmöglichen Geldsystem sind wir abhängig! Ist das nicht kriminell?

Spätestens seit der Diskussion über Coronabonds ist klar, wer die eigentlichen Verlierer und Gewinner der jetzigen Krise sein werden, wenn diese nicht eingeführt werden und sich nichts verändert. Es sind die Arbeitslosen und abhängig Beschäftigten vor allem in Südeuropa, wenn man nur Europa betrachtet. Die Kreditwürdigkeit schlägt sich in der Kreditzinshöhe nieder. Und je größer die Nachfrage nach Krediten sein wird, umso höher werden die Zinsen und damit die Umverteilung.

Bereits heute schon wird auf den Kapitalmärkten wieder auf steigende Zinssätze gehofft und gewettet, wohlwissend, dass dies die Schuldner, die es zukünftig wieder genug geben wird, über den Kapitaldienst bezahlen müssen. Das sind vor allem verschuldete öffentliche Haushalte, eher mittelständige Unternehmen, die Kredite aufgenommen haben oder dies ums Überleben Willen machen mußten. Auch Staaten, die hochverschuldet sind, wie Italien, Griechenland und andere sind die bei Finanzanlegern willkommenen Schuldner. Dabei ist folgendes festzustellen: Die Rendite der Finanzwirtschaft lässt sich (vor allem nach Niedrigzinsphasen) nur durch Katastrophen und Kriege sichern, wegen der Kapitalzerstörung und der Entstehung neuer Schuldner Jede Verzinsung der Vermögen und damit die entstehende Rendite, muss durch den Schuldendienst auf der anderen Seite finanziert werden . Schon vor über 100 Jahren hat die Zeitschrift „Sparkasse“ versehentlich aufgezeigt, dass Katastrophen, noch besser Kriege für das kapitalistische Finanzsystem „lebensnotwendig“ sind /2/:

Anm.: Eine Veröffentlichung aus der Kundenzeitschrift Sparkasse von 1891(!), -rote Hervorhebungen durch den Verfasser

Das gilt heute genauso, wie damals. Was damals die Hoffnung auf einen Krieg war, sind heute Katastrophen wie auch die jetzige Pandemie. Auch heute sprechen Staatschefs von einem „Krieg“ gegen die Pandemie und von „Kriegsverhältnissen“. Bekanntermaßen stirbt im Krieg die Wahrheit zuerst. Es ist nicht ein Krieg gegen die Katastrophe, sondern die Unfähigkeit, mit Katastrophen umzugehen oder aus diesen zu lernen.

Abb.: Katastrophenkreislauf

Nachdem die Katastrophenvorsorge in Deutschland und in der EU nur bedingt funktionierte (erinnert sei an die nicht ausgewerteten Katastrophenszenarien aus 2012, die personellen Probleme in Krankenhäusern, generell die Privatisierung des Gesundheitswesens als einen Teil der kritischen Infrastrukturen) wird zur Zeit alles Mögliche in der Bewältigung getan, sowohl im medizinischen Bereich als auch durch die ersten Unterstützungspakete. Dier Wiederherstellung geht aber nicht, wenn sich alle außer den Kapitalmärkten, die über der EU-Kommission zu stehen scheinen, bemühen.

In den Sicherheitswissenschaften wird das das derzeitige Finanzwesen immer mehr als ursächlich oder unterstützend für das Entstehen von Großschadensereignissen angesehen. (In meiner Vorlesung “Ökonomie der Großschadensereignisse“ weise ich immer auf diesen Zusammenhang hin.)

Nach dieser Krise werden, wenn unser Finanzsystem so bleibt wie bisher und nicht verändert wird, viele Privatpersonen, klein- und mittelständige Unternehmen und öffentliche Haushalte in große finanzielle Schieflagen geraten, während Kapitalbesitzer, Anleger und die Finanzindustrie sogar profitieren werden, weil die bisherige europäische Niedrigzinspolitik wohl nicht aufrecht erhalten bleibt und die Zinsen wieder steigen werden, wenn hier nichts verändert wird. An dieser Stelle ergibt sich das eigentliche Gerechtigkeitsproblem. Bei Billionenschäden ist es nicht gerecht, dieses auf Kranke, Personen oder Wirtschaftsunternehmen abzuwälzen. Hier sind neben der kurzfristigen finanziellen Unterstützung von zum Beispiel Kleinunternehmen Hilfen für Privatpersonen dringend.

Was passiert, wenn immer mehr Wirtschaftsteilnehmer Zahlungen wie Mieten aber auch andere einstellen, wie zur Zeit einige Großunternehmen. Dann kommt es zur Rezession. Geld in den Kreislauf ist ein wichtiger, aber allein nicht ausreichender Ansatz.

Ein Ansatz wäre hier die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens staatlich finanziert, wie schon lange diskutiert. Das könnte die Rezession von der individuellen Seite bekämpfen und vor allem allen Betroffenen eine gewisse Sicherheit bringen. Das wiederum führt zu noch höheren finanziellen Belastungen für die öffentlichen Haushalte, die zum Teil schon erheblich verschuldet sind und ihre Aufgaben nur bedingt erfüllen können, siehe Lehrer und Polizei auf Landesebene, siehe die Aufgaben zur Bewältigung des Klimawandels. Genau deshalb verbietet es sich, dass die Finanzmärkte bei höherer Verschuldung und damit steigenden Zinsen sich auf Kosten des Staates bereichern und so zu Gewinnern der Krise werden. Nun sind diese die Kapitalanleger zwar sowohl Fonds, Anlagen von Einzelpersonen und Unternehmen, der Aktienmarkt etc. Alle haben Einnahmen aus dem wieder wachsenden Kapitaldienst, den öffentliche Haushalte und andere, die von der Pandemie geschädigt sind, in den Zinsen erwirtschaften müssen. Auch ist wieder mit höheren Inflationsraten bei steigenden Zinssätzen zu rechnen, was wiederum vor allem die Verbrauer trifft.

Kommt es jetzt nicht zu den notwendigen Veränderungen am Finanzsystem, droht eine größere Spaltung von Arm und Reich, von Kapitalbesitzern auf der einen (die auch bestimmte Großunternehmen sein können) und abhängig Beschäftigten, Selbständigen, Klein- und Mittelbetrieben und auch der finanzklammen öffentlichen Hand auf der anderen Seite. Die ökonomischen Probleme verschärfen sich nicht nur innerhalb Deutschlands, genauso innerhalb Europas und zwischen den Industriestaaten und der dritten und vierten Welt, weil sich in schwachen Ökonomien die Probleme noch weiter verschärfen werden.

Es ist mit noch mehr Kriegen, Bürgerkriegen und noch mehr terroristischen Aktivitäten zu rechnen, weil es bei zunehmenden ökonomischen Problemen zunehmend Spannungen gibt. Es wächst die Anzahl derjenigen, die ökonomische Probleme mit Gewalt lösen wollen. Es besteht die Gefahr, das autoritäre Herrschaftssysteme noch mehr Bedeutung gewinnen, die an schlimmste Zeiten deutscher Geschichte erinnern, steigender Nationalismus, noch mehr Kriege, Terrorismus. Bernard Lietaer hat dies 1999 mit dem Begriff „Die Hölle auf Erden“ beschrieben. /5/

Somit geht es jetzt in der Krise nicht nur darum, diese selbst zu bewältigen, sondern vor allem die möglichen katastrophalen Nachwehen dieser Katastrophe mit dringendsten Veränderungen in unserem Finanz- und Geldsystem zu verhindern und die jetzige Situation als Chance für eine bessere Welt zu begreifen und auch so zu handeln.

Der unkonventionelle aber notwendige Lösungsansatz:

Ein Schlüssel dazu sind neben dem bedingungslosen Grundeinkommen Reformen unseres Finanz- und Geldsystems einschließlich des Steuersystems, eine Art umlaufgesichertes „Coronageld“. Der Ansatz geht viel weiter als die „Coronabonds“ oder eine Vermögenssteuer.

Als wirtschaftlicher Anschub wäre eine das jetzige Finanzsystem umkrempelnde dauerhafte Niedrigzins-, Nullzinspolitik oder ähnliches genau der richtige Ansatz, damit die Katastrophenauswirkungen möglichst minimiert werden /1/.

Damit genau die negativen ökonomischen Auswirkungen vermieden werden, ist es erforderlich schnellstens grundlegende Veränderungen am Finanz-, Steuer- und Geldsystem vorzunehmen. Das bedeutet einerseits, die Steuersysteme gerecht zu verändern, andererseits ein noch wesentlich effizienteres Konjunkturprogramm als alle bekannten bisherigen Hilfsprogramme umzusetzen.

Eine solche notwendige Veränderung des Steuer- und Geldsystems ist aber faktisch nur durch eine auf den ersten Blick völlig absurde Idee umzusetzen- eine umlaufgesicherte und neutrale Erst- oder Zweitwährung /im Idealfall beim Euro), die auf radikal abgesenkten Zinsstufen der Geld- und Einlagesysteme beruht, eine Art Geldbenutzungsgebühr. Es wäre eine Negativzinspolitik, wie sie in den letzten Jahren die konjunkturelle Entwicklung in Europa gestützt hat, trotz ständiger übelster Beschimpfungen.

Da war von „Enteignung der Sparer“ die Rede und selbst sogenannte führende Wirtschaftsweise entblöden sich nicht, die relativ verantwortungsvolle Politik der europäischen Zentralbank als „Angriff auf die Sparer“ zu diskreditieren. Diese Niedrig- und Negativzinspolitik hat aber viel zur ökonomischen Entlastung in vielen vor allem südeuropäischen Staaten beigetragen und sie hat das Auseinanderdriften von arm und reich ein ganz klein wenig verlangsamt. Sie ist vergleichbar mit der Isolationspolitik während der Coronakrise. Diese Negativzinspolitik müßte auf Grund der aktuell riesigen Probleme aber viel konsequenter durchgeführt werden und gleichzeitig mit Steuerentlastungen kombiniert werden. Entscheidend ist, dass die sogenannte Umlaufrendite in den negativen Bereich dauerhaft befördert wird und so der Sumpf der nicht mitwirkenden Kapitalmärkte (deren Ziel ja die Renditesicherung ist) ausgetrocknet wird.

Entscheidend ist, dass Negativzinsen schon beim Bargeld beginnen!/2/

Man kann das alles in einer Zinstreppe darstellen (links das Grundprinzip des jetzigen Geldsystems, Rechts das Prinzip der neuen Zinsstruktur des „Coronagelds“:

Euro- oder anderes Bargeld müßte einen Negativzins von ca. -4…-6 % aufweisen, Girokonten wären dann noch bei ca. – 3…-4 %, Einlagen der Banken wären dann bei -2 …0 %. Das würde bedeuten, dass das Geld den Waren gleichgesetzt wird und dass mit Geldbesitz kein Zuwachs erreicht wird, damit die Finanzblase ausgetrocknet werden kann. Die Umtauschgebühr bei Bargeld kommt zustande, wenn Geld nur noch eine zeitliche Gültigkeit hat und dann mit Gebühren umgetauscht werden kann, wenn es nicht vorher ausgegeben wird. Diese Umtauschgebühren ist letztlich eine relativ einfach zu erhebende Geldvermögenssteuer.

Jetzt wird man sagen: Das haben wir heute schon- Negativzinsen. Leider ist dem nur bedingt so. Langfristige Einlagen werfen nachwievor eine Rendite ab. Und die geringe Zinsdifferenz von Bargeld und Einlagen führt zu wirtschaftlichen Problemen. Gleichzeitig hat man das Verschuldungsproblem der Kommunen nicht gelöst. Im Unterschied zur Negativzinspolitik der letzten Jahre würden insbesondere Bargeld und Giralgeld belastet.

Im Bild zeigt sich, dass die allgemeine Zinssenkung von 2010 zu 2015 (fast ähnlich wie 2020) sich bei 0 % auf Bargeld, aber mit höheren Laufzeiten der Anlagen verändert hat. Die grüne Kurve beschreibt die Zinskurve einer Währung mit Benutzungsgebühr, des Corona-Geldes.

Bekannt und nachgewiesen ist aber, dass niedrige Zinsen einer der besten Konjunkturmotoren sind, den es gibt. Folglich wäre ein Geldsystem mit Negativzinsen nichts anderes als ein fundamentales Konjunkturprogramm mit eingebauter wirksamer Vermögenssteuer. Es wäre für viele möglich an lebenswichtige billige Kredite zu kommen. Die Zinsanteile würde aus Preisen herausfallen, damit werden die Preise sinken.

Jetzt kommt natürlich die Frage, wie kann das umgesetzt werden. Unser Geldsystem (heute Euro, früher D-Mark) steht gerade in Deutschland als heilig da.

Die Abbildung zeigt das Kooperationsmodell mit „Coronageld“ und bedingungslosen Grundeinkommen von Beschäftigten, Unternehmen, öffentlichen Haushalten unter Aussperrung der renditeorientierten Finanzmärkte. Großunternehmen werden, je nach dem ob sie mehr an den Wirtschaftskreisläufen teilnehmen oder mehr renditeorientiert sind, teilnehmen.

Wie soll das nun funktionieren?

Der Negativzins auf B argeld wird dadurch erreicht, dass Bargeld nur für bestimmte Zeiträume z.B. ein Jahr gültig ist und dann mit Verlust (ca. 6%) umgetauscht werden muss. Bargeld wird also dann ungültig und muss bei entsprechenden Stellen (das können Banken, Alternativbanken oder andere Stellen sein) mit einer Benutzungsgebühr umgetauscht werden. Girokonten oder andere kurzfristige Einlagen bei Banken werden regelmäßig oder unregelmäßig zwischen 0 und -4% reduziert.

Möglicher 10-Euro-schein mit Gültigkeitsdauer bis 2021

Das bedingungslose Grundeinkommen und alle Stützungen der Unternehmen erfolgen über das Inverkehrbringen des Coronageldes.

Die Einnahmen daraus dienen den öffentlichen Haushalten als Steuereinnahmen. Es gibt einen gesellschaftlichen Annahmezwang, Steuern, Abgaben etc. können mit Coronageld beglichen werden.

Der entscheidende Vorteil ist, dass eine Rezession abgewehrt wird, weil alle bestrebt sein werden, Rechnungen, Verbindlichkeiten, Löhne, Steuern etc. sofort oder schnellstens zu begleichen. Es entfallen dabei zunehmend die Kapitalkosten in den Preisen, weil diese nicht mehr über die Bankenkredite an die Kapitalmärkte abgeführt werden müssen. Das führt zum „Austrocknen“ der Kapitalmärkte.

Die Einnahmen der öffentlichen Haushalte werden wie in einem Kreislauf wachsen, dass man folgend andere Steuern senken oder gar abschaffen kann, wie die Mehrwertsteuer, die am meisten zu Lasten der großen eher unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen geht und in der gegenwärtigen Krise das Wirtschaftsleben bremst. Ähnliches gilt für die Lohnsteuer.

Diese Währung kann im Idealfall der Euro werden, wenn alle Staaten mitziehen. Dies ist schwierig, weil auch die Steuersysteme sehr verschieden sind. Wenn dieser Ansatz beim Euro nicht umsetzbar ist, sollte nationale oder regionale Zweitwährungen zum Euro nach dem gleichen Prinzip vorgesehen werden. Diese können mehr oder weniger offen gestaltet werden. Auch ein oder mehrere Staaten könnten dies gemeinsam einführen. Ein Spezialfall wäre, ein bedingungsloses Grundeinkommen über eine Zweitwährung mit Geldbenutzungsgebühr einzuführen, verbunden mit der Möglichkeit, alle Steuern damit begleichen zu können und vor allem als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert zu werden. Damit wäre eine Kombination aus der Initiative „Mit bedingungslosem Grundeinkommen durch die Coronakrise“ und der Einführung eines Geldes mit Benutzungsgebühr/Umlaufsicherung gegeben. Wenn auch für die Zweitwährung ein gesetzlicher Annahmezwang festgelegt ist, wird sich in der Zweitwährungslösung der Handel zunehmend nicht mehr im Finanzbereich abspielen. Kredite auf den Kapitalmärkten sind nicht mehr notwendig! Sie sind ausgetrocknet. Ihre Macht über die Regierenden der jeweiligen Einführungsebene des Coronageldes ist entschärft!

Das bedarf politischer Entscheidungen gegen eine riesige Lobby. Finanzlobby, etablierte Banken, Kapitalmärkte, Großunternehmen etc., sofern sie nicht kooperativ mitwirken.

Die Folge wird sein, wenn die Zweitwährung parallel zum Euro (oder noch besser der Euro mit Geldbenutzungsgebühr selbst) akzeptiert ist, werden die Wirtschaftsteilnehmer, also Privatpersonen, Unternehmen, staatliche Stellen etc. alles daran setzen, nicht in Euro zu zahlen, sondern in der Zweitwährung bzw. in der neuen Währung. Folglich wird sich die Wirtschaft zunehmend im Akzeptanzbereich fast nur noch mit dieser Zweitwährung oder Euro mit Geldbenutzungsgebühr abspielen. Das führt auch dazu, dass Kredite billiger werden, die bisher zinsbeladenen Schulden der öffentlichen Haushalte durch im wesentliche zinsfreie (ca. 0%) Kredite abgelöst werden, also die Kommunen in nicht dagewesener Weise entlastet werden, was wiederum dazu führt, dass notwendige Ausgaben getätigt werden und die Arbeitslosigkeit reduziert wird.

Diese Währung kann in allen politischen und Verwaltungsebenen eigenständig eingeführt werden. Wenn Beispiel das Land Sachsen-Anhalt diese Zweitwährung einführen würde, liefe diese zu Anfangs parallel zum Euro. Entscheidend dabei ist, dass in der ersten Phase alle Steuern mit dieser Zweitwährung gezahlt werden und zwar von allen, die diese Zweitwährung akzeptieren. Das sind Privatpersonen, die Lohn in Zweitwährung erhalten und Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen gegen die Zweitwährung anbieten.

Da kein Interesse besteht, dieses Geld anzusparen, werden Ausgaben schneller und mehr realisiert, wird die Konjunktur in einzigartiger Weise angekurbelt. Insbesondere regionale Kreisläufe werden gestärkt, wenn dies anfangs auf kommunaler oder Ebene eines Bundeslandes passiert.

Entscheidend ist, dass diese neue Erst- oder Zweitwährung als offizielles Zahlungsmittel des Landes akzeptiert wird!

Das bedeutet aber, dass eine regionale Zweitwährung politisch umgesetzt werden muss und das ist eine Aufgabe für die politischen Parteien, den Weg aus der Krise zu ebnen. Möglich wäre dies auf jeder politischen Ebene:

In Europa: Bargeldgebühr oder Geldbenutzungsgebühr auf den Euro (Idealfall) In Deutschland: deutschlandweite regionale Zweitwährung mit Geldbenutzungsgebühr, an der sich auch andere Staaten beteiligen könnten In Sachsen-Anhalt (wie in Deutschland, aber auf Sachsen-Anhalt bezogen) regional/kommunal (wie in Deutschland, als regionale, kommunale Zweitwährung)

Die Unterschiede resultieren vor allem in der Feinarbeit, insbesondere bei Substitution der Mehrwertsteuer und der Lohnsteueranteile durch die von der jeweiligen Regierungsebene vorgegebene Geldbenutzungsgebühr.

Durch den Ersatz der Steuereinnahmen des Staates (wie Mehrwertsteueranteile, Lohnsteuern etc.) durch „Geldbenutzungsgebühren“ für Bargeld, Giralgeld und kurzfristige Anlagen erfolgt ein vollständiges Umsteuern, ein Systemwandel!

Die entscheidenden Vorteile dieser umlaufgesicherten Erst- oder Zweitwährung sind:

Es gibt kein Zurückhalten von Zahlungen, Investitionen und Käufen, da alle der Umtausch- oder Benutzungsgebühr entgehen wollen. Die Gefahr der Rezession durch massenhafte Zurückhaltung von Zahlungen wird beseitigt. Kredite werden billiger (es lohnt Kredite aufzunehmen) Die Umverteilung von arm zu reich wird gestoppt, da insbesondere reiche und superreiche Vermögensbesitzer und Geldanleger keine Rendite mehr erwirtschaften können Die Aktienmärkte und Finanzblasen werden ausgetrocknet, weil man plötzlich viel einfacher an Kredite kommt. Bei Zweitwährungen kommt zeitweilig, bis alle das übernommen haben, zusätzlich der Regionalisierungseffekt und damit eine Stärkung regionaler umweltverträglicher Wirtschaftskreisläufe hinzu. Das integrierte bedingungslose Grundeinkommen bedeutet eine längerfristige Mindestabsicherung der Geringverdienenden und Arbeitslosen. Es ergibt sich ein Rahmen, das gesamte Steuersystem, unsere derzeitige „Renditediktatur“ hinsichtlich mehr Gerechtigkeit und Umweltverträglichkeit umzubauen, weil unsinnige und fragwürdige Steuern wie die Mehrwertsteuer und die Lohnsteuern durch indirekte Vermögenssteuern und Steuern auf Umweltverbrauch und – schädigung ersetzt werden könnten. Es ergibt sich innerhalb der Gesellschaft ein ganz anderes Verhältnis zu währungspolitischen Fragen, weil Geld oder Ersatzgeld auf Grund seiner Gültigkeitsbegrenzung wieder als Tauschmittel und nicht als Kapital und Vermögen wahrgenommen wird, was insgesamt zu einer humanistischeren und nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft führen kann, die auch andere Fragen, wie Klimawandel und kriegerische Auseinandersetzen lösen kann.

Wie sich diese Geldbenutzungsgebühr beim Euro oder als regionale Zweitwährung im Detail realisieren ließe zeigt Thomas Seltmann in der Zeitschrift für Sozialökonomie/3/.

Auf die Probleme der Akzeptanz und politischen Einflussnahme durch Interessenverbände hat Beate Bockting /4/ hingewiesen. Diese erscheinen aber insgesamt alle beherrschbar.

Parallele Währungssysteme mit Geldbenutzungsgebühr oder Nullzins, wie im folgenden Bild dargestellt, könnten landesweit oder auch regional eingeführt werden, siehe folgende Beispiele aus der Schweiz und den USA.

Beispiele für zum Teil frühere Regionalwährungen, Talent (CH) und Ithaka-hours (US)

Beispiel für einen Verrechnungsring/Zweitwährung, am Beispiel des Chiemgauer

In diesen Fällen ist aber die Akzeptanz schwerer zu erreichen, als bei einer europäischen Coronageldlösung. Vorteile hingegen wären noch mehr Regionalisierung der Wirtschaftskreisläufe und die einfachere Umsetzung als Notexperiment durch innovative kommunale oder Landesregierungen, siehe das Beispiel Wörgl vor 90 Jahren:

Anmerkung: Diese Idee der Zweit- oder Notwährung- es können auch Arbeitswertscheine sein- ist übrigens nicht besonders neu. Sie wurde während der Weltwirtschaftskrise im Tiroler Wörgl erfolgreich versucht und dann durch die Regierung verboten. Wer mehr dazu wissen will, dem sei der Film „Das Wunder von Wörgl“ des Regisseurs Urs Egger empfohlen:

https://www.3sat.de/film/3sat-zuschauerpreis/zuschauerpreis2019-das-wunder-von-woergl-100.html

Zusammenfassung

Zurzeit werden ökonomische Aspekte fast nur unter dem Aspekt der Zuschüsse und Unterstützung im Notfall diskutiert. Die Rolle der Kapitalmärkte wird nicht hinterfragt!

Der grundlegende Konstruktionsfehler unserer jetzigen „Renditediktatur“ ist durch die Pandemie offen zutage getreten. Was nützt es, wenn im Gesundheitswesen, bei den Hilfsdiensten und anderen Bereichen aufopferungsvoll bis zum Umfallen Einsatz gezeigt wird, wenn die entscheidenden Lehren nicht gezogen werden und nach der Katastrophe alles beim Alten bleibt. Der Umbau unseres Geld- und Steuersystems ist eines von mehreren aber in jedem Fall unumgänglichen Lösungsansätzen, um wieder aus der Krise zu kommen und Ähnliches zukünftig vermeiden zu helfen.

Entscheidend sind neben der Re-Verstaatlichung von Teilen der im Krisenfall besonders notwendigen kritischen Infrastrukturen wie des Gesundheitswesens genau die dargestellten finanzpolitischen Veränderungen im Geld- und Steuerbereich, entscheidend ist die Einführung eines Geldes mit Benutzungsgebühr, als Erst- oder Zweitwährung, um die Zinsen dauerhaft bei 0 und tiefer zu halten, im Idealfall kombiniert mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.

Die derzeitige Pandemie ist hoffentlich ein Einzelfall, wobei aber durchaus damit gerechnet werden muss, dass sich ähnliche Ereignisse weiderholen. Ähnliche Katastrophen können oder werden aber auch aus dem Klimawandel zu erwarten sein, wenn hier weiterhin zu zaghaft umgesteuert wird. Die Resilienz einer Gesellschaft zeigt sich, wie diese Gesellschaft mit dem ökonomischen System bei weltweiten Katastrophen umgeht. Die Reform als Chance oder ein „Weiter-so“, was die Probleme verschärfen würde.

Es ist aber zu befürchten, dass auf Grund unseres derzeitigen Finanzsystems, der Macht und Lobby der Kapitalmärkte, der Unkenntnis großer Bevölkerungsteile über diese Katastrophen-Ökonomien sich die Probleme eher zuspitzen, weil nicht der Wille da ist, grundlegende Änderungen, die gerade jetzt vonnöten wären, vorzunehmen. Genau deshalb wird hier noch einmal ein alternativer Ansatz dargestellt und mit allem Nachdruck allen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern zur Umsetzung empfohlen!

Weitere Quellenhinweise:

/1/ Alwine Schreiber-Martens: https://www.inwo.de/medienkommentare/wir-brauchen-jetzt-eine-bargeldgebuehr-die-gesell-eisler-solution/

/2/ Helmut Creutz „Das Geldsyndrom“, Wissenschaftsverlag Mainz, Aachen 2012 oder seine noch bestehende Internetseite: https://www.helmut-creutz.de/

/3/ Thomas Seltmann: _“Geld mit Ablaufdatum – Wie sich eine Liquiditätsgebühr auf Bargeld praktisch realisieren ließe“ .pdf (606,6 KiB), Zeitschrift für Sozialökonomie 200 (S. 15-22), Gauke-Verlag Lütjenburg 2019

/4/ Beate Bockting_Bargeld im Fokus der aktuellen Geldpolitik.pdf (602,7 KiB), Zeitschrift für Sozialökonomie 200 (S. 13-43), Gauke-Verlag Lütjenburg 2019

/5/ Bernard Lietaer: „Das Geld der Zukunft“, Riemann-Verlag, München 1999