Männer sind aktiver. Ha ha.

Männersache Wer sitzt hier rum, wer geht jagen? Die Menschheitsgeschichte muss umgeschrieben werden. Oder was sagt es uns sonst, dass eher Frauen als Männer eine Beziehung beenden?
Männer sind aktiver. Ha ha.

Illustration: Otto

Kleine Frage an alle männlichen Leser: Haben Sie öfter jemanden verlassen, oder wurden Sie öfter verlassen? Eine unwissenschaftliche Umfrage in meinem Bekanntenkreis ergab folgendes Resultat: Die meisten meiner Freunde sind öfter verlassen worden, als dass sie jemanden verließen. Und obwohl so mancher kreuzunglücklich in der Beziehung war, verharrten sie in einer Art Duldungsstarre, bis die Partnerin an der Reißleine zog. Waren sie feige? Oder bequem? Oder, Gott bewahre, beides?

Auch ein kleiner Rückblick auf meine eigene Beziehungsgeschichte ergibt ein trauriges Bild: In 80 Prozent der Fälle wurde ich verlassen. Selbst als ich innerlich (und teilweise auch äußerlich) schon fort war, blieb ich. Aber warum bloß? Ich blieb, glaube ich, aus Konfliktunfähigkeit, und weil ... ich weiß auch nicht mehr, warum.

Es ist wahrlich nichts, worauf ich stolz bin. Aber ich bin da offensichtlich sehr männlich. In der westlichen Welt wird nur ein Drittel aller Scheidungen von Männern eingereicht. In den USA sind es 25 Prozent (bei Akademikern sogar lächerliche 10 Prozent). In Deutschland deutlich weniger als die Hälfte.

Trennen sich Frauen, weil Männer häufiger fremdgehen, öfter trinken, eher zuschlagen? Eine US-Studie kam zu dem Ergebnis, dass Frauen in weniger als 20 Prozent der Fälle „schlechtes Verhalten“ des Mannes als Grund für die Trennung angaben. Häufiger verließ die Frau den Mann, weil er ihr unterlegen war (in etwa 20 Prozent der Fälle). Hier gilt die Faustformel: Der/die Höhergebildete neigt eher zur Trennung. (Ich sollte wohl noch mal drüber nachdenken, warum ich in 80 Prozent der Fälle verlassen wurde.) Als weiterer Grund wurde genannt, dass Frauen in den USA nur in den seltensten Fällen das Sorgerecht für die Kinder verlieren.

Aber warum reichen kaum Männer die Scheidung ein? Die Studie hält fest, dass sie unter anderem aus drei Gründen bleiben: 1. Bequemlichkeit (man kann es sich denken: warmes Essen, gebügelte Kleider, feste, durch die Frau geplante Routinen). 2. Angst vor finanziellen Verlusten (Gütertrennung, Alimente). 3. Geringere Erwartungshaltung an die Beziehung („Lass es uns doch einfach gut haben“).

Das Ergebnis ist ernüchternd. Auch etwas beschämend. Es revidiert die verbreitete Vorstellung, dass Männer für das Aktive, Frauen für das Passive stehen. Es ist wohl eher so, dass Frauen jagen und Männer am warmen Feuer hocken wollen. Die Menschheitsgeschichte muss noch mal umgeschrieben werden.

14:57 27.08.2012
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