Thesen fürs Tischgespräch

Alltagslektüre Mikael Krogerus widmet sich seinem Stapel ungelesener Bücher und beginnt mit "Ins Glück stolpern" von Daniel Gilbert. Richtig glücklich wird er mit der Lektüre aber nicht

Was habe ich gelesen?
Stumbling on Happiness (Rough Cut)" target="_blank">Stumbling on Happiness (Ins Glück stolpern) von Daniel Gilbert.

Seitenzahl: 238 Seiten (vorzeitig abgebrochen auf Seite 97)

Amazon-Verkaufsrang: 6.621 der englischen Bücher

Warum habe ich es gelesen?

Eigentlich wollte ich Missing Link: Ida und die Anfänge der Menschheit lesen. Aber das Buch war noch nicht im Handel und meine Bitte um ein Rezensionsexemplar blieb beim Piper-Verlag unbeantwortet. Vermutlich fürchteten sie, nicht ganz zu unrecht, einen Veriss, oder hielten mich, auch nicht ganz zu unrecht, für einen Hochstapler, der sich Gratislektüre erschleichen wollte. Jedenfalls war ich plötzlich bücherlos und bediente mich bei dem Stapel jener Bücher, die ich schon immer mal lesen wollte. Stumbling on Happiness erhielt ich vor drei Jahren von einer Frau, Amy Novogratz, die ich eigentlich mal heiraten wollte; sie wiederum ist mit dem Schriftsteller befreundet. Ich war also etwas befangen, als ich das Buch zu lesen begann.

Worum geht es?


Soweit ich es überblicken kann, geht es um Happiness, und darum, dass wir nicht wirklich wissen, was es ist, das uns glücklich macht. Der Autor ist der hochgelobte, hochdekorierte Harvard-Professor Daniel Gilbert. Die Seiten sind prall gefüllt mit lustigen Beispielen aus merkwürdigen Experimenten über Glück, Glückseligkeit und die unglaublichen Reaktionen der Menschen darauf. Der zentrale Gedanke – wenn wir uns selbst die Zukunft ausmalen, können wir nur enttäuscht werden, lieber sollten wir auf die Erfahrung anderer zurückgreifen, denn die meisten Menschen erleben die meisten Dinge sehr ähnlich – ist interessant und Gilbert entwickelt ihn ausführlich und provokativ. Er erweitert den Gedanken zudem mit zahlreichen Experimenten und wissenschaftlichen Spitzfindigkeiten, die sich lose um das Thema Glücklichsein drehen.

Was bleibt hängen?

Es ist ein weiteres Werk in der Reihe jener hochpopulären Wissenschaftsbücher, deren Thesen man gern beiläufig ins intelligente Tischgespräch einfließen lässt. Die bekanntesten Autoren dieser Gruppe – ich bin mir sicher, man wird in 100 Jahren von einer „Epoche“ sprechen ähnlich wie von der Romantik – sind Malcolm Gladwell (The Tipping Point), Nassim Nicholas Taleb (The Black Swan) oder Steven Levitt (Freakonomics). Sie alle sind wahnsinnig belesene, brillante, witzige, pointierte Schreiber und inzwischen sehr reich. Ihre Thesen behaupten meistens das Gegenteil von dem, was bisher gängige Meinung ist und sind meistens sehr leicht zu verstehen. Trotzdem werden sie ausführlich und wasserdicht beschrieben. Schön. Aber gilt nicht auch das alte Werberwort: eine Idee, die man nicht in einem Satz erklären kann ist nichts wert?

Wie liest es sich?

Der Stil erinnert an den Paulo Coelho der Wissenschaftsautoren, Malcom Gladwell, der es übrigens toll fand und darüber schrieb: „If you have even the slightest curiosity about the human condition, you ought to read this book. Trust me”. Schätze, ich bin nicht so neugierig auf den Menschen – das Buch habe ich nach 97 Seiten weggelegt.

Das beste Zitat?

Ist die Widmung der Frau, die es mir schenkte: „To the man who knows how to find joy in misery – here’s to realizing that happiness is relative and making sure you have lots of it now that you’re 30“.

Wer sollte es lesen?
 Wissenschaftsredakteure und Gymnasiallehrer

Was lese ich als nächstes? Hoffentlich Ida

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