Stehen bald alle Räder still?

Trade-Wars: Der Stopp von Magnesium Exporten aus China könnte die Automobilindustrie in Deutschland weitestgehend lahm legen.
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Als die Initiative Zero-Covid inmitten der Pandemie einen solidarischen Lockdown forderte weigerte sich die Merkel-Regierung den Schutz des Lebens über die Wirtschaft zu stellen und schränkte all jene Bereiche des Lebens ein, die eben nicht das Herz der Wirtschaft sind. Als Angela Merkel sich mit Vertretern der Automobil-Branche traf war schnell klar, dass der zu Ostern verhängte harte Lockdown nicht für die Auto Produktion gelten würde.

Dennoch kommt es in der Auto Produktion zu Produktionsstops aber nicht aus Menschenschutz, sondern wegen fehlenden Halbleitern. Der Chipmangel hält die Branche seit Monaten in Atem. Autos aus deutscher Produktion kommen seither nur noch mit einem Schlüssel und mit ausgesparten Features zu den Käufern. „Deutsche Wertarbeit“ wird vor unseren Augen zu einem Mythos der Vergangenheit. In der Wirtschaftswoche heißt es bereits, dass Skoda in diesem Jahr 250.000 Autos weniger produziert als im vorigen Jahr.

Auch bei Mercedes sieht es ähnlich aus, bei VW kommt es zur Ausweitung der Kurzarbeit. Das sind alles keine Einzelfälle die gesamte Branche ist betroffen und ein Ende des Chipmangels im kommenden Jahr gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Auch der chinesischen Wirtschaft macht der Chipmangel zu schaffen, aber diese reagiert wie gewohnt etwas anders und fährt eine eigene Chipproduktion hoch. Der im Raum stehende Konflikt über Chinas Taiwan Politik hat nicht zuletzt die Ebene, dass China großes Interesse an den Fähigkeiten in der Chipproduktion von TSMC, dem drittgrößten Chiphersteller der Welt hat. Von den größten 10 Chipproduzenten der Welt befinden sich 7 in den USA, 2 in Südkorea und eben einer in Taiwan.

Die Stromausfälle haben im letzten Monat die chinesische Wirtschaft ins stottern gebracht und die Folgen dieses Ereignisses entfalten sich jetzt. Bereits im September wurde verordnet Energieaufwändige Produktion, wie eben die besagte Magnesium Produktion einzustellen. China ist mit Abstand der weltgrößte Produzent von Magnesium und dieses wird für die Herstellung von Aluminium benötigt, welches wiederum in Autos und allerhand anderem Zeugs verbaut wird. Im Hafen von Rotterdam ist das Magnesium bereits leer, die Preise inzwischen mehr als vervierfacht und die Lagerreserven werden bald am Ende sein.

Wie unentbehrlich die Autoindustrie für die deutsche Wirtschaft ist konnten wir im Zuge der Corona-Maßnahmen erleben und jetzt droht es zu stottern das Herz der Deutschen.

Wie es zu solchen Abhängigkeiten in der globalen Arbeitsteilung kommen kannte ist denkbar einfach zu erklären. In China konnte das Magnesium so billig produziert werden, dass es sich für andere Standorte nicht mehr lohnte. Mit fast 90% Anteil Chinas am weltweiten Magnesium Handel hat sich dieser Vorteil der Auslagerung für die reicheren Länder nun in eine Abhängigkeit verwandelt, die das Potential hat die Räder der Produktion still stehen zu lassen.

Die Brisanz die sich daraus zu entwickeln droht ist noch kaum abzusehen. Die Opiumkriege eignen sich durchaus als Analogie. Der Westen wollte damals Tee, Seide und Porzellan aus China haben, aber China nichts außer Silber und schon gar nicht das Opium. Nun steht er wieder da der Westen und will was von China, doch sie wollen es nicht herstellen, sie arbeiten lieber an Hyperschallraketen, um die militärische Unterlegenheit die den Sieg des Imperialismus über China in den Opiumkriegen ermöglichte auszugleichen.

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Geschrieben von

Milan L. Freund

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Milan L. Freund

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