Milan Ziebula
Ausgabe 1117 | 17.03.2017 | 06:00 4

Der Schöne und das Biest

Gender In einem neuen Disney-Film gibt es eine homosexuelle Liebesgeschichte – und schon gehen Christlich-Konservative auf die Barrikaden. Dabei braucht es mehr solche Szenen

Ist Knappe LeFou, ein beleibter junger Mann mit feistem Grinsen, in seinen Freund Gaston verknallt? In einem kurzen Liedchen fragt er sich, wie es um die Gefühle für den Freund steht. Spitzbübisch blinzelt er dabei dem Angebeteten zu. Eine Szene, die große Aufregung in der Filmwelt erzeugt. Sie ist in der Neuverfilmung von Die Schöne und das Biest mit Emma Watson und Ewan McGregor zu sehen, die diese Woche in den deutschen Kinos anläuft. Wie im Original betritt die Schöne das verwunschene Schloss des Biests. Der Liebesgeschichte zwischen den heterosexuellen Protagonisten wird eine weitere zwischen ihren Antagonisten Gaston (Luke Evans) und seinem Knappen (Josh Gad) hinzugefügt.

Direkt nach dem Filmstart in den USA wurden Proteste laut. Ein Kino in Alabama, dessen Betreiber christlich-konservativ eingestellt sind, nahm den Film aus Protest aus dem Programm. Auch andere Christlich-Konservative riefen zum Boykott des Films auf. Ein Duma-Abgeordneter verfasste einen Brief an den russischen Kultusminister und forderte, diese „Schwulen-Propaganda“ zu verbieten.

Ein kleiner Tanz

Wie viel ist nun dran am sogenannten „ersten schwulen Disney-Moment“? Kein Kuss, keine Umarmung, nur ein kleiner Tanz. Regisseur Bill Condon meint, dass es die Performance des Schauspielers sei, die hier einen schwulen Moment vermuten lässt, und möchte es dem Publikum überlassen, darüber zu urteilen, ob es sich wirklich um einen handelt oder nicht. Schade eigentlich. Könnte man doch von einem offen schwulen Regisseur erwarten, dass er sich mehr traut.

Schade auch, dass es keinen lesbischen Moment gibt. Während der Fluch des Schlosses im Film aufgehoben wird, Tassen und andere sprechende Gegenstände sich zu Menschen zurückverwandeln, wird sich geküsst. Da hätte es genug Gelegenheit auch für homosexuelle Küsse gegeben. Der Kinderfilm hat das Potenzial, jungen Menschen sanft und unaufgeregt verschiedene Lebensweisen und Identitätskonzepte zu vermitteln, ohne diese zu problematisieren. Das hat Disney bisher leider versäumt.

Oder vielleicht doch nicht? Gab es bisher noch keine anderen LGBTIQ-Charaktere in Disney-Filmen? Wenn man genau hinschaut, fällt zum Beispiel der eitle Gini mit seiner leicht tuntigen Art aus Aladdin und die Wunderlampe auf. Eindeutig homosexuelle Liebesbekundungen gab es bisher jedoch noch nicht. Zeit, dass sich was ändert. Homosexualität gehört schließlich wie Heterosexualität zu unserer Gesellschaft.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 11/17.

Kommentare (4)

Lethe 17.03.2017 | 12:55

Homosexualität gehört schließlich wie Heterosexualität zu unserer Gesellschaft.

Sie ist Teil des Totals aller menschlichen Möglichkeiten^^ "Gesellschaft" hat viel mit Normativen und somit mit Macht zu tun, und es war im Kontext von Herrschaftstechniken eine brilliante Erfindung, das menschliche Total in erwünschte und unerwünschte Aspekte zu zerlegen. Integrale Persönlichkeiten lassen sich nicht so leicht manipulieren wie homophobe Männchen und Weibchen.

nitnelav 19.03.2017 | 11:09

Entschuldige bitte, aber ich finde zwischen den ganzen Fragezeichen deinen Punkt nicht. Wenn du mit meinem Gedanken nicht einverstanden bist, lasse ich mich gern eines Besseren belehren.

Natürlich meine ich mit "Freiheit" die gesetzlich gewährten Räume. Mein Eindruck ist eben, dass, je differenzierter "man sich selbst definieren" kann/darf, desto strikter geht "man" damit um. Je sichtbarer Sexualität wird, desto sakraler wird sie verklärt und diese Offenheit abgelehnt. Je größer die "Auswahl" wird, desto strenger reduziert man sie. Warum?

Der Gedanke ist nicht fertig, das behaupte ich auch gar nicht. Und von Wahrheiten spreche ich sowieso nicht. Dennoch wollte ich ihn gern teilen.