Alle Anzeichen der Liebe: Hass

Ein Text..... .....bestehend aus Fragen.
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Offen gesagt ist es ein Neuanfang, weil ich im Alten nicht mehr weiter schreiben kann, nicht ohne Bruch, Zäsur, nicht ohne Aufbruch. Ich bat Jutta vor einiger Zeit -- und ich danke ihr, ein weiteres Profil anlegen zu dürfen, sie fragte und ich bekam ein Ja zur Antwort. Ehrlich und offen möchte ich auch mit Euch sein, niemand etwas vormachen. Ich bin nicht neu, es ist nur ein Neubeginn.

Ich möchte mit Euch auf eine Reise gehen.

Eine Sommerreise durch den Winter. Im Herbst Ruhe und Frieden finden durch die Schwere im sanften
Licht fallen und im Frühling leicht aufwachen. Nein, Menschen können nicht fliegen, schon gar nicht schweben, aber genau das möchte ich so sehr - - vielleicht.... Und Menschen finden, die das auch nicht können - - und dennoch tun vielleicht..... hoffen.....

Es ist ja völliger Irrsinn. Wie wir Menschen es schaffen, unser Leben zu zerstückeln. Wie wir mit den Bruch--Stücken und unpassenden vermeintlichen Puzzleteilen im Eismeer treiben und Bilder bauen, während wir uns selbst verlieren. Wir sind Bildhauer/innen meisseln uns in unser eigenes Steinkorsett für höhere Ideen, setzen uns fest im Stein, nur um dann leblos in die Tiefe der eiskalten Wasser zu gleiten, zu ertrinken und schrecklich zu frieren an einem anderen Ort, der so gar nicht aus Stein ist und keine Gewissheit enthält, nur schieren Zweifel. Zweifel an wirklich allem und am meisten an uns selbst. Das ganze Leben besteht aus Zerbrechlichkeit, dabei sind es nur immer wir, die zerbrechen, oder das in uns, was sich sehnte nach unzerbrechlicher Liebe und vor allem nach Freiheit, und merken: wir sind weder frei noch wissen wir, was Liebe ist. Ich sollte an dieser Stelle, nicht von "wir" sprechen. Jedenfalls war es so, dass ich einem Wahn dem anderen folgte, im Gewand von Idealen und diesem Götter/innen--Himmel voller lebloser Puppen inmitten eines gigantischen Maskenballs mein echtes Leben opferte, das einzige, was ich je ganz für mich selbst und andere bin, weil ich glaubte - - weil ich glaubte, gab ich mich weg.

Ich weiss, nicht wie das anderen geht? Euch?

Wie lebt Ihr? Was tut Ihr, um das Leben zu spüren? Die Augenblicke mit dem zu füllen, was Sinn schenkt, sich nicht zu verlieren an fremde oder selbstgeschaffene zeitfressende Ungeheuer?

Einige brauchbare Antworten bekam ich schon.

Doch ich suche und frage weiter, frage Euch.....

Denn die meisten Antworten, fand ich ungeheuerlich.

Ein Problem ist, dass ich nie einen hohen Kredit hatte, nie wirklich Verantwortung übernahm. Das würde alles lösen, dann müsste ich an die nächste Rate denken und danach handeln und am Ende hätte ich etwas, worauf ich stolz sein könnte und das ich weitervererben könnte zum Glück oder Unglück meiner Kinder und Enkel/innenkinder und das nächste Problem ist, dass ich keine richtigen Kinder habe, die Leere meines Bauches eine Leere hinterliess, denn richtige Kinder kommen immer nur aus dem Bauch, jetzt werdet Ihr sagen, das tun doch alle Kinder, so dachte ich auch, nein, richtige Kinder kommen alle ausschliesslich aus dem eigenen Bauch und alles andere sind keine richtige Kinder. Das hörte ich oft und noch öfter, dass das speziell für Frauen gelte, dass ohne richtige Kinder ihr Leben sinnlos sei, denn wofür lebe Frau denn, wenn nicht für die Kinder (aus dem eigenen Bauchbackofen). Erstaunlich, wie viel die Menschen doch Nietzsche lesen und die einzige Lösung für die Frau - sei Das Kind. Philosophie übrigens der nächste Fehler, was in diesem Fall mit Blick auf das erwähnte Zitat auch stimmt. Aber?! Doch so ganz alle Philosophie - - ein Fehler? Andere Antworten zielen direkt auf das Denken, namentlich nicht zu viel nachzudenken, am besten gar nichts, das ändert eh nichts, einfach leben. Ein Auto wäre gut, denn das muss in die Werkstatt und verhindert das zuviel Nachdenken. Und wieder die EIGENEN Kinder, denn die müssen zur Schule. Die Schule erfüllt den gleichen Sinn wie die Autowerkstatt. Eine gute Möglichkeit ist es auch ein paar Tiere gefangen zu nehmen, zum Beispiel Vögel in Käfige zu sperren oder Bernhardiner oder Haskis in Dachgeschosswohnungen zu entführen und an der Leine um den Hals durch die Stadt zu führen, weil dann wird man/frau gebraucht und hat eine sinnvolle Aufgabe im Leben, weil man/Frau sich um jemanden kümmern muss. Muss. Kochen ist auch ein gutes Hobby, ein Zeitvertreib, dazu eignen sich auch die Tiere bestens, aus der Gefangenschaft in den Topf zum Aufessen in den Bauch. Der Bauch das ist so eine Art Aufbewahrort für Leichen und werdendes Leben, ein Bahnhof, mal Friedhof, mal Hochzeitskirche. Ein Flughafen für Verliebte, Anflugort für Influenziaviren, Objekt, Anschauungsobjekt im Bikini, plakative Tatoofläche, Verhüllungsgegenstand und verrottet im Grab wie letztlich alles, wirklich alles. Mein Bauch gehört mir. Und der Bauch, aus dem ich kam? Meine Schwester kam vom Apfelbaum, das behauptet sie, seitdem sie auf der Welt ist, der Papa hätte sie mit der Leiter heruntergebracht. Sie war in keinem Bauch. Sie kam auch nie auf die Idee aus dem Bauch unseres Vaters gekommen zu sein. Sie war einfach überhaupt noch nie in einem Bauch. Männliche Bäuche sind nicht so kompliziert gestrickt, sie gebären nicht, verdauen nur, unter Umständen auch Leichenteile von Tieren, im Falle von totem Geflügel und toten Fischen ggf. auch ganze Leichen, nicht am Stück, aber zerkleinert durch die Kauwerkzeuge. Wenn ich das mache, was mich die Philosophie lehrte, die Konklusion zu ziehen, aus den oben genannten Argumenten über Kredit, Auto, Kinder und Bäuche, speziell den weiblichen Bauch in Differenz zum männlichen Bauc, das mache ich jetzt nicht. Mir ist natürlich klar, dass diese Argumente nicht für konklusive Spielereien gedacht sind, sondern den ernsthaften Sinn beinhalten, Sinn zu transportieren, abgeleitet vom Nutzobjekt Bauch.

Besteht der Sinn des Lebens in Stoffwechselveranstaltungen?

Falls ja, ist nicht ausgerechnet der Bauch eine ziemliche Friedhofsveranstaltung?

Wie viel Huhn, Katze, Hund, Ziervogel, Kuh, Schwein oder Fisch wird ein ebensolches Verzehrende/r? Wie viel Apfel oder Kirsche? Macht es einen Unterschied? Ist alles egal?

Ein Tipp: Man/frau sollte in jedem Fall Fleisch nur auf Kredit kaufen (ein bisschen Ansporn braucht man/frau) und die Kinder auf dem Weg zur Metzgerei aus dem abbezahlten (das beruhigt) Auto bei einer Schule abliefern, das macht glücklich.

Sie lernen dort enorm wichtige Dinge. Grenzen zum Beispiel. Konkurrenz. Noten. Buchstaben und wie kind Buchstaben zu den Gesetzestexten der Erwachsenen zusammemfügt, auch Regeln, nach denen die Welt funktioniert. Viel über Kriege und Jahreszehlen, Zahlen sind entscheidend, sie sind der Schlüssel für Technik und Herrschaft und ein Dasein in Form des Bezahlens. Wenn die Kinder das erst richtig verstanden haben, dann werden sie im Leben bestehen und das ist es doch was Eltern wollen, dass ihre Kinder im Leben bestehen. Es ist nämlich nicht selbstverständlich, dass ein Mensch einfach so da ist und lebt, nein, er oder sie muss im Leben bestehen und genau darin werden sie beständig bedroht.

Wo kämen wir denn hin? Im Ernst, wo kämen wir denn hin? Gäbe es keine Schulpflicht und nur Orte, an denen Menschen freiwillig lernen, keine Konkurrenz, keine Leistung, kein Geld, keine Grenzen? Wo kämen wir denn dann hin?

Wo kämen wir denn da hin, stellen Sie sich vor -- und es wäre Frieden, wo kämen wir da hin?

Mir fällt auf, wie oft die Menschen einen fragen, wo kommst Du her. Von da, wo Du auch her kommst, vom Himmel. Nein, aus welchem Land, wollen sie wissen, aber es gibt doch keine Länder. Kommen wir nicht alle aus dem Himmel?

Ja aber es gibt doch Kriege, sagen sie dann. Gäbe es keine Länder, gäbe es keine Kriege, es gibt aber Kriege, also gibt es Länder.

Eben, es gäbe keine Kriege, gäbe es keine Länder.

Und es braucht Kriege, damit es Länder gibt, sagen sie weiter, weil sonst.....

..... ja sonst, was? Wären wir einfach nur Menschen! Oder sogar einfach nur Lebewesen.

Und wenn uns keine Grenzen trennen, wenn das ich, wie Levinas sagt, ein/e andere/r wäre und der/die andere mit ihrem/seinen Antlitz auf den / die ganz andere/n verweist? Und wenn wir das weiter denken und alle Lebewesen einbeziehen, würde uns dann nicht Mitgefühl verbinden, dort, wo uns jetzt noch Grenzen trennen?

Antoine de Saint-Exupéry schreibt, dass die Menschen im Krieg von einem Hass getrieben sind, der alle Anzeichen der Liebe trägt. Wie wandeln wir diesen Hass mit seinen Anzeichen der Liebe in Liebe?

Wie schaffen wir Frieden?

Liebe Grüße

Eure Tante Mia (und ich hoffe, dass ein Musiker auf der Straße ein Lächeln im Gesicht trägt, sollte er sich einmal ins Internet verlieren.)

Die Verfasserin dieses Beitrags ist eine Frau, falls immer noch das Märchen mit dem Autor in der Fußnote steht.







17:21 13.06.2019
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