Misanthrop

Brevitas, Puritas, Perspicuitas.
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RE: Würde ohne Krawatte: eine modepolizeiliche Posse im Bundestag | 21.01.2011 | 11:43

Abgeordnete werden gewählt, um drängende Probleme im Interesse der Gesellschaft zu lösen (ob sie das wirklich tun, ist an anderer Stelle zu diskutieren) - und nicht, um "Kostüme" zu tragen. Wer ihnen allgemeine Entscheidungskompetenz zutraut, kann ihnen nicht gleichzeitig Scheitern in persönlichen (modischen, eher nebensächlichen) Fragen vorwerfen; schließlich sind sie Teil der Gesellschaft, für die sie entscheiden.

Fraktionszwang (eine deutsche Tradition, deren fraglicher Sinn ebenfalls an anderer Stelle zu diskutieren ist) bedeutet aber, dass ein Abgeordneter gesagt bekommt, wie er zu entscheiden hat. Also traut man ihm wohl doch nicht zu, selbst entscheiden zu können. Dann wundert es kaum, dass man ihm darüber hinaus auch Hilfe in persönlichen Angelegenheiten anbietet.

Wer vernünftig und verantwortungsvoll mit sich umgeht (anstatt sich z.B. übermäßig mit Alkohol Nikotin zu belasten), sollte besser für die Allgemeinheit entscheiden können als einer, der schon an sich selbst scheitert. Glaubt man jedoch Insidern, scheint das im deutschen Bundestag aber wohl eher die Ausnahme zu sein.