RE: "Weder Moskau noch Washington". Ist das so? | 18.09.2020 | 11:33

Hallo JR,

zum ersten Absatz: der erste Absatz enthält zwar eine Kernbotschaft, nämlich dass das jetzt gerade eine historische Situation ist, ansonsten ist er aber natürlich Satire. Satire darf manches, was man zwar sonst nicht darf, gleichzeitig ist es aber ihr Wesen, dass sie der Wirklichkeit oft gefährlich nahe kommt.

Der letzte Absatz knüpft gewissermaßen an diese Kernbotschaft des ersten Absatzes an und dazu ist folgendes zu sagen: Allein schon die Forderung, bzw. die Androhung, vor allem aber eine tatsächliche Realisierung eines Ausstiegs aus NoS2 stellt einen Impuls dar, der diverse Beteiligte trifft, insbesondere aber die EU. Diese EU wird davon allerdings im ungünstigsten aller ungünstigen Momente von diesem Impuls getroffen. Gerade hat sie in der gegenwärtigen Pandemie-Krise die Erfahrung machen müssen, dass sie auf bestimmten Ebenen gar nicht mehr existiert - es soll ja Staaten gegeben haben, die offen gegen andere Mitgliedsstaaten agiert haben - und dann kommt so etwas. Das Problem, der EU besteht darin, dass sich immer mehr herausstellt, dass die Interessenskompromisse, die man um des lieben, geraden Haussegens willen eingegangen ist, sich nicht als tragfähig erweisen, also letztendlich die Interessen einzelner Mitglieder nicht wirklich abbilden können. Daraus zieht man seine Schlüsse und wenn es zu dieser Erkenntnis noch eine Bestätigung gebraucht hat: jetzt haben wir sie. Das bedeutet, der Vorgang wird eine Entwicklung in Gang setzen, dessen Ausgang wir natürlich noch nicht abschätzen können - ich habe hier mal eine mögliche Maximalvariante skiziert - aber dass sich Europa entlang von Interessenslinien aufspalten wird, wäre eine naheliegende Schlussfolgerung. Die EU könnte dabei parallel durchaus noch weiterexistieren, weil man sie zur Abwicklung bürokratischer Routinen weiterhin braucht. Aber das Zeitalter der Integration ist wohl vorbei, bzw. wird folglich nur als hohler Zahn dahinvegetieren.

RE: C-19, Journalismus, Krise | 28.05.2020 | 21:55

Hallo Michel,

danke für Deinen Kommentar.

Ich kann mit Deinen Gedanken einiges anfangen. Du zielst da auf etwas ab, was ich mit dem Hinweis auf das Denken in Netzwerken, bzw. als Netzwerk bereits versucht habe, anzusprechen. Ich schrieb, das werde u.a. die politische Landschaft (das politische System) verändern. Netzwerke entwickeln auf sonderbare Weise ihre eigene Intelligenz, auch wenn man dem einzelnen Teil im Netzwerk gar keinen IQ zugetraut hätte. Letztendlich geht es dann nicht nur um Regierung, sondern um die generelle Frage, wie sich gesellschaftlliche/politische Willensbildung abspielen wird.

Ich weiß nicht, ob es da eine "klare Ansage" braucht, weil die doch irgendwie in dem dualistischen Denken verwurzelt bleibt. Es ist eher so, wie Du am Schluss formulierst: "das Phänomen... vergeht dann ganz von selbst". Die Natur funktioniert als Netzwerk, unser Gehirn funktioniert als Netzwerk und die Menschen werden nicht auf Dauer gegen das ihnen selbst innewohnende Prinzip handeln können.

Dass die überlieferte Herrschaft in dem Eltern-Kind-Spiel begründet liegt, darauf deutet der Begriff Patriarchat ( oder Matriarchat) hin. Das bedeutet ursprünglich die Herrschaft des Vaters (der Mutter). Zur Eltern-Kind-Beziehung möchte ich vielleicht folgendes beisteuern: Schon Heraklit, der sich mit dem dualistischen Denken auseinandergesetzt hat, beschrieb, dass das, was kalt ist, sich erwärmt und das Warme sich abkühlt. Die beiden Gegensätze bewegen sich also aufeinander zu, ohne aber vollständig in einander überzugehen. Tatsächlich ist es so, dass Kinder die schon etwas älter geworden sind, ein bisschen die Elternrolle für die (alten) Eltern übernehmen und die Eltern dann ein Stück weit zu Kindern werden, weil man als "Junger" sich dann eben um die Eltern kümmert. Trotzdem geht die eigentliche Rollenverteilung Eltern-Kinder nie ganz verloren. Die Grenzen werden also aufgeweicht und die Schlussfolgerung aus dem Gesagten auf die Politik übertragen, wird jetzt manchem verrückt erscheinen, aber man sollte das zunächst einmal schon so sehen.

Gruß von Michael an Michel

RE: Nachts, wenn Alles schläft | 03.09.2017 | 19:00

Merci für die Empfehlung.

M. Schütz

RE: Die Muttergottes und der Osten | 14.04.2017 | 23:52

Soll das etwa heißen, Bayern ist gefährlich, also zumindest für Berlin? Also ich glaub, der Seehofer ist doch ganz lieb!

RE: Brücken und Gräben (Teil 2) | 14.10.2016 | 21:50

Dank für's verlinken und natürlich für die positive Reaktion andernorts.

RE: Brücken und Gräben (Teil 1) | 26.08.2016 | 22:37

So etwa ist es wohl.

Zum Glück gibt es da jemand, der auch etwas von Literatur versteht. Der Text gefällt mir.

RE: Deutschland und Russland (Teil 1) | 31.07.2016 | 08:41

An die Kommentatoren und die Leserschaft meines Artikels "Deutschland und Russland Teil 1":

ich find's ja interessant und auch gut, was so ein Artikel für Reaktionen und Emotionen auslösen kann. Der Einzige unter den Kommentatoren, der am Teppich geblieben zu sein scheint, ist wohl JR's China Blog. Was mich immer wieder wundert, ist, wie vorschnell Urteile gefällt werden. Ich darf hier also einiges klarstellen:

Michael Schütz ist kein Troll, sondern schreibt aus freien Stücken in der Community des Freitag.de. Wenn der Redaktion solche Beiträge gefallen, hebt sie diese besonders heraus und garniert diese jeweils mit einem Foto. Der Autor des Beitrags hat keinen Einfluss darauf, welches Foto verwendet wird, bzw. auch was die Redaktion sonst mit dem Artikel macht. Ich möchte das Foto nicht kommentieren, nur soviel dazu bemerken, dass ein Bild natürlich den Gesamtzusammenhang eines Artikels verändern kann und es andererseits so ist, dass man ein Bild oder auch einen Text nach den Erfahrungen und Einstellungen, die man selbst im Kopf hat, beurteilt.

Ich hoffe, dass die Redaktion den Artikel deswegen ausgewählt hat, weil ihr nicht nur die Story gefallen hat, sondern weil das Ganze auch einen Gegenwartsbezug hat. Der hat aber einen anderen Zusammenhang , als sich manche hier zu denken scheinen.

All jene, die sich für meine Artikel tatsächlich interessieren, bitte ich, den Einleitungsartikel meines Community-Blogs zu lesen, oder auf meinen Blog https://mittelundosteuropa.wordpress.com/ zu gehen und "Über diesen Blog" zu lesen. Allerdings sehe ich, dass ich dazu noch einige Worte verlieren muss:

1. Ein Historiker ist kein Richter. Mir geht es also nicht darum, Schuld oder dergleichen festzustellen, sondern ein Bewusstsein oder eine Bewusstheit für die Entwicklungen der Vergangenheit zu erzeugen. Dies macht man unter anderem dadurch, dass man die Vergangenheit in einen Sinnzusammenhang stellt. Ohne diese Bewusstheit wird man für die Zukunft schlimme Fehler machen und was mich unter anderem dazu bewogen hat, diesen Blog zu beginnen, ist, in aller Demut der ziemlichen Geschichtsvergessenheit in unseren Breitengraden zu begegnen. Es wäre ein Fehler, diesen Blog irgendeiner Seite zurechnen zu wollen.

2. Der weltbekannte Beziehungstherapeut Chuck Spezzano schreibt ( ich hoffe, ihn hier richtig zu zitieren): "Keiner hat Schuld, aber jeder hat Verantwortung." Dies hat damit zu tun, dass wir alle irgendwie Schuld haben. Dies gilt für Beziehungen auf allen Ebenen. Wer also mit dem Finger auf andere zeigt, den kann man wohl nur, laut Spezzano, als unreif bezeichnen.

3. Dieser Blog ist bewusst nicht im Stile einer wissenschaftlichen Abhandlung geschrieben, sondern ich möchte dieses Medium dazu nützen, Geschichte gleichsam als Erzählung zu präsentieren, um so einen einfacheren Zugang zu schaffen. Trotzdem darf sich die Leserin/ der Leser darauf verlassen, dass alles, was ich hier schreibe, Hand und Fuß hat. Fehler können natürlich unterlaufen, ich hoffe aber, dass es möglichst selten bis gar nicht vorkommt.

Der Blog möchte also Interesse für die Historie des mittel- und osteuropäischen Raums wecken, auch wenn die dabei erzählten Geschichten manchen möglicherweise als unrelevant erscheinen mögen. Nichts ist unrelevant! Alles hat Bedeutung! Möge dieser Blog dazu beitragen, dies verstehen zu lernen.

Es würde mich also freuen, wenn Ihr meine Beiträge auch lest, wenn sie nicht von der Redaktion hervorgehoben werden und ihr auch dann vielleicht eine Kommentar hinterlasst.

Dank an alle, die sich über diesen Artikel Gedanken gemacht haben, sowie beste Grüße an alle Leserinnen und Leser und die Redaktion

Michael Schütz

PS ursprünglich war im Titel nicht von "Teil 1" die Rede, sondern es stand nur ein Einser dort. Die Redaktion hat dann noch den "Teil" dazugeschrieben. Die Geschichte hat also keine Fortsetzung, sondern es ist gemeint, ich werde irgendwann wieder mal auf Aspekte der deutsch-russischen Beziehungen eingehen. Das wird dann ein anderes Thema sein, das man aber durchaus als "Teil 2" bezeichnen darf.

RE: Verpasste Chance | 23.06.2016 | 15:16

PS Ich kenne die zitierten Zeilen des Gedichts so:

"Nein, dass auf Erden Jedermann

In Ruhe schlafen gehen kann"

Mit besten Grüßen an Herrn Schorlemmer