Mittel- und Osteuropa

Geschichte und Kultur In diesem Blog geht es um Mittel- und Osteuropa, um Geschichte, Kultur, und Menschen mit ihren Erfahrungen in diesem Teil Europas.
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Aus der Sicht der deutschsprachigen Länder sind das Zielgebiet dieses Blogs einige davon östlich gelegenen Teile Europas.

Allerdings haben französische Geographen den Mittelpunkt Europas nördlich der litauischen Hauptstadt Vilnius ausgemacht. Das, was wir früher als Osteuropa bezeichnet haben, ist geographisch gesehen Mittel- und Osteuropa, das heißt, dass das eigentliche Osteuropa mehr oder weniger nur von Russland abgedeckt wird.

Historisch gesehen ist der Osten Europas aber größer, bzw. uneindeutiger und wird von einem gemeinsamen Geschichtsfeld bestimmt. Konkret geht es hier um die sieben Länder Polen, Ukraine, Weißrussland, Litauen, Lettland, Estland sowie Russland.

Dieser Osten ist ein Fundgebiet sondergleichen, hier stoßen wir auf Schätze und Ausprägungen von Geschichte, Kultur und Erfahrungen, die uns nur oberflächlich bekannt geworden sind und die aufgrund des Verlaufs der Zeiten drohen, tatsächlich unentdeckt zu bleiben oder verloren zu gehen.

Dieser Osten, eigentlich Mittel- und Osteuropa, ist wegen seiner gemeinsamen Geschichte ein in sich zutiefst gespaltenes Gebiet. Eine Region Europas, die stark vom Verlust geprägt ist, vom Blut, mit dem die Erde getränkt ist und von einer oftmals nicht eingestandenen Trauer darüber. Diese verdrängte Trauer und das Gefühl Opfer zu sein, bestimmen letztendlich heutzutage in einem nicht geringem Maße die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit. Dabei wäre das Eingestehen dieser Trauer und die Fähigkeit gemeinsam über die Verluste zu trauern, das, was diese Länder insgesamt tatsächlich voranbringen könnte.

Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die angesprochenen sieben Länder auf der Suche nach neuen Identitäten. Vielfach geht diese Identitätsfindung allerdings in eine falsche Richtung. Die Folgen sind mitunter dramatisch und könnten möglicherweise noch dramatischer werden. Die Zukunft des Kontinents Europa, bzw. die Frage, ob der Kontinent Europa eine Zukunft hat, wird unmittelbar mit den Ergebnissen dieser Identitätsfindung zusammenhängen.

Das, was diesen sog. Osten historisch gesehen so anziehend macht, ist, dass sich hier verschiedene Kulturen und Interessen durchdringen, aufeinander stoßen und aneinander reiben. Religionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Man lebte und lebt miteinander, nebeneinander und gegeneinander und das macht die Geschichte dieser Region so reichhaltig, aber auch so extrem.

In einer Stadt in diesem Mittel- und Osteuropa gibt es dazu ein spezielles Symbol: Im Laufe des 19. Jahrhunderts baute die zaristische Obrigkeit eine neue Stadtachse, einen breiten Boulevard, der in West-Ostrichtung geführt wurde. Normalerweise wurde am östlichen Ende solcher Achsen eine kathedralenartige orthodoxe Kirche errichtet – ex oriente lux – auf die die Straße zulief. In diesem Fall stand aber bereits eine Kathedrale am östlichen Ende der Stadtachse und die war katholisch. Daher baute man schlussendlich die orthodoxe Kirche an das Westende des Boulevards. So steht heute die Westkirche im Osten und die Ostkirche im Westen der Achse.

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19:15 02.06.2016
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