Der Islam gehört nicht zu Deutschland!

Deutschland? Wer sind wir? Was zeichnet uns aus? Ein Aufruf zu einer positiven und lebendigen Debatte über das Deutsch-Sein – auch oder gerade in Zeiten der europäischen Einigung.
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von Maria Dorno

Der Islam gehört nicht zu Deutschland! Oder doch? Politiker aller Couleur wetteifern lautstark darum, dem Islam die Zugehörigkeit zu Deutschland ab- oder zuzusprechen. Welche Frage sich dabei aber umso mehr aufdrängt: Was genau ist dieses „Deutschland“?

Die Unterscheidung zum Anderen war schon immer der einfachste Weg eine eigene Identität aufzubauen, zu festigen, den inneren Zusammenhalt einer Gemeinschaft zu stärken. Bei der abgrenzenden Unterscheidung muss man nicht so viel nachdenken. Man kann pauschalisieren und polemisieren. Das alles geht jedoch immer zu Lasten des angeblich Anderen, der anderen, in diesem Fall der muslimischen Gläubigen in Deutschland.

Gerade die deutsche Geschichte ist eine durch Unterscheidungen geprägte – teilweise blutige – Identitätssuche. Die Bundesrepublik Deutschland, wie wir sie heute kennen, ist ohne die Einigungskriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich nicht zu denken. Durch sie hat sich aus dem Flickenteppich die Nation gebildet. Die schlagenden Studenten und die Schreiberlinge des Vormärz hatten dazu sicher ihren Beitrag geleistet, doch die Kraft der Einigung entstand durch das Bewusstsein – beziehungsweise die Konstruktion – des gemeinsamen Feindes.

Aber auch danach wurde in Deutschland beharrlich der Andere gesucht, an dem man die eigene Identität abgrenzen konnte – immer häufiger innerhalb der geeinten Nation. Den Höhepunkt erreichte dieser Irrweg der Identitätssuche mit der Vernichtung des Anderen unter den Nationalsozialisten.

Wir Deutsche müssen endlich wegkommen von dieser Unterscheidungsmaxime, der Definition unserer Identität ex negativo, hin zu einer positiven Identitätsbildung. Wir brauchen eine historisch-kulturelle Reflexion über uns selber. Wer waren unsere Vorfahren? Wer sind wir? Ja, wir haben das oft beschriebene schwierige Verhältnis zu unserer Nation. Und nein, der vorliegende Text soll kein Plädoyer für einen modernen Nationalismus sein. Aber eine Nation, ein Staat, ein Volk – nennen Sie es, wie Sie wollen – gemeint ist ganz profan die Gemeinschaft der innerhalb der Landesgrenzen lebenden Menschen, braucht eine gemeinsame Identität. Sie braucht ein Bewusstsein für ihre kulturellen Errungenschaften und Werte. Sie braucht einen Patriotismus, verstanden als Gemeinschaftssinn.

Die deutsche Identität auf die Werte und den Pathos des Grundgesetzes zu reduzieren, wie es unter Leitartiklern und Politikern gerne getan wird, reicht nicht aus. Identität kann nicht die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner sein. Vielmehr gilt es sich auf die positiven Momente der Geschichte und Kultur zu berufen und sie mutig vor sich herzutragen. Wir müssen uns mehr trauen, wir selber zu sein. So können wir das durchsichtige Band schaffen, dass unsere Gemeinschaft zusammenhält, ganz ohne finanzielle Geschenke des Staates. Und ganz ohne Ausgrenzung des Anderen.

Aber wer sind wir denn jetzt? Das kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Dafür braucht es einen lebendigen und unvoreingenommenen öffentlichen Diskurs, der nicht ex negativo beginnen darf. Interessante und positive Anregungen zu der Frage gibt es beispielsweise im Buch „Die deutsche Seele“, in dem Thea Dorn und Richard Wagner zwischen A wie Abendbrot, R wie Reformation und V wie Vater Rhein das Deutschsein zu erkunden suchen.

Der Artikel erschien zuerst auf Theatrum Mundi.

14:46 18.10.2012
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Geschrieben von

MisterManta

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