RE: Wie der Computer die Frau löschte | 15.12.2015 | 22:04

"Sie lesen meinen Text leider immer etwas zu wörtlich: ... Sprachästhetisch geht es mir um ein Spiel der Verschaltung von beiden Ebenen. Natürlich wird damit die Bedeutung an manchen Stellen mehrdeutig."

Wir leben in verschiedenen Welten. In meiner Welt erlebe ich, daß es Dutzende von männerdiskriminierenden Gesetzen gibt und weitere geplant sind, die Frauen rechtlich privilegieren und die mit absolut hanebüchenen Begründungen politisch durchgeboxt werden. Das zentrale Mittel, die politische Öffentlichkeit zu täuschen, sind Begriffsverschiebungen und Doublespeak-Techniken, in denen ein hinterhältiges "[Versteck-] Spiel der Verschaltung von [Bedeutungs-] Ebenen" getrieben wird. Mit Sprachästhetik hat das nichts zu tun, es geht darum, für ungeliebte Personen elementare Grundrechte außer Kraft zu setzen. Sie befinden sich hier nicht in einem literarischen Seminar, sondern in einem knallharten politischen Kampf.

RE: Wie der Computer die Frau löschte | 15.12.2015 | 21:58

"Aber natürlich kann man bestimmte fem. Leistungen anerkennen."

Absolutely. Ich war ja früher selber so ungefähr ein Feminist.

"(übrigens, linguistisch betrachtet unterscheidet sich eine Programmiersprache nicht dramatisch von einer "echten" Sprache)"

sorry, Ihnen zu widersprechen, aber sogar linguistisch sind die Unterschiede gigantisch. Programmiersprachen haben eine fest vorgegebene Syntax und eine exakte - normative, wenn Sie gerne feministische Begriffe benutzen - Semantik (die wiederum in einer technischen Domäne verortet ist). Auf natürliche Sprachen trifft das nicht ansatzweise zu. Dort sind Grammatiken ein nachträgliche und nur appropximative Strukturbeschreibung. Viele Grammatikregeln sind nicht hart, sondern weich im Sinne einer hohen Wahrscheinlichkeit, alles nicht denkbar bei Programmiersprachen.

"Eine Programmiersprache ist kein Naturprodukt."

Exakt. Da wir hier von Ada reden: das DoD hatte seinerzeit sogar eine offizielle Ausschreibung zur Entwicklung einer neuen Programmiersprache ausgeschrieben. Diesen Wettbewerb gewann die Gruppe um Jean Ichbiah, dessen Gruppe danach mit einem gigantischen Aufwand Ada entwickelt hat.

Andere Computersprachen sind durch Freiwillige entstanden, aber auch da haben großte Teams über viele Jahre hinweg an der Definition der Sprache und der Implementierung der Compiler gearbeitet.

"Die Möglichkeit einer Programmiersprache wird durch den bestimmt, der sie erarbeitet."

Nein! Alle modernen Programmiersprachen sind Turing-vollständig und haben insofern die gleichen "Möglichkeiten".

Die Annahme "Möglichkeit werden durch DEN bestimmt", also die Annahme, eine einzelne Person würde hier wesentliches alleine bestimmen, ist absurd. Wir reden hier von Teams von 100 und mehr Leuten. darunter durchaus Frauen [thumbs up], die gemeinsam an der Entwicklung einer Sprache arbeiten.

"Sie kennen den Google-Algorithmus und das Wettrennen zw. SEO-Optimierern und Google. ... Der Algorithmus ist nicht wertfrei."

Meinen Sie das PageRank-Verfahren? Dieser Algorithmus ist in seiner Grundform völlig wertfrei. Sie benutzen den Begriff "Wert" im Sinne einer moralischen Wertung. Der Algorithmus schätzt die Wahrscheinlichkeit, daß eine Seite einen guten Inhalt enthält. Ob eine Seite gut ist, entscheidet vor allem die Linkstruktur des Netzes. Daß versucht wird, den Algorithmus auszutricksen und Google wiederum versucht, die Tricks zu erkennen, ändert nichts an der grundsätzlichen Wertfreiheit.

"Deswegen ist aber spannend, was für ein Algorithmus geschrieben wird. Oder noch spannender: Wecher Algorithmus wird nicht geschrieben."

Es war einmal eine Zeit, da gab es mehrere konkurrierende Suchmachinen. Die standen im Wettbewerb, und zwar dahingehend, den Benutzern die Webseiten anzuzeigen, die sie wahrscheinlich gesucht haben und die ihr Informationsbedürfnis befriedigt haben. Google hat diesen Wettbewerb gewonnen, weil sein "Algorithmus" diese Aufgabe am besten gemeistert hat: Die Leute haben mit den Füßen abgestimmt und haben nach ein paar Versuchen nur noch mit Google gesucht, weil dort die besten Treffer kamen.

Ich will Sie hier nicht niedermachen, aber Sie haben ein fundamental falsches Verständnis, worum es hier überhaupt geht. "Welcher Algorithmus wird nicht geschrieben." ist nicht die Frage. Geschrieben werden fürchterlich viele Algorithmen, leider erfüllen die meisten nicht die Erwartungen der Benutzer und - Darwinimus auch hier - verschwinden von der Bildfläche. Die Kunden entscheiden, welche Produkte überleben, nicht die Anbieter (abgesehen von sehr seltenen Monopolsituationen).

"der ihn schreibt, hat ein Geschlecht, hat ein "Programm" (hier im Sinne eines Auftrages/Weltbildes/Ideologie)."

NEIN. s.o. Entwickler haben einen Kundenauftrag. Googles Suchmaschine ist im übrigen ein extrem seltenes Produkt, das Brot- und Buttergeschäft für Programmierer sind vor allem betriebliche Informationsysteme, die Buchhaltung, Lohnabrechnungen und andere stupide Zahlenschaufeleien erledigen.

"Der Google-Algorithmus bestimmt ganz wesentlich, wie wir die Welt erfahren, ..."

Kann man so nicht sagen. Erstens liefert Google Webseiten, die den Benutzern gefallen und von vielen anderen Seiten verlinkt werden. Ferner verkauft Google die Spitzenplätze auf seinen Trefferlisten (immerhin sind sie meistens auch als Anzeige gekennzeichnet). Können Sie übrigens selber benutzen: https://www.google.de/adwords/?zd=1

RE: Drei Jahre Beschneidungsgesetz | 12.12.2015 | 16:33

@Helena Weiss: danke für den Artikel! Eine der besten Widerlegungen der üblichen Argumente, mit denen die Genitalverstümmelung bei Jungen rechtfertigt oder verharmlost werden, ist übrigens dies hier: https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/05/07/beschneidungsdebatte-ein-jahr-danach-beschissene-argumente-und-meine-antworten/ https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/12/15/beschneidungsgesetz-ein-jahr-danach-unendliche-diskussionen-und-mein-nachtrag/

RE: Wie der Computer die Frau löschte | 09.12.2015 | 23:15

Neuer Versuch ... beim ersten sind alle Leerzeilen verschwunden.

"... da eine Frau, die von Computern und Algorithmen schreibt, irgendwie natürlich ahnungslos und/oder indoktriniert sein muss"

Keineswegs. Eine gute Bekannte ist ein von mir und anderen hochanerkannter Informatik-Experte. Mein Kommentar zu dem Text wäre der gleiche, wenn er von einem Mann oder jemand mit unbekanntem Geschlecht geschrieben gewesen wäre.

"beispielsweise Luhmann, allesamt wirklich keine Gender-Theoretiker"

Also Luhmann hat einen sehr bissigen Text zur Frauenbewegung und Gendertheorie geschrieben: Frauen, Männer und George Spencer Brown. Zeitschrift für Soziologie 17 (1), 47-71, 1988. http://zfs-online.ub.uni-bielefeld.de/index.php/zfs/article/viewFile/2641/2178

Nach L. sind in modernen, funktional strukturierten Gesellschaften Geschlechterdifferenzen gesellschaftsstrukturell funktionslos. Damit negiert er das zentrale feministische Dogma, über Macht und Zuständigkeiten werde zuvorderst entlang einer "Geschlechterhierarchie" entschieden, in der natürlich "die Männer" "die Frauen" dominieren. Ob L. nun Gender-Theoretiker oder Anti-Gender-Theoretiker ist, sei dahingestellt ;-)

"ich spreche in dem Zitat von "Code", in dem "Programm" und "soziale Codierung" mitschwingen, also nicht von reinem Programmieren die Rede ist"

Das ist mir durchaus aufgefallen und hat mich sofort an Sokals "Transgressing the Boundaries...." erinnert. Sokal hat nämlich mit seiner Parodie alle hochgenommen, die glauben, wenn irgendwo etwas mitschwingt oder anklingt, wäre das eine klare Aussage oder sogar eine bewiesene Aussage.

Sorry, aber Quelltexte von Programme sind grundsätzlich nicht vergleichbar mit literarischen Texten. Kennen Sie wenigstens eine Programmiersprache? Haben Sie schon mal selber einen Quelltext gelesen. Vielleicht sogar in Assembler?

"Ihre Aussage wäre zu beweisen und ist zunächst nur eine Behauptung."

Ich habe Ihrer Aussage, man würde sich beim Programmieren als Mann oder Frau in die Programme einscheiben, widersprochen. Sie müssen Ihrer Behauptung beweisen, nicht ich meinen Widerspruch.

"Zum Beispeil wenn gesellschaftlich vermittelt wird, dass Computer männlich codiert sind."

Klingt unheilschwanger, ich kann aber keinen Sinn darin entdecken. Computer sind Hardware und keine Programme, also nicht "codiert". Wenn Sie sagen wollen, daß man Computer eher mit Männern assoziiert, haben Sie recht, aber wie schon oben erklärt spielt das für die Programme keine Rolle.

"Sondern wer überhaupt programmiert, wer also Wirklichkeit codiert."

Sehr mystisch. Wie "codiert" man die Wirklichkeit? Welche Wirklichkeit? Die Wirklichkeit von Programmierern besteht aus ungeplanten Fehlermeldungen des Compilers.

"Wenn Sie männliche Pioniere aufzählen, beweisen Sie ja gerade nicht, dass mein Punkt falsch ist."

Nice try. Ich habe Ihre Aussage "Die war in ihrer Frühzeit voll von Pionierinnen." zitiert und halte sie für falsch. Sie müssen Ihre These beweisen. Die eine Person Ada Lovelace reicht dafür nicht.

"Und wir können nicht erinnern, was gelöscht ist."

Keine Sorge. Das Internet und vor allem Google vergessen nichts. Quelltexte von Programmen sind generell kein guter Ort, Informationen über Personen zu dokumentieren, Google kann das besser.

RE: Wie der Computer die Frau löschte | 07.12.2015 | 02:06

"Während wir alles dafür tun, aus der binären Logik der Geschlechterverhältnisse auszubrechen, schreibt das Computersystem uns genau in jenen binären Denksphären fest...."

Ist das ernst gemeint?? Der Text liest sich für mich als typisches Resultat von jemandem, der von den Gender Studies komplett indoktriniert wurde und in alles und jedes die immerwährende Unterdrückung der Frau hineininterpretiert, ohne auch nur entfernt Ahnung von der Sache zu haben.

"Wir Frauen haben es versäumt, uns in die immer neuen Codes einzuschreiben."

Zur Info: man schreibt sich beim Programmieren nicht als Mann oder Frau in die Programme ein. Programme sind zwar Text, aber keine Belletristik. Man kann hinterher nicht erkennen, ob ein Mann oder eine Frau ein Programm geschrieben hat.

Zu Augusta Ada Byron King, Countess of Lovelace, allgemein als Ada Lovelace bekannt: Sie schrieb ihre berühmten "Notes" beim Übersetzen eines Textes über die Analytical Engine, die Charles Babbage erdacht hatte. Zum Mitdenken: Babbage erfindet eine programmgesteuerte Rechenmaschine, die eine simple Programmiersprache implementiert, kommt aber nicht auf den Gedanken, auch einmal ein Programm für diese Maschine zu schreiben - Männer sind eben unkreativ - und überläßt dies der 24 Jahren jüngeren guten Bekannten Ada, die einen Text über die Funktion der Analytical Engine übersetzt - ohne Hilfe von Babbage natürlich.

Selbst eine geringe Dosis an Lebenserfahrung sollte Zweifel an dieser Darstellung aufkommen lassen, und tatsächlich hat Babbage lange vor Lovelace eigene Programme geschrieben, aber die waren irgendwie zu mickrig.

Der eigenständige Beitrag von Lovelace ist in Publikationen von Bromley, Colier und Stein stark bezweifelt worden, eine weitere ausführliche Kritik stammt von Thony Christie.

Ada Lovelace ist eher die erste Quotenfrau als die erste Programmiererin. Schon Babbage steht im Verdacht, daß er Lovelace vor allem als Blickfang einsetzte, um Geld für seine Pläne zu generieren. Daß das amerikanische DoD in 1983 die neue DoD-Programmiersprache Ada nach Lovelavce benannte, zeigt deutlich an, wie feministisch geprägt die Informatik seit den 60er Jahren schon immer war. Der Vorwurf der Autorin, Frauen würden in der Informatik unsichtbar gebracht ("Frauen wurden erfolgreich aus der Welt der Codes gelöscht"), ist absurd und frei erfunden, das Gegenteil ist der Fall.

"Die war in ihrer Frühzeit voll von Pionierinnen."

Könnte man dazu ein paar Namen erfahren? Mir fallen in der Frühzeit nur männliche Pioniere ein: Gottfried Wilhelm Leibniz, Alan Turing, Claude Shannon, Konrad Zuse usw.

RE: "Diese Linken müssen so stolz auf sich sein" | 29.08.2015 | 14:54

"Das ist komplett an der Realität vorbei. Es ist die Unwahrheit. Gender Mainstreaming bedeutet nichts anderes, als die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen (...) Im Unterschied zur expliziten Frauenpolitik bezieht Gender Mainstreaming beide Geschlechter gleichermaßen in die Konzeptgestaltung ein."

Wenn etwas komplett an der Realität vorbei geht, dann diese Behauptung. Nix für ungut, das ist altbekanntes typisches feministisches Doublespeak. Es gibt eine offizielle, wohlklingende Definition von Gender Mainstreaming und es gibt die exakt entgegengesetzte Realität. In der Realität ist Gender Mainstreaming ein Synonym für ausschließliche und einseitige Frauenbevorzugung. Das funktioniert ganz einfach, indem man Frauen überall und immer als Opfer und diskriminiert unterstellt und automatisch überall die bösen Männer kompensatorisch gesetzlich diskriminieren darf.

Das fängt damit an, daß tausende "Gleichstellungs"beauftragte gesetzlich verpflichtet sind, ausschließlich die Interessen von Frauen zu vertreten.

Basis sind Dutzende Gesetze, die Männer diskriminieren. Beispiele:

das sattsam bekannte Frauenquotengesetz (lex FiDAR).

Das Bundesgleichstellungsgesetz (BGleiG): das sagt in § 1 Ziele des Gesetzes: "Ziel des Gesetzes ist es, 1. die Gleichstellung von Frauen und Männern zu verwirklichen, 2. bestehende Benachteiligungen auf Grund des Geschlechts, insbesondere Benachteiligungen von Frauen, zu beseitigen und künftige Benachteiligungen zu verhindern sowie ...", und es definiert diverse Sonderrechte für Frauen (!!!) (weswegen es richtigerweise BundesUNgleichstellungsgesetz heißen müßte). Ähnliche Gesetze gibt es für die Länder.

Ganz offen und explizit ist die gesetzliche Gleichsetzung von Gender Mainstreaming und Frauenbevorzugung im Hochschulzukunftsgesetz (HZG NRW) formuliert. Ich zitiere mich einfach selber:

"§3 Aufgaben, Absatz (4) schreibt den Hochschulen vor:

Die Hochschulen fördern ... die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Hochschule und wirken auf die Beseitigung der für Frauen bestehenden Nachteile hin. Bei allen Vorschlägen und Entscheidungen sind die geschlechtsspezifischen Auswirkungen zu beachten (Gender Mainstreaming).

Es wird hier klar und rechtlich bindend ausgedrückt, daß Gender Mainstreaming ausschließlich als einseitige Frauenförderung zu verstehen ist."

Das bedeutet: In Fachbereichen wie Lehrämtern und vielen Sprachen, wo 70-90% der Studenten weiblich sind, aber oft nur die Hälfte der Wissenschaftler, besteht die gesetzliche Aufgabe der Uni und insb. der Gleichstellungsbeauftragten darin, den Männeranteil unter den Wissenschaftlern auf 10-30 % oder weniger zu drücken. Bei den Ingenieuren muß natürlich nicht analog der Frauenanteil gesenkt werden, sondern es müssen mehr Frauen zum Studium bewegt werden und generell überall mehr Frauen hin.

Das ist nun mal die Realität, die man überall erlebt, und sollte sich so langsam herumgesprochen haben.

RE: Zensur nach innen | 26.08.2015 | 22:29

"Nicht der Rundfunkrat entschied das übrigens, sondern der WDR-Chefredakteur Schönenborn."

Vermutlich auch auf Anraten seiner Ehefrau Jona Teichmann, die sich ja auch sonst heftig dafür einsetzt, die Medien unter feministische Kuratel zu stellen.

Klar machen sollte man sich, daß der WDR in Köln, also in NRW sitzt und Schönenborn politisch Kopf und Kragen riskiert hätte, wenn er anders reagiert hätte.

NRW wird von Frau Kraft (SPD) und und Frau Löhrmann (Grüne) regiert und diese Regierung hat als Besonderheit gleich 2 Frauenministerien, das Emanzipationsministerium unter Frau Steffens (Grüne) und das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend usw. unter Frau Schäfer.

Fast hätte ich noch das Ministerium für Bund, Europa und Medien übersehen, unter Frau Schwall-Düren, das sich natürlich auch eifrig um Frauen bemüht, über www.medienfrauen-nrw.de.

Dort macht man wiederum gerne Werbung für Frauenquoten in den Medien bzw. für http://www.pro-quote.de, womit wir wieder bei Frau Teichmann wären.

RE: Die Opfer-Logik | 25.08.2015 | 19:31

"der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik .... hetzte seitenweise gegen .... den Feminismus."

Diesen unübersehbaren Hinweis lese ich seit Jahren immer wieder in feministischen Beschreibungen des Maskulismus.

Ich schlage eine eigene Bezeichnung dafür vor, reductio ad Breivicum, in Anlehnung an reductio ad Hitlerum.

Der Denkfehler ist in beiden Fällen fast der gleiche, aber eben nur fast, deswegen verdient es eine eigene Bezeichnung. Der Hauptzweck ist nämlich nicht die Widerlegung eines argumentativen Standpunkts, sondern die persönliche Diskreditierung des Streitgegners. Es kombiniert sozusagen den Argumentationsfehler reductio ad Hitlerum mit dem Scheinargument argumentum ad hominem.

Ich würde natürlich außerdem vorschlagen, von der Verwendung der reductio ad Breivicum abzusehen.

RE: "Adams Apfel und Evas Erbe" | 24.08.2015 | 21:54

@ RichardK: Wenn alle das gleiche sagen bzw. herausfinden, braucht man keine Standpunkttheorie.

Bei naturwissenschaftlichen Forschungsthemen, z.B. Gravitation, besteht die Möglichkeit, Theorien durch empirische Experimente zu widerlegen. Daher setzt man dort den Falsifikationismus als Wissenschaftstheorie ein. Bei sozialwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Forschungsthemen kann man das prinzipiell nicht, man braucht dort eine andere Wissenschaftstheorie. Die Standpunkttheorie ist mMn aber auch dort keine valide Wissenschaftstheorie.

Die Standpunkttheorie unterstellt schon begrifflich, daß es mehrere Standpunkte zur Erforschung bzw. Beschreibung der Realität gibt, die von den Forschern und deren persönlicher Klassenzugehörigkeit abhängen und die zu verschiedenen Ergebnissen (also Theorien) führen, und daß keine dieser Theorien empirisch widerlegt werden kann. Gewinner bei der Konkurrenz ist, wer den besseren Opferstatus hat (also z.B. die Frauen). Generell gilt der Standpunkt einer dominierten Gruppe als besser als der Standpunkt einer herrschenden Gruppe.

Diese Klassifizierung in dominiend / herrschend ist aber in der Regel strittig und kann nur durch eine vorgeschaltete soziale Analyse entschieden werden, die zu den gleichen divergierenden Standpunkten und letztlich zu einer Endlosschleife führt.

Die feministischen Standpunkttheorie führt außerdem zu innereren Widersprüchen (s. obiger Link).

RE: "Adams Apfel und Evas Erbe" | 23.08.2015 | 17:34

"Wenn Naturwissenschaftler in geisteswissenschaftlichen Gefilden wildern, kommt selten etwas Vernünftiges raus."

Richtig, das gilt umgekehrt genauso.

Allerdings geht beides am Thema vorbei, denn wenn man Geschlechterunterschiede als Oberthema der Gender Studies ansieht, dann ist es absurd, das rein geisteswissenschaftlich zu machen. Selbst wenn man das Thema auf soziale Phänomene einschränkt, ist die beliebte These, daß die Biologie dabei keinerlei relevante Rolle spielt, offensichtlich falsch. Zumindest müßten die Verfechter dieser These das erst einmal beweisen, was ihnen extrem schwer fallen dürfte.

Die Wirtschaftswissenschaften haben auch einmal geglaubt, der homo oeconomicus sei ein biologiefreies, rationales Wesen. Stattdessen haben wir inzwischen Neuromarketing. Das funktioniert schon bei solchen Lappalien wie dem Einkauf von Putzmitteln. Ggf. unter Einsatz des Prinzips sex sells, weil wir dabei so schön triebgesteuert und irrational reagieren.

"Spätestens seit Thomas Kuhn sollte zudem bekannt sein, dass der Wahrheitsanspruch von naturwissenschaftlichen Erklärungsansätzen auf mitunter wackeligen Boden steht."

In den Geisteswissenschaften, speziell den bisherigen Gender Studies, steht der Wahrheitsanspruch dafür immer und ausnahmslos auf wackeligem Boden, und zwar ganz offiziell im Rahmen der feministischen Standpunkttheorie. Ich weiß nicht, ob das so ein Vorteil ist.

Der Hinweis auf Thomas Kuhn ist trotzdem gut, ein Paradigmenwechsel a la Kuhn ist überfällig bei den Gender Studies. Vielleicht hilft das hier rezensierte Buch ja dabei. Nur keine Angst vor neuen, besseren Zeiten ;-)