Back to the future 2.0

Wahlbetrug Mexiko ist auf dem Weg zurueck zur soften Diktatur, welche von 1929 bis 2000 andauerte. Die Praesidentschaftswahlen zeichneten sich aus durch Stimmenkauf und Betrug.

Lateinamerika war nie gefeit vor Eliten, die sich herausnehmen ueber ihr Volk hinwegzuentscheiden. Zuletzt wurde dies in Paraguay deutlich, wo abseits der Weltoeffentlichkeit ein Staatsstreich vollfuehrt und der Praesident mal ebenso abgesetzt wurde. Grossen Aerger wird es wohl nicht geben, da dasselbe Experiment bereits in Honduras hervorragend funktioniert hat. Unterstuezt werden solche Puchisten uebrigens auch von deutschen Institutionen, wie der FDP- nahen Friedrich Naumann Stiftung, die in Honduras mit Rat und Tat zur Seite stand. Nach Paraguay wird es sicher einfacher werden im Rest Lateinamerikas.

In Mexiko wurde nun aber eine perfidere Taktik gewahlt, die elegante Weise Herrschaftssttrukturen zu etablieren. Die ehemalige Staatspartei Partei der Institutionellen Revolution (PRI) im Pakt mit einer der einflussreichsten Maennern in Mexiko, Carlos Salinas de Gortari, und der groessten Fernsehanstalt Lateinamerikas Televisa. Zuerst wurde ein passender Kandidat gesucht und im Bundesstaat Mexiko im Zentrum des Landes gefunden. Enrique Peña Nieto (kurz EPN genannt) sieht gut aus und ist nicht sonderlich intelligent, was die Einflussnahme erleichtert. Nachdem seine Ehefrau auf bis heute ungeklaerte Weise gestorben ist, wurde kurzerhand eine Seifenopern- Schauspielern eingestellt und als neue Frau installiert. Es gab eine Traumhochzeit ausgestrahlt in allen Kanaelen des Landes, wie man es von englischen Adelsfamilien kennt. Waehrend der Kandidat Richtung Praesidentschaft stolperte, gab es aus Zeitung und Fernsehen nur gute Berichte. Im Dezember 2011 konnte EPN, auf der Buchmesse Guadalajara (die groesste Lateinamerikas) nicht zwei Buecher nennen, als er gefragt wurde, welche Buecher denn sein Leben beeinflusst haben. In sozialen Netzwerken wurde dies ebenso breitgetreten, wie die Feststellung, das er in Interviews nicht wusste wie hoch der Mindestlohn ist oder wieviel ein Kilo Tortillas kostet (das Grundnahrungsmittel in Mexiko). Den Vogel schiess er ab, als er in der Iberoamerikanischen Universitaet, einer Privatuni in Mexiko- Stadt, vor aufgebrachten Studierenden fliehen musste und geruechteweise einige Zeit auf der Toillette verbrachte, die Medien aber von einem ruhigen und friedlichen Ablauf der Ereignisse, ohne Gegenprotesten, berichtete. Diese Situation liess das Fass zum ueberlaufen bringen und es formierte sich eine neue Jugendbewegung mit Namen YoSoy132.

Sie brachten es soweit, eigene Praesidentschaftskandidatendebatten zu organisieren, welche uebers Internet live gesehen werden konnten, bei denen aber nur die Kandidaten der rechts- konservativen PAN, Josefina Mota, der sozialdemokratischen PRD, PT und Buergerbewegung, Andres Manuel Lopez Obrador (AMLO) und der Splitterpartei Neue Allianz, Gabriel Quadri, teilnahmen, nicht aber der Kandidat der ehemaligen Staatspartei.

Gemeinsam mit dem Kandidaten des linken Lagers AMLO wurde ein Wahlbeobachtungsbuendnis geschlossen, um alte Wahlpraktiken, wie Manipulation der Wahlergebnisse oder Stimmenkauf zu verhindern oder zumindest zu dokumentieren.

Die Wahlnacht wurde perfekt durchchoreografiert von Politik und Medien, womit jeder Zweifel im Keim erstickt werden sollte, wer als Sieger aus der Wahl herausgeht. Am ersten Juli 18 Uhr zentralmexikanischer Zeit wurden die Wahllokale geschlossen, jedoch offiziell darf nichts bekannt gegeben werden bis 20 Uhr. Das stoerte jedoch niemanden bei PRI oder Televisa bereits kurz nach 18 Uhr den Kandidaten der Gouverneurswahlen fuer den Bundesstaat Jalisco, Aristoteles Sandoval, als glorreichen Sieger zu interviewen, obwohl die Auszaehlung noch nicht einmal ein Prozent der Stimmen gezaehlt hatte.

Puenktlich um 20 Uhr wurde dann der PRI- Kandidat EPN als Sieger erklaert, die Kandidaten Mota und Quadri erklaerten ihre Niederlage und forderten dies auch vom Linkskandidaten AMLO, der Praesident wurde eingeschaltet und gratulierte EPN zur gewonnenen Wahl. Es ist fast so, wie wir es aus Europa kennen, mit einigen Unterschieden. Unter der Oberflaeche brodelt es, es gibt Videos auf den die schmutzige Arbeit der Staatspartei offensichtlich wird. Videos in denen Personen Geld angeboten wird, in Wahllokalen fuer Personen aus anderen Staedten (groesstenteils Studiernede) gibt es jeweils nur 750 Stimmzettel, Menschen warten den gesamten Tag und koennen trotzdem nicht waehlen, lokale Wahlleiter werden dabei ertappt, wie sie Wahlscheine selbst ausfuellen, die PRI schafft Menschen mit Bussen zu Wahllokalen und verspricht ihnen Essen, wenn sie fuer sie stimmen. Die Fotos der einzelnen Wahlergebnisse wurden von Freiwilligen fotografiert und mit den offiziellen Ergebnissen abgestimmt, selbst die korrupte Wahlkommission IFE musste zugestehen, dass von 143.000 Wahllokalen 113.000 Unregelmaessigkeiten aufweisen und es am 4. Juli zu Nachzaehlungen kommt.

Waehrenddessen schwellt die Bewegung YoSoy132 an und organisiert Demonstrationen im gesamten Land, aber es gibt auch Nachrichten darueber, dass grosse Gruppen von Menschen in Supermaerkten und auf den Strassen ihr Schmiergeld einfordern. Somit steht dem Land ein langer und zaeher Kampf bevor, bei dem noch nicht ausgemacht ist, ob er sich zu einem mexikanischen Fruehling verwandelt oder nicht. Noch besteht eine kleine Hoffnung, dass sich Mexiko nicht in Laender, wie Honduras oder Paraguay einreiht, auch wenn diese sehr gering ist. Vielmehr sieht es danach aus, dass sich die meisten Mexikaner auf sechs Jahre Korruption und Repression mit einem sozialen Paternalismus einstellen oder aber die Ausreise und somit das Exil in Erwaehnung ziehen.

Hier noch ein paar der Videos:

http://www.youtube.com/watch?v=0AmeHFwkk9E&feature=youtu.be

http://www.youtube.com/watch?v=JKT4wLbXt1c

https://www.youtube.com/watch?v=17LV2dAha7k&feature=player_embedded

https://www.youtube.com/watch?v=6iB4gHq6n2A

https://www.youtube.com/watch?v=tIlyiBmgHsM&feature=related

Der Autor wohnt seit 5 Jahren in Mexiko und durfte erstmals einer Praesidentschaftswahl beiwohnen. Dabei durfte er feststellen, welch Farce es ist und wieviele seiner Bekannten am Waehlen behindert wurden.

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18:00 04.07.2012
Geschrieben von

mKlenk

Lebt in Mexiko und macht seinen Doktor hier ueber 3D Kino. Ausserdem schreibt er an Serien und Filmen.
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