Sehr weiß, das alles

Rassismus Empört euch über Bret Easton Ellis. Aber nicht zu sehr!
Sehr weiß, das alles
„American Psycho“-Autor Bret Easton Ellis

Foto: Nicholas Hunt/Getty Images For Soho House & Co.

Schlicht und düster ist der Umschlag der deutschen Übersetzung von Bret Easton Ellis’ Weiß (Kiwi) geworden: Titel, Name, Verlag. Schwarz, auf mattschwarzem Grund, grauweißer Rand, Airbrush-Optik. Anders bei Picador, wo Ellis in Großbritannien herauskommt. Kaum lesbar steht da, über dem schwarz gedruckten „White“, weiß auf weiß: „Schriftsteller“, „Kritiker“, „Liebender“, „Hasserfüllter“, „Twitterer“, „Freigeist“ und „Provokateur“. Und dann, unter dem Autornamen: „privileged male“ – „privilegierter Mann“.

Es ist Ellis’ erstes Buch seit 2010. Das erste nichtfiktionale. Imperial Bedrooms wareine Fortsetzung von Unter Null, das ihn 1985 21-jährig sehr reich und zum Enfant terrible der amerikanischen Literatur machte: eine brillante Schilderung der Abstumpfung von Oberschicht-Kids in der Reagan-Ära.

Berüchtigt und noch reicher ist er 1991 durch American Psycho,die Geschichte Patrick Batemans, geworden. Der – sind es nur Fantasien? – frönt neben der Obsession für Erfolg, Huey Lewis and the News und Körperpflege der bestialischen Ermordung von Frauen. Beschrieben ist das mit einer Kälte, die einem das Blut in den Adern stocken lässt. Keine Moral der Geschichte. Ein Grund, warum das Buch kurz vor Drucklegung den Verlag wechseln musste. Heute heißt das „cancel culture“. Ein Vorbild für Bateman war Donald Trump. Oder vielmehr eine Gruppe von Börsianern, die alle The Art of the Deal lasen und werden wollten wie der spätere 45ste Präsident: megareich, niemandem Rechenschaft schuldig.

Konnte man Ellis’ Kunst bis dato als rabenschwarze Kritik des einen Prozents lesen, gemixt mit einem Talent, extreme Reaktionen zu provozieren – in Lunar Park (2005) treten Polizisten auf, die zu den Sexszenen aus American Psycho masturbiert haben –, so hat er sich in letzter Zeit viel auf Twitter herumgetrieben, betrieb einen Podcast. Machte seinem Hass auf die, die seiner Meinung nach die politische Kultur der USA zerstören, Luft: die um 2000 Geborenen, die Generation Y, die er „Generation Wuss“ getauft hat. Er kennt sie, seit Jahren liebt er ein solches „Weichei“. Einen, der seit Trumps Wahl einen Zusammenbruch nach dem anderen vor dem Fernseher habe.

Ellis findet’s jämmerlich. Trump sei gewählt, nicht von ihm allerdings. Vieles andere stört ihn, die Selbstviktimisierung von Schwulen, Schwarzen, Frauen, die fehlende Ästhetik der „Black Lives Matter“-Bewegung, dass Moonlight,der Film über einen schwulen Afroamerikaner, den Oscar bekam und nicht La La Land und Ellis dafür kritisiert wird, das zu sagen. Dass man Trump vorhält, dass er alle Mexikaner Vergewaltiger nannte (einmal!), dessen Sohn aber mit Gewaltfantasien bedenkt, seine Wähler als kläglichen Haufen beschimpft.

Sehr „weiß“, das alles, ja. Affektbeladen manchmal. Empörenswert? Dass Ellis hier schafft, was er am besten kann, zeigt ein Interview, das im New Yorker erschien. Sichtlich müht sich Isaac Chotiner, Ellis festzunageln. Er rege sich mehr über Linke und Liberale auf als über den Rassisten Trump. Ein Rassist, ja, antwortet Ellis. Hoffentlich bald abgewählt, damit der Spuk ein Ende habe. Was so viel heißt wie: nicht etwa, weil der Präsident ein Rassist ist. Ellis wirkt im Gespräch fahrig, unkonzentriert, was viele, die sich von Weiß beleidigt fühlen, als Erfolg sehen. Ist es einer? Mit heißer Empörung die Empörung verteidigen, damit kommt man Ellis nicht bei. Viel mehr Kälte wäre nötig, um ihn mit den eigenen Waffen zu schlagen. Anders geht es nicht.

06:00 02.05.2019
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