Zuhause, ein tödlicher Ort

Partnerschaftsgewalt Fast ein Fünftel aller Morde sind Beziehungstaten an Frauen. Zur Prävention wird zu wenig getan
Mladen Gladić | Ausgabe 47/2018 26

Das erste deutsche Frauenhaus wurde 1976 eröffnet, heute gibt es etwa 350 davon. Hier finden weibliche Gewaltopfer und ihre Kinder Schutz. Wenn Platz ist. Denn jedes Jahr müssen Tausende Hilfesuchende abgewiesen werden. Zwar kommt es oft zur Weitervermittlung. Für viele bedeutet eine Abweisung aber, dass sie nach Hause zurückkehren. Und damit an einen gefährlichen Ort.

2017 starben 147 Frauen von Hand des Partners oder Ex-Partners, wie die aktuelle Statistik zu Partnerschaftsgewalt zeigt. Das ist etwa ein Fünftel der Tötungsdelikte insgesamt. Fast 100.000-mal kam es zu Körperverletzungen in Beziehungen, 2.752-mal zu Vergewaltigungen, dazu 32.000-mal Bedrohung, Stalking, Nötigung.

Nicht alle Opfer sind Frauen. Auch für manchen Mann bedeutet Zuhause Gefahr: 20 Prozent der Todesopfer von Partnerschaftsgewalt waren 2017 Männer. Insgesamt teilte sich fast die Hälfte der Opfer das Zuhause mit dem Täter. Dass die Zahlen zur Partnerschaftsgewalt gestiegen sind – seit 2013 um über 15.000 Fälle –, liegt auch daran, dass nach der Verschärfung des Sexualstrafrechts jetzt auch psychische Gewalt, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution gezählt werden. Sonst gäbe es einen Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber 2016, bei fast 140.000 Fällen insgesamt. Die, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Dienstag in Berlin, seien nicht hinnehmbar, in einem „modernen Land“.

Die Gewalt geht quer durch die Gesellschaftsschichten, unabhängig vom Bildungsstand. Aber es gibt Risikofaktoren. Oft fungieren plötzliche soziale Schieflagen als Verstärker, Alkohol spielt bei einem Viertel der Fälle eine Rolle. Prävention ist schwierig, dennoch müsste Hilfe niedrigschwellig erreichbar sein, für alle, schon bevor es zur Gewalt kommt. Auch für potenzielle Täter. In Berlin stellte Giffey die neue Kampagne des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ vor, das rund um die Uhr in 17 Sprachen barrierefrei hilft. Giffey sprach sich für den Rechtsanspruch auf einen Platz in einem Frauenhaus aus. Letztere sind zwar Ländersache, die Umsetzung von Giffeys Plan aber wäre ein wichtiger Schritt.

Info

Die Nummer des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen lautet 08000 116 016

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14:00 21.11.2018
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Ausgabe 28/2020

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