2012 kann Wulff das politische Überleben sichern

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Nachdem die Christian Wulff zu Weihnachten 2011 ein Maschseegate beschert worden ist und die Affäre sich mit angeblichen Anrufen des amtierenden Bundespräsidenten in der Bild-Redaktion fortsetzt, steht erneut die Frage im Raum, ob Herr Wulff doch noch vorzeitig vom Amt des Bundespräsidenten zurücktritt. Vor Weihnachten schien es, dass Herr Wulff mit einem blauen Auge davongekommen war.

Betrachtet man die bereits feststehenden Ereignisse des Jahres 2012 unter Berücksichtigung der Mechanismen der Mediengesellschaft und dem Public-Affairs-Management, könnte das Jahr 2012 Herrn Wulff das politische Überleben sichern. Denn für genügend Ablenkung wird gesorgt, eifrig sekundiert vom massenmedialen Betrieb. Nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Termine:

Zu Beginn des Jahres könnten die Großereignisse des Wintersports und der Handball-EM Zerstreuung bieten. Anschließend schunkelt der Karneval bzw. Fasching dem Ende der aktuellen Session entgegen. Ein Höhepunkt könnte der Auftritt Guttenbergs bei der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst sein. Möglicherweise wird die Nation darüber diskutieren, ob Guttenberg überhaupt reden darf. Danach wird die Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Mai die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Jedoch wird dies nicht vor dem Hintergrund der Rolle Schleswig-Holsteins im Gefüge des kooperativen Föderalismus geschehen, sondern die Debatten werden sich ausschließlich um die FDP und deren Personal drehen. Vielleicht werden die Piraten noch eine Rolle spielen, soweit ein Einzug in den Landtag gelingen wird. Bleibt die LINKE draußen, wird es auch in Bezug auf diese Partei um Personen, insbesondere um die Beziehung Oskar Lafontaines zu Sahra Wagenknecht gehen. Inhaltliches wird uns also höchstwahrscheinlich erspart bleiben.

Vielleicht wird die rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen Angela Merkel den Gefallen tun und nach aussichtslosen Haushaltsberatungen die Neuwahl des Landtages auf den Weg bringen. Die Regierungsbildung in Schleswig-Holstein würde in den Hintergrund rücken, und man könnte über den Wiedereinzug der FDP in den Nordrhein-Westfälischen Landtag spekulieren und insbesondere über FDP-Personal.

Der Sommer wird den medialen Höhepunkt bilden. Zunächst wird die Fußball-EM fast die gesamte Berichterstattung bestimmen. Je nach Ausgang für die deutsche Mannschaft werden entweder Trainerfragen oder Feierlichkeiten im Vordergrund stehen. Diese überbrücken dann die Zeit bis zu den Olympischen Sommerspielen. Währenddessen könnte sich Thomas Gottschalks Nachfolge bei „Wetten, dass ..?“ entscheiden. Die Kulturinteressierten werden sich stattdessen auf die Documenta in Kassel konzentrieren.

Im Anschluss daran kehrt die Fußballbundesliga aus der Sommerpause zurück, und der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2013 wird bereits begonnen haben. Außerdem wird der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft die Medien stärker interessieren als das Amt des Bundespräsidenten. Dasselbe dürfte für die Präsidentschaftswahl in Frankreich gelten.

Am Ende des Jahres werden auch die Landtags- und Kommunalwahlen 2013 ihre Schatten vorauswerfen und sich mit dem vorweihnachtlichen Trubel arrangieren müssen.

Vielleicht wird sich der Trend zum jährlichen Lebensmittelskandal sowie zur jährlichen Pandemiegefahr fortsetzen, und eventuell wird es im Sommerloch wieder eine Tiergeschichte geben. Zudem wird das Thema Schuldenkrise und Euro-Rettung weiterhin die politische Agenda bestimmen.


Und wenn am 25.12.2012 die Weihnachtsansprache von einem Bundespräsidenten Christian Wulff gehalten werden wird, wird man sich fragen: „Wulff? War da nicht etwas?“

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