Moewenort

neugieriger Berliner
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RE: „Rot-Grün kommt ...“ | 22.12.2011 | 13:10

Ein konkretes Beispiel wie tief die Grünen inzwischen tatsächlich in neoliberalen Denkweisen verhaftet sind, lieferte gestern Albrecht Müller auf den Nachdenkseiten.
Zu finden hier: www.nachdenkseiten.de/?p=11680

Es geht dabei um die Position der Bundestagsfraktion der Grünen zum Schienenverkehr in Deutschland. Zitat aus den Nachdenkseiten:

"Ein Nutzer der NDS, M. Dannhorn, hat sich an einer Mail-Protestaktion an MdBs unter dem Motto “Stoppen Sie die Bahnpreiserhöhung!” beteiligt. Er erhielt eine Antwort der verkehrspolitischen Sprecherin der Linksfraktion (Anlage 2) und eine Antwort der Fraktion der Grünen (Anlage 1). Diese ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert. Sie zeigt z.B., dass die Grünen sich bei wichtigen Fragen nicht von der neoliberal geprägten Marktgläubigkeit lösen können – auch in Fällen nicht, die sogar in den Augen traditioneller Ökonomen Marktversagen signalisieren (...) Nach traditioneller und m.E. richtiger Vorstellung von Ökonomen sollte man ein Produkt oder eine Dienstleistung dann in öffentlicher Regie erstellen, wenn die Produktion von „Unteilbarkeiten“ geprägt ist. Eine Bahnstrecke von Ort A zu B ist normalerweise nicht auf verschiedene Wettbewerber aufteilbar. Mit der Trennung in Netz und Betrieb Wettbewerb erreichen zu können, ist albern. Das wird schon daran sichtbar, was man sich an bürokratischen Ersatzlösungen ausdenken muss, wie etwa die Netzagentur für die Telekommunikation und andere Regulierungsbehörden. Die an der Privatisierung interessierten Unternehmen und Finanzgruppen haben sich das System ausgedacht. Sie profitieren auf diese Weise auch vom z.B. bei der Bahn angesammelten Volksvermögen.
Die Grünen huldigen diesen Vorstellungen. Nach meiner Einschätzung ist das das Ergebnis kluger PR-Arbeit der privaten Betreiber des Bahnverkehrs, an erster Stelle von Violia."

PS: Wesentlich klarer und kritischer war hingegen die Antwort der Fraktion der Linkspartei, ebenso nachlesebar auf den Nachdenkseiten.

RE: White Trash - Piratenpartei ohne Migranten | 05.10.2011 | 03:06

passt vielleicht nicht ganz zum Thema, aber offenbar haben die Piraten nicht nur ein Problem mit Frauen, sondern auch mit Ostdeutschen ( zumindest auf der Ebene der Mandatsträger): 13 der 15 neu gewählten Abgeordneten in Berlin sind männlich und westdeutsch sozialisiert. Erstaunlich in einer Stadt wo ja (abgesehen mal vom Prenzlauer Berg inzwischen) ja doch noch eine ganze Menge Ostdeutscher leben. Und erstaunlich auch, dass das noch noch niemandem aufgefallen ist. Denn ohne das Thema überbewerten zu wollen, stellt sich auch an der Stelle die Frage der Repräsentanz bestimmter Gruppen. bei Frauen, Migranten und Ostdeutschen sieht es da wohl bei den Piraten eher schlecht aus. Weiß, männlich, westdeutsch triffts schon eher.

RE: Die Wahrheit muss erlaubt sein | 11.05.2011 | 18:59

was ich als Sozialwissenschaftler nicht ganz verstehe: Warum wurde für die Umsetzung der Untersuchung ausgerechnet das Meinungsforschungsinstitut mit dem schlechtesten Leumund in der Branche engagiert? Ich könnte wahrscheinlich auch eine ganze reihe kritischer Anmerkungen zum methodischen Design der Studie machen, beschränke mich jedoch an der Stelle der Einfachheit halber nur einmal schlicht auf die sicherlich auch für Nicht-Experten aufschlussreichen Hinweise im offiziellen Wikipedia-Artikel zu Forsa:

2003 war der Vorwurf laut geworden, Forsa habe eine Umfrage zum Thema Studiengebühren manipuliert, die im Auftrag des der Bertelsmann-Stiftung nahestehenden Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) erstellt worden war. Es hieß in den Ergebnissen: "Die Mehrheit der Studierenden (59%) und die Mehrheit der Bevölkerung (67%) äußern im November 2003, dass sie Studiengebühren befürworten würden, wenn diese den Hochschulen direkt zugute kommen und durch Darlehen finanziert werden können."[4] Diese Ergebnisse wurden in einer Pressemitteilung des CHE im Dezember 2003 veröffentlicht und von einigen Zeitungen übernommen[5][6]. Später wurde laut der Süddeutschen Zeitung vom CHE indirekt eingeräumt, dass die Befragten sich tatsächlich nur zwischen verschiedenen Modellen von Studiengebühren, nicht aber gänzlich dagegen entscheiden konnten.[7]

Die Autoren der NachDenkSeiten erhoben 2007 den Vorwurf, Forsa habe sich mittels einer manipulierten Umfrage an einer Kampagne der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Einführung einer privaten Pflegeversicherung beteiligt.[8]

Forsa war das involvierte Institut bei der 2009 an die Öffentlichkeit gekommenen PR-Affäre der Deutschen Bahn. Über verdeckte Zahlungen der Deutschen Bahn wurden Umfragen mit Suggestivfragen in Auftrag gegeben, die eine Ablehnung des Lokführerstreiks von 2007 und eine Befürwortung der Bahnprivatisierung aufwiesen.[9][10]"

In Albrecht Müller´s "Nachdenkseiten" wurden übrigens nicht nur einmal die methodischen Standards von Forsa in Zweifel gezogen.

RE: Willst du mein Date sein? | 11.01.2011 | 18:59

sehr lustig. ein kritischer Artikel über Facebook und gleich darunter ein facbook- "gefällt mir" button. Offenbar haben die bisher 30 Leute, die den Button angeklickt haben den Artikel inhaltlich gar nicht richtig begriffen. Denn ansonsten würden die nicht sofort nach dem kosumieren des Artikel mit dem dort als oberflächliches Einsortieren kritisierten Einordnen in "gefällt mir" buttons" weitermachen. `n kurzer Satz oder ´ne Meinunsgäußerung hier im Forum würde wahrscheinlich mehr bringen als irgendeinen bescheuerten Button zu drücken. Schon mal drüber nachgedacht?;)

RE: Das Gefühl, auf einem Stern zu sein | 09.01.2011 | 17:54

"Mit dem Gesicht zum Volke" galt doch 1989 auch mal als Hoffnung für unserer Land. Gerhard Schöne hat´s damals gesungen;)

Hier der Liedtext:

www.buschfunk.com/site/kuenstler/liedtexte/1_Gerhard_Schoene/1149_Mit_dem_Gesicht_zum_Volke

RE: Nach der Zäsur | 07.05.2010 | 16:30

Ich hab so meine Probleme mit dem "Progressiven Zentrum" und vor allem mit der Kooperation des Freitag mit demselben. Warum ausgerechnet mit denen, lieber Freitag? Zum "Progressiven Zentrum" schreibt Albrecht Müller in den "Nachdenkseiten":

"Wer sich ein bisschen unter den Personen auskennt, weiß, dass sich hier die Totengräber der Sozialdemokratie und jeglicher fortschrittlichen Bewegung auf Seiten der Linken versammeln."

Aber soweit muss man noch nicht einmal gehen, es reicht schon ein Blick auf die Sprachwahl, die die Veröffentlichungen des Zentrums und auch den Artikel von Wolfgang Schroeder kennzeichnen. Es ist die Sprache der Netzwerker, der "Modernisierer" , kurz: Die Sprache genau der Leute, die für den beklagenswerten Zustand der SPD verantwortlich sind. Es ist nicht die Sprache der Wähler und Menschen in diesem Land. Der Text wimmelt nur so von den üblichen Schlagworten: Da ist natürlich wie immer von einer angeblichen "Sozialdemokratisierung" der CDU die Rede. Dass es sich hierbei eher um gezielte PR- und Meinungsmache statt um einen tatsächlichen Fakt handelt könnte, so weit denkt der Autor nicht. Ich würd mir von Leuten wie Wolfgang Schroeder einmal wünschen, dass sie dem geneigten Leser erklären würden, woran sie denn diese angebliche Sozialdemokratisierung der Union inhaltlich festmachen würden. Stattdesssen nur Sprechblasen. Da wird natürlich wieder die Fixierung auf die ominöse politische Mitte beschworen, die natürlich auch nie definiert oder erklärt wird. Wohin diese Fixierung die SPD geführt hat, dürfte, so sollte man eigentlich meinen, inzwischen selbst dem gläubigsten "neue Mitte" und "New Labour" Anhänger inerhalb der Sozialdemokratie klar sein. Und natürlich darf auch der Verweis auf die vermeintlichen Sachzwänge im Text nicht fehlen. Vielleicht sollte sich der Autor einmal etwas intensiver mit den Veröffenlichung der eigenen parteinahen Stiftung auseinandersetzen. Da hat nämlich erst unlängst Serge Embacher in einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung- in einer bemerkenswert klaren und offenen Sprache empirisch analysiert wohin genau diese Sachzwang - Politik geführt hat und worin vor allem die sozialen Ursachen für Politikverdruss und Demokratiedistanz in Deutschland liegen. (www.fes.de/forumjugend/html/documents/SergeEmbacher-DemokratieNeinDanke.pdf)
Was mich neben diesen inhaltlichen Punkten stört, ist aber noch etwas anderes. Der Autor ist Politikwissenschaftler und Professor an der Universität Kassel. Als jungen Sozialwissenschaftler stimmt mich der Zustand der Politikwissenschaft in diesem Land bedenklich. Es dominiert mehr und mehr das nachplappern von Phrasen statt der kritischen Analyse und Reflektion gesellschaftlicher Probleme. Am Ende wundert man sich dann, ähnlich wie in der Wirtschaftswissenschaft, darüber, dass die Menschen sich leider nicht so verhalten wie all die schönen Theorien verheißen. Ich würde mir, auch im Interesse meiner Diziplin, wünschen, dass sie es wieder lernt, etwas näher am Menschen zu arbeiten. Auch iwünsche ich mir eine erneuerte, lernfähige SPD. Aber bitteschön nicht mit diesen Leuten. Sie haben genug Schaden angerichtet.