Klimabewegung gegen grünen Kapitalismus

Antikohlebewegung Gegenrede zu Elsa Koester: Wieso protestieren nicht Tausende gegen den Kapitalismus?
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Die Analyse von Elsa Koester im Freitag 38, die Antikohlebewegung hätte die diskursive Hegemonie errungen, erfreute mein klimabewegtes Herz und liess mich mit Neugier weiter lesen. In der Tat, eine erfolgreiche soziale Bewegung braucht eine Erzählung und das richtige framing. Ich würde ergänzen, auch den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Bilder. Eben so ein Framing mit wirkungsmächtigen Bildern schuf Ende Gelände mit seinen massenhaften Grubenbesetzungen der letzten Jahre sehr erfolgreich und motivierte viele vor allem junge Menschen zu zivilem Ungehorsam, die zum Teil wenig politische Erfahrung mitbrachten, bei denen der Funke aber übergesprungen war. Nach Koester müsse der Sieg über das Böse machbar erscheinen und die Welt dahinter vorstellbar. Eine andere Welt im Kleinen können Aktivisties und interessierte Journalistinnen auf Klimacamps erfahren. Auch wenn das Campen mit tausenden Menschen eine Ausnahmesituation ist, so sind die Stromerzeugung mit Windrad, die kollektive Küche, der achtsame basisdemokratische Umgang miteinander und die Komposttoiletten reale Alternativen zur täglichen kapitalistischen Selbst- und Fremdausbeutungspraxis. Der Mobilisierungskern für den Erhalt des Hambacher Forstes kommt vor allem aus der Bewegung, die seit Jahren den Wald mit Baumhäusern besetzt, sowie aktuell der Aktion Unterholz und Ende Gelände. Schön, dass es jetzt auch Unterstützung von großen NGOs und Kirchengemeinden gibt! Aber das sollte kein Anlass für eine unabhängige Journalistin sein, dem Mobilisierungskern seine Kapitalismuskritik abzusprechen. Es protestieren Tausende gegen den Kapitalismus - zum Glück. System change not climate change ist nicht zufällig eine der zentralen Forderungen der Bewegung. Wer sich einmal auf einem Klimacamp, im Hambacher Forst oder bei einer Massenaktion von Ende Gelände umgesehen hat, wird kaum auf Besitzerinnen von Elektroautos und Verfechter des grünen Kapitalismus gestoßen sein. Das hat wohl nicht in die Erzählung von Koester gepasst und damit reiht sich ihr Beitrag leider ein in die Riege der Medien, die es immer wieder schaffen aus den Bildern und Interviews alle antikapitalistischen O-Töne und Plakate zu cutten, um von Umweltschützern zu sprechen. Die Klimagerechtigkeitsbewegung ist antikapitalistisch!

12:50 24.09.2018
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