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RE: Tod dem Heldentod! | 10.01.2019 | 15:01

Liebe Florentine Nachtigall,

oben sagten Sie, anscheinend vorübergehend noch von Zweifel oder gar Selbstzweifel angenagt, der sich dann aber, Ihrem Befehlston bei Ihren Weisungen an um Klärung von Begriffen bemühten Mitforisten nach zu urteilen, offenbar schnell gelegt haben muß (dazu hat Ihnen Mitforist Lethe oben bereits bedenkenswerte Worte hinsichtlich der möglichen Kontraproduktivität im Hinblick auf die Resultate gesagt), Sie sagten Folgendes:

"Das so einfach zu äussernde Etikett "links" sollte man möglichst wenig benutzen. Ich begehe den Fehler gerade selber. Ich setze voraus, dass diejenigen, die den Text lesen schon wissen, was damit gemeint ist. Zunehmend aber verstehen immer mehr Menschen dieses politische Kürzel nicht mehr. Alles mögliche, was an der Oberfläche irgendwie fortschrittlich oder liberal erscheint, oder vermeintlich gegen konservative Politik gerichtet ist, läuft dann unter diesem Etikett."

Dazu habe ich erst kürzlich mal gegugelhupft, wie Sie es nennen, und, siehe da, wurde durchaus fündig beim dlf-kültür in einem Interview vom 8.12.2018 mit dem Dramaturgen am BE Bernd Stegemann, das der dlf, kültür des Lesens hin oder her, verschlagwortet hat unter dem, wenn man das ganze Intervidew gelesen hat, denn doch etwas irreführenden Titel "Die linke Poltik ist dabei, sich selbst abzuschaffen" zu finden unter dem Link https://www.deutschlandfunkkultur.de/aufstehen-mitinitiator-bernd-stegemann-die-linke-politik.990.de.html?dram:article_id=435426

Hm? Die ist dabei, sich selbst abzuschaffen? Hab ich da was verpaßt? Verpeilt? Naja. Das sagt der Stegemann natürlich nicht, aber dlf kültür liest es so, und Sie scheinen vollends davon überzeugt zu sein. Wenn Sie das ganze Interview lesen, werden Sie dort auch einen oder zwei Versuche Stegemanns finden, nicht nur, an den Beispielen der Gilets Jaunes und "Aufstehen", für die er derzeit gern interviewt wird (auch die neoliberale nzz hatte neulich ein Interview mit ihm im Blatt), zu sagen, was rinks und lechts heute bedeuten könnten, sondern auch ein paar, m.E. treffende, Worte zur Funktion der, sei es nun toxisch, sei es hysterisch von welchem gender auch immer geführten Gender-Debatte. Und nun zurück zur Reflexion auf das Wesentliche, an welchem die obige offenbar satirische gemeinte Glosse von Niels Pickert haarscharf vorbeizielt, nämlich wie kommt die Linke weiter? und, in diesem Zusammenhang, für Sie vielleicht auch ein wenig zur Selbstreflexion, liebe Florentine Nachtigall. Gönnen Sie sich doch wieder ein wenig Ruhe!

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 13.04.2018 | 13:44

Man fragt sich manchmal, was von historischen Betrachtungen bei manchen Lesern ankommt: Umberto Ecos Buchtitel für seine Betrachtungen lautete „Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß“ Warum er wohl grade Derrick in den Zusammenhang gestellt hat?

RE: Wir wollen leben! | 13.04.2018 | 09:26

Ja, ein sehr informativer und spannender Artikel. Einschränkend muß man allerdings hinzufügen - mit unseren deutsch, d.h. schlecht über die linke Bewegung in Frankreich informierten Augen gelesen. Ihr Kommentar dazu war eine Anregung für mich, endlich mich meine Kenntnislücke über Waldeck Rochet und sein Schicksal auszugleichen. Auch über ihn gibt es nicht viel in deutscher Sprache. Ich hatte '68 gerade mein Abitur und daher Gelegenheit, zu jobben, um im Mai-Juni an der Sorbonne mein erstes Teach-In mitzuerleben (die Abdrücke der brennenden Barrikaden waren noch im pariser Teerbelag zu sehen), und, nachdem ich mithilfe eines verständnisvollen Arztes der Bundeswehr entkommen war, gleich noch ein zweites Mal nach Frankreich zu reisen, nach Nizza, wo ich an Ausgrabungen teilnahm und den Eindruck miterleben und mit anderen linken Europäern diskutieren konnte (die Jugend Europas war damals links-demokratisch eingestellt, überall, das ist der Eindruck, den ich davon mitnahm), den der sowjetische Einmarsch in Prag in unseren Gemütern hinterließ. Sehr lesenswert fand ich in dem Zusammenhang übrigens den französischen Wikipedia-Artikel über Waldeck Rochet. Danke für die Anregung. Manchmal hat man den Eindruck, ganz gut, daß es deutschnationalen Trollen meist weniger einfällt, sich über französische Geschichte zu belesen. Da scheint dann selbst die miese Bildungspolitik der letzten vierzig Jahre ihr Gutes zu haben. Die kritischen Anmerkungen, die Sartre in seinen Interviews mit dem Nouvel Observateur über Raymond Aron macht, kennen Sie aber? Er konnte wohl nicht ahnen, daß das, wie viele Verzweifelte in den Zwanzigerjahren über die Kapriolen des Marktliberalismus, in Frankreich eine Volksfront aufzubauen, immer noch besser ist, als, wie hierzulande, nicht nur gleich vor der Rechten einzuknicken und zu kapitulieren, sondern sogar mit Pfeifen und Trompeten zu den rechten Pfeifen überzulaufen. „Das Traurige ist nur, daß viele Linke von einer Anerkennung durch die Rechte träumen.“ (Mai '68 und die Folgen) Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 11.04.2018 | 11:38

Der Schlaf der Vernunft bringt Monstren hervor.

So betitelte Francisco Goya eine berühmte Zeichnung, mit der er im Jahr 1797 sich selbst, seinen Zeitgenossen und uns Nachgeborenen ein Bild davon machen wollte, was geschieht, wenn wir uns nicht von der Mühe um Einsicht, Verständnis und einen Begriff, sondern von der Furcht vor dem Unbegriffenen, also von unseren Ängsten leiten lassen.

Manchmal hilft es gegen sinnlose Angst, wenn wir den Blick nur ein wenig heben, um einen etwas weiteren Horizont zu erfassen. Sagen wir: ca. 6000 Jahre. Damals gab es das heutige Europa noch nicht, weder was die dort lebenden Menschen, noch was die heute gesprochenen Sprachen betrifft, mithin gab es auch nicht die heutigen Werte, Begriffe, Vorstellungen, Gesetze, Denken, die Schlußfolgerungen usw. noch nicht. Kurz: Europa, wie wir es kennen, war noch nicht entstanden; es begann eben erst, sich zu bilden.

Wodurch? Im Wesentlichen ist es durch Migration entstanden.

Und wodurch entsteht der Wunsch, anderswo zu leben?

Hier von einem Wunsch zu sprechen, verfehlt den Kern der Sache. Es war die nackte Not, die die Menschen aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten vertrieb. Die Folgen ihres eigenen Handelns ließ ihnen keine Wahl als aufzupacken und fort zu ziehen. So begaben sie sich auf eine Wanderung, die schließlich den ganzen Erdball umfaßte.

Sehen wir zum Beispiel nach Italien. Vor 6000 Jahren, man kann es sich heute kaum noch vorstellen, vor 6000 Jahren war ganz Italien von den Alpen bis nach Sizilien bewaldet. Das ergab auch ein völlig anderes Klima. Davon ist heute nur noch sehr wenigübrig, nur in wenigen Gegenden der Dolomiten, des Appenin, in Umbrien, der Abruzzen und weit, weit im Süden, am Sporn des Stiefels, der ostwärts in die Adria ragt, am Gargano, gibt es noch kleine Reste der ursprünglichen Waldgebiete.

Aber noch war ja Italien fast unbesiedelt. Nur wenige Völker wie die Olsker, die Etrusker, berühmt für das etruskische Lächeln, mit dem sie ihre Dahingegangenen darzustellen pflegten, die Latiner und die Sabiner lebten dort. Das römische Reich lag noch in weiter Zukunft. Dort, wo jedoch die Migranten der Vergangenheit, also unsere späteren europäischen Vorfahren, zuvor gelebt hatten, hatten sie durch ihr eigenes Handeln, durch das unbesonnene Abholzen der dortigen Wälder, um z.B. Bauholz für Häuser, Schiffe, zum Heizen und zum Kochen zu gewinnen, Verkarstung, also die Abholzung der Wälder, und darauf das Versiegen der Quellen und Flüsse, denn der nackte Boden konnte das Regenwasser nicht mehr halten und speichern, darauf folgte Versteppung und bald darauf waren die Wüsten geschaffen, die wir heute kennen. Sie entstanden also nicht naturwüchsig, sondern sie wurden von Menschen geschaffen.

Es war daher nicht so sehr der Wunsch, in einem schöneren Land besser zu leben, sondern die durch die allen Menschen eigene Unbesonnenheit selbst erzeugte Not, die sie aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten vertrieb, um in ein Land zu fliehen, in dem es sich nicht nur besser, sondern überhaupt erst einmal überleben ließ.

Aber haben die Menschen daraus etwas gelernt?

Heute Morgen las ich eine der Betrachtungen des bekannten Schriftstellers und Linguisten Umberto Eco aus dem Jahr 1990, die er als Kolumne unter dem Titel „La Bustina di Minerva“ (wörtlich: Die Büste der Minerva; gemeint sind damit aber in Italien damals, als das Rauchen von z.B. Pfeifen, Zigarren oder Nazionali noch nicht so verpönt war wie heute, weit verbreitete Streichholzbriefchen, auf denen man sich auch Telefonnummern, einen Einkaufszettel, den Namen und die Adresse einer neuen Bekanntschaft u.a.m. notierte, um sie nicht zu vergessen, es sollte also die vorgegebene Kürze Texte bezeichnen, nicht so sehr ihren Inhalt, und Eco hebt noch im Vorwort hervor, wie sehr es das Denken und die Bildung eines treffenden Begriffs für das Unbegriffene schult, um es nicht mit dem Unbegreiflichen zu verwechseln, das uns sonst vielleicht ängstigen könnte.

In diesem Fall notierte sich Eco aber Gedanken, die er sich machte oder die ihm einfielen, wenn er müßig im Café saß und den hastig vorüber eilenden Passanten und Touristen bei ihrem ulkigen Treiben zusah, die er dann zuhause am Schreibtisch zu einem Text verarbeitete und in eine lesbare Form brachte, um sie zuerst in verschiedenen italienischen Periodika wie dem Corriere della Sera oder L’Espresso zu veröffentlichen, die auf Deutsch zuerst eine zeitlang in der zeit veröffentlicht wurden, und später dasjenige, was dauerhaft war, in einem Buch versammelt bei dtv unter dem Titel „Derrick oder die Leidenschaft für das Mittelmaß“ im Jahr 2000 erschienen sind.

Die menschliche Unvernunft scheint demnach eine dauerhafte Erscheinung zu sein. Womöglich ist sie die einzige menschliche Leidenschaft, auf die man sich wirklich verlassen kann, woran zu sehen ist, daß der Mensch aus den Fehlern der Vergangenheit nichts lernt. Deshalb muß so lange er immer wieder dieselben Fehler machen, bis er es schließlich brgreift und sich doch noch zum Lernen bequemt.

Bei Goya schläft die Vernunft darum wohl nur, sie ist nicht ausgewandert, sondern kann jeden Moment erwachen, wenn der schlafende Mensch aus seinen Träumen erwacht.

In diesem Fall will es der Zufall, daß Minerva bei den Römern an derjenigen Stelle ihrer Götter und Göttinnen stand, wo bei den Griechen Athene stand, also die Göttin der Vernunft. Aber lassen wir Umberto Eco doch selbst zu Wort kommen.

Migrationen

Letzten Dienstag, als alle Zeitungen lange Artikel über die jüngsten Rassenunruhen in Florenz brachten, erschien in der Repubblica eine Karikatur: zwei Silhouetten, ein riesi­ges bedrohliches Afrika und ein winziges Italien; daneben ein Florenz, so klein, daß es nicht mal durch einen Punkt darstellbar war, und darunter die Zeile: »Wo sie mehr Polizei haben wollen.« Im Corriere della sera wurde die Geschichte der klimatischen Veränderungen auf unserem Planeten von 4000 v. Chr. bis heute resümiert. Woraus her­vorging, daß jeweils die Fruchtbarkeit oder die Versteppung eines Kontinents riesige Völkerwanderungen bewirkt, die das Gesicht des Planeten verändert und jene Kulturen geschaffen haben, die wir heute entweder durch direkte Erfahrung oder durch historische Rekonstruktionen ken­nen.

Heute, angesichts des Problems der sogenannten extra-comunitari (soll heißen der Zuwanderer aus Ländern außerhalb der EU - ein hübscher Euphemismus, der auch die schweizerischen und texanischen Touristen mit umfas­sen müßte), angesichts eines Problems, das alle europä­ischen Nationen betrifft, argumentieren wir immer noch so, als hätten wir es mit einem Fall von Einwanderung zu um. Einwanderung liegt vor, wenn einige hunderttausend Bürgcr eines übervölkerten Landes sich aufmachen, in einem anderen Land zu leben (zum Beispiel die Italiener in Australien). Und es versteht sich von selbst, daß in solch einem Fall das Gastland den Zustrom entsprechend seiner Aufnahmekapazität regulieren muß, so wie es selbstverständlich auch das Recht hat, diejenigen Immigranten fest­zunehmen oder auszuweisen, die gegen Gesetze versto­ßen - und wie es umgekehrt auch die Pflicht hat, bei Ge­setzesverstößen sowohl die eigenen Bürger wie auch die devisenbringenden reichen Touristen festzunehmen.

Aber heute haben wir es in Europa nicht mit einem Fall von Einwanderung zu tun. Wir haben es mit einer Völker­wanderung zu tun. Zwar hat sie nicht den gewaltsamen, alles niederreißenden Charakter des Einfalls der germa­nischen Völker nach Italien, Frankreich und Spanien am Ende des Römischen Reiches, nicht die Heftigkeit der arabischen Expansion zu Beginn des Islams, auch nicht die Langsamkeit jener unklaren Ströme, die nebulöse Völker aus Asien über inzwischen versunkene Landbrücken nach Ozeanien und vielleicht nach Amerika gebracht haben. Doch sie ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte des Planeten, der die Kulturen seit jeher im Gefolge großer Migrationsströme entstehen und vergehen sah, wobei diese Ströme zuerst von Westen nach Osten gingen (aber darüber wissen wir nur sehr wenig) und dann von Osten nach Westen, angefangen mit einer tausendjährigen Wan­derung von den Quellen des Indus bis zu den Säulen des Herkules und von dort vier Jahrhunderte lang weiter bis nach Kalifornien und Feuerland.

Heute erfolgt die Wanderung — unmerklich, da sie in Form einer Flugreise und eines Aufenthalts im kommu­nalen Ausländeramt oder als nächtliche Bootslandung an der Küste daherkommt - aus einem zunehmend verstep­penden und verhungernden Süden in den Norden. Sie erscheint als Einwanderung, ist aber eine Völkerwande­rung, ein historisches Ereignis von unabschätzbarer Trag­weite, sie erfolgt nicht durch hereinbrechende Horden, die kein Gras mehr wachsen lassen, wo ihre Pferde hintreten, sondern durch diskrete, unterwürfige Grüppchen, und trotzdem wird sie nicht Jahrhunderte oder Jahrtausende brauchen, sondern bloß ein paar Jahrzehnte. Und wie bei allen großen Wanderungen wird das Ergebnis eine neue ethnische Mischung in den Zielländern sein, ein unerbitt­licher Wandel der Sitten und Bräuche, eine unaufhaltsa­me Verschmelzung, die in statistisch meßbarer Weise die Haut-, Haar- und Augenfarbe der Bevölkerung ändern wird, so wie einst in Sizilien eine nicht sehr große Zahl von Normannen einen blonden und blauäugigen Menschen­schlag hinterlassen hat.

Große Völkerwanderungen werden, zumindest in histo­rischer Zeit, seit jeher gefürchtet. Anfangs sucht man sie zu vermeiden, die römischen Kaiser lassen Zäune und Wälle errichten, schicken ihre Legionen vor, um die heran­nahenden Eindringlinge zu unterwerfen; dann schließt man Verträge und versucht, die ersten Niederlassungen zu disziplinieren, dann wird das römische Bürgerrecht auf alle Untertanen des Reiches ausgedehnt, aber am Ende bil­den sich auf den Ruinen des Römertums die sogenannten römisch-barbarischen Reiche, das heißt die Keimzellen unserer heutigen europäischen Länder, unserer Sprachen, unserer politischen und sozialen Institutionen. Wenn wir an den Autobahnen rings um Mailand auf Ortsnamen wie Usmate, Biandrate und Agonate stoßen, dann haben wir es mit langobardischen Namensformen zu tun. Und woher kommt wohl übrigens jenes etruskische Lächeln, das wir noch heute auf vielen Gesichtern in Mittelitalien finden?

Die großen Wanderungen hören nicht auf. Was sich da vor unseren Augen abzeichnet, ist einfach eine neue Phase der afro-europäischen Kultur.

(S. 9- 12)

Wie gesagt: Es handelt sich hier um eine Betrachtung aus dem Jahr 1990.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 10.04.2018 | 23:03

Moment, da habe ich wohl falsch geklickt. Pardon, gregory, dies war eine Frau Wiens zugedachte Antwort.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 10.04.2018 | 23:01

Schön, daß Sie diese Info noch einstellen, liebe Frau Wiens. Und merkwürdig, daß es dazu der ebenso erstaunlichen Unterzeichnung des Verlegers dieses renommierten politikwissenschaftlichen Periodikums bedurfte, was ich ebenso wenig vermutet hätte wie die des preisgekrönten Schriftstellers Uwe Tellkamp und des (immerhin gerade für Migrationsfragen oft gedruckten Autors der Bundeszentrale für politische Bildung) Bassam Tibi. Aber ich wundere mich ebenso, daß ich wenige meiner Hochschullehrer und keine*n einzige*n meiner Kolleg*inn*en oder Schüler*inn*en auf den Listen einer der beiden notwendigen Antworten finde. Das (und eine weitere Antwort, die inzwischen hier eingegangen ist) zeigt m.E. die Dringlichkeit weiterer Aufklärung. Daher danke für Ihre Initiative.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 10.04.2018 | 10:46

Woran und womit entfachen geistige Brandstifter eigentlich ihr Feuer, und wer soll es löschen und womit?

Darum, also um Aufklärung zu dieser Frage, geht es mir mit meiner Unterschrift unter die Antwort auf die "Erklärung", die im übrigen erst mit dreijähriger Verspätung ein Feuer legt, das selbst Frau Merkel mit nachgeschobenen widersprüchlichen Erklärungen zu ihrer noch widersprüchlicheren Politik nicht allein gelegt hat. Kann sie garnicht, ohne sie jetzt zu sehr in Schutz nehmen zu wollen, dazu ist sie nicht alt genug. Es wäre unhistorisch und würde der Geschichte des kolonialen und postkolonialen Denkens nicht gerecht. Wenn ich jedoch mit der Aufklärung der Geschichte des Schuldenmachens in der BRD auf ein gleisnerisch vorgebrachtes ökonomisches Argument antworte, um dann gleich als dümmlich den vorgeschobenen Profitinteressen eines Großspekulanten auf den Leim gegangener Sozialist geschmäht zu werden, fühle ich mich geschmäht. Mit jemandem, der darauf nicht verzichten kann, ist kein Gespräch möglich.

Nach meinem Eindruck legen die geistigen Brandstifter der "Erklärung" in höchst undifferenzierter, gleisnerischer Absicht an eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung, auf die vor den UN seit 1948 in nochmals ausdifferenzierter Form jeder Staat verpflichtet worden ist, der seine Verfassung als a) republikanisch und b) demokratisch wahrgenommen sehen möchte. Ich widerhole mich ungern, denn ich sagte es oben schon mal, aber ich spreche von den Menschen- und Bürgerrechten, wie sie zuerst 1791 in der französischen Verfassung niedergeschrieben worden sind. Auf die beruft sich zurecht die "Antwort", und deshalb steht meine Unterschrift dort und nicht unter der gleisnerischen "Erklärung" von Leuten, die sich im Grunde um die Entstehung von Krieg in Afghanistan, im Irak und in Syrien, sowie um die Interessen der dort lebenden Menschen am Erhalt ihres Lebens und ihrer Kultur trotz und entgegen den politökonomischen Interessen von Groß- und Mittelmächten wie USA und Rußland einerseits und GB, Frankreich und Deutschland andererseits am Erhalt ihrer Einflußsphären kein Jota geschert haben, obwohl auf dieser eigentlich sehr reichen Welt bereits damals alle 5 Sekunden ein Kind an Hunger und, ich weiß nicht in welchem statistischen Intervall ein Mensch an durchaus heilbaren Krankheiten vorzeitig zu Tode kommt. So rechnet es Jean Ziegler vor, der lange der Welternährungskommission vorgestanden hat, weil er sonst von Banken, die sich durch seinen Sachverstand beleidigt fühlten, ökonomisch vernichte worden wäre. Denn erst mit dem Erhalt des Lebens und der ökonomischen Lebensgrundlage kann die Wahrnehmung eines Menschen- und Bürgerrechts beginnen. Aus der Debatte mit dem selbst ernannten Humanisten verabschiede ich mich damit, weil alles, was ich bei ihm an gleisnerischen Argumenten lese und an Motiven für die Texte wahrnehme, die er zur Rechtfertigung oder meinetwegen Begründung seiner unverantwortlichen Haltung heranzieht und produziert, neben dem deutlichen Motiv der Selbstdarstellung, sowie des Rechtbehaltens, eben darauf hinausläuft, diesen unmenschlichen, atavistischen Spannungen nicht Entspannung, sondern weitere Spannungen (hier nationale) entgegenzusetzen, oder, wie oben gesagt, eben Feuer an ein Haus zu legen, dessen Erhalt mir, wie vielen anderen, äußerst wertvoll ist.

Was ich außerdem abstoßend finde, ist der Ausweich auf Angriffe und Schmähungen ad personam, wie oben in den Texten dieses antiaufklärerischen "Humanisten" nachzulesen. Ich hoffe, die Wahl eines Oxymoron macht begreiflich, was ich davon halte.

Daß ich mir mit der Wahl meines Forumsnamens dabei vielleicht auch selbst etwas zu große Schuhe anziehe, ahnte ich bereits als ich mich daür entschied, aber es dient der Ehrung eines Philosophen, den ich verehre, und der, fürchte ich, gerade wegen seiner unübertroffen rücksichtslos (sogar sich selbst gegenüber) dem Humanismus verpflichteten Aufrichtigkeit in seinen Essais, hierzulande viel zu wenig gelesen, gewürdigt und nachgeahmt wird. Erst 1999 wurde sein Hauptwerk von Hans Stilett in ein Deutsch übertragen, das m.M.n. seinem bescheidenen Wesen und seiner unbedingten Aufrichtigkeit Ausdruck gibt. Um auszudrücken, daß ich das weiß, schreibe immerhin ich für meinen Gebrauch seines Namens denselben klein, in der Hoffnung, daß das mitgelesen und von denjenigen, die es mir gern vorhalten, auch als Ausdruck meines bescheidenen Versuchs, aufrichtig zu bleiben, gelesen wird. Auf den meinerseitigen Gebrauch von ähnlichen Schmähungen ad personam eines Gesprächspartners in Erwiderung seiner Schmähungen möchte ich weiterhin verzichten. Mir geht es hier, wenn ich das Wort ergreife, um ein Gespräch, das zur Wahrheit (ver)führt. Falls es jemandem beliebt, das als rosarot, political correct o.a.m zu verdächtigen oder zu schmähen, mag er das tun, ich kann ohnehin niemanden an seiner Wahrnehmung der Dinge hindern. Es geht mir jedenfalls nicht um einen weiteren Guß Öl ins Feuer einer Sache, die, also eines Rechts, an das von Groß- und Mittelmächten Feuer gelegt und bedenkenlos Menschenleben gefordert wird, weil sie nunmal deren Lebensgrundlage rücksichtslos ihren politökomischen Interessen zu opfern sich angewöhnt haben. Darin kann ich keine dem Gemeinwohl verpflichtete Politik erkennen, dazu hat niemand ein politisches Mandat. Wie das Phänomen Hitler zu erklären sei, möchte ich in dem Zusammenhang auch mit niemandem erörtern, dem es nicht um die Wahrheit zu tun ist, weil er deklamiert, er sei bereits in deren Besitz.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 08.04.2018 | 14:11

Lieber Humanist, als der Sie sich unerschüttert bezeichnen, Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber die von Ihnen nachgelieferten Quellen für Ihre Zahl leicht nachzuliefern waren, war mir bewußt. Es ging aber, wenn Sie oben nochmal nachlesen, werden Sie es bestätigen, um die Entstehung dieser und den Nießnutz an der Rückzahlung der künstlich erzeugten Schulden. Diese entstanden schon seit der Wiedervereingung durch gezieltes Wegsehen. Eine Übersicht findet sich etwa im tagesspiegel (1.7.2005): https://www.tagesspiegel.de/meinung/schulden-ohne-suehne/620948.html

Die Schulden wuchsen aber munter weiter auf dieselbe Art, obwohl der spiegel bereits 10 Jahre zuvor über eine dementsprechende Rüge des Bundesrechnungshofes an der für West-Banken äußerst einträglichen Auflösung der DDR-Finanzwirtschaft berichtet hatte (23.101995), siehe:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9223499.html

Hinzu kommen durch LuxLeaks und Paradise-Papers bekanntgewordene, zwar "legale", aber aus volkswirtschaftlicher Sicht illegitime Steuerausfälle u.a. durch Machenschaften ebenderselben Banken, die erst wenige Jahre zuvor (2008, der Fall wurde in der Presse und den Medien wechselnd als Euro-, Finanz- oder Bankenkrise bezeichnet) mit Steuer-, also durch die Steuerzahler aufgebrachtem Geld gerettet werden mußten. Der dadurch entstandene Schaden wird in einem Papier des EU-Parlaments mit 1 Billion Euro jährlich beziffert, in dem Papier heißt es wörtlich: "In der EU gehen aufgrund von Steuerhinterziehung und -vermeidung jedes Jahr ungefähr eine Billion Euro an Steuereinnahmen verloren." http://www.europarl.europa.eu/atyourservice/de/displayFtu.html?ftuId=FTU_2.6.9.html

In der EU gehen aufgrund von Steuerhinterziehung und -vermeidung jedes Jahr ungefähr eine Billion Euro an Steuereinnahmen verloren. Da ist nach dem Verbleib zu fragen.

Daß Sie dazu in den von Ihnen nachgereichten Quellen selbst keine Deutung finden, dürfte Sie eigentlich nicht so erstaunen. Dort geht es nur um die Zahlen selbst, deren Deutung (= Entstehung der Schulden) können Sie nur anhand der Rekonstruktion des historischen Zusammenhanges, in dem sie entstanden sind, vornehmen, sofern Sie die Geschichte als wacher Bürger verfolgt haben, heißt das.

Beiu der Deutung Ihres offenbar persönlich gemeinten Angriffs auf meine Person bzw. meine Denkweise muß ich leider passen, da müssen Sie mir beim Verständnis helfen: "Gefällt dir die Botschaft nicht, diskreditiere den Boten. Ihre Taktik ist so absurd, dass sie einen Mitmenschen, der eine missliebige Wahrheit ausspricht, das Humanist sein absprechen; erst ist unser Grundgesetz inhuman, jetzt bereits die Wahrheit! Sie sollten den Begriff Humanist mal nachlesen, dieser Begriff hat nicht im Geringsten etwas mit dem in Deutschland grassierenden utopischen Poststrukturalismus zu tun – dem Sie offensichtlich auch anhängen."

Werter selbst ernannter Humanist: What? Utopischer Postrukturalismus? Grundgesetz sei inhuman? Gar die Wahrheit soll ich Ihnen absprechen? Ja, sind denn Sie in deren Besitz? Ach SIE sind das! Und wo haben Sie sie so erfolgreich verborgen?

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 08.04.2018 | 11:17

Keine Antwort? Na gut, ist auch eine Antwort. Sollte bei Ihnen, Herr Humanist, oder anderen ähnlich informierten Forumsteilnehmer*innen weiterer Informationsbedarf zur Entstehung und zum Nießnutz der in der Erörterung vorgelegten Schuldenrechnung der schwarzen Null bestehen, bitte nur kurz Bescheid geben, denn da kann ich Ihnen weiterhelfen.

RE: Die Erklärung 2018 braucht eine Antwort | 08.04.2018 | 08:16

"Von den Boni dieser mehrheitlich unverantwortlichen Herren <em>will</em> ich hier mal nicht reden..."