Glücklicher Wohnen

Wie wollen wir wohnen? 2028 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Sicher könnte man das irgendwie stemmen, wenn einfach das passiert, was die letzten 40 Jahre nicht passiert ist.
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Glücklicher Wohnen

Foto: Three Lions/Getty Images

Realistischer ist, dass es weiter nicht passieren und die Lage schlechter wird. Würde heißen, dass immer mehr Alte, immer weniger Geld haben und von immer weniger Pflegekräften, immer schlechter versorgt werden.

Wie wollen wir eigentlich leben, wenn wir alt sind? Das haben wir uns gefragt.

Die üblichen Heimplätze sind heute schon grenzwertig, das dürfte nicht besser werden, wenn das Geld knapper und die Pflegekräfte weniger werden. Es spricht mehr dafür, als dagegen.

Könnte man es denn besser machen, als dort? Bestimmt, vor allem, wenn man früh anfängt und schaut, ob und wie sich alles einspielt. Ich will Internet, Weinproben und Philosophie Runden und nicht Bingo und Schlagerabende. Spaß und Spiel müssen natürlich trotzdem dabei sein. Mehrgenerationen Projekte sind gut, aber die müssen für alle Seiten attraktiv sein.

Denkbar wäre eine größere Wohn-Community, die ähnliche Motive hat, ohne extremistisch zu sein. Die sich vorher schon kennt und bereits im Alltag unterstützt. So dass dies eingeübt und selbstverständlich ist und nicht einen abrupten Wechsel darstellt. Man sieht dann auch schon, wem das behagt und wem nicht. Weitgehend autonom wäre gut, ohne völlig, was die Infrastruktur angeht, von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, sonst wird man in der Regel seltsam. Keine Welterlöser- oder religiöse Sekte. Keine politischen Fanatiker. Einfach normale Leute, die den üblichen Weg nicht mitmachen und lieber etwas selbst gestalten wollen. Wie viele Leute sollten das sein? Je mehr, desto selbstversorger, wenn es gut läuft und alle mitmachen und gesund sind. Wir wollen aber nicht so eben überleben und über die Runden kommen, sondern glücklicher, besser leben, vielleicht als je zuvor. Ohne daraus einen Fetisch zu machen, es sollen nur die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit dieser Ansatz gelingen kann.

Autonom, aber nicht abgekapselt

Was macht man? Sich eine Straße in Meck-Pom kaufen, mit Häusern? Zwei, drei alte Bauernhöfe in Niedersachsen oder Niederbayern? Soll man eine sterbende Kleinstadt oder ein Dorf revitalisieren? Oder sich an bestehende Projekte anschließen? Gibt es welche, die funktionieren, die Ihr kennt? Wie viele Leute sollte man mindestens haben, wie viele maximal? 150 sind eine gute Obergrenze, angeblich eine Größe, wo jeder noch jeden kennt. Da Kinder geboren werden, könnte man mit 100 starten.

Wie sollten die Häuser gestaltet sein? Für bewusst allein Lebende, Paare, Familien und solche, die in etwas größeren Gruppen oder WGs leben wollen?

Pflege dahoam, auf dem grauen Markt, da ist der Tausi pro Monat schnell weg, mit Deutschkenntnissen 1500 – 2000 Euro. Oberhalb dessen beginnt der Heimplatz, 2000 - 3000 Euro/Monat sind nicht unrealistisch, da ist das sauer Ersparte schneller verbrannt, als man „Schade“ sagen kann.

10.000 Euro sind in allen Fällen in einem Jahr verbraten. Wenn hundert Leute das einbringen, ist das schon mal eine Million. In eine Gemeinschaft, prinzipiell für jeden, sofern man bereit ist, sich einzubringen. Dann kann man den Einfluss des Geldes etwas kleiner dimmen. Zu viel Geld sollte man nicht einbringen, damit a) jemand der sich wieder abwendet, keinen großen Schaden anrichten kann und/oder b) kein Ungleichgewicht entsteht, indem sich jemand nicht einbringt, weil er ja viel gezahlt hat. Also eventuell eine Obergrenze einziehen?

Einbringen kann man sich Koch, Elektriker, Arzt, Tischler, Kunsthandwerker, IT-Spezialist, Musiker, Bauer … ja wen braucht man eigentlich in jedem Fall? Was soll jeder einbringen? Gut wäre, wenn sich alle unter einander helfen. Was, wenn das einer nicht mehr kann, wie wird das geregelt? Was ist eine gute Altersmischung? Wenn alle fitte 65-Jährigen und dann plötzlich 85 sind, guckt man in die Röhre. Also Segmente mit Altersgruppen?

Wird so was eher oder auch gefördert, wenn man z.B. etwas Förderungswürdiges draus macht, oder kriegt man tendenziell von allen Seiten Probleme bereitet? Sollte man versuchen dort eigenes Geld zu verdienen? Vielleicht das Projekt medial begleiten lassen oder eine eigene YouTube Serie draus machen?

Werft mal bitte lockere Ideen in die Runde. Ist noch die Brainstorming-Phase, alles ist erlaubt, gesiebt wird später.

13:03 17.01.2021
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