Unternehmen Europa GmvH

Gedankenspiel Wirft man einen unternehmerischen Blick auf die EU entsteht das gedankliche Modell einer „Gesellschaft mit verantwortlicher Haftung“, mit überraschenden Lösungsansätzen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wenn man in einem Projekt an einen Punkt kommt, wo man gar nicht mehr so recht weiter weiß, dann lohnt es sich, den Schreibtisch (und den Kopf) leer zu räumen. Mit etwas Abstand und ohne (selbst) auferlegte Sachzwänge kommt man dann häufig zu ganz überraschenden neuen Gedanken, Ideen und Lösungsansätzen. Machen wir das doch mal mit Europa, mit Griechenland, dem Euro und überhaupt.

Die Idee, die die Gründerväter der Europäischen Union einst hatten und die man auch heute noch auf den offiziellen Internetseiten der EU lesen kann, war und ist ziemlich groß: Ein Zusammenschluss demokratischer europäischer Länder soll sie sein, die sich der Wahrung des Friedens und dem Streben nach Wohlstand (aller Mitglieder!) verschrieben haben. Die EU versteht sich nicht als ein neuer Staat, der an die Stelle bestehender Staaten tritt, doch aber als mehr als alle sonstigen internationalen Organisationen. Trotz Erhaltung der einzelstaatlichen Souveränität sollen gemeinsame Organe eingerichtet werden, die überstaatliche Kompetenzen erhalten und in bestimmten Angelegenheiten demokratische Entscheidungen von gemeinsamem Interesse auf europäischer Ebene treffen können.

Gedankliches Modell für eine gemeinsame Vision

Betrachten wir die EU als ein Unternehmen, dann ergibt sich folgendes Bild: Ein Konzern mit derzeit 27 Abteilungen (den Mitgliedsländern). Frau Merkel ist in der Abteilung Deutschland Abteilungsleiterin und Monsieur Hollande in Frankreich. Die mehr als 500 Millionen Menschen, die in den 27 Abteilungen leben und arbeiten, könnten wir als Angestellte oder Mitarbeiter betrachten. Unterstellen wir jedoch einmal, dass die Gründung und die Idee der EU eine gemeinsame Entscheidung aller (damals lebenden) Menschen war, dann waren sie einst alle Mit-Unternehmensgründer. Und alle heute in der EU lebenden Menschen wären automatisch Mit-Unternehmer.

Mit-Unternehmer tragen ein Mit-Unternehmer-Risiko und eine Mit-Unternehmer-Verantwortung. Und – Unternehmer zahlen sich für ihre Mitarbeit im eigenen Unternehmen einen Grund-Unternehmerlohn. Das wirft, ganz nebenbei, auch gleich ein ganz neues Licht auf das leidenschaftlich-kontrovers diskutierte Thema Bedingungsloses Grundeinkommen.

Versetzen wir uns also kurz in die Rolle eines Unternehmers (Mit-Unternehmers). Was wäre unser oberstes Ziel – neben der so beliebten Gewinnoptimierung? Doch sicher die Erhaltung unseres Unternehmens, als Ganzes. Als guter Unternehmer tragen wir schließlich auch Verantwortung für alle Mitarbeiter, besonders, wenn sie gleichberechtigte Mit-Unternehmer sind. Und ein Unternehmen wird kaum dauerhaft erfolgreich sein, wenn jedeR Mit-UnternehmerIN und AbteilungsleiterIN nur an sich oder die eigene Abteilung denkt und nicht kooperativ für alle.

Und was hat jedes anständige Unternehmen noch? Eine Firmenkasse. Über diese fließen ein Teil der Gewinne zurück ins Unternehmen – für die Betriebsrenten, fürs Marketing, für Energie und Abwasser, Instandhaltung und Modernisierung, für Investitionen, für schlechte Zeiten, für die Anteilseigner usw. Hat die EU eine ordentliche Firmenkasse ? Wenn das so wäre, ergäben sich ganz neue Perspektiven. Sie meinen, die haben wir doch mit der EZB schon? Mitnichten.

Einmal angenommen, Sie erwirtschaften mit Ihrer Firma Gewinne und bilden davon Rücklagen in Ihrer Firmenkasse, damit Sie neu investieren können, ohne auf Fremdkapital angewiesen zu sein (Ja, ja, ich weiß, "gute" und "schlaue" Unternehmer investieren mit Fremdkapital und Schulden, da das steuerlich günstiger ist, aber dennoch. Stellen wir uns einfach Herrn Grupp von der Firma "Trigema" vor, der wirtschaftet nur mit Eigenkapital, sagt er). Da bricht plötzlich der Markt für Ihr Produkt ein. Und weil Ihre Marketingabteilung nicht aufgepasst hat, werden Sie kalt erwischt und müssen, damit Sie über die Runden kommen, auf Ihre Rücklagen in der Firmenkasse zurückgreifen. Wenn Sie dann das Geld von Ihrem Konto nehmen, würden Sie sich selber dafür Zinsen zahlen? Wohl eher nicht, wäre ja auch ein abwegiger Gedanke.

Übertragen wir das Bild nun wieder auf die EU und setzen als Namen für die Marketingabteilung Griechenland ein, das als gesamte Abteilung gepennt hat oder zumindest schlecht gewirtschaftet, aus welchen Gründen auch immer. Warum, bitte schön, muss dann Griechenland für das Geld, das wir als Gesamt-EU-Unternehmen dieser einen Abteilung aus unserer EU-Firmenkasse zuschießen, Zinsen zahlen? Das macht doch auch keinen Sinn.

Das Problem ist die fehlende Firmenkasse

Im Moment ist es doch so, dass einige Nachbarabteilungen (allen voran Deutschland) Griechenland aus ihren eigenen Abteilungskassen (virtuell) unterm Tisch Geld rüber schieben und im Stillen hoffen, dass gerade keine Ratingagentur hinschaut. Aber da in unserem Unternehmen immer alle Türen offen stehen und irgendjemand nie den Mund halten kann, kriegen die das natürlich ganz schnell spitz und werten diese Abteilung ab. Das schadet aber dem EU-Unternehmen als Ganzes.

Hätten wir eine gemeinsame EU-Firmenkasse, in die jeder einzelne Mit-Unternehmer, Sie und ich, jedes Profitcenter (also jeder unternehmerisch Tätige) in jeder Abteilung und auch jede Abteilung als Ganzes anteilig regelmäßig einzahlen würden, käme die Unterstützung von allen, und nicht nur von Wenigen. Denn wenn immer nur Wenige zahlen ist doch absehbar, dass sich diese irgendwann beschweren, warum denn immer nur sie ständig anderen unter die Arme greifen sollen. Das liegt doch bei unserer sensiblen Seelenstruktur auf der Hand. Einmal abgesehen davon, dass unsere Abteilung Deutschland exportmäßig ganz prächtig zu Lasten der anderen Abteilungen lebt.

Das Interessante an diesem gedanklichen Ansatz ist folgendes: Unser EU-Unternehmen floriert, wenn alle Abteilungen, also Mitgliedsländer, gut wirtschaften und ihren Umsatz-Anteil in die Firmenkasse leisten, aus der u.a. der Grund-Unternehmerlohn für alle beglichen wird (über die Abteilungen). Wenn dann eine Abteilung in Schieflage gerät und Zahlungen in die Firmenkasse nachlassen, debattieren wir nicht mehr über Kredite und Schulden sondern haben alle ein gemeinsames Interesse daran, die Wirtschaftsleistung der Abteilung wieder zu stärken. Sprich: Investieren, neue Firmen (Profitcenter) zu gründen, und nicht über dubiose Bankenkanäle Gelder und Kredite in die undefinierbaren Abteilungskassen zu schütten und als Schulden zu deklarieren.

Dieser Ansatz würde vielleicht zu zwei miteinander verbundenen Finanzkreisläufen führen: Den einen bildet die EU-Firmenkasse. Er wird genährt durch Steuern und Abgaben und zahlt den gemeinsamen Grund-Unternehmerlohn und finanziert abteilungsübergreifende Aufgaben. Den anderen Kreislauf bildet unser heutiges Banken-, Aktien- und Finanzsystem, in dem die Wirtschaft spielt und am Laufen hält. Das eine System funktioniert nicht ohne das andere. Aber es gleicht naturgegebene Schwankungen zwischen den einzelnen Abteilungen aus, da das Geld aus allen Abteilungen in die Firmenkasse fließt.

Und wie war das doch gleich mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen als Grund-Unternehmerlohn mit bestimmten Bedingungen? Genau genommen gibt es den ja (in Deutschland) schon, wenn auch unter falschem Namen und zweifelhaften Bedingungen: Hartz 4.

Funktioniert so alles nicht? Mag sein, denn Europa ist ja nicht allein auf der Welt. Dann spielen und denken wir doch einfach noch größer und gründen das Unternehmen Erde GmvH, mit seinen fünf Konzernbereichen (den Kontinenten), rund 200 Abteilungen (Ländern) und über 7 Milliarden Mit-Unternehmern. Alles, was im EU-Bild scheinbar nicht funktioniert, ist auf der größeren Ebene auflösbar – wenn wir global denken. Das sollten wir deshalb auch in der EU tun.

Gedanken aus dem BlogBuchProjekt Unternehmen Erde GmvH:

über die Erde als globales Unternehmen. Eine neue Sicht auf unsere Welt. Visionär hart an der Realität.

19:46 16.07.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

WilliamB

Schreiber 0 Leser 0
WilliamB

Kommentare